Epilepsie

Synonyme im weiteren Sinne

Englisch: epilepsy

Einleitung

Das Wort Epilepsie stammt vom Altgriechischen epilepsis, was „der Anfall“ oder „der Übergriff“ bedeutet. Epilepsie ist ein Krankheitsbild, welches streng genommen nur als solches bezeichnet werden darf, wenn mindestens ein epileptischer Anfall – Krampfanfall – auftritt mit einem epilepsietypischen Befund im EEG und/ oder MRT vom Gehirn, der für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für weitere epileptische Anfälle hinweisend ist.

Unter Epilepsie versteht man verschiedene Symptome bezüglich der Muskulatur (motorisch), der Sinne (sensorisch), des Körpers (vegetativ) oder der Psyche (psychisch), welche infolge einer abnormen Erregungsbildung und Erregungsausbreitung der Nervenzellen des Gehirns mehr als einmal auftreten. Zusammengefasst werden diese Symptome als „Anfall“.

Dabei kann es je nach Epilepsie-Form beispielsweise zu rhythmischen Zuckungen oder Verkrampfungen von Muskelgruppen, Schwitzen, Riechstörungen, Blutdruckanstieg, gesteigertem Speichelfluss, Einnässen, Kribbeln, Schmerzen oder Halluzinationen kommen.

Bei der Epilepsie gibt es nicht immer eine vorausgehende erkennbare Erklärung für den Zeitpunkt des Auftretens des Anfalls, wie beispielsweise eine Gehirnentzündung, eine Vergiftung oder Narben im Gehirn. Jedoch gibt es diverse Ursachen, die das Auftreten einer Epilepsie begünstigen.

Häufigkeit

Die Epilepsie ist ein häufiges Krankheitsbild. Allein in Deutschland leiden etwa 0,5% daran, was etwa 400.000 Menschen betrifft. Jedes Jahr erkranken 50 Menschen von 100.000 Einwohnern an dem Anfallsleiden. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Rate der Neuerkrankungen besonders hoch.
Weltweit leiden zirka 3 – 5% an einer Epilepsie. Bei Kindern, bei denen ein Elternteil an genetisch bedingter Epilepsie erkrankt ist, muss mit einer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krampfleiden von bis zu 4% gerechnet werden, was einer achtfachen Erhöhung der Gefahr im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung entspricht. Auch bei der symptomatischen Epilepsie konnte eine erhöhte Bereitschaft für ein Anfallsleiden bei erstgradig Verwandten beobachtet werden.

Ist Epilepsie vererbbar?

Man geht mittlerweile davon aus, dass die meisten Epilepsieerkrankungen auf einer genetischen Veranlagung beruhen, die weiter vererbt werden kann. Dies gilt nicht nur, wie bisher immer angenommen, für die idiopathischen Formen der Epilepsie, die fast immer genetischen Ursprungs sind, sondern auch für symptomatische Epilepsien.

Letztere werden durch Hirnschäden infolge von Sauerstoffmangel, entzündlichen Prozessen oder Unfällen verursacht. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass die meisten Patienten, die infolge einer solchen Hirnschädigung eine Epilepsie aufweisen, ebenfalls genetisch vorbelastet sind. So kann man in Familien, in denen eine Person unter Epilepsie leidet, von einem leicht erhöhten Risiko innerhalb der gesamten Familie ausgehen, unabhängig von der Form der Epilepsie.

Das Risiko, dass ein Elternteil eine vorhandene Epilepsie an die Kinder weitervererbt, liegt bei ca. 5%, handelt es sich um eine idiopathische Unterform liegt es sogar bei 10%. Sind beide Eltern betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Weitervererbung bei 20%.  

