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Parodontose und Parodontitis
Einleitung
Die Parodontologie ist ein relativ junger Zweig der Zahnmedizin. Sie befasst sich mit den Ursachen, dem Verlauf, der Prophylaxe und der Therapie von Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Sie ist heute eine eigenständige Fachrichtung, nachdem sie vorher der konservierenden Abteilung angeschlossen war.
Historie
In den Medien und der Werbung wird immer von Parodontose gesprochen und auch im Volksmund ist die Bezeichnung Parodontose ein Begriff. Diese ursprünglich für alle Zahnbetterkrankungen eingeführte Bezeichnung hat sich im Laufe der Jahre fest eingebürgert und ist aus dem Wortschatz nicht mehr wegzudenken. Medizinisch gesehen bezeichnet die Parodontose nur eine seltene Form der Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Eine viel größere Rolle spielt in ihrer Bedeutung die Parodontitis. Sie ist von allen Zahnbetterkrankungen die weitaus häufigste. So ist fast immer, wenn von Parodontose die Rede ist, die Parodontitis gemeint. Parodontitis und Parodontose sind zwei sehr unterschiedliche Erkrankungen, die verschiedene Ursachen, Verläufe und Therapien haben. Gemeinsam ist beiden nur, dass sie ohne Behandlung letztendlich zum Zahnverlust führen.
Parodontose
Die Parodontose ist, wie man aus der Endung –ose erkennen kann, ein fortschreitender, degenerativer Prozess. Im Gegensatz zur Parodontitis liegt der Anteil unter allen Erkrankungen des Zahnhalteapparates bei der echten Parodontose unter 5%. Die Ursache ist noch nicht geklärt, man vermutet genetische Veranlagungen. Typisch ist der symmetrische, gleichmäßig starke Befall des gesamten Gebisses. Lockerungen der Zähne treten erst spät auf. Röntgenologisch (siehe auch: Röntgen) ist der horizontale Knochenabbau nachweisbar. Dieser Knochenverlust kann auch im Alter physiologisch sein. Sicher ist jedoch, dass es sich nicht um eine durch Bakterien verursachte Erkrankung handelt. Es tritt auch keine Blutungsneigung auf. Bei der Parodontose kommt es zu einem horizontalen Rückgang des Kieferknochens, dem das Zahnfleisch folgt. Daher gibt es bei der Parodontose keine Zahnfleischtaschen. Da keine Entzündungen vorliegen, erkennt man die Erkrankung nur an dem „ Herauswachsen“ der Zähne. Auch fehlen Schmerzen, sodass der Prozess des Knochenabbaus nur sehr spät bemerkt wird. Das Röntgenbild sichert jedoch die Diagnose. Die Zähne verlieren durch den Verlust an Knochensubstanz nach und nach ihren Halt, lockern sich und fallen letztendlich aus oder werden entfernt. Der Knochenabbau hört mit der Entfernung der Zähne auf.
Parodontitis
Im Gegensatz zur Parodontose ist die Entstehung und der Verlauf der Parodontitis völlig anders. Die Endung –itis zeigt, dass es sich um einen entzündlichen Prozess handelt. Aus einer Gingivitis, der Zahnfleischentzündung, kann sich eine Parodontitis entwickeln. Wenn sie vom Zahnfleischrand aus beginnt, wird sie als Parodontitis marginalis bezeichnet. Der Knochenabbau erfolgt hierbei meist horizontal. Im Gegensatz dazu kann auch von der Wurzelspitze eines nervtoten Zahnes eine Parodontitis ausgehen, man bezeichnet sie dann als Parodontitis apicalis. In diesem Fall wird der Knochen vertikal abgebaut. Verantwortlich für die Entzündungsreaktion ist der bakterielle Zahnbelag. Die darin enthaltenen Bakterien lösen eine Entzündungsreaktion des Gewebes aus, die ohne Behandlung immer weiter in Richtung der Zahnwurzel schreitet und schließlich auch den Kieferknochen erfasst und zu dessen Zerstörung führt. Der Knochenabbau erfolgt hier im Gegensatz zur Parodontose vertikal.
Symptome der Parodontitis
Die Symptome sind eindeutig. Beim Zähneputzen oder auch spontan kommt es zum Zahnfleischbluten, jedoch nicht zu Schmerzen. In diesem Stadium liegt noch keine Parodontose vor, sondern es handelt sich erst um eine Gingivitis. Ohne Behandlung dringen Bakterien in das Zahnfach vor und zerstören die Fasern, die den Zahn mit dem Knochen verbinden. Es handelt sich dabei um sogenannte fakultativ lebende Bakterien, d.h. die Erreger können sowohl in Anwesenheit von Sauerstoff als auch unter Abschluss von Sauerstoff existieren. Neben anderen Bakterien spielt der A. actinomycetemcomitans eine entscheidende Rolle. Durch die Schwellung des entzündeten Zahnfleisches entstehen Zahnfleischtaschen in denen sich Speisereste und Beläge sammeln. Dies ist auch die Ursache für üblen Mundgeruch. Die Beläge in den Taschen können verkalken, dadurch kommt es zur Konkrementbildung, eine Art Zahnstein, auf dessen rauher Oberfläche sich weitere Beläge gut anheften können. Geht der Prozess weiter, so wird auch der Knochen angegriffen und abgebaut. Der Zahn verliert nun den Halt und fällt letztendlich aus. Dieser Vorgang kann sich als chronischer Verlauf über längere Zeit hinziehen. Er verläuft meistens in Schüben, sodass es auch immer wieder zum Stillstand der Zerstörung des Halteapparates kommt. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch einen aggressiven Verlauf, bei dem es sehr schnell zum Zahnverlust kommt. Diese Form der Parodontitis tritt vorwiegend bei Jugendlichen auf, während die mehr langsam verlaufenden Erkrankungen bei älteren Personen anzutreffen sind. Es kann nur ein einzelner Zahn betroffen sein oder auch generalisiert ganze Zahngruppen erfassen.
