Pigmentstörung

Synonyme

Hyper- / Hypo- / Depigmentierung, Weißfleckenkrankheit, Vitiligo

Englisch: pigment disorder

Lesen Sie auch:


Definition

Pigmentstörung

Unter dem Begriff Pigmentstörung werden viele Krankheiten zusammengefasst, die durch die gestörte Bildung von den Farbpigmenten der Haut zu einem veränderten Hautbild führen. Die gewöhnliche Pigmentierung kommt durch bestimmte Zellen der Oberhaut (Epidermis) zustande, die man Melanozyten nennt.
Diese bilden das bräunlich-schwarze Farbpigment Melanin, wozu sie durch Sonnenlicht angeregt werden. Dieses Pigment soll verhindern, dass UV-Licht in die tieferen Hautschichten eindringen kann und dient so der Haut als Schutz. Von einer Pigmentstörung spricht man, wenn diese Synthese aus irgendeinem Grund nicht auf angemessene Weise stattfindet und örtliche oder auch großflächige Farbveränderungen auftreten. Dabei unterscheidet man zwei verschiedene Formen der Pigmentstörung.

  1. Zum einen die Hyperpigmentierung, bei der ein Überschuss an Melanin vorliegt (Hypermelanose) und zum anderen
  2. die Hypopigmentierung, bei der ein Mangel an Melanin besteht (Hypomelanose) und von der es noch die Sonderform der Depigmentierung gibt, bei der das Melanin vollständig fehlt.

Die wichtigsten Pigmentstörungen, die mit einer Hyperpigmentierung einhergehen sind Sommersprossen, Altersflecken und Melasmen, eine Hypopigmentierung tritt bei den Krankheitsbildern von Albinismus und Vitiligo auf. Wie aus den oben genannten Beispielen ersichtlich, haben nicht alle Pigmentstörungen einen wirklichen Krankheitswert.

Epidemiologie

Die unterschiedlichen Formen der Pigmentstörungen kommen unterschiedlich oft und in unterschiedlichen Personengruppen gehäuft vor. So sind Sommersprossen zum Beispiel eher bei jüngeren, Altersflecken hingegen erst bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr zu finden. Melasmen findet man vermehrt bei Frauen, die anderen Störungen scheinen kein bestimmtes Geschlecht zu bevorzugen. Die Erkrankung, die man klassischerweise als Pigmentstörung bezeichnet, nämlich die Weißfleckenkrankheit, kommt bei ungefähr 0,5 bis 2 % der Weltbevölkerung vor. In der weißen Bevölkerung kommt auf 20.000 Einwohner etwa ein Mensch mit Albinismus.

Ursachen

Die Ursachen für Pigmentstörungen sind mindestens genauso vielfältig wie die verschiedenen Krankheitsbilder, die sie auslösen können und zum Teil auch noch nicht endgültig geklärt. Zum Teil müssen auch mehrere Faktoren aufeinander treffen, um eine Veränderung der Haut zu bewirken. Verantwortlich für eine Pigmentstörung können unter anderem sein: erbliche Faktoren, mechanische Reizungen (wie zum Beispiel Druck oder Reibung), thermische Belastungen (Hitze oder Kälte), bestimmte Medikamente, Kosmetika oder auch hormonelle Veränderungen, wie zum Beispiel Umstellungen des Hormonhaushalts durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder während der Schwangerschaft.

Eine Pigmentstörung in Form der Hyperpigmentierung kann entweder dadurch entstehen, dass vermehrt Melanin gebildet wird oder dadurch, dass sich das Melanin gehäuft in der Haut ablagert, was beides dazu führt, dass sie an den betroffenen Stellen dunkler aussieht. Es gibt einige Auslöser, die die Melanozyten dazu anregen können, massiv Melanin zu produzieren oder sich durch Zellteilung zu vermehren. Dazu gehören unter anderem UV-Strahlung, Hormone oder spezielle Arten von Entzündungen. So gibt es zum Beispiel die sogenannte postinflammatorische (nach einer Entzündung) Hyperpigmentierung, die die Folge von entzündlichen Hauterkrankungen sein kann und oft mit einer Schuppenflechte oder einem Ausschlag einhergeht und auch noch Monate nach der Entzündung vorhanden sein kann.