 

Ursachen

Hier wird der Grund für die Epilepsie in drei Kategorien eingeteilt. Es gibt die idiopathische Epilepsie, die eine angeborene, also genetische Ursache beschreibt. Beispielsweise kann eine Mutation in einem Ionenkanal im Gehirn die Krampfschwelle heruntersetzten. Des Weiteren gibt es die symptomatische Epilepsie, bei der strukturelle und/oder metabolische (stoffwechselbedingte) Gründe die Epilepsie erklären können.
Hierzu zählen:

Als drittes ist die kryptogene Epilepsie zu nennen, bei der ein symptomatisches Anfallsleiden besteht ohne einen Nachweis der Grunderkrankung zu finden.
Zusätzlich gibt es noch epilepsieauslösende Faktoren, die bei bestehender Anfallsneigung einen konkreten epileptischen Anfall begünstigen.
Dazu zählen:

Epilepsie und Stress

Inwiefern Stress, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines epileptischen Anfalls erhöht, ist bis heute nicht in vollem Umfang geklärt. Sicher ist jedoch, dass die Relevanz dieses Faktors von Person zu Person anders ist. So geben manche Personen an, dass Stress den wichtigsten auslösenden Faktor bei ihnen darstellt und sie nur während stressigen Situationen Anfälle bekommen.

Dies war vor allem bei Patienten zu beobachten, deren Epilepsieherd im Bereich des Temporallappens liegt. Andere Studien hingegen haben gezeigt, dass Stress, in richtigem Umfang, sich positiv auf der Krankheitsverlauf auswirken kann und das Risiko für einen Anfall vermindert. Die meisten Epileptiker lernen im Rahmen ihres Krankheitsverlaufs gut einzuschätzen inwiefern Stress für sie ein auslösender Faktor darstellt oder nicht.

Epilepsie durch Drogen

Mittlerweile ist nachgewiesen, dass Drogen ein Auslöser für eine epileptischen Anfall sein können. Dies gilt nicht nur für Personen, die bereits unter Epilepsie leiden, sondern auch für gesunde Menschen, bei denen ein solcher Anfall dann als Gelegenheitsanfall benannt wird. Doch nicht nur der alleinige Konsum von Drogen kann zu einem Anfall führen, sondern auch ein Entzug von diesen.

Vor allem Amphetamin (Speed) wird mit einem stark erhöhten Anfallsrisiko in Verbindung gebracht. Somit werden Personen, die unter einer Epilepsie leiden, noch vehementer von dem Konsum von Drogen abgeraten. Sollte bereits vor der Diagnose der Epilepsie eine Abhängigkeit von Drogen bestanden haben, sollte auf jeden Fall das Gespräch mit einem Neurologen über dieses Thema gesucht werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Anfallsarten

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Einteilungen. Ein Klassifikationsversuch stammt von der Internationalen Liga gegen Epilepsie. Hierbei wird die Krankheit in fokale, generalisierte, nichtklassifizierbare epileptische Anfälle eingeteilt. Bei der fokalen Epilepsie gibt es eine weitere Unterteilung, die sich nach dem Bewusstseinszustand des Menschen richtet.
So lassen sich einfach-fokal (mit Bewusstsein) und komplex-fokal (ohne Bewusstsein) unterscheiden.
Primär generalisierte Epilepsien sind ein Krankheitsbilder, bei denen beide Hirnhälften zugleich betroffen sind. Die Patienten leiden an einer Bewusstseinseintrübung und können sich in der Regel nach dem Aufwachen an nichts mehr erinnern. Bei den nichtklassifizierbaren Anfällen werden alle Anfälle mitgezählt, die sich in keine andere Kategorie einteilen lassen.
Des Weiteren gibt es den sogenannten Status epilepticus. Hier handelt es sich um kurz aufeinanderfolgende Anfälle, zwischen denen sich keine Pause (Erholung) befindet. Ein Status epilepticus kann fokal, also auf einen Teil im Gehirn beschränkt sein und muss mindestens 20 Minuten andauern, um als solcher definiert werden zu können.
Bei einem generalisierten epileptischen Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, wird auch von einem Status epilepticus gesprochen. Dieses Krankheitsbild muss schnellstens behandelt werden, da hier die Gefahr des Todes besteht.

Begleitende Symptome

Patienten, die unter Epilepsie leiden, weisen die meiste Zeit keine Symptome auf. Diese symptomfreie Zeit wird jedoch durch wiederkehrende epileptische Anfälle unterbrochen, die mit den unterschiedlichsten Symptomkonstellationen einhergehen können. So unterscheidet man grundsätzlich viele verschiedene Typen der Epilepsie, die jeweils mit verschiedenen Symptomen einhergehen. Die meisten Betroffenen berichten von sogenannten Auren, die kurz vor einem akuten Anfall auftreten. Diese können mit Beklemmungsgefühlen, Magenschmerzen, Sinnesveränderungen und Hitzewallungen einhergehen und stellen an sich bereits einen eigenen Anfall dar, der jedoch nur subjektive Symptome hervorruft.

