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Schmeckstörung

Epidemiologie

Schmeckstörungen sind im Gegensatz zu den in der Gesellschaft weit verbreiteten Riechstörungen eher selten. Am häufigsten klagen Betroffene über eine veränderte Wahrnehmung von Geschmäckern. So werden Dinge häufiger bitter oder metallisch empfunden als üblicherweise.

Quantitative Schmeckstörungen

Hypergeusie: Bei einer Hypergeusie ist man besonders empfindlich gegenüber Geschmacksreizen.
Normogeusie: Die Normogeusie ist nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Hier besteht keine Veränderung des Geschmacksempfindens. Es handelt sich dementsprechend um den Normalzustand.
Hypogeusie: Leidet man an einer Hypogeusie, so ist das Geschmacksempfinden herabgesetzt.Partielle Ageusie: Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, sind bei einer partiellen Ageusie nur einzelne Geschmacksqualitäten betroffen.
Totale Ageusie: Bei Vorliegen einer totalen Ageusie kann keine der vier Geschmacksqualitäten süß, sauer, salzig und bitter mehr empfunden werden.


Qualitative Schmeckstörungen

Größtenteils sind Schmeckstörungen qualitativer Art. Hierzu zählt man die Parageusie und Phantogeusie (Erklärung unten stehend), die erfahrungsgemäß zeitlich limitiert sind, das heißt, sie verschwinden nach einem Zeitintervall von ungefähr 10 Monaten wieder.
Parageusie: Im Rahmen einer Parageusie werden Geschmäcker anders wahrgenommen. Beispielsweise wird etwas normalerweise süßlich schmeckendes, plötzlich als bitter empfunden. Meistens werden Geschmackstoffe im Rahmen einer Parageusie als bitter, sauer oder metallisch empfunden, weswegen die Parageusie eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität mit sich bringt.
Phantogeusie: Es wird ein bestimmter Geschmack in Abwesenheit eines Reizes (beispielsweise eines Lebensmittels) empfunden. All diese Beeinträchtigungen können separat in Erscheinung treten; häufig leiden Betroffene jedoch an Kombinationen aus quantitativen- und qualitativen Schmeckstörungen.

Ursachen

Die Ursachen einer Schmeckstörung kann man in drei Großgruppen gliedern. Man unterscheidet epitheliale Ursachen, nervale Ursachen und zentrale Ursachen.
Epitheliale Ursachen: Verantwortlich für das Schmecken sind unsere Geschmacksorgane, die Geschmackspapillen und die Geschmacksknospen, die mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmbar sind. Kommt es nun zu einer Schädigung der Geschmacksorgane, so spricht man von einer epithelialen Ursache. Die direkte Schädigung kann auf verschiedene Dinge wie beispielsweise Medikamente (Penicillin, ACE-Hemmer, Zytostatika die bei einer Chemotherapie eingesetzt werden und viele andere Medikamente) zurückzuführen sein. Bestrahlung, eine atrophische Glossitis (Entzündung der Zunge), eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und eine perniziöse Anämie (Blutarmut bedingt durch einen Vitamin-B12-Mangel) stellen weitere epitheliale Ursachen für eine Schmeckstörung dar.
Nervale Ursachen: Nervenfasern sind für die Signalübermittlung von den Geschmacksorganen hin zu bestimmten Arealen in unserem Gehirn verantwortlich, so dass wir überhaupt etwas Schmecken können. Kommt es nun zu einer Schädigung der dafür verantwortlichen Nerven (Hirnnerv VII, IX oder X ) so kann sich dies in einer Schmeckstörung manifestieren. Schädigungen der Nerven können ungewollt im Rahmen von HNO-Operationen, durch Tumoren, durch Frakturen des Schädels oder durch eine Neuritis (Nervenentzündung) entstehen.
Zentrale Ursachen: Zu den zentralen Ursachen für eine Schmeckstörung zählt man Erkrankungen wie beispielsweise das posttraumatische Anosmie-Ageusie-Syndrom (gleichzeitiger Verlust von Riech- und Schmecksinn nach einem Schädeltrauma) oder auch Hirntumoren.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Schmeckstörung sollte von Seiten des Arztes eine eingehende Anamnese durchgeführt werden, da hier schon wichtige Hinweise für eine mögliche Ursache erlangt werden können. Im Anschluss an Anamnese und Untersuchung des Patienten sollte das Vorliegen einer Schmeckstörung mit Tests überprüft werden.
Überprüfung des Schmeckens: Unser Schmeckvermögen kann mit zwei Arten von Tests überprüft werden. So gibt es einerseits die sogenannten subjektiven Testverfahren, die voraussetzen, dass der Patient fit ist und selber Auskunft über das geschmeckte geben kann, und andererseits objektive Testverfahren, die zum Einsatz kommen, wenn der Betroffene selber nicht Mitarbeiten kann und keinerlei Informationen geben kann, wie es bei kleinen Kindern oder Demenzkranken der Fall ist.

