Inhalt:
Schüttelfrost
Synonyme im weiteren Sinne:
Febris undularis, Muskelzittern
Englisch: chills, shivers, shivering, shivering attack
Definition

- Schüttelfrost
Schüttelfrost stellt keine Krankheit an sich dar, sondern kann ein Begleitsymptom von vielen anderen Krankheiten sein. Dieses Symptom ist definiert als ein Kältegefühl, das mit einem unwillkürlichen Muskelzittern einhergeht.
Die Muskeln ziehen sich in einer sehr schnellen Frequenz immer wieder zusammen und erschlaffen dann wieder, ohne dass der Betroffene etwas dagegen tun könnte. Normalerweise betrifft der Schüttelfrost vor allem die großen Muskeln, also Oberschenkelmuskulatur und Rückenmuskulatur, relativ regelmäßig sind auch die Kaumuskeln in den Vorgang involviert. Meistens dauert ein solcher Schub mehrere Minuten, wobei der Schüttelfrost intervallartig immer wieder stärker und schwächer wird. Da dieses Phänomen Schüttelfrost für den Körper eine große Anstrengung bedeutet, ist man nach einer Schüttelfrost-Attacke häufig so erschöpft, dass man direkt in tiefen Schlaf verfällt. So kann es passieren, dass ein Schub praktisch direkt in Schlaf übergeht.
Schüttelfrost sieht fast genauso aus, wie wenn jemand aufgrund großer Kälte anfängt zu zittern, um den Körper vor der Unterkühlung zu schützen. Durch das Zusammenziehen (Kontrahieren) der Muskulatur wird Wärme erzeugt. Wenn sich Anspannung und Entspannung so rasch abwechseln wie im Falle von Schüttelfrost, ist dies eine sehr effektive Methode, um die Körpertemperatur rasch wieder zu steigern. Die normale Körperkern-Temperatur liegt bei ungefähr 37°C. Ein gesunder Mensch ist durch seine Stoffwechselvorgänge und Muskelaktivität normalerweise in der Lage, diese Temperatur relativ konstant aufrechtzuerhalten.
Es gibt Überträgerstoffe im menschlichen Körper, die dafür sorgen, dass der „Sollwert“ für die Körpertemperatur sozusagen nach oben verschoben wird. Der Körper „denkt“ also plötzlich, dass er seine Temperatur auf 39 oder 40°C hochfahren muss, also versucht er, durch Muskelzittern Wärme zu produzieren. Nebenher wird auch der Stoffwechsel verändert und die Durchblutung gesteigert, um den neuen Sollwert zu erreichen.
Ursachen
Die Ursache für Schüttelfrost können die verschiedensten Krankheiten sein. In den meisten Fällen tritt Schüttelfrost allerdings im Rahmen von fieberhaften Infektionskrankheiten (siehe Fieber) auf. So ist der häufigste Grund für Schüttelfrost wahrscheinlich eine einfache Erkältung oder die Grippe.
Krankheiten, die außerdem häufig mit Schüttelfrost einhergehen, sind Lungenentzündungen (Pneumonie), Scharlach, Blut- und Pilzvergiftungen, Wundrose (Erysipel), Wundstarrkrampf (Tetanus), Typhus, Nierenbeckenentzündungen, Entzündungen der Nebenhoden oder Prostataentzündungen.
Schüttelfrost ist allerdings auch ein Symptom von diversen tropischen Krankheiten, die in Deutschland kaum noch vorkommen. Wenn man also nach einer Reise in tropische Länder, wie zum Beispiel Südamerika oder Afrika, einen Schüttelfrost entwickelt, sollte man dringend zum Arzt gehen. Dieser wird dann versuchen, Krankheiten wie Malaria, Milzbrand, Pocken, Gelbfieber oder Pest auszuschließen.
Eine weitere Erkrankung, die nur sehr selten ist, an die aber auch gedacht werden sollte, wenn ein Patient über Schüttelfrost klagt und sich keine der wahrscheinlicheren Möglichkeiten als Ursache bestätigen lässt, ist das akute Glaukom (also ein akut zu hoher Augeninnendruck).
Wenn man eine zu lange Zeit direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, kann dies zu einem Hitzschlag oder einem Sonnenstich führen. Diese Phänomene dauern zwar in der Regel nur sehr kurz an, zeigen aber als Begleitsymptom nicht selten einen Schüttelfrost.
