Viagra®

Wirkstoff

Sildenafil

Wirkweise

Sildenafil gehört zu der Gruppe der selektiven cGMP (cyclisches Guanosin Monophosphat) Phosphodiesterase-5 Hemmern (PDE-5 Hemmer). Die Phosphodiesterase ist ein Enzym, was sich in den Zellen der glatten Muskelzellen von Gefäßzellen aufhält. Die PDE ist verantwortlich für den Abbau von cGMP, einem wichtigen Botenstoff, der eine bedeutende Rolle in der Erweiterung von Gefäßen spielt. Wird also die PDE-5 in seiner Arbeit blockiert, verbleibt mehr cGMP in den Zellen der Gefäße, und es kommt über eine Freisetzung von Stickstoff (NO) zu einer Gefäßerweiterung der Blut zuführenden Arterien. Das NO zählt zu den potentesten gefäßerweiternden Stoffe, die wir kennen.

Anwendungsgebiete

Viagra® wird zur Behandlung der erektilen Dysfunktion des Mannes angewandt.

Das sicherlich am weitesten verbreitete Anwendungsgebiet des Sildenafils (Viagra®) ist in der Behandlung der erektilen Dysfunktion (siehe: Erektionsstörung) des Mannes. Die erektile Dysfunktion ist eine Sexualstörung und beschreibt die fehlende Fähigkeit mehrmals, eine für ein gesundes Sexualleben ausreichende Erektion zu erzeugen oder aufrechtzuerhalten.
Die Erektion ist im Wesentlichen von der Blutzufuhr und Blutabfuhr aus dem Schwellkörper (Corpus cavernosus ) abhängig. Ist der Mann nicht erregt, sind die arteriellen Gefäße im Schwellkörper verengt und verhindert somit Füllung des Schwellkörpers mit Blut. Wie oben erwähnt, hängt die Enge oder Weite der Gefäße von dem cGMP Spiegel in den Gefäßzellen ab. Wird jetzt Viagra® eingenommen, kommt es zu einer Gefäßerweiterung der Arterien, und das Blut kann vermehrt in den Schwellkörper des Penis einströmen. In etwa 69% der männlichen Patienten kann eine ausreichende Erektion erzeugt werden. Sildenafil/ Viagra® hat ebenfalls den Vorteil, dass es nur bei sexueller Erregung wirksam wird. Dennoch wirkt das Viagra® nicht bei allen Patienten.
Bei ca. 30% der Männer wirkt das Viagra® nur in abgeschwächter Form, oder zeigt auch keine Wirkung. Insbesondere bei männlichen Patienten, die sich schon einem an dem kleinen Becken operiert haben lassen, zeigen ein geringeres Ansprechen auf Viagra®, da bei solchen Operationen die wichtigen Erektionsnerven durchgetrennt sein können. In anderen medizinischen Bereichen kann Sildenafil ebenfalls zum Einsatz kommen. Bei der sog. idiopathischen pulmonalen Hypertonie wird das Sildenafil eingesetzt um die Lungengefäße zu entlasten, um somit eine Herzbeteiligung zu verringern.


Nebenwirkungen

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Rhinitis, Schwindelgefühle und eine mögliche Dauererrektion (Priapismus). Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen lassen sich durch die gefäßerweiternde Wirkung des Sildenafils erklären. Gesichtsrötung und Kopfschmerz kommen jeweils bei etwa 10% der Patienten vor. Sehr selten ist die sog. AION (anteriore ischämische Optikus Neuropathie). Bei dieser Erkrankung wird der Sehnerv geschädigt, und es kann zur Erblindung kommen.

Kontraindikationen

Durch die gefäßerweiternde Wirkung des Sildenafils müssen Medikamente vermieden werden, die diesen Effekt verstärken. Durch eine zu starke Gefäßerweiterung kann der Blutdruck stark abfallen und es kann somit zu Bewusstlosigkeit, Schwäche, Müdigkeit und starker Übelkeit kommen.

Geschichte

Sildenafil ist der Freiname des Arzneistoffes, welches April 1998 von der amerikanischen Firma Pfizer hergestellt wurde. Unter dem Namen Viagra® (Sanskrit für Tiger) wurde das Sildenafil zur Behandlung der erektilen Dysfunktion auf dem Arzneimittelmarkt zugelassen. Viagra® revolutionierte das Sexualleben vieler Männer, in dem es das tabuisierte Thema der Impotenz schlagartig zum Erliegen brachte.
Außer, das Viagra® das Sexleben vieler Ehepaare und Beziehungen rettete bzw. noch mal aufflammen lies, wurde dadurch auch das Thema Impotenz enttabuisiert. Viele Männer trauten sich auf einmal über die unangenehmen Probleme „im Bett“ offen zu sprechen. Auf einmal äußerten sich öffentliche Persönlichkeiten zu dem Thema Impotenz, wodurch sich die Akzeptanz sexueller Funktionsstörungen erneut stärkte. Im ersten Monat nach der Veröffentlichung von Viagra® wurden 300 000 Rezepte für das Medikament ausgefüllt! In den 10 Jahren seitdem Viagra® auf dem Markt ist hat der Pharmakonzern Pfizer bis zu 30 Millionen Männern in 120 Ländern geholfen.

Neben Viagra® haben andere Pharmakonzerne ebenfalls Impotenzmittel auf dem Markt gebracht, die so ähnlich wirken wie Viagra®, sich aber vorwiegend in ihrer Wirklänge unterscheiden. Cialis ist in Deutschland der Vorreiter der Impotenzmittel und wird mittlerweile als „Wochenend-Pille“ bezeichnet, da die Wirkdauer hier besonders lange ist. Jedes Jahr werden Millionen von Cialis Verpackungen in Deutschland verkauft, die natürlich mit einem Riesen Umsatz der Pharmaunternehmen einhergehen.
Interessanterweise hat die sexuelle Revolution nicht nur die Schlafzimmer ergriffen, sondern auch die männlichen Akteure der Erotikindustrie. Durch Viagra®s potenzsteigernde Wirkung wurde es männlichen Pornodarstellern ermöglicht nicht nur 2 bis 3 Szenen pro Tag zu drehen. Im Prinzip seien sie nur durch die Wirkdauer von Viagra® begrenzt. Dieses Beispiel und andere Beispiele zeigen, dass das Viagra® unvorhersehbare Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Gesellschaft hat. Klar ist, dass Viagra® vielleicht das bekannteste Medikament der Welt ist und neben dem Auslösen einer medikamentös-sexueller Revolution, auch die Akzeptanz und Öffentlichkeit sexueller Funktionsstörungen verändert hat.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2016
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