Diagnose
Die Diagnostik beruht auf der Messung der Taschentiefe mittels einer speziellen Parodontalsonde. Dadurch kann der Verlust des Attachments, also der Knochenanhaftung, bestimmt werden. Die Erhebung und Bestimmung von Parodontalindices ist eine weitere Möglichkeit die Schwere der Erkrankung festzustellen. Des weiteren kann man aus dem Grad der Beweglichkeit der Zähne erkennen, dass es sich um einen parodontalen Prozess handelt, und wie weit er fortgeschritten ist. Eine Röntgenaufnahme gibt schließlich den eindeutigen Nachweis.
Therapie / Behandlung
Die Behandlung der Gingivitis und der Parodontitis beginnt mit der sorgfältigen Entfernung der Zahnbeläge und der Konkremente um die Bakterien auszuschalten. Dies kann im Anfangsstadium noch mit der häuslichen Mundhygiene geschehen. Ist der Prozess aber schon fortgeschritten, muss eine professionelle Reinigung durch den Zahnarzt erfolgen. Dies gilt besonders dann, wenn es bereits zur Taschenbildung gekommen ist.
Die Behandlung der Taschen bis zu einer Tiefe von 5mm können durch eine Kürettage ohne direkte Sicht durch Entfernung aller Beläge und Konkremente saniert werden. Über 5mm Taschentiefe erfolgt die Säuberung der Tasche unter Sichtbedingungen. Dabei muss die Tasche geöffnet werden. Neben der Ausräumung der Tasche wird auch die Zahnwurzel gereinigt und geglättet. Um letzte Reste der Bakterien zu entfernen können Spülungen - zum Beispiel mit Chlorhexidindigluconat - erfolgen. Wenn das Zahnfach gesäubert ist, kommt die Parodontitis zum Stillstand. Leider aber kann der alte Zustand nicht vollständig wiederhergestellt werden, aber ein Fortschreiten ist unterbunden, und der Zahn kann erhalten werden.
Um den Knochendefekt bei einzelnen Zähnen wieder aufzufüllen, hat man die Möglichkeit mit geeigneten Füllstoffen die Lücke zu schließen. Eine Wiederherstellung der Verbindungsfasern ist jedoch nicht möglich. Auch wächst der Knochen durch Behandlung nicht wieder hoch.
Prophylaxe
Vor und nach der Sanierung einer Parodontitis sollte eine ständige Nachkontrolle durch den Zahnarzt erfolgen. Sehr wichtig ist dabei die Mitarbeit des Patienten. Dieser muss eine sorgfältige Mundhygiene durchführen, um die Zahnbeläge, die sich immer wieder bilden, zu entfernen. Dazu bekommt er vom Zahnarzt die nötige Anleitung. Befolgt der Patient die Instruktionen, sollte es möglich sein, weiteres Auftreten von Parodontitis zu vermeiden und damit die Risiken einer erneuten Erkrankung zu senken.
Auswirkungen
Bei der Parodontitis steht das entzündete Gewebe in Verbindung mit dem Gesamtorganismus. Dadurch können Krankheitserreger von der Zahnfleischtasche auch in andere Körperregionen verschleppt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzerkrankungen, insbesondere Herzinfarkt, gibt. In diesem Zusammenhang stehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Zuckerkrankheit und Übergewicht. Auch aus diesen Gründen ist eine Behandlung der Parodontitis dringend notwendig. Um die Gefahr einer Keimverschleppung zu vermeiden, ist es ratsam, bei der chirurgischen Sanierung von Zahnfleischtaschen eine Behandlung mit Antibiotika vorzunehmen.
Zusammenfassung
Parodontose und Parodontitis sind zwei, bezüglich ihrer Entstehung, ihres Verlaufs, der Symptomatik und Therapie sehr unterschiedliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Beide führen jedoch ohne Behandlung letztendlich zum Zahnverlust. Die Häufigkeit der Erkrankungen liegt eindeutig auf Seiten der Parodontitis. Die Parodontitis kann durch professionelle Therapie / Behandlung zum Stillstand gebracht werden.
Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist leider nicht möglich.
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