Die genaue Ausprägung und der zeitliche Verlauf dieser Symptome hängen von der Lokalisation des Epilepsieherds ab und sind wegweisend in der Diagnostik der Epilepsie. Weiterhin beschreiben viele Patienten, dass sie kurz vor einem Anfall keine klaren Gedanken mehr fassen können. Für Beobachter wirken sie in diesem Moment sehr apathisch. Manche Patienten klagen jedoch schon längere Zeit vor einem Anfall über Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Ängstlichkeit. Diese Phase wird als Prodromalphase bezeichnet.

Menschen, die bereits länger unter dieser Erkrankung leiden und bereits mehrere Anfälle erlitten, können diese Symptome meist sehr gut einschätzen und haben dann bereits eine Vorahnung, dass sich ein Anfall in den nächsten Tagen ankündigt. Doch auch in der Zeit zwischen zwei Anfällen berichten manche Patienten von einigen Symptomen, die auftreten können. Zu diesen gehören Kopfschmerzen, eine erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zur manischen Depression.

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Diagnose

Bereits nach einem aufgetretenem epileptischen Anfall, muss eine sorgfältige Untersuchung erfolgen. Dabei wird überprüft, ob es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, dass weitere Krampfanfälle folgen könnten. Es werden genetische Ursachen, sowie strukturelle und metabolische Gründe genauestens untersucht und wenn möglich diagnostiziert oder ausgeschlossen.

Die Diagnostik baut sich, wie folgt, auf:
Der Anfallstyp muss festgestellt werden, deshalb ist ein detailliertes Gespräch wichtig.
Wann, wo, wie oft ist der epileptische Anfall aufgetreten?
Gab es einen vermuteten Auslöser?
Waren Sie noch bei Bewusstsein?
Hat der ganze Körper gezuckt, oder nur eine Körperpartie?
Solche und weitere Fragen werden dabei gestellt. Zur Diagnostik gehört auch das Manifestationsalter, da es in den verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Ursachen der Epilepsie gibt. Beispielsweise tritt bei Erwachsenen ein Krampfanfall auf, wird man eher von einem symptomatischen Anfallsgeschehen ausgehen, wie Hirntumor, Entzündung, etc.
Bei Jugendlichen rücken eher genetisch bedingte Anfälle in den Vordergrund. Der EEG – Befund sowie der bildgebende Befund mittels Computertomografie vom Kopf und Magnetresonanztomografie vom Kopf sind weitere wichtige Bestandteile der Diagnostik.

Beim EEG können oftmals wichtige Ursachen für das Entstehen von Krampfleiden herausgefiltert werden. Man darf aber nicht vergessen, dass in vielen Fällen das EEG während eines Anfalles völlig normal sein kann.
CT und MRT vom Gehirn gehören zur Erstuntersuchung dazu, um mögliche symptomatische Ursachen auszuschließen. Zusätzlich können entzündliche Prozesse im Zentralen Nervensystem eine Epilepsie begründen, weshalb bei einem klinischen Verdacht eine Liquorpunktion durchgeführt werden soll.

Bei gewissen Vermutungen wird eine organspezische („internistische“) Befundung durchgeführt. Hierbei werden vor allem Provokationsfaktoren wie Alkohol, Drogen, Fieber sowie weitere Faktoren wie Unter- bzw. Überzucker untersucht.

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Was sieht man im MRT von Epilepsiepatienten?

Das MRT gehört zu der Standarddiagnostik, die nach dem Auftreten des ersten epileptischen Anfalls, fast immer durchgeführt wurde. Durch dieses bildgebende Verfahren können so zum Beispiel Hirnläsionen entdeckt werden, die zu einer Epilepsie führen können. Des Weiteren kann man in manchen Fällen auch Veränderungen erkennen, die durch den zurückliegenden Anfall verursacht wurden. Letztere sind meist durch eine erhöhte Kontrastaufnahme oder Durchblutungsstörungen gekennzeichnet.

Vor allem beim Vorliegen einer fokalen Epilepsie, die also von einem bestimmten Epilepsieherd ausgeht, können Veränderungen der Hirnstruktur im MRT erkannt werden. Weiterhin kann man in einem MRT die Verkalkung bestimmter Hirnstrukturen, wie dem Hippocampus, erkennen, die ebenfalls Hinweise für bestimmte Formen der Epilepsie sein können.  

