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Struma

Synonyme im weiteren Sinne

Kopf, Schilddrüsenvergrößerung, Vergrößerung der Schilddrüse, Nebenschilddrüse

Englisch:

Häufige Tippfehler: Schildrüsenvergrößerung

Definition Struma

Der Begriff "Struma" (aus dem lat. struma "Drüsenschwellung", pl. strumae) oder Kropf bezeichnet eine Vergrößerung der Schilddrüse. Die Struma hat eine wesentliche Ursache in einem Jodmangel, daher findet man die Struma besonders in Jodmangelgebieten wie den Alpen.


Anatomischer Aufbau Schilddrüse

  1. Schilddüsenlappen
  2. Verbindungsstück (Isthmus)

Vorkommen in der Bevölkerung (Epidemiologie)

Jod befindet sich in der Erde. Deutschland ist ein Jodmangelgebiet, wahrscheinlich weil das Jod am Ende der Eiszeit mit dem abschmelzenden Gletscherwasser verlorengegangen ist.
Aus diesem Grund besteht bei ca. 30% der mitteleuropäischen Bevölkerung ein Jodmangel. Die Frauen sind etwa viermal so häufig betroffen wie die Männer. Obwohl das Trinkwasser in Deutschland nicht an Jod angereichert wird, zeigt sich in den letzten Jahren eine abnehmende Tendenz der Jodmangelerscheinungen.
Ursächlich spielt hier sicherlich der gesteigerte Konsum jodhaltigen Kochsalzes eine wesentliche Rolle.
Eine Struma entwickelt sich meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Einteilung

Nach dem äußeren Erscheinungsbild wird die Struma (Schilddrüsenvergrößerung) in folgenden Graden eingeteilt:


Nach den Veränderungen innerhalb der Schilddrüse wird in eine


Nach der Schilddrüsenfunktion wird die Schilddrüse eingeteilt in:


Die anatomisch normal liegende Schilddrüse wird eutop genannt. Die Schilddrüse, deren Lage davon abweicht - z. B. im Brustkorb oder unter der Zunge - heißt dystop.

Diagnose

Untersuchung
Die direkte, persönliche, klinische Untersuchung durch den Arzt ist die erste und sehr wichtige Maßnahme, die zur Diagnosenfindung dienen.
Der Arzt betrachtet den Hals und tastet die Schilddrüse ab. Abhängig von den Beschwerden können und müssen auch andere Körperregionen untersucht werden.

Sonografisch (Ultraschalluntersuchung)
Durch den Ultraschall lässt sich die Situation in der Schilddrüse beurteilen. Hier können Zysten gesehen und sogar punktiert werden, Knoten können festgestellt werden, das Volumen der Schilddrüse kann genau ausgemessen werden.

Laborchemisch (Blutuntersuchung / Laborwerte)
Die Blutuntersuchung mit Feststellung der Hormonspiegel (im speziellen der Schilddrüsenhormone) gibt eine Auskunft über die Funktion der Schilddrüse. Im Blut können ggf. auch Antikörper bestimmt werden, die bei Schilddrüsenerkrankungen eine Rolle spielen können.

Szintigrafisch (Szintigraphie)
Die Schilddrüsenszintigrafie dient dem weiteren Informationsgewinn bei Knoten oder Funktionsstörungen.
Dabei werden "heisse" von den "kalten" Knoten unterschieden. Die Knoten, die vermehrt das radioaktiv markierte Jod aufnehmen, werden "heiss" genannt. Die "kalte" Knoten sind diejenige, die kein Jod aufnehmen.

Punktion
Mittels einer Feinnadelpunktion der Schilddrüse können Proben für eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop (Histologie) gewonnen werden.

Röntgen - Untersuchungen
Bei Beeinträchtigungen von Nachbarorganen helfen Röntgenbild, CT- oder MRT-Bilder dem besseren Verständnis über die Ausdehnung der Schilddrüsenvergrösserung und erlauben ggf. eine bessere Operationsplanung.

Ursachen Struma

Jodmangelstruma
Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenvergrösserung in Deutschland ist der Jodmangel. Die Schilddrüse versucht in dieser Situation durch Zellteilung die durch den Jodmangel verminderte Hormonproduktion zu kompensieren. Dies führt zur Vergrößerung der Schilddrüse.

