Inhalt:
Winterdepression
Synonyme
Herbst-Winter_Depression, Saisonale Depression, Saisonal abhängige Depression, SAD
häufige Tippfehler: Depresionen, Depresion
Englisch: winterdepression
Definition
Viele Menschen kennen das unbestimmbare Gefühl, welches der nahende Winter in einem auslösen kann. Der Gedanke an lange, kalte Nächte und kurze Tage ist hierbei alles andere als erfreulich.
Tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Menschen, die in den Monaten November bis Februar Jahr für Jahr seelisch erkranken.
Es ist bereits seit vielen hundert Jahren bekannt, dass es bei vielen Menschen in der „dunklen Jahreszeit“ zu einem deutlichen Abfall der Stimmung, aber auch der Leistungsfähigkeit kommen kann. Der Alltag wird als trist erlebt und man möchte am liebsten den ganzen Tag im Bett verbringen.
Ein solches Phänomen kann sowohl junge als auch ältere Menschen betreffen und wird allgemein als Winterdepression bezeichnet.
Anmerkung des Autors:
Aufgrund der Monate, in denen eine solche Störung auftreten kann, müsste Sie richtigerweise eigentlich Herbst-Winter-Depression heißen.
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Epidemiologie
Es gibt recht wenige verlässliche Daten darüber, wie viele Menschen letztendlich an einer Winterdepression leiden. Schätzungen besagen, dass etwa 10% der deutschen Bevölkerung regelmäßig Symptome der Störung aufweisen.
Frauen sind typischerweise 3-4-mal häufiger betroffen als Männer.
Die Winterdepression kann in jedem Lebensalter auftreten. Es scheint jedoch ein vermehrtes Vorkommen um das 3. Lebensjahrzehnt zu geben. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Patienten, bei denen im Erwachsenenalter eine Winterdepression diagnostiziert wird, bereits im Kindesalter erste Symptome aufzeigten.
Auch gibt es Anzeichen dafür, dass bei den Eltern von Patienten mit einer Winterdepression häufig ebenfalls schon depressive Symptome vorlagen, so dass man insgesamt davon ausgehen muss, dass eine Winterdepression vererbt werden kann.
Die typischen Monate, in denen eine Winterdepression ausbrechen kann, liegen zwischen Anfang Oktober bis zum Ende des Februars.
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Symptome

- Winterdepression
Die typischen Symptome, die im Rahmen der Störung auftreten, sind:
- Traurigkeit, bzw. Niedergeschlagenheit
- Müdigkeit
- Sozialer Rückzug
- Vermehrtes Hungergefühl
- Reizbarkeit
- „Lust“-losigkeit (Störungen der Libido)
Traurigkeit bzw. Niedergeschlagenheit:
Patienten berichten häufig, dass es ihnen sehr schwer fällt, sich über Dinge zu freuen, die ihnen sonst eigentlich immer Freude bereitet haben.
Hobbys oder andere angenehme Aktivitäten werden eher als lästig oder anstrengend, denn als angenehm empfunden. Auch werden betroffene Personen häufig von einer großen Perspektivlosigkeit und von Zukunftsängsten gequält.
Müdigkeit:
Im Gegensatz zur nicht-saisonabhängigen Depression, bei der Patienten häufig an massiven Schlafstörungen leiden, kennzeichnet sich das Beschwerdebild bei Patienten mit einer Winterdepression häufig durch eine dauerhafte Müdigkeit.
Egal ob am Tage oder in der Nacht...man könnte eigentlich immer schlafen.
Erschwerend kommt bei diesem Punkt hinzu, dass der vermehrte Schlaf von den Patienten häufig nicht als erholsam erlebt wird.
Man schläft quasi müde ein und erwacht genauso müde wieder.
Sozialer Rückzug:
Es fällt Patienten immer schwerer, ihren sozialen Aufgaben nachzukommen. Hierunter fallen z.B. Verpflichtungen beruflicher, aber auch familiärer Art. Patienten haben häufig schlicht keinen Antrieb mehr, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, um dort irgendwelchen Verpflichtungen nachzukommen. Nicht selten versuchen sie bis zuletzt, bei der Arbeit als „normal“ zu erscheinen, aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen.
Vermehrtes Hungergefühl:
Auch dieser Punkt unterscheidet sich typischerweise von der „nicht-saisonabhängigen“ Depression. Leiden Patienten bei dieser nämlich sehr häufig unter Appetitverlust, kommt es bei der Winterdepression zu einem vermehrten Hungergefühl.
Hierbei sind es im Besonderen Süßigkeiten oder auch schnell verwertbare Kohlenhydrate, die bevorzugt gegessen werden.
Ein solches Essverhalten hat somit nicht selten eine deutliche Gewichtszunahme zur Folge, welche von den Patienten wiederum als sehr belastend erlebt wird.
