Schmerzen in Kiefer und Ohr

Definition

Alle Schmerzen, die sich in einem etwa faustgroßen Bereich um das Ohr befinden, können ihren Ursprung entweder im Ohr oder im Kiefer haben. Die enge anatomische Lage von Kiefer und Ohr zueinander bedingt dabei oft gleichzeitig auftretende Schmerzen in diesen beiden Bereichen.

Das Kiefergelenk befindet sich nämlich bildlich gesehen vor dem äußeren Gehörgang und kann durch ein Auflegen des Zeigefingers vor dem Ohr getastet werden. Zudem zieht ein wichtiger Kaumuskel- der Schläfenmuskel- von der Schläfe knapp vor dem äußeren Gehörgang zum Unterkiefer, sodass auch muskuläre Verspannungen fälschlicherweise als Ohrschmerzen interpretiert werden können.

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Ursachen von Schmerzen in Kiefer und Ohr

Liegen Schmerzen im Kiefer und Ohr gleichzeitig vor, gilt es den genauen Ursprung der Schmerzen zu finden. Liegt der Fokus der Beschwerden im Kiefer, ist dies meist durch ein krankhaft verändertes Kiefergelenk bedingt.

Meist liegt der Unterkiefer dann nicht optimal in seiner Gelenkpfanne vom Schläfenbein und führt so zu einer schmerzhaften Empfindung im Ohrbereich. Fälschlicherweise nehmen Betroffene diese Schmerzen als reine Ohrenschmerzen wahr, da sie im Bereich des Ohres projiziert werden. Erst wenn die Schmerzen vor allem bei Kieferbewegungen auftreten, wird der Verdacht auf ein Problem des Kiefers gelenkt.

Die Schnittstelle zwischen Ohr und Kiefer ist zudem repräsentativ für muskuläre Verspannungen der Kaumuskulatur. Diese entstehen in den meisten Fällen durch ein Pressen der Zähne aufeinander oder Zähneknirschen in der Nacht. Nicht selten spielen Stress und hohe psychische Anspannung eine Rolle in der Entwicklung dieser Phänomene.

Aber auch die Zähne selbst und gerade die Weisheitszähne können starke Schmerzen im Bereich des Ohres machen, wenn die Wurzeln der Backenzähne gereizt werden. Ihre Innervation erfolgt nämlich durch Äste des fünften Hirnnervs, der auch Teile des äußeren Gehörganges mitversorgt.

Sehr viel spezifischer sind dagegen reine Ohrenschmerzen, die meist im Rahmen einer Infektion bemerkt werden. In diesen Fällen ist allerdings ein deutliches Krankheitsgefühl mit Fieber und Schnupfen richtungsweisend.

Schwellungen vor dem Ohr, die sowohl zu Ohren- als auch Kieferschmerzen führen, weisen eher auf eine entzündete Ohrspeicheldrüse hin. Sie zeigen sich typischerweise durch eine deutliche Beule vor dem Ohr, die berührungsempfindlich sein kann.

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Diagnose

Eine erste richtungsweisende Diagnose kann durch eine einfache Untersuchung vom Betroffenen selbst gestellt werden. Dafür sollten die Zeigefinger vor den Ohren auf die Kiefergelenke gelegt werden und dann mehrmals der Mund deutlich auf und zu gemacht werden.

Verspüren Betroffene dann eine schmerzhafte Empfindung im Kiefergelenk selbst an den Auflagepunkten der Finger, spricht dies eher für ein Problem des Kiefers.

Eine anschließende Inspektion der Zähne kann zusätzlich Aufschluss geben.

In diesen Fällen sollten sich Betroffene an einen Zahnarzt zur weiteren Diagnostik wenden. Treten die Beschwerden dagegen eher mit einem Ohrgeräusch oder einer Störung des Hörvermögens auf, sollte der Hals-Nasen-Ohrenarzt zur ärztlichen Abklärung aufgesucht werden.

Er ist auch bei Infektionszeichen wie Fieber oder dauerhaften, bewegungsunabhängigen Schmerzen im Ohrbereich hinzuzuziehen.

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Begleitende Symptome bei Schmerzen in Kiefer und Ohr

Die begleitenden Symptome von Schmerzen im Kiefer und Ohr ergeben sich aus der Ursache der Beschwerden.

Muskuläre Verspannungen der Kaumuskulatur zeigen sich bei ausgeprägter Symptomatik durch kräftige Muskelbäuche im Bereich der Wangen, die sich im Extremfall als „Hamsterbacken“ zeigen. Zusätzlich führt das Pressen der Zähne aufeinander irgendwann zu einer Abnutzung der Zähne, die sich durch eine Veränderung der Zahnform zeigt.