Unser Schmeckvermögen kann mit Hilfe einer Vielzahl von Tests überprüft werden. So gibt es die sogenannte Drei-Tropfen-Methode, mit der sich die Schwelle bestimmen lässt, ab der man einen bestimmten Geschmack wahrnimmt. Dafür muss der Betroffene aus drei verabreichten Tropfen herausfinden, welcher Tropfen nach etwas bestimmtem schmeckt und nach was dieser Tropfen schmeckt. Schmeckt man anfangs noch nichts, so wird die Konzentration des Geschmacksstoffes so lange gesteigert, bis es zu einer Wahrnehmung des Geschmacks kommt. Natürlich gibt es auch Tests, die überprüfen, ob bestimmte Geschmacksstoffe identifiziert werden können. Dafür werden Geschmacksstoffe in flüssiger (Spray oder Tropfen) oder fester Form (beispielsweise Oblaten) verabreicht und es wird geprüft, ob die Geschmäcker vom Patienten erkannt werden können.

Es gibt darüber hinaus auch die Möglichkeit, den Betroffenen die wahrgenommene Stärke eines bestimmten Geschmacks angeben zu lassen. Hierfür gibt es bestimmte Skalen von schwach bis stark. Daneben können auch Lautstärken als Vergleich zur wahrgenommenen Intensität dienen. Das Schmecken kann auch mit Hilfe von anderen Verfahren überprüft werden und eine Schmeckstörung dadurch objektiviert werden. Eines dieser Verfahren zielt auf die Messung von Hirnströmen nach Reizung mittels eines Geschmackstoffes ab. Man bezeichnet es als Elektroenzephalogramm (EEG).

Auch eine sogenannte Elektrogustometrie kann über einen nervalen Defekt Aufschluss geben. Hier wird auf beiden Seiten der Zunge durch die Reizung mit Stromstärken im Mikroampere (µA)-Bereich die elektrische Wahrnehmungsschwelle ermittelt. Wichtig ist bei der Elektrogustometrie immer der Seitenvergleich mit der gesunden Seite der Zunge, da die elektrische Wahrnehmungsschwelle von Mensch zu Mensch stark variiert und so diese nicht zwischen den Menschen verglichen werden kann. Zentrale Ursachen für eine Schmeckstörung können mittels Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels aufgedeckt werden.

Therapie von Schmeckstörungen

Die Therapiemöglichkeiten einer Schmeckstörung sind begrenzt.
Aus diesem Grund sollte sorgfältig nach der Ursache der Schmeckstörung gesucht werden und dann deren Therapie angestrebt werden oder das auslösende Medikament, wenn möglich, abgesetzt oder ausgewechselt werden. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, ist daher vor allem eine Vorstellung bei einem HNO-Arzt oder Neurologen sinnvoll. Schwierig im Bezug auf die Therapie sind vordergründig die qualitativen Schmeckstörungen. Diesen kann keine geeignete Therapie entgegen gebracht werden. Einzig positiv ist die spontane Rückbildung in einer Vielzahl der Fälle nach ungefähr 10 Monaten. Zwischenzeitlich gibt es auch Studien, die eine Verbesserung der Symptome durch die Einnahme von Zink aufzeigen konnten.

weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.04.2018
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