ISKD - Nagel

Synonyme im weiteren Sinne

  • Verlängerungsnagel
  • Kallusdistraktion
  • posttraumatische Beinverkürzung
  • Beinverlängerung
  • Verlängerungsnagel
  • Beinlängendifferenz

Der Name ISKD

Der Namen ISKD-Nagel handelt es sich um ein Akronym:
ISKD = Intramedullary Skeletal Kinetic Distractor

Einleitung

ISKD Nagel

Die Therapie der einseitigen Beinverkürzung mittels ISKD- Nagel stellte tibial (schienbeinseitig) wie auch auf femoral (oberschenkelseitig) eine große chirurgischen Herausforderung dar.
Knöcherne Distraktionen (Verlängerung) waren eine bis Anfang der neunziger Jahre nur durch externe Fixateure (siehe Bild unten) möglich. Bei externen Fixateuren handelt es sich um metallische Gestelle, die während in der Verlängerung den Knochen von außen stützen.

Diese Fixateure sind insbesondere durch:

  • so genannte PIN – Infektionen (Infektionen im Bereich der Stellen, wo das Metall den Knochen und die Haut verlässt)
  • Korrekturverlust (Veränderung des Ergebnisses, wenn man den Fixateur externe wieder entfernt)
  • ungenügende Kallusbildung (ausbleibende Knochenheilung)
    und
  • Refrakturen (erneute Brüche)

komplikationsträchtig.Weiterhin schränken sperrigen Fixateure die Lebensqualität erheblich ein. Aus diesem Grunde wurden Alternativen gesucht. Im Rahmen der Entwicklung so genannter intramedullärer Osteosynthesen (z.B. Nagelungen im Hohlraumbereich des Röhrenknochens) wurde die Anwendung auch im Bereich der Kallusdistraktion (Knochenverlängerung) möglich.

Unter einer intramedullärer Osteosynthese versteht man einen (Knochen-) Nagel, der durch den Röhrenknochen geschoben wird und den Knochen von innen schient.

Eine der weitesten Entwicklungen in diesem Bereich ist der ISKD – Nagel.


Indikation

Eine Notwendigkeit zu einer Beinverlängerung kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.
Gründe eine einseitige Beinverlängerung durchzuführen können sein:

  1. angeborene Beinverkürzung

  2. posttraumatische (unfallbedingte) Beinverkürzung

Verlängerungsprinzip

ISKD - Nagel

Eine Verlängerung eines Knochens um mehrere Zentimeter kann nicht in einem Schritt erfolgen. Der Grund hierfür liegt darin begründet, dass die Knochen enden sich im berühren müssen um eine Wiedervereinigung zu erlangen.

Um dieses Problem zu lösen bedient sich der ISKD - Nagel der so genannten Kallusdistraktion.
Hierbei handelt es sich um eine langsamen, aber kontinuierliche Verlängerung des Knochens. Durch in die langsamer Verlängerung des Knochens, in einem Bereich der während der Operation gezielt durchtrennt wird.
Durch die kontinuierliche Verlängerung kann in die Knochenbruchheilung die verlängerte Strecke ständig regenerieren.

Beim ISKD-Nagel handelt es sich um ein Implantat, welches in den Röhrenknochen von Schienbein und Oberschenkelknochen implantiert werden kann.
Der Verlängerungsnagel ist so aufgebaut, dass zwei ineinander verschiebliche Nagelanteil sich gegenseitig verlängern können.
Die Distraktion (Verlängerung) wird nach dem Ratschenprinzip ausgelöst, durch 3° alternierende (gegenseitige) Rotation verlängert sich der Nagel um den Bruchteil eines Millimeters.
160 Rotationsbewegungen ergeben 1 mm Distraktion (täglich erwünschtes Verlängerungsziel).
Die Kontrolle der Verlängerung erfolgt über einen Magneten, der am unteren Ende des inneren Stabes des Nagels angebracht ist und über einen externen Monitor fünf mal täglich gemessen wird.
Der ISKD-Nagel verlängert sich so lange bis das erwünschte ins Ziel der Verlängerung erreicht wurde.
Die Verlängerung wird den Nagel vorgegeben. Das bedeutet, dass bereits vor der Implantation die maximale Verlängerung des ISKD-Nagels eingestellt wird und wenn der Nagel sich maximal verlängert hat sich nicht weiter verlängern kann.
Nachteil dieses Verfahrens ist, dass nach der Implantation des Verlängerungsnagel sich bis zum vorgegebenen Verlängerungsziel verlängert und darauf keinen Einfluss mehr genommen werden kann.

Gute Ergebnisse werden in einem Verlängerungsbereich von drei bis fünf cm erzielt. Die maximal erreichbare Verlängerungsstrecke mit diesem ISKD - Nagel liegt bei 8 cm. Das sich aber auch Sehnen, Nerven und Muskel mitdehnen müssen, entstehen mit zunehmender Verlängerung erhebliche Probleme.

Kontraindikationen

Externer Fixateur

Wann kann das Verfahren des ISKD - Nagel nicht angewendet werden?

  • Offene Wachstumsfugen
  • Unzureichender Markrauminnendurchmesser des Röhrenknochen
  • Mangelnde Patientenmitarbeit
  • Kochen- / Weichteilinfekte
  • Atrophe Pseudarthrosen (nicht heilende Knochenbrüche)
  • Ausgeprägte Fehlstellungen

Vorteile des ISKD-Nagels

Vorteile des ISKD - Nagel:

  • Ingesamt weniger belastend als externe Verfahren (Patientenkomfort)
  • Frühzeitige Belastungsfähigkeit durch Schienung des Röhrenknochen
  • Beschleunigte Rehabilitation
  • keine Gefahr des Behandlungsabbruches, unter den Nagel nicht entfernt werden kann
  • geringe Narbenbildung
  • Weniger Tendenz zur Fehlstellungsbildung

Nachteile des ISKD-Nagels

Nachteile des ISKD - Nagel:

  • Gute Mitarbeiten dessen Patienten erforderlich, regelmäßige Kontrolle der Verlängerung des Nagels
  • Täglich variierende Verlängerungstrecke (in Abhängigkeit von der täglichen Bewegung)
  • Keine Änderung der Distraktionsgeschwindigkeit möglich
  • Keine Verkürzung des Implantats möglich

Probleme des ISKD-Nagels

  1. Täglich variierende Distraktionsstrecke (in Abhängigkeit von der täglichen Bewegung)

  2. Vorzeitige Knochenheilung

  3. Unzureichende Verlängerung aufgrund zu starker Schmerzen

  4. Zu schnelle Verlängerung (Aufklärung des Patienten, gegebenenfalls Oberschenkelgips)

  5. Ausbleibende Knochenbruchheilung

Ergebnis

Verlängerung des Knochens pro Tag in Millimetern.
Quelle mit freundlicher Genehmigung Dr. Hasch, Worms

Das Distraktionsprinzip

Nach Beendigung in der Verlängerungsphase

Drei Monate postoperativ

Neun Monate postoperativ

Abschließende Informationen

Insgesamt wurden bisher ca. 700 ISKD Nägel implantiert (120 in Deutschland, 220 in Europa und ca. 460 in den USA)
Komplettpreis pro Nagel beträgt ca. 9400 €, zzgl der Operations- und Nachbehandlungskosten.
Kosten werden von privaten Krankenkassen übernommen, bei Kassenpatienten nur nach individueller Verhandlung

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.02.2017
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