Wurzelbehandlung

Einleitung

Die Endodontie ist die Behandlung im Innern des Zahnes, also des Zahnmarks. Die Wurzelbehandlung dient der Erhaltung des Zahnes, der dadurch als Fundament für eine Krone oder sogar als Pfeilerzahn für eine Brücke dienen kann.

Historie

Mitte der 50er Jahre wurden viele Krankheiten auf fokale Herde zurückgeführt. Man verdächtigte unter anderem auch die nervtoten Zähne als potentielle Herde, die zum Beispiel auch für Rheuma als Ursache in Betracht kamen. Deshalb wurde jeder Zahn, dessen Zahnmark abgestorben war, extrahiert. Davon ist man abgekommen, weil durch sorgfältige Wurzelbehandlung diese Zähne noch wertvolle Dienste leisten können.




Pulpitis

Die Pulpitis ist eine akute Entzündung des Zahnmarks. Sie ist Folge einer nicht behandelten Karies, die sich immer weiter im Dentin verbreitet hat. Bakterien können durch die Dentinkanälchen das Zahnmark mit seinen Blutgefäßen, Nerven und Bindegewebe erreichen. Die Pulpa reagiert mit einer Entzündung, die große Schmerzen erzeugt. Das Zahnmark ist damit irreversibel geschädigt und muss entfernt werden.

Dies geschieht mit einer Vitalamputation. Unter einer Lokalanästhesie und absoluter Trockenlegung, am besten mit dem Gummituch Kofferdam, um weitere bakterielle Infektionen zu vermeiden, wird die Pulpenkammer eröffnet und das Zahnmark entfernt. Am Boden der Pulpenkammer werden die Eingänge der Wurzelkanäle aufgesucht, was besonders bei Zähnen mit mehreren Wurzeln unter Umständen schwierig ist, da besonders bei älteren Menschen durch die Bildung von Sekundärdentin die Eingänge in die einzelnen  Wurzelkanäle schwer zu finden sind. Nach Erweiterung der Eingänge wird das restliche Pulpengewebe aus den Wurzelkanälen sorgfältig entfernt. Die Kanäle werden gesäubert, mit Hand-oder Maschineninstrumenten erweitert und mit desinfizierenden Lösungen wie Wasserstoff-Superoxid oder Chlorhexidindigluconat gespült, um die Reste von Gewebe und abgeraspelten Dentin zu entfernen.

Die Aufbereitung des Wurzelkanals ist beim Zahn mit einer geraden Wurzel relativ einfach, es muss aber darauf geachtet werden, dass der Kanal möglichst bis an die Spitze der Wurzel aufbereitet wird. Die Kontrolle erfolgt mit einer Röntgenaufnahme. Bei Zähnen mit mehreren Wurzeln ist die Aufbereitung wesentlich schwieriger. Vor allem dann, wenn diese Wurzeln noch gebogen sind. Heute gibt es dafür Feilen, die flexibel sind und deshalb auch in gekrümmten Wurzeln eine Reinigung und Erweiterung zulassen.

Bei einer akuten Pulpitis, bei der keine Bakterienreste mehr vorhanden sind, kann die endgültige Füllung der Wurzelkanäle sogleich in einer Sitzung erfolgen. Der oder die Wurzelkanäle werden nach Trocknung mit Papierspitzen mit einer antibakteriellen Paste oder mit Guttapercha gefüllt und darüber eine Deckfüllung gelegt.  Ist jedoch schon eine weiter gehende Infektion vorhanden, wird man zunächst eine antibakterielle Einlage machen und den Zahn provisorisch verschließen. Erst wenn der Zahn mehrere Wochen ruhig war, kann die endgültige Versorgung erfolgen. Der Erfolg der Behandlung wird anhand eines Röntgenbildes überprüft. Auch bei einem Trauma, also einem Unfall, bei dem es zur Eröffnung der Pulpa gekommen ist, wird identisch vorgegangen.

Gangrän

Ist die Pulpa nicht nur entzündet, sondern schon durch die Bakterieneinwirkung zerfallen, ist eine Gangrän entstanden. Die Behandlung der Gangrän ist wesentlicher aufwendiger und langwieriger als die der Pulpitis. Bei der Eröffnung der Pulpenkammer entweichen übel riechende Gase, der Patient verspürt jedoch eine sofortige Erleichterung, weil die Gase nicht mehr auf die Öffnung an der Wurzelspitze drücken.  Nach Entfernung des zerfallenen Zahnmarks, erweitert man die Öffnung und lässt den Zahn zunächst offen oder verschließt ihn mit einem Wattebausch, damit die Gase entweichen können, Speisereste aber nicht eindringen können.  In der nächsten Sitzung der Wurzelbehandlung wird der Wurzelkanal erweitert und von Resten gesäubert. Eine Röntgenaufnahme zeigt, wie weit der Kanal aufgearbeitet wurde. Nach einer antiseptischen Einlage wird der Zahn provisorisch verschlossen. Bleibt der Zahn für längere Zeit ohne Symptome kann der Kanal mit Guttapercha oder einem anderen Wurzelfüllungsmaterial ausgefüllt und endgültig verschlossen werden.

