Synonyme

  • Dorsalgie (lat.Dorsum- der Rücken; griech. Algos- der Schmerz)
  • Lumbalgie / Lumbago (lat. Lumbus- Lende; deutsch auch Hexenschuss), wenn die Lenden-Kreuzbeinregion betroffen ist

Englisch: chronic back pain, lower back pain

Einleitung

Rückenschmerzen haben sich mittlerweile zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. Sie sind mit der häufigste Grund neben Infektionskrankheiten einen Arzt aufzusuchen. So vielfältig die Ursachen sein können, steht man bei der Behandlung doch meistens vor einem Rätsel. In den meisten Fällen sind Patienten mit Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen

Definition

Wirbelsäule im Körper

Rückenschmerzen sind Schmerzzustände, die in den verschiedenen Abschnitten des Rückens auftreten können.
Nach ihrer vorherrschenden Häufigkeit lassen sie sich in verschiedene Grade einteilen.
Akute Rückenschmerzen treten entweder erstmalig, plötzlich auf oder nach einer Pause von mindestens sechs Monaten wieder auf. Sie sollten nicht länger als drei Monate anhalten.
Hingegen nehmen chronische, andauernde Rückenschmerzen den größten Teil des Alltags ein und bestehen länger als drei Monate. Die Beschwerden können wiederkehren oder auch nur zeitweilig sein.
Weiter kann man Rückenschmerzen nach ihrer Qualität auch in einen radikulären und pseudoradikulären Schmerz unterscheiden.
Der radikuläre Schmerz (radicula – die Wurzel) geht dabei von einer Kompression der Nervenwurzel, wie es bei einem Bandscheibenvorfall der Fall ist, aus. Der pseudoradikuläre Schmerz (scheinbar radikulärer) entsteht durch Veränderungen der kleinen Gelenke der Wirbelsäule.

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Häufigkeit

Ca. 60-80% aller Frauen und in etwa 65-70% aller Männer leiden zumindest teilweise unter Rückenschmerzen.
Bei über der Hälfte besteht ein Zusammenhang mit ihrem Beruf. Über 75% der Beschwerden lassen sich im Lendenbereich lokalisieren. Der Lendenwirbelsäule mit ihren fünf Wirbeln schließt sich das Kreuzbein an, welches gelenkig mit dem Becken verbunden ist.
Betreffen die Schmerzen dieses Gelenk, so spricht man von „Kreuzschmerzen“ (iliosakrale Beschwerden) oder nach dem lateinischen Namen des Gelenks – Iliosakralgelenk - auch „Iliosakral-(ISG-)syndrom“. 
Bei 25% der Patienten gehen die Rückenschmerzen von der Hals-Nacken-Region aus. Die Verteilung von Bandscheibenvorfällen folgt der Häufigkeit der Lokalisation der Schmerzen. Im Lendenbereich sind sie also vermehrt anzutreffen.
Kur- und Invaliditätsanträge werden in Deutschland in über 60% der Fälle aufgrund von Rückenschmerzen gestellt und erzeugen Kosten von etwa 49 Milliarden Euro.

Symptome

Anfangs nehmen viele Betroffen die ersten Anzeichen oder Beschwerden

  • Anspannung
  • Abgeschlagenheit
    und
  • Morgensteifigkeit des Rückens oder der Gelenke

nicht ernst, ignorieren sie oder versuchen sich durch verschiedene Gegenmaßnahmen und Schonhaltungen Linderung zu verschaffen.

Dies führt aber genau zum Gegenteil und verschlimmert die Situation zumeist noch. Fehlhaltungen und zunehmende Schmerzen folgen. Wichtig  ist, dass sich jeder einzelne genau beobachtet und sich zum Beispiel folgende Fragen stellt:

  • „In welchen Situationen habe ich Rückenschmerzen?“
  • „Wie oft und wann genau treten sie auf?“
  • „An welcher Stelle habe ich Rückenschmerzen?“
  • „Wie ist dieser Schmerz und wie lange dauert er an?“

Jeder Arzt wird aber auch in einer gezielten Schmerzanamnese nach diesen Gegebenheiten fragen. Das ist besonders wichtig, um die Ursache für die Rückenschmerzen herauszufinden und eine gezielte weitere Diagnostik und die Therapie der Rückenschmerzen einzuleiten.


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Diagnose

Am Anfang jeder Diagnosestellung der Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule steht die individuelle Anamnese (Krankheitsgeschichte) eines Patienten.
Ziel dieser Detektivarbeit des Arztes ist es, einen Überblick über die aktuellen Beschwerden zu bekommen.
Gezielte Fragen nach:

  • Lokalisation und vielleicht  Ausstrahlung der Schmerzen in andere Bereiche, wie zum Beispiel der Beine
  • Qualität und Intensität der Beschwerden und zeitliches Auftreten
    sowie
  • mögliche Verstärkung oder Abschwächung des Schmerzes durch bestimmte Umstände

sind zwingend nötig.

Nicht weniger wichtig sind die Fragen nach Vorerkrankungen. In unserem Fall sollte der Behandelnde nach Begleitkrankheiten wie Osteoporose (Knochenschwund) oder Arthrose (Gelenkverschleiß) fragen.
Weiterhin wird nach sozialen Gegebenheiten wie Beruf, Partnerschaft, Familie und belastenden Situationen gefahndet.

Nach diesem gründlichen „Interview“ folgt die körperliche Untersuchung, die erste Aufschlüsse liefern kann.
Von außen ersichtlich sind beispielsweise:

Zusätzlich werden:

  • Muskelkraft
  • Reflexe
  • Berührungsempfindungen (Sensibilität)
    und
  • die Beweglichkeit der Gelenke insbesondere die der Wirbelsäule

überprüft.
Sollten diese Maßnahmen nicht genau die Ursache der Rückenschmerzen aufdecken, stehen zusätzlich technische Methoden wie:

zur Verfügung.

