Shelf-Syndrom

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Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Plicasyndrom, Plica-Syndrom, Plica-shelf-Syndrom, medial-Shelf-Syndrom, mediopatellares Plica-Syndrom, Plica mediopatellaris

Englisch: plica syndrome

Häufige Tippvarianten: Plika-Syndrom

Definition

Das Shelf-Syndrom tritt nach Überbeanspruchung, Muskeldysbalancen oder Verletzung des Knies auf.
Es wird durch eine Entzündung und Anschwellung der Schleimhautfalten (Synovialfalten, Plicae) im Kniegelenk verursacht. Dies kann zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk führen.
Drei Schleimhautfalten des Knies können betroffen sein: die Plica suprapatellaris, die Plica mediopatellaris und die Plica infrapatellaris. Mit Abstand am häufigsten ist aber die Plica mediopatellaris betroffen.


Zusammenfassung

Das Shelf-Syndrom wird durch eine Verdickung einer Schleimhautfalte im Knie hervorgerufen.
Diese Verdickung kann unter anderem durch Traumata, Entzündungen und Muskeldysbalancen, das heißt, durch unausgeglichenen Muskelzug, entstehen.
Dadurch werden Schmerzen insbesondere an der Innenseite des Knies verursacht.
Die Diagnose kann oftmals erst durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) bewiesen werden.
Die Therapie beschränkt sich zunächst auf konservative Maßnahmen wie Schonung, entzündungshemmende Medikamente, Kühlung und Krankengymnastik (Physiotherapie).

Symptome / Beschwerden

Durch Verletzungen (Traumata), sich wiederholende Mikrotraumata, eine Instabilität im Kniegelenk, ein muskuläres Ungleichgewicht im Knie und eine Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) kommt es zur Schwellung und Verdickung der Plica.(Schleimhautfalte).
Über wiederholt auftretende Einklemmungen mit Entzündungen (Inflammation) und bindegewebigem (fibrotischem) Umbau entsteht ein sich selbst unterhaltender Prozess, der mit wiederkehrenden Schmerzen, Gelenkergussbildung, Bewegungseinschränkungen, Gelenkschnappen und Gelenkblockierungen verbunden ist.

Die Schmerzen sind beim Shelf-Syndrom innenseitig lokalisiert und belastungsabhängig.
Teilweise kommt es zu Blockierungen zwischen innenseitigem Kniescheibenrand und dem unteren Anteil des Oberschenkelknochens (Femurkondylus) bei der Streckbewegung.
Häufig ist ein Reiben oder ein Schnappen am innenseitigen Kniescheibenrand zu tasten.
Die vermehrt bindegewebig umgebaute (fibrosierte) Plica mediopatellaris ist häufig als schmerzhafter Strang zu tasten.
Mitunter ist ein Knacken des Gelenks in einer bestimmten Position während der Gelenkbeugung vorhanden.

Diagnose

Für die Diagnose eines Shelf-Syndroms versucht man zunächst, den Schmerz genau zu lokalisieren bzw. eine aufgetretene Verdickung im Bereich der Kniescheibe festzustellen.
Oft kann man auch das Reiben der Plica im Kniegelenk bei Bewegung spüren.
Das Zohlen-Zeichen ist positiv. Beim Zohlen-Zeichen wird der obere Kniescheibenrand mit Daumen und Zeigefinger umfasst und die Kniescheibe nach unten geschoben (kaudalisiert). Erfolgt nun eine Anspannung des vierköpfigen vorderen Oberschenkelmuskels (M. quadrizeps), wird die Kniescheibe auf die unteren Anteile des Oberschenkelknochens (Femurkondylen) gedrückt, was bei einer Knorpelschädigung als schmerzhaft empfunden wird.
50% aller Patienten empfinden es generell als sehr unangenehm, wenn man diesen Test an ihnen durchführt.

Insgesamt ist das Shelf-Syndrom nicht leicht zu diagnostizieren, weil durch Überlagerung von anderen krankhaften Läsionen (Kreuzbandriss, Meniskusschaden, etc) die Diagnose erschwert wird.
Eine Magnetresonanzuntersuchung (bildgebendes Verfahren) kann ebenfalls bei der Diagnosestellung hilfreich sein. Sie muss allerdings nicht immer einen eindeutigen Befund ergeben.
Das Shelf-Syndrom wird bei manchen Patienten erst endgültig durch eine Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) bewiesen. Daraus folgt, dass die genaue Abklärung fast nur durch eine Arthroskopie möglich ist. Andererseits ist die Diagnose Shelf-Syndrom oft eine Verlegenheitsdiagnose, wenn bei wiederkehrenden Beschwerden im Kniegelenk keine anderen, die Symptome erklärenden, krankhaften Veränderungen im Kniegelenk nachweisbar sind.

Therapie

Das Shelf-Syndrom wird zunächst konservativ therapiert.
Sie wird mit lokalen und oralen entzündungshemmenden Medikamenten (Antiphlogistika) durchgeführt.
Zur konservativen Therapie gehören auch die Schonung, die Physiotherapie mit Bindegewebsmassagen und Training des häufig kraftreduzierten medialen Anteils des vierköpfigen vorderen Oberschenkelmuskels (Musculus vastus medialis).
Die Kühlung mit Eis ist ebenfalls hilfreich und lindert Schmerzen und Schwellung. Die lokale Gabe von entzündungshemmenden Spritzen (Steroid-Injektion) ist hinsichtlich ihrer Wirkung bei der Behandlung des Shelf-Syndroms fragwürdig.

Das Problem beim Shelf-Syndrom, wenn es bei sportlichen Patienten auftritt, besteht allerdings darin, dass die Beschwerden meistens nicht besser werden, weil der entzündlich veränderte und verhärtete Rand der Plica weiterhin am Knorpel reibt und diesen zerstört.
Daher sollte bei sportlichen Patienten frühzeitig an die Kniespiegelung (Arthroskopie) gedacht werden.
Ansonsten besteht die Indikation zur Arthroskopie, wenn die Beschwerden durch die konservative Therapie nicht verschwinden. Bei der Arthroskopie wird die Plica entfernt (reseziert).

Prognose

Nach der Arthroskopie kommt es meist nach sehr kurzer Zeit zu einer Besserung der Beschwerden, es sei denn es sind schon deutliche Knorpelschäden aufgetreten.
Dann tritt auch nach der Entfernung der Plica keine vollständige Besserung ein.

Weiterführende Informationen

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Autor: Dr. Jungermann      |     Letzte Änderung: 06.05.2012