Reizbarkeit:
Vereinfacht ausgedrückt wird bei Patienten mit Winterdepression „das Fell“ dünner. Kleinigkeiten (Lärm, Streit etc.), mit denen der Patient im Sommer noch locker umgegangen ist, können als viel belastender erlebt werden. So kann es zu Weinanfällen oder auch zu Wutausbrüchen kommen.
„Lust“-losigkeit:
Typischerweise ist bei jeder Art von depressiver Stimmungslage die sexuelle Lust bzw. Erregbarkeit deutlich erniedrigt oder sie geht sogar (für die Zeit der Depression) ganz verloren.
Diagnostik

- Herbstdepression
Kriterien zur Diagnosestellung:
Viele Menschen kennen zumindest zum Teil die oben aufgeführten Symptome. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass bei jedem gleich eine Winterdepression vorherrscht. Die diagnostischen Kriterien, die erfüllt sein müssen, um therapeutischerseits die Diagnose zu vergeben, besagen vielmehr:
- Es muss einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der o.g. Symptomatik und der Jahreszeit (Herbst oder Winter) geben.
- Nach Ende des Winters darf keine depressive Symptomatik mehr vorliegen.
- Die Symptome müssen an mindestens 2 aufeinanderfolgenden Jahren zur Herbst- oder Winterzeit auftreten
- Es müssen die allgemein gültigen Kriterien einer Depression nach DSM-IV erfüllt sein. Das DSM-IV ist eine diagnostische Leitlinie, die vor allem im englischsprachigen Raum zum Einsatz kommt. Die Kriterien im einzelnen lauten:
Fünf oder mehr der unter 1 und 2 genannten Symptome müssen andauernd vorhanden sein und müssen zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit und des Funktionsniveaus führen:
- Depressive Stimmung oder Verlust an Interesse oder Freude
- verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
- Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit
- Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
- Schlafstörung, Früherwachen
- Morgentief, Tagesschwankungen der Symptome
- Psychomotorische Hemmung oder Unruhe
- Verminderter Appetit, Gewichtsverlust
- Libidoverlust, sexuelle Interesselosigkeit
- Mangelnde Reaktionen auf Erfreuliches
- Mindestdauer 2 Wochen
- Ergänzend kann das vorherrschende Krankheitsbild durch die Beurteilung des Schweregrades (leicht, mittel, schwer), des Vorhandenseins körperlicher oder psychotischer Symptome, von Melancholie, von wiederkehrenden oder saisonal abhängigen Verläufen beschrieben werden.
In den meisten Fällen handelt es sich in der Regel um einen “leichten Schweregrad”.
- Die Beschwerden werden nicht durch eine körperliche Erkrankung oder den Gebrauch von Suchtmitteln bedingt.
- Bipolare affektive Störungen (Manische Depression) sind ebenso abzugrenzen wie Trauerreaktionen, auch wenn die depressiven Episoden dabei ein identisches Bild zeigen.
Ursachen

- Wintermelancholie
Um die Entstehung einer solchen Störung zu verstehen, bedarf es der Erklärung einiger Grundlagen:
Jeder Mensch unterliegt einem sog. Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus), der, vereinfacht ausgedrückt, dafür sorgt, dass wir schlafen, wenn es Nacht ist und dass wir wach sind, wenn die Sonne scheint.
Damit dieser Rhythmus überhaupt funktioniert, braucht es regelmäßige Zeitgeber (wie z.B. das Sonnenlicht). Verwehrt man einem Menschen solche Zeitgeber, gerät der Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander. Dies kann z.B. bei Gefangenen beobachtet werden, die Tage und Nächte in ständiger Dunkelheit leben.
Auch kann ein exzessives Nacht- und Discoleben zu einer Veränderung im Tag-Nacht Rhythmus führen.
Wenn im Winter nun die Nächte länger und die Tage kürzer werden, fehlen vielen Menschen die wichtigen Zeitgeber und es kann (neben anderen Veränderungen) zur einer depressiven Herabgestimmtheit kommen.
Verantwortlich für diese Entwicklung macht man heutzutage eine Verminderung des sog. „Serotonins“. Serotonin, im Volksmund häufig das „Glückshormon“ genannt, ist ein sogenannter „Neurotransmitter“, also ein Botenstoff, der Informationen zwischen Nervenzellen vermittelt. Man geht heutzutage davon aus, dass insbesondere das Serotonin für eine ausgeglichene Stimmungslage verantwortlich zu machen ist.
Das Serotonin wird nun typischerweise am Tage in das Blut abgegeben. Es braucht somit also einen Zeitgeber, der dem Gehirn anzeigt, dass es eben Tag und nicht mehr Nacht ist.
Unmittelbar mit dem Serotonin zusammenhängend, muss an dieser Stelle das sog. „Melatonin“, im Volksmund auch „Schlafhormon“ genannt, erwähnt werden. Dieses Melatonin sorgt natürlicherweise u.a. dafür, dass der Körper nachts in eine Tiefschlafphase kommen kann.