Behandlung

Bei der medikamentösen Therapie der Epilepsie muss zunächst zwischen zwei Gruppen unterschieden werden. Zum einen gibt es Medikamente, die von den Betroffenen täglich eingenommen werden müssen und als eine Prophylaxe zur Vermeidung von Anfällen wirken. Zum anderen werden Medikamente eingesetzt, die für den akuten Fall sind, also kurz vor dem Auftreten eines Anfalls eingenommen werden müssen.

Das allgemeine Ziel der Ärzte ist das Erreichen einer Anfallsfreiheit, entweder durch das Beheben symptomatischer Faktoren oder durch eine gut eingestellte medikamentöse Therapie. Welches Arzneimittel verwendet wird, hängt vom Anfallstyp ab. Die prophylaktischen Medikamente werden als sogenannte Antikonvulsiva zusammengefasst. Mittlerweile gibt es über 20 verschiedene Wirkstoffe dieser Medikamentengruppe, die jeweils ein anderes Wirkspektrum haben und mit unterschiedlichen Nebenwirkungen einhergehen.

Die wichtigsten „antikonvulsiven“ Medikamente hierbei sind: Carbamazepin, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Topiramat, Valproinsäure.
Bei fokalen Epilepsien werden vor allem Lamotrigin und Levetiracetam verschrieben, bei generalisierten Epilepsien eher Valproinsäure oder Topiramat. Bei einzelnen seltenen Anfällen, also weniger als 2 Anfälle pro Jahr, werden hingegen keine Arzneimittel verordnet. 

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Die genaue Dosierung und eine mögliche Kombination dieser Medikamente werden auf jeden Patienten individuell angepasst, da jeweils andere Therapieschwerpunkte vorliegen. Es kann jedoch sein, dass im Laufe der Erkrankung verschiedene Medikamente ausprobiert werden müssen, da nicht jeder gleich gut auf die Medikamente reagiert. So führt die Therapie mit dem ersten Medikament bei nur ca. 50% der Patienten zu einer dauerhaften Anfallsfreiheit. Ist ein Patient mit dem richtigen Medikament eingestellt, muss dieses von den Patienten meist lebenslang eingenommen werden.

Ansonsten ist es wichtig, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, sowie dass eine sorgfältige Einstellung und Überwachung erfolgt.
Bei der Einstellung eines antikonvulsiven Medikamentes ist eine einschleichende Einnahme erforderlich. Das heißt: Zu Beginn soll eine geringe Dosis gegeben werden, die im Laufe gesteigert wird, bis die gewünschte Konzentration im Blut erreicht wird. Bei der Überwachung stehen die Blutwerte im Fokus, da sie leicht zu überprüfen sind und auch das Medikament im Körper und dessen Konzentration nachgewiesen werden können.
Erst nach dreijähriger Anfallsfreiheit mit normalem EEG-Befund kann ein Ende der medikamentösen Behandlung erwogen werden. Eine schleichende Abnahme sollte dabei erfolgen.

Eine operative Maßnahme ist nur dann zu erwägen, falls keine medikamentöse einfach oder mehrfach Therapie erfolgreich war. Ein vorliegender isolierter Bereich im Gehirn, der eine Epilepsie auslöst, ist eine weitere Voraussetzung. Bei der Operation dürfen des Weiteren keine Bereiche im Gehirn verletzt oder entfernt werden, die wichtige Funktionen übernehmen. Ist das Anfallsleiden stark ausgeprägt und geht von einem größeren Bereich im Gehirn aus, kann als letztmögliche Lösung eine partielle Gehirnentfernung (Gehirnamputation) erwogen werden.
Zur Vorbereitung einer operativen Behandlung müssen ein EEG sowie eine Bildgebung mittels Computertomografie erfolgen, um die genaue Lokalisation des Anfallsherdes zu finden. Vor allem eignen sich Temporallappen-Epilepsie-Herde zur operativen Therapie.

Kommt es zu einem akuten Anfall wird ein epileptischer Anfall zunächst mit Benzodiazepinen therapiert. Zu den bekanntesten Medikamenten dieser Wirkstoffgruppe gehören Tavor und Valium. Bringen diese Mittel nicht den gewünschten Erfolg stehen noch weitere Medikamente wie Phenytoin oder Clonazepam als Reserve zur Verfügung.