Milchzähne

Die Behandlung von Milchzähnen mit einer Pulpitis oder Gangrän ist schwieriger. Da die Milchzähne kleiner sind und Schmelz und Dentin dünner, wird die Pulpa schneller erreicht als bei den Zähnen der Erwachsenen. Natürlich muss man versuchen, den Zahn zu erhalten, da er als Platzhalter für die bleibenden Zähne dient. Auf der anderen Seite muss bedacht werden, dass unmittelbar hinter dem Milchzahn der bleibende Zahn steht und die Wurzeln des Milchzahns sich resorbieren. Deshalb kann eine normale Wurzelfüllung/ Wurzelbehandlung nicht durchgeführt werden. Auf jeden Fall wird das kariöse Gewebe entfernt, dann muss man entscheiden, wie das weitere Vorgehen ist. Eine Möglichkeit ist, den Zahn aufzuschleifen, damit kein Stau entstehen und keine Zahnschmerzen. Er bleibt offen oder wird mit einer antibakteriellen Einlage versehen. Ist der Zahn offen, sollte man darauf achten, dass keine Speisereste ihn wieder verschließen. Bei weit geöffneter Pulpenkammer müsste das aber keine Schwierigkeiten bereiten. Die Alternative ist die Entfernung des Zahnes. Damit ist die wichtige Platzhalterfunktion verloren gegangen. Abhilfe schafft ein Platzhalter, der die Lücke offen hält, damit der bleibende Zahn regelrecht durchbrechen kann.

Wurzelspitzenresektion

Auch bei sorgfältigster Wurzelbehandlung können noch Bakterien in den Verästelungen des Wurzelkanals an seiner Spitze verbleiben. Es kann dann zu einem Eiterherd an der Wurzelspitze kommen, der vom Körper durch einen Schutzwall aus Bindegewebe umschlossen wird. Da es sich aber um einen latenten Gefahrenherd handelt, sollte man ihn mit einem chirurgischen Eingriff, der Wurzelspitzenresektion, beseitigen. Dazu wird unter Lokalanästhesie die Schleimhaut durchtrennt und der Knochen über dem Eiterherd entfernt. Der Eiterherd wird beseitigt und mit ihm die Wurzelspitze. Danach wird der Wurzelkanal von der Spitze aus noch mit Amalgam oder Zement verschlossen, damit können keine Keime mehr austreten. Die Schleimhaut wird wieder vernäht und die Resektion ist abgeschlossen. Die Durchführung einer Wurzelspitzenresektion ist bei Zähnen mit einer Wurzel relativ problemlos, bei Zähnen mit mehreren Wurzeln ist sie sehr schwierig.

Prophylaxe

Eine gezielte Prophylaxe direkt auf eine Wurzelbehandlung gibt es nicht. Denn diese Behandlung erfolgt immer nur nach einer Schädigung des Zahnhartgewebes, entweder durch Karies oder durch einen Unfall, bei dem der Zahn abgebrochen wird und damit die Pulpa frei liegt. Deshalb ist die Mundhygiene, siehe auch Zahnpflege, mit fluoridierter Zahnpasta und professionelle Zahnreinigung die beste Vorbeugung, denn sie beugen einer Kariesinfektion am besten vor.




Zusammenfassung

Die Wurzelkanalbehandlung wird bei akut entzündeter Pulpa angewandt. Sie kann bei unkompliziertem Verlauf in einer Sitzung durchgeführt werden. Bei einer Gangrän ist die Behandlung langwieriger und aufwändiger. Die Wurzelbehandlung bei Milchzähnen hängt von der jeweiligen Ausgangsposition ab, unterscheidet sich aber wesentlich von der bei Erwachsenen. Die Wurzelspitzenresektion entfernt den Eiterherd an der Wurzelspitze und die Spitze selbst.


Wie gut ist Ihre Zahnpflegekenntnis?

Beantworten Sie 14 Fragen aus allen Bereichen der Zahnpflege und erlernen Sie dabei wichtige Informationen zum Thema Zahnpflege.
Wir wünschen viel Erfolg.
zum Zahnpflege Quiz



Das könnten Sie jetzt auf Dr-Gumpert.de machen!

Unser Buch bestellen

Ins Forum gehen

Selbsttest

Zum Quiz

Dr-Gumpert.de auf Facebook

Dr-Gumpert.de auf Facebook

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Das ganze Dr-Gumpert.de Team, das diese Seite mit viel Engagement in knapper Freizeit betreut, bedankt sich bei allen Unterstützern.

Wenn Ihnen dieses Seite gefallen hat, drücken Sie:

Und zuletzt unterstützen Sie uns, wenn Sie uns mit dem "Google Plus One Button" positiv bewerten:





Autor: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 03.03.2011