So sind nicht selten nach gewisser Zeit Eckzähne unten flächig abgerieben oder gar Zahnteile abgebrochen. Viel früher treten allerdings unspezifische Kopfschmerzen auf, die sich vor allem im Schläfenbereich ausprägen.

Dies begründet sich durch den Verlauf des Schläfenmuskels, der von der Schläfe bis zum Unterkiefer zieht. Ist der Muskel dauerhaft unter Spannung, ist sein Ansatzpunkt an der Schläfe gereizt und führt dort zu Schmerzen.

Sind eher die Zähne selbst der Grund für Schmerzen im Kiefer, treten häufig Schmerzen beim Essen und vor allem von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln auf.

Wenn das Ohr die Ursache der Schmerzen ist, sind meist Zeichen einer Infektion erkennbar. So führt eine Mittelohrentzündung beispielsweise häufig auch zu Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit deutlichem Leistungsabfall.

Zudem ist nicht selten eine Beeinträchtigung des Hörvermögens zu beobachten, was sich in einer Hörminderung oder Ohrgeräuschen zeigen kann.

Kiefer- und Ohrenschmerzen mit geschwollenen Lymphknoten am Hals

Geschwollene Lymphknoten am Hals sprechen in der Regel immer für eine Reaktion des körpereigenen Immunsystems auf eine Infektion.

Bei gleichzeitig vorliegenden Kiefer- und Ohrenschmerzen kommen hier verschiedene Strukturen in Betracht, die entzündet sein können. Vor allem sind es Zähne, die zum Beispiel durch Karies entzündet sein können.

Gelangen die Bakterien durch den entzündeten Zahn in die Blutbahn, werden sie mit dem Blutstrom abtransportiert. Die lokalen Lymphknoten im Bereich des Halses erkennen dann die Erreger als körperfremd und initiieren reaktiv eine Abwehrreaktion des Körpers. Diese beinhaltet Immunzellen an den Ort des Geschehens anzulocken, die sich dann in den Lymphknoten ansiedeln. Betroffene bemerken diesen Vorgang dann in geschwollenen Lymphknoten. An sich ist ein Anschwellen der Lymphknoten im Rahmen einer Entzündung natürlich und sollte im Verlauf der Behandlung beobachtet werden.

Sind die geschwollenen Lymphknoten mit Ohrenschmerzen verbunden, spricht dies eher für eine begleitende Infektion der oberen Atemwege mit Beeinträchtigung des Mittelohres. Auch hier stehen die geschwollenen Lymphknoten für eine intakte Abwehr.

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Kiefer- und Ohrenschmerzen mit Nackenschmerzen

Nackenschmerzen sind häufig durch muskuläre Verspannungen bedingt. In Kombination mit Kiefer- und Ohrenschmerzen sprechen sie eher für ein stressbedingtes Phänomen.

Steht der Betroffene nämlich unter Stress, spannt er automatisch seine Muskeln mehr an. Bei zusätzlichem Ärger führt dies nicht selten zu einem Aufeinanderpressen der Zähne und einem reaktiven Anspannen der Rückenmuskulatur. Die Nackenmuskulatur spannt sich vor allem wegen sekundär bedingter Kopfschmerzen an und ist als Teil eines Teufelskreises im Rahmen von Stresszuständen zu sehen.

Kiefer- und Ohrenschmerzen mit Halsschmerzen

Halsschmerzen sind in den meisten Fällen im Rahmen von Infektionen zu beobachten. Es sind vor allem Viren, die zu einer Infektion der oberen Atemwege führen und somit den Hals-Nasen-Rachen-Bereich betreffen.

Die reaktiven Schwellungen der Schleimhaut führen dann zu einer Minderbelüftung des Mittelohres und damit dann auch zu Ohrenschmerzen.

Kiefer- und Ohrenschmerzen mit Zahnschmerzen

Zahnprobleme sind eine häufige Ursache für Kiefer- und Ohrenschmerzen. Dies ist vor allem durch ihre Verankerung im Kiefer zu begründen. Jede Fortleitung einer Entzündung der Zähne führt somit bei Nicht-Behandlung zu einer Infektion des Kiefers.

Dieser wird durch Fasern des fünften Hirnnervens innerviert, der für die Schmerzempfindung zuständig ist. Ein Teil seiner Äste führt aber auch zum Ohr und versorgt partiell den äußeren Gehörgang. Somit kann eine Projektion der Schmerzen auf das äußere Ohr erfolgen. Aber es können auch Schmerzen fälschlicherweise als Ohrenschmerzen wahrgenommen werden. Der Kiefer erhält nämlich seine Innervation vom Kiefergelenk ausgehend bis zum Kinn und dem Oberkiefer. Schreitet eine Entzündung also weit genug fort, reicht sie immer mehr ans Kiefergelenk und somit auch ans Ohr heran.