Der Grund für eine Hypopigmentierung liegt darin, dass der Melaningehalt vermindert ist, was durch eine herabgesetzte Melanozyten-Anzahl oder eine heruntergefahrene Melanin-Produktion passieren kann. Bei der Depigmentierung fehlt dieses Farbpigment völlig. Die Ursache dafür kann eine Zerstörung der Melanozyten sein, wofür zum Beispiel extreme Kälte, Röntgenstrahlung, diverse giftige Substanzen oder auch Entzündungen in Frage kommen. Eine Hypopigmentierung kann auch die Folge einer gestörten Weiterleitung von Melanin an die hornbildenden Zellen der Oberhaut sein, wozu es zum Beispiel durch entzündliche Vorgänge wie die Schuppenflechte oder Neurodermitis kommen kann.

Bei der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) werden die Melanozyten wahrscheinlich durch einen Autoimmunprozess (also durch eine unangemessene Abwehrreaktion vom eigenen Immunsystem) zerstört. Der Albinismus stellt eine angeborene Störung dar, bei der sich gar keine Melanozyten ausbilden.

Diagnose

Die Diagnose einer Pigmentstörung kann vom Arzt oder auch eigenständig meist bereits dadurch gestellt werden, dass man betroffenen Stellen betrachtet, da das äußere Erscheinungsbild von Pigmentstörungen in der Regel sehr charakteristisch für die einzelnen Formen ist. Dazu kommt die Erfragung der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese), was häufig das Finden oder auch das Absichern eines Ergebnisses erleichtert. Hierbei spielt zum Beispiel die Familienanamnese eine wichtige Rolle, um genetisch bedingte Erkrankungen wie zum Beispiel die Weißfleckenkrankheit diagnostizieren zu können. Im Zweifelsfalle kann der Arzt zusätzlich eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen.

Prognose

Der Verlauf der verschiedenen Arten der Pigmentstörungen variiert erheblich. Wie sie sich weiterentwickeln, hängt sowohl von ihrer Ursache als auch ihrer Ausprägung ab. Die Symptomatik des Albinismus bleibt zum Beispiel ein Leben lang erhalten, da diese Krankheit genetisch festgelegt ist. Sommersprossen hingegen können mehr oder weniger kommen und gehen, sehr häufig bilden sie sich, zumindest teilweise, im Erwachsenenalter von allein zurück. Die Weißfleckenkrankheit zeigt im Gegensatz dazu eher einen fortschreitenden Verlauf: Die Flecken werden zahlreicher und größer und können zu großflächigen Herden verschmelzen. In seltenen Fällen wird davon berichtet, dass sich die Symptome spontan zurückbilden (Repigmentierung).

Zusammenfassung

Bei einer Pigmentstörung ist die Bildung von Farbpigmenten gestört, was dazu führt, dass die Haut an bestimmten Stellen entweder stärker oder schwächer gefärbt ist. Je nach Ursache (genetisch bedingt oder durch äußere Einflüsse) unterscheiden sich die verschiedenen Arten in ihrer Form und Ausprägung.
Gemeinsam ist jedoch allen Pigmentstörungen, dass sie entweder gar keinen oder einen nur sehr geringen Krankheitswert haben. Patienten sind in ihrem normalen Leben eigentlich nicht weiter eingeschränkt, bis auf die Tatsache, dass sie sich eventuell vermehrt um Sonnenschutz kümmern müssen oder die äußerlich sichtbaren Veränderungen als seelisch belastend empfinden. Für solche Fälle gibt es einige Mittel, die die Hautfarbe wieder normalisieren können und so den Leidensdruck der Betroffenen lindern.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.05.2012