Hyperthyreotstruma
Es handelt sich um eine Vergrößerung der Schilddrüse, die aufgrund einer gesteigerten Funktion des Organs stattfindet. Das ist z. B. der Fall bei Morbus Basedow, eine Erkrankung bei der körpereigene Antikörper die Schilddrüse angreifen und die hormonbildenden Zellen stimulieren.

Struma maligna
Unter diesem Begriff versteht man die bösartige Erkrankung der Schilddrüse. Es gibt vier unterschiedliche Schilddrüsenkrebsarten, die teilweise unterschiedlich behandelt werden und unterschiedliche Prognosen haben.

Symptome

Die Symptome der Struma / Schilddrüsenvergrößerung unterscheiden sich mit den unterschiedlichen Ursachen für die Schilddrüsenvergrösserung. Die Symptome können alleine oder in unterschiedlichen Kombinationen auftreten.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt zu Herzrasen, Hitzegefühl, Durchfällen, trockenen Haaren, Erregbarkeit und Gewichtsabnahme trotz Appetitsteigerung. Die autoimmun bedingte Überfunktion der Schilddrüse (Morbus Basedow) kann insbesondere zum Hervortreten des Augapfels aus der Augehöhle (Exophthalmus) führen.

Im Gegensatz dazu können Kältegefühl, Verstopfung, fettige Haare, Müdigkeit, teigige Haut (Myxödem) und Gewichtzunahme Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein.

Die sehr stark vergrößerte Schilddrüse kann die Luft- und die Speiseröhre verengen und damit Atem- oder Schluckprobleme hervorrufen.

Der Schilddrüsenkrebs kann - insbesondere im Anfangsstadium - keine Symptome verursachen. Durch die invasive Natur dieser Erkrankung kommt es im unbehandelten Verlauf zum Befall benachbarter Strukturen oder zu Tochtergeschwülsten, die im gesamten Körper auftreten können.
Besonders auffällig bei der lokalen Ausbreitung des Tumors ist der Befall des Stimmbandnerven (Nervus recurrens).
In einer solchen Situation kommt es zu Heiserkeit, die sich bis hin zur Luftnot entwickeln kann.

Therapie Struma

Die Struma (Schilddrüsenvergrößerung) ist ein Symptom und keine Erkrankung. Die Therapie richtet sich deshalb nach der zugrunde liegende Ursache für die Schilddrüsenvergrösserung.
Dabei gibt es eine Reihe von Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Die subjektive Beschwerden, der Strumagrad, das Ergebnis der Untersuchungen, das Alter, der Allgemeinzustand und der Wunsch des Patienten sind wesentliche Faktoren, die für die Wahl der Behandlung eine wesentliche Rolle spielen. Es gibt Situationen, in denen keine Therapie durchgeführt wird. Es stehen aber auch einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die Risiken der Schilddrüsenoperation lassen sich - wie bei allen Operationen - in allgemeine und spezielle Risiken einteilen.
Blutung, Nachblutung, Wundheilungsstörung und Infekt sind Risiken, die bei Operationen jeglicher Art existieren.
Im Fall der Schilddrüsenoperation sind die spezielle Risiken insofern sehr wichtig, da sie teilweise schwere Folgen haben können.

An erster Stelle ist hier die Verletzung des Stimmbandnerven (Recurrens - Parese) zu erwähnen. Dieser Nerv verläuft unmittelbar an der Schilddrüse entlang auf der Rückseite der Grenze zwischen der Luftröhre und Schilddrüse.
Die einseitige Verletzung des Nerven führt zu Heiserkeit, die beidseitige Verletzung kann jedoch auch zu Luftnot führen. Diese ist durch die geschlossenen, unbeweglichen Stimmbänder in einem solchen Fall bedingt. Oft erholt sich eine Minder- oder Unbeweglichkeit eines oder beider Stimmbänder innerhalb eines bis drei Monaten. Ein Luftröhrenschnitt kann allerdings erforderlich werden, wenn Innerhalb dieses Zeitraums keine Besserung eintritt.
Die einseitige Verletzung des Stimmbandnerven ist mit 2-3% aller Schilddrüsenoperationen relativ selten. Die beidseitige Verletzung tritt noch viel seltener Wahrscheinlichkeit (im Promillebereich) auf. Dauerhafte Schäden können in ca. 1% der operierten Patienten verbleiben.