Kiefer- und Ohrenschmerzen bei Problemen mit den Weisheitszähnen

Weisheitszähne befinden sich hinter den normalen Backenzähnen bei einem Erwachsenengebiss. Sie führen häufig zu Zahn- und Kieferschmerzen, wenn sie kurz davor sind das Zahnfleisch zu durchbrechen. Es ist typisch, dass in diesem Fall die Schmerzen als dumpf bezeichnet werden und nicht genau im hinteren Kieferbereich lokalisiert werden können. Entzündungszeichen treten in der Regel nicht auf. Die Diagnose wird meist durch ein Röntgenbild beim Zahnarzt bestätigt.

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Therapie von Kiefer- und Ohrenschmerzen

Die Therapie von Ohren- und Kieferschmerzen wird durch den Auslöser bestimmt. Entzündete Zähne bedürfen einer Behandlung durch den Zahnarzt. Dabei wird mit der Sanierung der Zähne die Schmerzsymptomatik rasch nachlassen.

Ist ein Aufeinanderpressen der Zähne oder Zähneknirschen die Ursache für die Schmerzen, können eine Beissschiene und zusätzliche Entspannungsübungen zu einer Reduktion führen. Hier muss aber der Patient für einen Therapieerfolg mitarbeiten. Denn nur mit einer Stressreduktion, werden die spannungsbedingten Schmerzen nachhaltig abnehmen.

Fehlstellungen des Kiefers sowie degenerative Erkrankungen des Kiefers müssen so gut wie möglich korrigiert werden. Ein ausgerenkter Kiefer ist dabei schnell zu behandeln und verspricht sofortige Schmerzlinderung während ein arthrotisches Kiefergelenk oft einer medikamentösen Therapie bedarf. Es ist generell wichtig bei Kieferschmerzen das Gelenk weiter zu bewegen.

Dies beinhaltet das regelmäßige seitengleiche Kauen und das Öffnen des Mundes. Denn jedes Gelenk versteift, wenn es nicht bewegt wird. Daher sollte eine Schonhaltung nicht mehr als wenige Tage eingenommen werden und Schmerzen rechtzeitig mit Analgetika wie zum Beispiel Ibuprofen überbrückend behandelt werden.

Auch Infektionserkrankungen des Ohres bedürfen in den meisten Fällen einer medikamentösen Therapie. Je nach Erreger wird dabei die Therapie angepasst. So werden virale Erreger symptomatisch mit abschwellenden Nasentropfen bei oberen Atemwegsinfektionen und bakterielle Erreger gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt.

Dauer von Schmerzen im Kiefer und Ohr

Oft lassen sich Schmerzen im Kiefer und im Ohr schnell durch die Ursache beheben. Sind entzündete Zähne die Ursache, verschwinden sie nach der Behandlung beim Zahnarzt. Muskuläre Probleme bedürfen der Mitarbeit des Betroffenen durch sukzessiven Stressabbau. Bleibt die innere Anspannung bestehen, können Schmerzen lediglich reduziert aber nicht vollkommen behoben werden. Bei einer Infektion lassen die Schmerzen dagegen mit dem Heilungsverlauf ab und sollten in der Regel nicht länger als eine Woche dauern.

Kiefer- und Ohrenschmerzen beim Kauen

Schmerzen beim Kauen sind typisch für entzündete Zähne oder ein krankhaftes Kiefergelenk.

Entzündete Zähne zeigen sich dabei durch Schmerzen an einem oder mehreren bestimmten Zähnen und können gut vom Betroffenen lokalisiert werden. Schmerzen im Kiefergelenk äußern sich dagegen abhängig von Kau- oder Sprechbewegungen im Bereich vor dem äußeren Ohr.

Bei Nichtbeanspruchung des Kiefers bestehen in der Regel keine Schmerzen. Ob es sich um eine degenerative Erkrankung wie eine Arthrose oder einen ausgerenkten Kiefer handelt, muss ein Arzt abklären.

Kiefer- und Ohrenschmerzen bis zur Schläfe

Reichen Kieferschmerzen bis zur Schläfe, spricht dies für ein muskuläres Problem. Hier liegt vor allem eine Verspannung des Schläfenmuskels aufgrund seiner anatomischen Lage nahe.

Um seine Aufgabe des Kieferschusses zu erfüllen, zieht er von der Schläfe vor dem äußeren Gehörgang zum Unterkiefer. Ist der Muskel zu lange angespannt oder in seiner Funktion überlastet, werden seine Fasern im Schläfenbereich gereizt. Zusätzlich kann aber auch der Ansatzpunkt der Fasern einen Zug auf den Schädelknochen auslösen und so obendrein noch Schmerzen verursachen.

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Weitere Informationen

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Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Zahnmedizin finden Sie unter: Zahnmedizin A-Z