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es allgemeine Lebensmaßnahme, die eingehalten werden sollten. Reichlich Schlaf und der Verzicht von Alkohol gehören genauso dazu wie das Fahrverbot.
Hier gibt es jedoch eigene Regeln: Fahrerlaubnis besteht dann, wenn derjenige zwei Jahre anfallsfrei war, kein auffälliges EEG hat und die medikamentöse Behandlung regelmäßig ärztlich kontrolliert wird.
Des Weiteren hat die Epilepsie Auswirkungen auf den Beruf, bzw. die Berufswahl. Kraftfahrer oder Lokomotivführer, sowie jene Arbeiter, bei denen das Besteigen von Leitern und Gerüsten erforderlich wird, sollten über einen Berufswechsel nachdenken.

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Therapie des Status epilepticus

Da der Status epilepticus eine lebensgefährliche Situation darstellt, sollte er schnellstmöglich behandelt werden. Hierbei wird über eine Nadel, die einer Vene liegt, ein Benzodiazepin gegeben. Wirkt dieses nicht krampflösend, wird zuerst mit Valproat und dann mit Phenytoin, einem Narkosemedikament gearbeitet.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Da circa 8% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens einmal unter einem epileptischen Anfall leiden, ist es sinnvoll sich über die Maßnahmen der ersten Hilfe für diese Situation zu informieren. Für Beobachter sieht ein epileptischer Anfall meist sehr erschreckend aus und es wird, was auch völlig richtig ist, schnell der Notarzt gerufen. Ein epileptischer Anfall geht in fast allen Fällen mit einem Krampf der gesamten Muskulatur einher, was zu unkontrollierten Zuckungen des Körpers führt.

Oft wird versucht, die Patienten zu fixieren um diese Zuckungen zu unterdrücken. Dies sollte jedoch unter allen Umständen vermieden werden, da der Körper während eines Anfalls so große Kräfte entwickelt, dass es zum Auskugeln von Gelenken oder Knochenbrüchen kommen kann. Zudem sollte nicht der Versuch unternommen werden, irgendwelche Dinge zwischen die Zähne des Betroffenen zu schieben, da es hierbei zu Brüchen des Kieferknochens kommen kann.

So können Ersthelfende bei einem solchen Anfall meist wenig tun, außer zeitig einen Notruf abzusetzen und sich den genauen Ablauf des Anfalls einzuprägen, da dieser für die Diagnose sehr wichtig ist. In den meisten Fällen wacht der Patient bereits langsam auf, wenn der Notarzt eintrifft, hierbei ist er jedoch meist verwirrt und desorientiert. Dieser wird neben der Gabe einer Elektrolytinfusion, Blut abnehmen, um die Spiegel der Antiepileptika zu messen und den Alkoholspiegel zu bestimmen.

Kommt es im Rahmen der nächsten Minuten erneut zu einem Anfall, spricht man von einem Status epilepticus, der eine sofortige Einlieferung in eine Notaufnahme bedarf.

Epilepsiearmband

Viele Patienten, die unter Epilepsie leiden, tragen ein sogenanntes Epilepsie-Armband. Auf diesem steht, neben der Tatsache, dass sie Epileptiker sind, in der Regel auch noch, mit welchen Mitteln sie behandelt werden müssen während eines Anfalls und weitere Daten, die für die Behandlung eines Anfalls wichtig sein können, wie zum Beispiel Allergien. Es stellt eine Art Notfallausweis dar, denn man immer bei sich tragen kann und der von Sanitätern oder Notärzten schnell gesehen werden kann.

Darf man Auto fahren, wenn man unter Epilepsie leidet?

Grundsätzlich besagt das Gesetz, dass Anfallskranke nicht zum Führen von Kraftfahrzeugen berechtigt sind, solange ein erhöhtes Risiko für Anfälle mit Störungen des Bewusstseins oder der Motorik vorliegt. So müssen Epileptiker einige Bedingungen erfüllen, um erneut als fahrtauglich eingestuft zu werden. Zunächst muss ein Patient nach einem Anfall mindestens ein Jahr anfallsfrei sein. Zudem muss davon auszugehen sein, dass in Zukunft keine Anfälle mehr auftreten, was meist nur mit einer adäquaten medikamentösen Therapie in Form einer Prophylaxe möglich ist.

