Synonyme

Übelbefinden, Brechreiz,

Englisch: nausea, sickness

Definition

Übelkeit (Nausea) ist eine Befindlichkeitsstörung, die Umgangssprachlich auch als flaues Gefühl in der Magengegend bezeichnet wird. Die Übelkeit ist häufig ein Vorbote von Erbrechen, sie kann aber auch auftreten, ohne dass der Betroffene sich übergeben muss. Verantwortlich dafür, ob der Magen entleert wird oder nicht, ist das sogenannte Brechzentrum im Gehirn. Es wird direkt durch Reize aus dem Magen aktiviert.
Oft tritt die Übelkeit gleichzeitig mit anderen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Fieber oder Schweißausbrüchen auf. Je nach Ursache der Übelkeit kann es auch zu Bauchschmerzen oder Magen-Darm-Krämpfen kommen. Meist klingt die Übelkeit von alleine wieder ab. Sollte sie aber länger als drei Tage anhalten, der Allgemeinzustand schlecht sein, sie von Erbrechen begleitet sein oder sogar Blut erbrochen werden, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen der Übelkeit zu klären.


Ursache

Für eine Übelkeit (Nausea) können die Ursachen sehr unterschiedlich sein. Zum einen kann Übelkeit als Selbstschutzmaßnahme des Körpers entstehen, wenn Gifte (z.B. Lebensmittelvergiftung), die Schleimhaut schädigende Stoffe oder Krankheitserreger in den Magen-Darm-Trakt eindringen. Durch die Übelkeit soll verhindert werden, dass weitere Schadstoffe aufgenommen werden. Dieser Selbstschutz ist auch Ursache der Übelkeit nach übermäßigem Alkoholkonsum oder zu üppigem Essen. Eine weitere Ursache für Übelkeit ist eine Aktivierung des Brechzentrums im Gehirn. Diese kann beispielsweise durch eine Reizung der Gleichgewichtsorgans im Innenohr (Reisekrankheit), durch bestimmte Hormone (Schwangerschaftsübelkeit) oder durch Stoffwechselstörungen (z.B. Überfunktion der Nebenschilddrüse) ausgelöst werden.

Sehr häufig tritt die Übelkeit auch als Begleitsymptom einer Krankheit auf. Zu diesen gehören zum Beispiel akute Erkrankungen im Bauchraum, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infektionskrankheiten, Migräne, Sonnenstich, Herzinfarkt, Gehirnerschütterungen, Essstörungen und Angsterkrankungen. Außerdem kann Übelkeit durch Magen reizende Wirkstoffe und Medikamente, die als Nebenwirkung das Brechzentrum aktivieren, entstehen.
In vielen Fällen tritt eine Übelkeit als Folge einer Vollnarkose auf. Auch nach einer Strahlen- und Chemotherapie kommt es häufig zu einer Übelkeit. Begleitende Beschwerden des üblen Gefühls sind oft Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Fieber und Schweißausbrüche. Die Kombination von Fieber, Husten und Übelkeit tritt manchmal bei Atemwegserkrankungen, einer Grippe oder der Schweinegrippe auf. Kopfschmerzen und ein Übelgefühl können auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
Liegt die Ursache der Übelkeit eher im Magen-Darm-Bereich, gesellen sich oft Magenkrämpfe oder Bauchschmerzen zur Übelkeit. Die Betroffenen plagen manchmal auch Sodbrennen, Aufstoßen, Erbrechen oder Völlegefühl. Augenschmerzen gehen ebenfalls mit Übelkeit einher – hier liegt der Verdacht auf einen Glaukom-Anfall (siehe grüner Star) nahe. Brustschmerzen, eventuell auch Bauchschmerzen in Kombination mit Übelkeit, können typisch für einen Herzinfarkt sein.
Tritt das mulmige Gefühl mit Rückenschmerzen auf, ist u. a. an Erkrankungen der Bauchschlagader oder der Bauchspeicheldrüse zu denken. Treten das Unwohlsein und Gelbsucht gleichzeitig auf, kann ein Gallenwegsverschluss oder eine Leberkrankung vorliegen. Schmerzen im Oberbauch mit Übelkeit können z. B. auf eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Geschwür (Ulcus) hinweisen.

Meist kündigt starke Übelkeit und ein flaues Gefühl im Magen Erbrechen an. Das Brechzentrum liegt im verlängerten Rückenmark, der Medulla Oblongata. Über mehrere Nerven ist es mit dem Magen und dem Gleichgewichtsorgan, das im Innenohr liegt, verbunden. Mit dem flauen Gefühl im Magen und Brechreiz bricht oft kalter Schweiß und ein Schwindelgefühl aus.
Diese Symptome treten auf, weil der Blutdruck abfällt. Die Betroffenen haben ein auffallend blasses Gesicht, sind müde, klagen über Kopfschmerzen. Kommt es dann zum Erbrechen, ziehen sich die Bauch- und Zwerchfellmuskeln zusammen. Anschließend wird der Speisebrei nach außen befördert. Erbrechen tritt häufig allein zum Schutz des Körpers auf: Lebensmittel, die für den Körper nicht bekömmlich sind, werden so nach außen befördert

Diagnose

Wer mit Übelkeit (Nausea) zu einem Arzt geht, wird im Rahmen der Diagnose zunächst ausführlich befragt. Sind Erkrankungen bekannt, durch die eine Übelkeit verursacht werden kann? Gibt es Begleitsymptome wie Gewichtsverlust, Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall oder Schwindel?
Wurden Medikamente, Alkohol oder Drogen in großen Mengen aufgenommen? Fragen wie diese können dem Arzt einen ersten Anhaltspunkt für der Ursache der Übelkeit geben.

