Dr- Gumpert - Literaturhinweis:

Zum Thema Rückenschmerzen haben wir ein ausführliches orthopädisches Fachbuch geschrieben, das alle Ursachen und therapeutischen Ansätze der Rückenschmerzen einfach und verständlich darstellt.
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Anatomie

HWS, BWS und LWS

Wie bereits oben erwähnt, ist die Wirbelsäule physiologisch gekrümmt. Sie weist eine doppelt S - förmig geschwungene Form auf. Durch diese physiologische Form wird dem Körper maximale Stützkraft gewährt, welche letzten Endes für den aufrechten Gang des Menschen verantwortlich ist. Darüber hinaus ist die Wirbelsäule hochelastisch.

Bei dem Aufbau der Wirbelsäule unterscheidet man demzufolge den beweglichen Teil der Wirbelsäule vom unbeweglichen Teil: Während der obere Teil (Hals- Brust- sowie Lendenwirbelsäule) stets beweglich bleibt, verschmelzen zwischen 20. und 25. Lebensjahr die eigentlich beweglichen unteren Teile der Wirbelsäule, nämlich Kreuz- und Steißwirbel. Genau dann bilden sich die unbeweglicheren Teile, nämlich Kreuz- und Steißbein. Sie bleiben dann starr in der Position.

Die Wirbelsäule bildet den Kanal für das Rückenmark. Dieses Rückenmark ist hochempfindlich und von wesentlicher Bedeutung, denn es verbindet das Gehirn mit dem peripheren Nervensystem.

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 32-33 Wirbelknochen (Vertebra), setzt sich somit aus sieben Halswirbeln der so genannten Halswirbelsäule, zwölf Brustwirbeln der so genannten Brustwirbelsäule, fünf Lendenwirbeln der Lendenwirbelsäule und fünf Kreuz- und Steißwirbeln zusammen.

Zwischen den Wirbelkörpern liegen „Puffer“ (= Bandscheiben), deren Hauptaufgabe darin besteht, starke Bewegungen abzufedern. Gemeinsam mit den Wirbelkörpern bilden Wirbelkörper und Bandscheibe eine elastische „Säule“.

Die volle Beweglichkeit wird allerdings erst durch die Kombination mit den Muskeln und Bändern erreicht.

Aufbau des Wirbelknochens

Unabhängig von der Größe und der Lokalisation variieren die Wirbel nicht in ihrem prinzipiellen Aussehen. Egal an welchem Ort lokalisiert, bestehen alle Wirbel aus

  • einem Wirbelkörper (Corpus),
  • dem Wirbelbogen (= Arcus), der sich an den Wirbelkörper anschließt und den so genannten Fortsätzen, die zum einen die Kraft der Muskulatur auf die Wirbel, aber auch auf die Gelenkfortsätze überträgt.
  • dem Wirbelkanal, der sich als Folge der physiologischen Krümmung entwickelt und das Rückenmark enthält.

Aufbau

Der jeweils rot eingefärbte Bereich zeigt die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule von der Seite gesehen.

Von links nach rechts:

Man erkennt die normale S-förmige Verkrümmung der Wirbelsäule. Während man die normale Krümmung in der Hals- und Lendenwirbelsäule Lordose nennt, spricht man im Bereich der Brustwirbelsäule von Kyphose.

CT - Abbildung Wirbelsäule

  1. Wirbelkörper
  2. Querfortsatz
  3. Gelenkfortsatz / Wirbelgelenk
  4. Dornfortsatz
  5. Wirbelloch

Generell kann man festhalten, dass die Wirbel beim Aufbau der Wirbelsäule sehr eng aneinander und somit in direkter Nachbarschaft zueinander liegen. Lediglich die Bandscheibe trennt sie. Zwischen Wirbelkörper und Bandscheibe befindet sich das so genannte „Zwischenwirbelloch“. Das Zwischenwirbelloch (med. Neuroforamen) ermöglicht, dass Rückenmarksnerven (= Spinalnerven) aus dem Rückenmarkskanal (Spinalkanal) austreten und somit Sensorik (Gefühl) und Motorik (Muskulatur / Bewegung) angesteuert werden können.

Abbildung Wirbelsäule

  1. Querfortsatz
  2. abgehender Nerv
  3. Wirbelkörper
  4. Dornfortsatz
  5. Rückenmark

Allen Wirbelkörpern gemein ist, dass sie nicht nur den aufrechten Gang stützen, sondern – genau wie die Röhrenknochen des Körpers auch rote Blutkörperchen (=Erythrozyten) bilden.