Das zweite spezifische Risiko bei der Schilddrüsenoperation betrifft die Nebenschilddrüse.
Das sind sehr kleine Organe, die sich paarweise, insgesamt vier, auf beiden Seiten der Schilddrüse befinden. Hier wird ein Hormon (Parathormon) gebildet, das wichtig für den Kalziumstoffwechsel ist.
Die Nebenschilddrüsen sind mit bloßem Auge schwer von dem umgebenden Fettgewebe zu unterscheiden. Deshalb können sie bei der Operation der Schilddrüse, und insbesondere der grossen Schilddrüse mit vielen grossen Knoten, mitentfernt werden.
In der Regel kann auch nur eine Nebenschilddrüse den Bedarf an Parathormon decken.
Sollten allerdings alle vier Nebenschilddrüsen entfernt worden sein, kommt es zu einem Kalziummangel, der durch die regelmäßige Einnahme von Kalzium ausgeglichen werden muss.
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema Nebenschilddrüse.

Aufgrund der sehr feinen Verhältnisse bei der Schilddrüsenoperation arbeiten die Chirurgen mit Lupenbrillen und verhelfen sich oft elektronischer Geräte, um den Verlauf des Stimmbandnerven genau verfolgen zu können.

Prophylaxe Struma

Das an Jod angereicherte Speisesalz hat in den letzten Jahren zu einer Abnahme der Strumahäufigkeit beigetragen. Durch die extreme Verbreitung des Jodmangels in der Alpenregion hat sich die Schweiz zu einer Jodanreicherung des Trinkwassers entschlossen.
Diese Maßnahme hat das Auftreten der Struma dort enorm gesenkt.
Patienten, die unter einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) leiden, sollen jedoch vorsichtig mit Produkten umgehen, die einen erhöhten Jodgehalt bieten.
Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist der Jodbedarf generell erhöht.

Prognose

Die nicht bösartige Struma kann gut behandelt werden, so dass die Beschwerden in der Regel verschwinden.
Ein bereits vorhandene Hervortreten des Augapfels aus der Augenhöhle (Exophthalmus) bildet sich jedoch auch nach Normalisierung der Hormonwerte nicht zurück.
Die zwei häufigsten Krebsarten der Schilddrüse, das follikuläre und das papilläre Schilddrüsenkarzinom, haben dank der Radiojodtherapie die beste Prognose aller Krebsarten des menschlichen Körpers.
In fast allen Fällen wird hier eine komplette Heilung erreicht. Dies ist leider bei dem undifferenzierten (anaplastischen) Schilddrüsenkrebs nicht der Fall. Die Prognose in dieser Situation ist sehr eingeschränkt.


Zusammenfassung

Die Ursachen für eine vergrößerte Schilddrüse ("Struma") können sehr unterschiedlich sein. Deshalb richtet sich auch die Therapie individuell.
Bei Funktionsstörungen der Schilddrüse können in den meisten Fällen konservative Maßnahmen ausreichen. Schilddrüsenkrebs sowie "kalte" Knoten werden jedoch operativ behandelt.
Die bösartigen Tumore erfordern oft eine komplexe Behandlung. Nach der Operation wird, abhängig vom Tumorstadium, eventuell eine Radiojodtherapie durchgeführt. Danach ist die Prognose in einer Großzahl der Fälle sehr gut, so dass die meisten Patienten nach diesem gesamten Behandlungskomplex als geheilt betrachtet werden können.
Die Schilddrüsenoperation ist keine einfache Operation. In der Hand des erfahrenen Chirurgen ist sie jedoch eine Routineoperation, die trotz ihrer Risiken eine notwendige und manchmal nicht zu vermeidende Behandlungsmöglichkeit anbietet.
In den letzten Jahren ist die Häufigkeit der Struma durch die gesteigerte Jodeinnahme in der Bevölkerung gesunken.

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