Therapie

Was ist zu tun, wenn der Rücken schmerzt, Muskeln verspannt sind und die Beweglichkeit im Alltag stark eingeschränkt ist?
Grundsätzlich richtet sich jede Therapie der lumbalen Wirbelsäule nach der Ursache des Leidens. Sollte also eine organische Ursache gefunden werden, so ist diese in erster Linie zu behandeln. Rückenschmerzen entstehen häufig durch Dysbalancen der Muskulatur im Rumpfbereich. Bei vielen Patienten treten Rückenschmerzen aber in Episoden auf und erfordern schnelles und gezieltes Handeln.  Eine gezielte Diagnose dieser Dysbalancen mit darauffolgenden Training der Rumpfmuskulatur hilft in den meisten Fällen um Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen.
Folgende Methoden stehen jedem einzelnen als Möglichkeiten offen:

Wärme lindert in vielen Fällen akute Schmerzen. Wärmeanwendungen haben sich besonders bei Muskelverspannungen bewährt.
Hier reicht das Spektrum von:

  • Bädern
  • Umschlägen
  • Wärmepackungen
  • Pflastern
    bis hin zu
  • Saunabesuchen

Schmerzmittel können bei stressbedingten Rückenschmerzen akut die Schmerzen lindern, allerdings beheben sie nicht die eigentliche Ursache.
Jedoch sind Schmerzmittel eine erste Wahl und Alternative, wenn eine Operation nicht zwingend erforderlich ist.
Eingesetzt werden vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Sie lindern akute Schmerzzustände und hemmen Entzündungen. Das kann besonders hilfreich sein, wenn die Schmerzen Schonhaltungen und damit Verspannungen der Muskeln hervorrufen.
Durch die Schmerzlinderung ist eine einigermaßen normale Haltung und Beweglichkeit gegeben, mögliche Entzündungen heilen zudem ab und der Patient erfährt schnell Beschwerdefreiheit. 
Bei chronischen Rückenschmerzen haben sich aber andere Methoden, wie die Akupunktur oder  verhaltenstherapeutische Maßnahmen bewiesen. Eine dauerhafte Gabe von Schmerzmitteln kann nämlich eine immer höhere Dosis erfordern, wenn sich der Körper daran gewöhnt, und so schnell in einer Abhängigkeit enden.
Interessant sind Studien zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen mit Akupunktur zu verfolgen. Hier scheint sich ein deutlich höherer Therapieerfolg gegenüber der konventionellen Therapie mit Schmerzmitteln und begleitender Krankengymnastik in zudem kürzerer Behandlungszeit zu zeigen.
Dennoch ist die Physiotherapie/ Krankengymnastik oder speziell die Rückenschule das Mittel der Wahl für einen gezielten Muskelaufbau des Rückenbereichs und zum Lösen von Verspannungen. Geschult werden Alltagsbewegungen, rückengerechtes Heben, Stehen, Gehen und Sitzen.
Experten empfehlen besonders sportliche Aktivitäten und viel Bewegung, die den Rücken nicht belasten. Sehr geeignet sind Schwimmen, vor allem Kraulschwimmen und längere Spaziergänge.
Operationen werden nur in den seltensten Fällen durchgeführt. Häufige Indikation sind schwere Bandscheibenvorfälle. Neben den großen offenen Operationen wendet man auch Verfahren an, die einen kleineren Eingriff erlauben (sog. minimalinvasive Verfahren) – vor allem bei weniger schwer wiegenden Fällen. Beispiele für minimalinvasive Verfahren sind chemische Auflösung der Bandscheibe durch Enzyme (Chemonukleolyse), Verdampfung von Teilen der Bandscheibe mittels Laser und Wirbelsäulenchirurgie mittels Endoskopie (mithilfe eines röhrenförmigen Systems, in dem eine Kamera eingebaut ist (Endoskop), kann der Arzt Hohlräume des Körpers sehen und Störungen behandeln).
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Prognose

Bei der Mehrheit der Menschen mit Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule zeigt sich eine gute Prognose. In über der Hälfte der Fälle verschwinden die Schmerzen innerhalb einer Woche, nach zwei Wochen sind ca. 80 % der Patienten zumindest soweit genesen, dass sie ihre normale Tätigkeit wieder aufnehmen können. In über 60% der Fälle treten jedoch erneut Beschwerden auf.

Zusammenfassung

Starke Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule sind keine Seltenheit, nichts Außergewöhnliches und sollten dennoch niemals unterschätzt werden. Was als recht harmloser akuter Rückenschmerz begann (z.B. Morgensteifigkeit oder leichte Nackenverspannungen) kann sich zu einem chronischen, im schlimmsten Fall lebenslangen, Rückenschmerz entwickeln. Fazit ist, dass sich viele Symptome durch einfache Maßnahmen lindern und durch ein bisschen Eigeninitiative sogar vorbeugen lassen.

Wie kann ein jeder diesem Martyrium vorbeugen?
Nun der wichtigste Aspekt ist neben einer gesunden Lebensweise viel Bewegung, sportliche Aktivitäten und daneben ein ausgewogenes Maß an Entspannung.
Sollte ein Beruf ausgeübt werden, der mit besonders rückenbelastenden Tätigkeiten verbunden ist, wie Büroarbeit, schweres Heben auf Baustellen usw., empfiehlt sich eine Rückenschule, um die Muskulatur zu stärken und rückengerechtes Heben und berufsbedingte Verhaltensweisen zu erlernen.
Unbedingt sollte auch Übergewicht durch eine gesunde Ernährung vermieden werden. Zu viele Kilos belasten die Wirbelsäule und führen schnell zu Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012