Die Halswirbelsäule (HWS)

Die Halswirbelsäule liefert beim Aufbau der Wirbelsäule dem Kopf ein Höchstmaß an Beweglichkeit. Hierbei ist ein Zusammenspiel der 7 Halswirbelkörper notwendig.
Der erste und der zweite Halswirbel unterscheiden sich in ihrem Aussehen erheblich von den anderen fünf Halswirbeln. Dies liegt besonders in ihrer Funktion begründet: Der erste Halswirbelkörper ist ringförmig und trägt den Kopf. Der Zweite bildet zusammen mit dem ersten Halswirbel (Atlas) das Atlanto – Axial – Gelenk, welches nicht nur dem Kopf, sondern auch der gesamten Halswirbelsäule die Beweglichkeit verschafft.

Darüber hinaus besitzt der zweite Halswirbel (Axis) einen so genannten Zahn (= Dens), der durch den ersten Halswirbel hindurch geht und mit dem ersten Halswirbel gemeinsam den Kopf trägt.
Wird der Kopf seitlich gedreht, so dreht sich der Atlasring um den Axiszahn.

Mehr Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Halswirbelsäule.

Die Brustwirbelsäule (BWS)

An den zwölf Brustwirbeln der Brustwirbelsäule setzen die Rippen an. Dabei sind Brustwirbel und das jeweils ansetzende Brustwirbelpaar beim Aufbau der Wirbelsäule durch ein Gelenk mit der Gelenkfläche des entsprechenden Querfortsatzes verbunden. Auf der Vorderseite hingegen weisen alle Rippenpaare mit Ausnahme der unteren beiden Rippenpaare eine Verbindung mit dem Brustbein (= Sternum) auf.

Im Rahmen der näheren Erläuterung der Wirbelsäule wurde (Aufbau der Wirbelsäule) wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich auf beiden Seiten (rechts und links) zwischen Wirbelkörper und Bandscheibe ein so genanntes Zwischenwirbelloch befindet, welches den Rückenmarksnerven den Austritt aus dem Wirbelkanal ermöglicht.

Nur dadurch ist es möglich, dass Sensorik und Motorik angesteuert werden. Welche Ansteuerung durch die Rückenmarksnerven (= Spinalnerven) vorgenommen wird, ist abhängig von der Lokalisation:

Beispielsweise treten aus dem unteren Bereich der Brustwirbelsäule aus dem Zwischenwirbelloch Rückenmarksnerven aus, die die Beinmotorik und –sensorik ansteuern. Verletzungen in diesen Teilen der Brustwirbelsäule implizieren in der Regel stets ein Taubheitsgefühl oder gar Lähmungserscheinungen im entsprechend angesteuerten Beinbereich.

Lesen Sie mehr zum Thema Brustwirbelsäule

Die Lendenwirbelsäule (LWS)

Die Lendenwirbelsäule wird aus den fünf Lendenwirbeln der Wirbelsäule gebildet. Da sie im unteren Bereich der Wirbelsäule lokalisiert sind, müssen sie den höchsten Gewichtsanteil tragen. Aus diesem Grund sind sie auch wesentlich dicker als die anderen Wirbel. Dies vermeidet jedoch nicht die Verschleißerscheinungen, die besonders in diesem Bereich sehr häufig auftreten. So sind beispielsweise Gelenkabnutzungen und Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule am häufigsten.

Die Lendenwirbelsäule unterscheidet sich auch im Aufbau von den anderen Bereichen der Wirbelsäule. So findet man beispielsweise ab dem zweiten Lendenwirbel kein Rückenmark mehr vor. Dies bedeutet: Nerven zur Auslösung der Sensorik und Motorik im Bein- und Beckenbereich füllen den Wirbelkanal aus. Diesen Bereich, in dem das Nervenmark endet und der Wirbelkanal durch Nerven ausgefüllt wird, bezeichnet man als „Pferdeschweif“, bzw. medizinisch als Cauda equina.

Lesen Sie mehr zum Thema Lendenwirbelsäule

Röntgenbild Lendenwirbelsäule

  1. Bandscheibe (blau)
  2. Wirbelkörper
  3. Kreuzbein (rot)

Kreuzbein und Steißbein

Zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr verschmelzen die fünf Kreuzwirbel, die Bandscheiben und die dazugehörigen Rippenrudimente. Sie bilden das so genannte Kreuzbein (Os sacrum). Gleiches geschieht auch mit den vier Steißwirbeln. Sie bilden dann das Steißbein (Os coccygis), an dem die Muskeln und Bänder des Beckenbereiches ansetzen.

Das „entstandene“ Kreuzbein (= Os sacrum) ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Wirbelsäule. Es bildet darüber hinaus mit dem Darmbein zusammen das so genannte Ileo – Sacral – Gelenk (= ISG, Kreuz – Darmbein – Gelenk) und stellt somit auch einen wichtigen Bestandteil des Beckens, indem es die Wirbelsäule mit dem Becken verbindet.

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Autoren: Dr. med Nicolas Gumpert u. Dr. med Marc Jungermann

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Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012