Diagnose
Zunächst einmal führt der Arzt bei Vorliegen von Schüttelfrost eine ausführliche Anamnese durch. Das bedeutet, dass der Patient zu seinem Symptom eingehend ausgefragt wird. Der Arzt will zum Beispiel wahrscheinlich wissen, wie lange der Schüttelfrost schon besteht, ob es nebenbei auch noch irgendwelche anderen Beschwerden gibt und ob der Betroffene noch andere Erkrankungen hat. Außerdem fragt er in der Regel auch, ob vor kurzem eine Reise in ein tropisches Land stattgefunden hat, um zu wissen, ob er auch Krankheiten in Betracht ziehen muss, die in Deutschland eigentlich unüblich sind.
Im Anschluss an die Befragung findet dann eine körperliche Untersuchung statt. Im Rahmen von dieser Untersuchung schaut der Arzt, ob er am Körper irgendwelche offensichtlichen Entzündungsherde finden kann, außerdem hört er die Lunge ab und tastet die Lymphknoten ab (bei sehr vielen Entzündungskrankheiten sind die Lymphknoten angeschwollen). Danach hat sich in der Regel der Verdacht auf eine bestimmte Ursache für den Schüttelfrost schon so weit erhärtet, dass spezifischere Untersuchungen folgen können. Da der häufigste Grund eines Schüttelfrosts bakterielle Infektionskrankheiten sind, muss der Arzt meistens Blut abnehmen. Dieses Blut wird dann zur Untersuchung in ein Labor geschickt, wo eine Blutkultur angelegt wird, in der dann der genaue Erreger bestimmt wird.
In manchen Fällen ist es auch sinnvoller, einen Abstrich zu entnehmen, zum Beispiel bei entzündeten Mandeln (Tonsillen) im Rahmen eines Scharlachs, damit dann ebenfalls eine Kultur angefertigt werden kann.
Ja nach Verdacht des Arztes können darüber hinaus noch andere Untersuchungen notwendig werden. Als Beispiele sind hier die Bronchoskopie (Lungenspiegelung), eine Röntgenaufnahme des Brustraums, eine Untersuchung des Urins, eine Ultraschallaufnahme der Nieren oder eine Messung des Augeninnendrucks zu nennen.
Symptome

- Erkältung und Schüttelfrost
Der Schüttelfrost an sich stellt ein Symptom dar, man kann also eigentlich nicht sagen, dass er selbst andere Symptome hervorruft. Allerdings findet man fast immer neben dem Schüttelfrost das Symptom Fieber, das sich aus der Krankheitsentstehung (s.o.) ergibt.
Differentialdiagnosen
Es kann auch vorkommen, dass ein Betroffener unter Schüttelfrost leidet, sich aber zunächst keine Ursache dafür finden lässt. Dann sollte man auch noch an andere Zustände denken, die zu einer ähnlichen Symptomatik führen können. Hierzu zählen zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), psychische Erregungszustände, die ganz verschiedene Auslöser haben können, oder auch Entzugserscheinungen, die nach dem Absetzen von suchterzeugenden Mitteln wie Alkohol, Nikotin oder Schmerzmitteln entstehen können.
Therapie
Die Behandlung von Schüttelfrost ist je nach zugrunde liegender Erkrankung unterschiedlich. Wenn der Schüttelfrost durch eine einfache Erkältung oder Grippe bedingt ist und in Begleitung von Fieber auftritt, wird im Regelfall gar kein Arzt aufgesucht und der Betroffene kann sich selbst behandeln.
Meistens verschaffen schon einfache Hausmittel wie heiße Bäder, wärmende Tees, kalte Wadenwickel oder die sogenannte Schwitzkur (das Fieber soll „ausgeschwitzt“ werden, der Patient wird hier durch das ständige Zudecken mit vielen Decken warm gehalten) eine Linderung der Beschwerden.
Wenn ein Arzt konsultiert wird und dieser einen bestimmten Erreger identifizieren konnte, wird er abhängig davon, welche Erkrankung vorliegt, entscheiden, ob es sinnvoll ist, mit Antibiotika zu behandeln oder nicht.
Wenn eine Krankheit nämlich voraussichtlich ohne weitere Komplikationen im Laufe der Zeit von selbst abheilt, sollten möglichst keine Antibiotika gegeben werden, um zu verhindern, dass sich vermehrt Resistenzen gegen das eingesetzt Antibiotikum entwickeln können. Vor allem bei den tropischen Infektionskrankheiten ist es aber normalerweise nötig, Antibiotika zu verabreichen, da diese häufig einen schweren Verlauf nehmen können.