Prinzipiell wird Personen, die unter einem Anfall gelitten haben, zunächst für drei bis sechs Monate die Fahrerlaubnis entzogen. Dieser Zeitraum hängt davon ab, ob ein klarer vermeidbarer Auslöser, wie zum Beispiel eine Drogenintoxikation, ausmachbar ist oder nicht. Kommt es innerhalb weniger Jahre zu mehreren Anfällen, kann es sein, dass dem Betroffenen der Führerschein dauerhaft entzogen wird, was für die meisten Menschen einen großen Einschnitt in die Alltags- und Berufsplanung darstellt.

Epilepsie und Alkohol - Verträgt sich das?

Inwiefern ein Alkoholverzicht im Rahmen einer Epilepsieprophylaxe notwendig und sinnvoll ist, spaltet bis heute die Geister vieler Neurologen. Zum einen gibt es Belege dafür, dass ein erhöhter Konsum als Auslöser für einen epileptischen Anfall wirken kann. Zum anderen besteht der Verdacht, dass der Alkoholentzug bei Personen, die an geringe Mengen gewöhnt sind, ebenfalls als Auslöser in Frage kommt.

So ist es seit Jahren schwer, hier eine einheitliche Leitlinie zum Umgang mit Alkohol bei Epileptikern zu finden. Viele Fachärzte versuchen einen Kompromiss zwischen diesen zwei Seiten zu finden und raten dazu, dass Epileptiker geringe Mengen Alkohol zu sich nehmen können, wenn sie dies aus ihrem Alltag bereits gewohnt sind. Klar ist jedoch, dass ein zu hoher Alkoholkonsum auf jeden Fall vermieden werden sollte, da hierbei das Risiko für einen Anfall klar erhöht ist.

Epilepsie und Sport - Geht das?

Dass Sport sich positiv auf den Körper und die Psyche auswirkt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Dies gilt auch für Epilepsiepatienten, da der Körper hierdurch nicht nur fit gehalten wird, sondern auch das Risiko die Entstehung einer Depression sinkt. Früher bestand die Annahme, dass während des Sports eine erhöhte Gefahr bestünde, da die gesteigerte Atemfrequenz einen epileptischen Anfall auslösen könnte.

Diese Tatsache wurde mittlerweile weitestgehend entkräftet und es konnte nachgewiesen werden, dass viele Substanzen, die während des Sports in unserem Körper anfallen, wie zum Beispiel die Milchsäure in unseren Muskeln, die Wahrscheinlichkeit für einen Anfall sogar hemmen.

Auf die Erkrankung sollte jedoch in Hinblick auf die Auswahl der sportlichen Aktivität geachtet werden. So sollten Sportarten vermieden werden, in denen ein plötzlicher Anfall gefährliche Folgen haben kann, wie es zum Beispiel beim Tauchen oder beim Klettern der Fall ist. Zudem sollten Sportarten unterlassen werden, die mit einer starken Krafteinwirkung auf den Kopf einhergehen, wie es beim Boxen der Fall ist. Abgesehen von diesen Ausnahmen, können die meisten Sportarten bedenkenlos gemacht werden.

Epilepsie und Kaffee

Wie viele andere Drogen auch, wirkt das Koffein im Kaffee im Gehirn stimulierend auf die Nervenzellen, was zur Folge haben kann, dass die Reizschwelle für das Auslösen eines Anfalls heruntergesetzt wird und somit das Risiko für die Entstehung eines Anfalls steigt. Inwiefern Kaffee diese Wirkung hat, ist, neben der Abhängigkeit von der konsumierten Menge, von Person zu Person unterschiedlich.

Generell wird, wie bei Alkohol, dazu geraten, den Konsum von Kaffee möglichst niedrig zu halten. Hat man jedoch schon sein ganzes Leben Kaffee getrunken und der Körper ist daran gewöhnt, wird zu einem Weiterkonsum in geringen Mengen geraten, da bekannt ist, dass auch ein Entzug als Auslöser für einen Anfall wirken kann.  

Was sind die Langzeitfolgen von Epilepsie?

