Sehnerv

Synonyme

zweiter Hirnnerv

Medizinisch: Nervus Optikus

Englisch: optic nerve

Lesen Sie auch:

Definition

Abbildung Sehnerv

Als Sehnerv bezeichnet man den Strang an „Nervenfasern“, der die auf der Netzhaut (lat. Retina) des Auges entstehenden Signale ins Gehirn weiterleitet. Genau genommen handelt es sich bei dem Sehnerv, der unter Ärzten als Nervus (lateinisch für Nerv) Opticus bezeichnet wird, garnicht um einen richtigen Nerven, sondern um eine „Bahn“ des Gehirns, da die Netzhaut des Auges in der Embryonalentwicklung eine Ausstülpung des Hirns darstellt.

Verlauf

Die Netzhaut des Auges besteht aus mehreren Schichten, von denen die äußerste die Schicht der Sehrezeptoren, der Stäbchen und Zapfen ist. Nach innen schließen sich mehrere Zellschichten mit Umschaltstationen für die durch das Licht hervorgerufenen elektrischen Signale der Sinneszellen an.

Die Fasern der sogenannten Ganglienzellen, die in der innersten Zellschicht der Netzhaut liegen, bilden den eigentlichen Sehnerv. Die Stelle an der diese Fasern gesammelt als Sehnerv das Auge verlassen, wird Papille (lat. Papilla Nervi Optici) genannt und liegt etwa 15° von der Mitte jedes Auges zur Nase hin. Da die Fasern die Schicht der Lichtrezeptoren durchbrechen müssen um nach außen zu gelangen, ist der Bereich der Papille, nicht lichtempfindlich und wird auch als „Blinder Fleck“ bezeichnet. Nach dem Verlassen des Augapfels durchzieht der Sehnerv das Fettgewebe, das sich in der Augenhöhle zwischen den Muskeln des Auges befindet und tritt durch eine Öffnung (Canalis Opticus) in den Schädel ein. Im Schädel bilden die Sehnerven beider Augen die Sehbahnkreuzung (Chiasma Nervi Optici) aus, ein Bereich in dem die Fasern, die Signale der zur Nase gelegenen Hälften der Augen leiten, auf die andere Seite kreuzen. Aufgrund der Anatomischen Nähe dieser Kreuzung zur Hirnanhangdrüse besitzt die Sehbahnkreuzung eine gewisse Bedeutung bei der Diagnostik bestimmter Hirntumore. Außerdem produzieren Verletzungen des Sehnerven vor und nach der Kreuzung unterschiedliche Ausfälle im Gesichtsfeld, was dem Arzt mit wenig Aufwand ermöglicht, den Ort einer Schädigung abzuschätzen.

Im weiteren Verlauf ziehen nun also die Fasern der linken Hälften beider Augen im linken Sehnerv und die Fasern der rechten Hälften beider Augen im rechten Sehnerv.

Da die aus der Kreuzung hervorgehenden Nerven nun ins Gehirn (in jede Gehirnhälfte einer) eintritt, spricht man nach der Sehbahnkreuzung nicht mehr vom Sehnerv, sondern vom „Sehtrakt“ (lat. Tractus Opticus).

Durch die Lichtbrechung der Linse des Auges ergibt sich, dass jeweils die Informationen des andersseitigen Gesichtsfeldes, in jeder Gehirnhälfte ankommen. Alles was wir rechts der Mitte unseres Gesichtsfeldes sehen wird in der linken Gehirnhälfte verarbeitet und umgekehrt. Ihr Ende finden die Fasern des Sehnervs in der Großhirnrinde am Hinterhaupt, wo die Informationsverarbeitung des Wahrgenommenen stattfindet.


Erkrankungen

Sehnerv

Häufigste Ursache einer Schädigung des Sehnervs sind Unfälle oder Gewalteinwirkungen (Verkehrsunfälle o.ä.) bei denen der Sehnerv beispielsweise beim Eintritt in den Schädel gequetscht oder gezerrt wird. Auch bei Einblutungen in die Augenhöhle (z.B. nach Faustschlägen auf das Auge) kann es durch eine Druckerhöhung zu einer Quetschung der Nervenfasern kommen.

Bakterielle oder Virale Infektionen der Augenhöhle (Orbitaphlegmone) vielfältigen Ursprungs können ebenfalls zu einer Schädigung des Sehnerven führen. Im Rahmen der Multiplen Sklerose, in deren Verlauf unterschiedliche Strukturen des zentralen Nervensystems betroffen sein können, kommt es nicht selten zu einer Schädigung des Sehnervens mit Gesichtsfeldausfällen.

Im Rahmen eines Grünen Stars (Glaukom) kommt es zu einer Druckerhöhung im Auge, durch die die feinen Gefäße, die die Netzhaut und den Sehnerven versorgen abgedrückt werden. Durch die Unterversorgung kommt es nach wenigen Stunden zu einer irreversiblen Schädigung der betroffenen Zellen mit dauerhaften Gesichtsfeldausfällen.

Verschiedene Hirntumore können durch Druck auf den Sehnerven reversible und irreversible Schädigungen hervorrufen. Tumore der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sind aufgrund ihrer engen Beziehung zum Sehnerven am ehesten dazu geeignet und rufen das charakteristische Bild einer „Scheuklappenblindheit“ (bitemporale Hemianopsie) hervor, da speziell die in der Sehbahnkreuzung verlaufenden Fasern betroffen sind.

Weitere Informationen

Eine Übersicht aller bereits veröffentlichten Themen aus dem Bereich der Augenheilkunde finden Sie unter: Augenheilkunde A-Z

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012