Wenn der Schüttelfrost das Begleitsymptom einer Grunderkrankung darstellt, muss das primäre Augenmerk natürlich darauf gelegt werden, diese Krankheit in den Griff zu bekommen, wodurch dann sekundär auch der Schüttelfrost verschwinden wird. Das gilt zum Beispiel für das Glaukom.
Sollte der Schüttelfrost die Folge von einem Hitzschlag oder einem Sonnenstich sein, dann muss der Körper unbedingt so schnell wie möglich gekühlt werden. Dies kann mithilfe von kalten Handtüchern, Wadenwickeln oder Bädern geschehen. Unter Umständen ist es darüber hinaus nötig, den Kreislauf zu stabilisieren, um zu verhindern, dass der Betroffene kollabiert. Außerdem sollte man für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, wobei das Getränk im Idealfall besonders reich an Mineralien sein sollte, damit der durch das vermehrte Schwitzen entstandene Flüssigkeits- und Elektrolytverlust wieder ausgeglichen werden kann.
Eine medikamentöse Behandlung sollte wirklich nur in sehr schweren Fällen erfolgen und findet dann üblicherweise mit solchen Präparaten statt, die sich positiv auf das Fieber und Schmerzen auswirken, wie zum Beispiel die Acetylsalicylsäure (Aspirin).
Weiterhin kann Fieber auch durch Homöopathie gesenkt werden. Lesen Sie hierzu alles in unserem Thema Homöopathie bei Fieber.
Prophylaxe
Es ist kaum möglich, gezielt der Entstehung von Schüttelfrost vorzubeugen. Wie oben bereits erwähnt, ist der Schüttelfrost am häufigsten bedingt durch eine Erkältung oder Grippe, die mit Fieber einhergehen.
Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Erwachsene im Jahr etwa zwei bis fünf Male unter einer Erkältung leidet, dann kann man sich ausrechnen, dass es entsprechend häufig auch zum Schüttelfrost kommen kann.
Da die meisten Erkältungen durch ein geschwächtes Immunsystem ausgelöst werden, kann man allerdings allgemein darauf achten, sein Immunsystem zu stärken, beziehungsweise sich keinen übermäßig belastenden Situationen auszusetzen. Kälte und Stress schwächen die Abwehr; eine gesunde Ernährung, viel Schlaf und ausreichend Bewegung wirken sich positiv auf unser Immunsystem aus. Die überwiegende Zahl der Erkältungen ist erregerbedingt, das heißt, sie werden entweder durch Bakterien oder Viren verursacht.
Gegen beide kann man sich durch Hygienemaßnahmen schützen und indem man sich so gut es geht von bereits Erkrankten fernhält, da diese potenziell ansteckend sind. Die Ansteckung erfolgt hierbei zum Beispiel durch Husten oder Niesen. Vielen Erregern kann man auch durch Schutzimpfungen vorbeugen.
Zusammenfassung
Abschließend lässt sich sagen, dass der Schüttelfrost ast immer einfach das Symptom einer Erkältung darstellt und einen Betroffenen deswegen im Regelfall auch nicht besonders beunruhigen muss. Er ist die Begleiterscheinung von Fieber und in diesem Rahmen eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers gegen verschiedene bakterielle oder virale Erreger. Der Name beschreibt eigentlich schon, was beim Schüttelfrost am Körper passiert: Im Rahmen von Fiebererkrankungen wird der Sollwert für die Körpertemperatur erhöht, sodass der Körper Wärme erzeugt.
Dies bewerkstelligt er effektiv mithilfe regelmäßiger Muskelkontraktionen. Trotzdem fröstelt es den Betroffenen, weil der Körper ja fälschlicherweise denkt, dass er mit seiner aktuellen Temperatur zu niedrig liegt. Spätestens wenn das Fieber wieder abfällt, verschwindet auch der Schüttelfrost. Die „Diagnose“ und die Therapie erfolgen im Normalfall durch den Patienten selbst, denn häufig reicht schon eine Schwitzkur aus, um den Schüttelfrost zu unterbinden.
Sollte das Symptom allerdings wirklich über eine längere Zeit hinweg bestehen, sollte man doch darüber nachdenken, einen Arzt zu konsultieren, um gravierendere Grunderkrankungen ausschließen zu können, besonders wenn der Schüttelfrost und das Fieber im Anschluss an eine Reise in die Tropen aufgetreten sind.
Weitere Informationen
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