Inhalt:
Windpocken
Synonyme im weitesten Sinne
Varizelleninfektion
Englisch:
Chicken pocks, varicella; shingles
Definition
Das Varizella-Zoster-Virus ist das humane (menschliche) Herpesvirus der Gruppe 3 und verursacht das Erkrankungsbild der Windpocken (=Varizellen) sowie der Gürtelrose (=Zoster):
Werden die Patienten zum ersten Mal mit dem Virus infiziert (=Erstinfektion), resultiert hieraus die Windpockenerkrankung, welche eine akute und hochansteckende Infektion des Kindesalters ist.
Die Erkrankten weisen einen Hautausschlag auf, der vor allem den Rumpf, den behaarten Kopf, das Gesicht, den Hals sowie die Schleimhäute betrifft und fast immer die Hand- und Fußflächen ausspart. Es imponieren kleine flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die das Virus in hoher Konzentration enthalten und meist in einer typischen Reihenfolge entstehen:
Zunächst treten Juckreiz sowie eine Rötung der betroffenen Hautstellen auf, anschließend bilden sich kleine Flüssigkeitsbläschen, die einreißen, trocknen und schließlich verkrusten. Nicht jede Hauterscheinung zeigt alle diese Stadien.
Man spricht bei den Windpocken auch vom „Sternenhimmel“, da verschiedene Bläschenstadien nebeneinander auftreten und somit ein klinisch buntes Bild entsteht.
Das Virus verbleibt lebenslang im Körper und hält sich bevorzugt im Trigeminusganglion (=Zellkernansammlung des fünften Hirnnerven, der die Tastempfindung der Gesichtsregion ans Gehirn vermittelt) und den Spinalganglien (=Zellkernansammlung von Nervenzellen, die aus dem Rückenmark austreten) auf.
Das Virus kann unter bestimmten Voraussetzungen wieder aktiviert werden (=Reaktivierung), so dass es zu einer neuen Infektionserkrankung, die die Nervenzellen betrifft und sich ähnlich der Windpocken in einem Hautauschlag zeigt, kommt. Diese Erkrankung nennt man Zoster oder Gürtelrose.
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Epidemiologie / Vorkommen
95% der Kinder bis zum 14. Lebensjahr sind mit dem Virus infiziert und haben die Windpockenerkrankung durchgemacht. Somit gehören die Windpocken zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Kindesalters.
Mehr als 95% der Infizierten weisen auch das typische klinische Bild der Windpocken mit dem juckenden Hautausschlag auf.
Die Gürtelrose tritt zumeist nach dem 5. Lebensjahrzehnt auf.
Ursache / Entstehung
Das Virus kann auf zwei Wegen übertragen werden: Es kommt durch Tröpfcheninfektion sowie durch den direkten Kontakt mit dem infektiösen Inhalt der Bläschen zur Krankheitsübertragung.
Hinweis: Namensgebung
Man spricht deshalb auch von „Windpocken“, da die Viren „mit dem Wind“, d.h. auf dem Luftweg, vor allem beim Husten oder Niesen übertragen werden.
Die Viren treten über die Schleimhäute des Mund-Nasen-Rachen-Raumes und über die Bindehaut der Augen in den Körper ein, gelangen in die Blutbahn und schließlich zur Haut: Hier werden als Folge der Virusinfektion die Bläschenbildung und der starke Juckreiz hervorgerufen. Außerdem wird das Virus nun über den Atem als Aerosol ausgeschieden.
Das Virus erreicht im Stadium des Hautausschlages auch die sensiblen Ganglien („Nervenzellknoten“) des Brustkorb-Lenden-Bereichs; in den Ganglien verbleibt das Virus lebenslang.
Der Hautausschlag dauert ca. 6 Tage an und die letzten verkrusteten Bläschen fallen nach ca. 2-wöchiger Krankheitsdauer ab.
Die Infektiösität der Erkrankten (ab wann Erkrankte andere anstecken können) beginnt zwei Tage vor dem Auftreten des Ausschlages und endet, wenn die letzten flüssigkeitsgefüllten Bläschen getrocknet und verkrustet sind.
Symptome
Nach einer Inkubationszeit (=Einwirkzeit des Virus, in der das Virus in den Körper eindringt und noch keine spezifischen Symptome hervorruft) von ca. 2 Wochen weisen die meisten Erkrankten den für das Windpocken-Virus typischen Hautausschlag (=Exanthem) auf:
Der Körperstamm, das Gesicht sowie Arme und Beine weisen innerhalb weniger Stunden rote Flecken und schließlich flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf, die einen starken Juckreiz auslösen.
Die Bläschen reißen ein, verkrusten und vertrocknen. Schließlich fällt die Kruste ab und die Windpocke heilt in der Regel narbenfrei ab.
Die Bläschen treten vor allem am Kopf (Gesicht, behaarter Kopf, Schleimhäute) und dem Rumpf auf, Arme und Beine sind selten von einem starken Ausschlag betroffen.
Die Kinder weisen zwischen 50 und mehreren hundert Bläschen am Körper auf, die sich gleichzeitig in verschiedenen Stadien (Flecken, Knoten, Bläschen, Krusten) auf der Haut befinden: Es liegt das sogenannte Sternenhimmelmuster vor.
Die Erkrankten, zumeist Kinder, sind in einem guten Allgemeinzustand und fühlen sich oft, bis auf den Juckreiz der Hauteffloreszenzen, nicht krank oder stark beeinträchtigt. Nur 1/3 der Betroffenen hat im Krankheitsverlauf Fieber.
Diagnose
Das klinische Bild führt zur Diagnose: Die flüssigkeitsgefüllten Bläschen, die zugleich in verschiedenen Stadien vorhanden sind („Sternenhimmel“) sind charakteristisch für eine Varizellen- bzw. Zoster-Erkrankung.
Info: Windpocken - Gürtelrose
Die Lokalisation des Ausschlages und das Erkrankungsalter lassen zwischen Windpocken oder Gürtelrose unterscheiden.
In der Regel werden keine Virusisolierungen zur Diagnose der Erkrankung vorgenommen, diese sind aber mittels spezieller Verfahren wie Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder einer Kultivierung der Erreger möglich.
Der Nachweis von Antikörpern gegen das Varizellen-Virus kann die akute Infektion, hierbei treten IgM-Antikörper auf, oder die Immunität, hierbei findet man
IgG-Antikörper im Blut, anzeigen.
Beim Zoster zeigt sich in der Blutprobe ein Anstieg der IgG-Antikörper, was ein Hinweis auf die Reaktivierung des Virus ist.
Differentialdiagnosen / Ausschlusserkrankungen
Bei Infektionskrankheiten wie Masern, Scharlach und Röteln treten zwar auch Hautauschläge in Form von Rötungen auf, allein aber bei den Windpocken bilden sich auf dem Boden dieser Flecken Bläschen, die für die Varizellen-Infektion charakteristisch sind.
Kann man an Hand des klinischen Bildes (Beschwerdebild; Charakteristik der Hauterscheinungen) keine Abgrenzung zu den genannten Erkrankungen vornehmen, dient eine Antikörper-Untersuchung im Blut der Diagnosestellung.
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Weiterführende Informationen
Lesen Sie über die Therapie, Komplikationen und Prophylaxe der Windpocken hier mehr:
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