Die wohl häufigste Langzeitfolge einer Epilepsie ist ein erhöhtes Risiko an einer Depression zu erkranken. Man weiß heute, dass dieses erhöhte Risiko nicht nur auf die Anfälle selbst zurück zu führen ist, sondern das eine Depression eine direkte Folge einer Hirnschädigung sein kann, die dann zu einer symptomatischen Epilepsie führt. Somit würde nicht die Epilepsie die Depression verursachen, sondern deren zugrunde liegende Ursache.

Eine weitere indirekte Langzeitfolge der Epilepsieerkrankung sind die Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie. Diese umfassen vor allem Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und eine mögliche Abhängigkeit.

Eine zum Glück sehr seltene Langzeitfolge kann eine Hirnschädigung infolge eines lang anhaltenden epileptischen Anfalls sein. Dies ist vor allem bei einem sogenannten Grand-mal Anfall, der länger als 30 Minuten dauert, der Fall. Durch eine schnelle und wirksame Therapie kann dies heutzutage zum Glück oft verhindert werden.

Epilepsie und Migräne - Welche Zusammenhänge gibt es?

Lange Zeit hat die Forschung den Zusammenhang zwischen Migräne und Epilepsie unterschätzt. Erst vor einigen Jahren wurde begonnen, die genaue Wechselwirkung dieser beiden Erkrankungen zu erforschen und zu verstehen. Eine Migräne kann in manchen Fällen einem epileptischen Anfall vorausgehen und wird dann als sogenannte Aura beschrieben. Es wird sogar vermutet, dass eine Migräne selbst als Auslöser für einen epileptischen Anfall wirken kann.

Zudem wird angenommen, dass Epilepsien, die mit einer starken Migräneentwicklung einhergehen, auf einen Herd zurückzuführen sind, der im Bereich des vorderen Schläfenlappens liegt. Somit spielt die Erfragung einer möglichen Migräne, im Rahmen der Anamnese (Krankheitsgeschichte) eine immer wichtigere Rolle für die Diagnostik.

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Epilepsie und Depression - Welche Zusammenhänge gibt es?

Es gibt mittlerweile viele Studien die belegen, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Depression bei Epilepsiepatienten deutlich erhöht ist im Vergleich zum Rest der Bevölkerung. Diese Tatsache kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden. Zum einen geht die Erkrankung der Epilepsie für viele Betroffene mit einer großen seelischen Belastung einher, da für sie stets die Angst besteht, erneut einen Anfall zu erleiden.

Zudem haben viele Medikamente aus der Reihe der Antiepileptika die Nebenwirkungen, dass sie sehr dämpfend auf das Gemüt wirken können und somit auch das Risiko für die Entstehung einer Depression steigern. Neue Forschungen haben nun zudem gezeigt, dass eine Depression in manchen Fällen auch auf Hirnschäden zurückzuführen ist, die ebenfalls Ursache der Epilepsie sind, was ein zusätzlicher Grund für das erhöhte Risiko bei Patienten darstellt, die unter einem symptomatischen Epilepsie leiden.

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Ist Epilepsie heilbar?

Bei der Behandlung einer Epilepsie muss man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Therapiezielen unterscheiden. Das grundlegende Ziel einer jeden Epilepsiebehandlung besteht in der Herstellung einer Anfallsfreiheit. Diese ist erreicht, wenn Patienten innerhalb von zwei Jahren keine neuen Anfälle erlitten haben. Dieses Ziel kann heutzutage bei circa 80% der Patienten erfüllt werden. Hierbei ist vor allem der genaue Typ der Epilepsie entscheidend für die Behandlungsprognose.

Von einer Heilung der Epilepsie ist dann auszugehen, wenn die Patienten ihre Medikamente langsam abgesetzt haben und trotzdem anfallsfrei bleiben. Eine Heilung ist jedoch nur bei wenigen Formen der Epilepsie möglich. Die höchste Chance haben hierbei jene Formen der Epilepsie, die sich im Rahmen der Kindheit manifestiert haben und nicht mit einer größeren Hirnschädigung einhergehen. Die Heilungschancen einer Epilepsie, die sich erst im Erwachsenenalter manifestiert haben, gelten als äußerst gering. So müssen die meisten Patienten ihr gesamtes Leben eine medikamentöse Prophylaxe einnehmen, um anfallsfrei zu bleiben.