Ein direkter Lichteinfall ins Auge (Zeitgeber Licht) sorgt nun dafür, dass am Morgen die Melatoninproduktion gestoppt und die (oben erwähnte) Serotoninproduktion und -abgabe ins Blut erhöht wird.
Man weiß heute, dass ein dauerhaft zu niedriger Serotoninspiegel (bzw. erhöhter Melatoninspiegel) die Wahrscheinlichkeit erhöht, depressive Symptome zu entwickeln.
Anmerkung: Warnung des Autors
Aus diesem Grunde sei an dieser Stelle ausdrücklich vor dem nicht ärztlich verordnetem Gebrauch von Melatonin-Produkten aus dem Ausland und aus Internet-Apotheken gewarnt!
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Differentialdiagnosen
Es gibt nicht wenige Krankheiten, bei denen ebenfalls (zumindest teilweise) die oben aufgeführte Symptomatik auftreten kann. Typischerweise ist hierbei zu denken an:
- Depressive Episode (siehe auch Thema Depression)
- Schizophrenie (siehe auch Thema Schizophrenie)
- Körperliche Erkrankungen (z. B. Blutarmut, Erkrankungen der Schilddrüse, Infektionen etc.). Diese Art von Erkrankungen ist jedoch häufig mit Hilfe von körperlichen und Blutuntersuchungen festzustellen und zu behandeln.
Therapie

- Therapie der Winterdepression
Wie bei vielen Krankheiten auch bestimmen vor allem die Symptome und ihre Intensität die Therapie.
Ausgehend von den Ursachen einer Winterdepression ist es jedoch vor allen Dingen die Lichtzufuhr (Lichttherapie), die am Beginn einer Behandlung stehen sollte. Falls dies nicht ausreichen sollte, muss mit dem Patienten über eine medikamentöse antidepressive Behandlung gesprochen werden (siehe auch hier das Thema Antidepressiva).
Was ist Lichttherapie?
Bei der Lichttherapie setzt sich der Patient in einem Abstand von 50 - 90cm vor eine sog. „Lichtdusche“. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Lampe, deren Licht dem Sonnenlicht ähnelt. Sie muss eine Leuchtstärke von mindestens 2.500 Lux besitzen. Moderne Geräte, die in der Lichttherapie eingesetzt werden, haben häufig sogar eine Leuchtstärke, die gegen 10.000 Lux (entspricht der Leuchtkraft von 10.000 Kerzen) geht.
Der Patient setzt sich nun mit offenen Augen vor diese Lampe und schaut einige Sekunden in das Licht. Dann schaut er zu Boden, oder in ein Buch, um die Augen nicht zu stark zu belasten bzw. zu schädigen. In den folgenden 20-30 Minuten sollte der Patient dann jede Minute für einige Sekunde voll in das Licht sehen.
Insgesamt sollte pro Tag eine Sitzung erfolgen und dies mindestens über einige Tage. Es hat sich gezeigt, dass die erzielten Ergebnisse besser sind, wenn die Sitzung unmittelbar nach dem Aufstehen stattfindet (unmittelbares Signal, die Melatoninproduktion zu stoppen).
Als Nebenwirkungen werden gelegentliche Schlafstörung, Kopfschmerzen und in sehr seltenen Fällen (Hypo-) Manien (sie hierzu auch das Thema Manie) beschrieben.
Ein Augenmerk muss allerdings auf evtl. Medikation gelegt werden, die parallel zur Lichttherapie eingenommen wird.
Nicht wenige Medikamente (auch pflanzliche wie z.B. Johanniskraut) steigern die Lichtempfindlichkeit und können somit möglicherweise Hautschäden auslösen.
Gerade Johanniskraut wird gerne und häufig zur pflanzlichen Therapie bei leichter Winterdepression von Ärzten verordnet.
Mehr zum Thema Johanniskraut finden Sie auch unter unserem Thema Johanniskraut.
Sprechen Sie deshalb auf jeden Fall mit Ihrem Arzt über Dauermedikation und Lichttherapie.
Anmerkung des Autors
Lichttherapie setzt man übrigens auch bei anderen Formen der Depression recht erfolgreich ein.
Als weitere Maßnahmen zur Therapie der Winterdepression haben sich Bewegung im Freien (insbesondere Frühsport und lange Spaziergänge) und ein „Winterfluchturlaub“ herausgestellt, bei dem man die „kritischen“ Monate (zumindest zum Teil) in Ländern mit höherer Sonnenwahrscheinlichkeit verbringt.
Bei der sportlichen Betätigung sind es vor allem zwei Mechanismen, die wirken. Zum einen wirkt das Tageslicht sich positiv auf die Serotonin Ausschüttung aus und zum anderen steigert regelmäßige Bewegung das allgemeine Körperbewusstsein, was grundsätzlich ebenfalls eine antidepressive Wirkung hervorruft.
Insbesondere Ausdauersport hat sich als besonders effektiv bewiesen den Serotoninspiegel zu heben.
Weitere Informationen zum Ausdauersport für “Sportanfänger” finden Sie auch unter unserem Thema: Ausdauersport
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