Auf die Befragung folgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Bauch abgetastet wird, um mögliche Druckschmerzen oder Abwehrspannungen festzustellen. Außerdem werden die Darm- und Atemgeräusche abgehört. Manchmal wird eine Untersuchung des Enddarms (rektale Untersuchung) durchgeführt. Zur Basisdiagnostik bei Übelkeit gehört ebenso eine Blut- und Urinuntersuchung, ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.
Je nach vermuteter Ursache kann der Arzt dann weitere Untersuchungen durchführen, um diese zu bestätigen beziehungsweise auszuschließen. Hilfreich kann eine Magenspiegelung (Gastroskopie), Röntgenuntersuchung des Brust- und Bauchraums, Computertomographie des Kopfs oder eine Untersuchung des Augenhintergrunds (Augenhintergrundspiegelung) sein. Zu den Patienten mit besonderen Risiken zur Übelkeit gehören Frauen, insbesondere während der Menstruation, Übergewicht, Blähbauch, Kinder, Jugendliche von 11-14 Jahren, Patienten mit Magenentleerungsstörungen, Vorerfahrungen mit vorangegangener Übelkeit und Erbrechen, Raucher, Reisekrankheit (Kinetose) und  Übelkeit nach vorangegangenen Operationen bzw. bekannte Unverträglichkeit eines Narkosemittels.

Üebelkeit bei Reisekrankheit

Übelkeit

Signale bzw. unterschiedliche oder gar gegensätzliche Informationen, vor allem des Gleichgewichtssystems und des visuellen Apparates (das Sehen betreffend), führen zu einem Konflikt der Sinneswahrnehmungen. Die unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen betreffen die Körperhaltung im Raum. Das Zusammenfügen dieser unterschiedlichsten Informationen verschiedener Sinnesorgane scheint unmöglich zu sein und deshalb entstehen Angstgefühle.
Der Körper meldet durch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr Bewegung, die Augen melden jedoch das Gegenteil. Die Sehkraft stellt allerdings keine absolute Bedingung für Reisekrankheit (Kinetasio) dar, denn es ist bekannt, dass auch blinde Menschen reisekrank werden können. Das Gleichgewichtsorgan im Ohr vermeldet auf einem Schiff auf See ein Schaukeln, während unter Deck für den Betroffenen der Eindruck entsteht, es sei alles ruhig.

Übelkeit bei Migräne

Übelkeit und Erbrechen

Migräneattacken machen sich durch starke, hämmernde und pochende Schmerzen bemerkbar, die sich meist langsam anbahnen und 4–72 Stunden anhalten (Patientenleitlinie Kopfschmerzen und Migräne, Universität Witten, 2005). Der starke Kopfschmerz ist bei Migräneattacken meist auf eine Kopfseite beschränkt, nur selten sind die Schmerzen im gesamten Kopfbereich angesiedelt.
Begleitende Krankheitszeichen bei Migräne sind häufig Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen. Überaktivität, Müdigkeit und Heißhunger gehen oftmals einem Migräneanfall voraus. Migräneattacken können durch bestimmte Umstände wie Schlafmangel, Umwelteinflüsse, Hormonschwankungen, Stress, bestimmte Nahrungsmittel, Lärm, Wettereinflüsse, Schwankungen des Koffeinspiegels – insbesondere bei regelmäßigem Koffeingenuss –, Unterzuckerung (Schwankungen des Blutzuckerspiegels) durch ausgelassene Mahlzeiten etc. ausgelöst werden.

Psychogene Üebelkeit

Psychische Krankheitsbilder können ebenfalls mit Übelkeit verbunden sein – so bei Depressionen und Essstörungen. Unter psychogener Übelkeit versteht man eine Befindlichkeitsstörung, die unter emotioneller Belastung, z. B. in Prüfungssituationen, auftritt und oft auch mit Erbrechen verbunden ist. Häufig berichten Familienangehörige der Betroffenen, dass sie ebenfalls in Stress-Situationen oftmals zu Übelkeit und Erbrechen neigen. Typisch ist für diese Art der Übelkeit und des Erbrechens, dass sie unmittelbar nach der Mahlzeit auftritt. Frauen sind von derartiger Übelkeit sowie Erbrechen nach dem Swiss Medical Forum („Übelkeit und Erbrechen“, 2001) häufiger betroffen als Männer. Ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei den Betroffenen oftmals zu finden ist, ist die Konfliktvermeidung und das Meiden von Disharmonie.

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Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012