Epilepsie bei Kindern

Wie bei Erwachsenen, werden auch die Epilepsieformen bei Kindern in idiopathische, meist mit einem genetischen Hintergrund, und symptomatische Formen unterteilt. Die symptomatischen Epilepsien beruhen hierbei meist auf Veränderungen der Großhirnrinde, entzündlichen Erkrankungen oder Komplikationen während der Geburt. Sie gehen bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsstörungen bis hin zu schweren neurologischen Beeinträchtigungen einher.

Idiopathische Epilepsien haben in der Regel geringere Komplikationen in Bezug auf die Entwicklung. So weisen Kinder mit einer generalisierten Epilepsie, die also das gesamte Gehirn betrifft, meist keine Auffälligkeiten auf und können gut mit Medikamenten eingestellt werden. Im Gegensatz hierzu führt die idiopathisch fokale Form, die also von einem sogenannten Epilepsieherd ausgeht, bei manchen Patienten zu Auffälligkeiten in der Schule. Dies betrifft vor allem die sprachliche Entwicklung und Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit.

So sollte allen Kinder, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wurde, eine adäquate Therapie zukommen, um das Risiko für das Auftreten von Entwicklungsstörungen zu minimieren. Zudem ist es gerade bei Kinder wichtig bei dem Verdacht auf einen epileptischen Anfall eine umfangreiche Diagnostik durchzuführen, da es neben der eigentlichen Erkrankung der Epilepsie, noch viele andere Ursachen, wie zum Beispiel entzündliche Prozesse, gibt, die zu einem Anfall führen können und einer richtigen Therapie bedürfen.

Epilepsie bei Babys

Grundsätzlich ist das Risiko für einen epileptischen Anfall bei Neugeborenen sehr gering. Dies ändert sich jedoch, wenn Babys zu früh geboren werden. So ereignet sich bei etwa jedem zehnten Kind, das zu früh geboren wurde, innerhalb der ersten 24 Stunden ein Anfall. Diese Anfälle werden unter dem Sammelbegriff der Neugeborenenanfälle zusammengefasst. Zu den bekanntesten Epilepsieformen, die innerhalb des ersten Lebensjahres auftreten gehören:

Die Ursache für die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Anfälle bei Frühgeborenen liegt darin, dass bei ihnen das Risiko für Komplikationen während der Geburt stark erhöht ist und es somit vermehrt zu Blutungen oder Sauerstoffmangel kommen kann. Diese können Hirnschädigungen verursachen, die dann einen Anfall hervorrufen können.

Weitere Ursachen für Neugeborenenanfälle sind:

Je nachdem welcher dieser Faktoren ursächlich für den Anfall ist, geht man von einer unterschiedlichen Prognose aus. Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass circa die Hälfte aller Neugeborenen mit Anfällen durch eine entsprechende Therapie eine normale Entwicklung durchläuft. Ein Drittel der Babys entwickelt jedoch im Laufe des Lebens eine chronische Epilepsie.

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Fieberkrampf

Als Fieberkrampf werden kurze epileptische Anfälle bezeichnet, die nach dem ersten Lebensmonat auftreten und im Zusammenhang mit einer erhöhten Körpertemperatur im Rahmen einer Infektion auftreten. Hierbei ist wichtig, dass die Infektion nicht das zentrale Nervensystem betreffen darf und vorher noch keine Anfälle aufgetreten sein dürfen, ohne das Fieber bestand. Mit einer Häufigkeit von ca. 2-5% in Europa sind Fieberkrämpfe die häufigste Form der Krämpfe im Kindesalter. Zudem gehen sie mit einem erhöhten Wiederholungsrisiko von ca. 30% einher.

Das Risiko durch einen Fieberkrampf in der Kindheit später einmal an Epilepsie zu erkranken ist zwar relativ gering, jedoch im Vergleich zum Rest der Bevölkerung leicht erhöht. Für das geschätzte Risiko spielen vor allem die Anzahl der Fieberkrämpfe, eine familiäre Vorgeschichte in Bezug auf Epilepsieerkrankungen und das Alter während des letzten Anfalls eine Rolle.

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Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu Symptomen, Diagnose und Therapie der Epilepsie finden Sie unter:

Eine Übersicht über bereits veröffentlichte Themen der Neurologie finden Sie unter: Neurologie A-Z.