Aktinische Keratose

Synonyme im weiterem Sinne


Keratosis actinica, Keratosis solaris, solare Keratose, senile Keratose, Keratosis senilis, Keratoma senile, Keratosis senilis praecancerosa
Neudefinition
: initiales spinozelluläres Karzinom
Englisch
: asn-induced skin changes

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Definition

Der Begriff der aktinischen Keratose beschreibt eine therapiebedürftige Krebsvorstufe (Präkanzerose) der Haut die durch chronische Exposition gegenüber Sonnenlicht  (UV-Licht) ausgelöst wird. Es handelt sich dabei um die Vermehrung (Proliferation) atypischer Hautzellen (Keratinozyten) im Bereich zwischen der Lederhaut (Dermis) und der Oberhaut (Epidermis) die sich als Verhornungsstörung äußert. Die Keratose kann im weiteren Verlauf in ein Plattenepithelkarzinom übergehen.

Häufigkeit

Ein deutlich erhöhtes Risiko eine aktinische Keratose zu bekommen, haben hellhäutige, blauäugige Menschen (Menschen mit dem Hauttyp I und II) mit einer dauerhaft hohen Sonnenexposition.

Dunkel pigmentierte Menschen haben dagegen kaum ein Risiko eine aktinische Keratose zu entwickeln. Männer sind von der Erkrankung häufiger betroffen als Frauen.

Berufsgruppen wie Seeleute, Straßen-, Bau- und Landarbeiter sind wegen der zeitlich langen Sonnenexposition besonders anfällig. Laut einer amerikanischen Studie beträgt die relative Häufigkeit von Krankheitsfällen (Prävalenz) der über 20-jährigen 11 % und 25 % bei den über 30-jährigen. In einer britischen Studie konnte ein Risiko von 15 % für die über 40-jährigen festgestellt werden. In Deutschland sind bis zu 10 Millionen Menschen von der aktinischen Keratose betroffen. In Australien dagegen beträgt die Prävalenz der über 40-jährigen sogar 45%.

Zudem steigt die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) in Europa in den vergangenen Jahrzehnten deutlich aufgrund der zunehmenden Reisefrequenz in Länder mit höherer UV-Strahlenbelastung und der freizeitbedingten längeren Sonnenexposition, sowie einer höheren umweltbedingten UV-Strahlung. Demzufolge ist auch der Begriff der senilen Keratose etwas veraltet, da heutzutage auch viele junge Menschen erkranken, die sich zum Beispiel zu lange in der Sonne aufhalten oder ins Solarium gehen.

Ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko haben zudem Menschen die einer dauerhaften Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression) ausgesetzt sind, wie es zum Beispiel nach einer Organtransplantation der Fall ist. Aber auch Erkrankungen wie Albinismus, Rothmund-Thomson-Syndrom, Cockayne-Syndrom. Xeroderma pigmentosum und Bloom-Syndrom stellen eine genetische Anlage (Prädisposition) zur Ausbildung von aktinischen Keratosen dar.

Ursachen

Durch UVB-Strahlen verursachte dauerhafte Veränderungen (Mutationen) entwickeln sich nach 10 bis 20 Jahren auf der chronisch lichtexponierten Haut Zellklone abnormaler (atypischer) Zellen, die unwiderrufliche Schäden ihrer DNA (Erbgut) aufweisen. Diese veränderten Zellen durchsetzen langsam die normale Oberhaut und führen zum Verlust der ordnungsgemäßen Schichtung der Haut und zu Verhornungsstörungen. Das eigentliche Reparatursystem der Haut kann bei dauerhafter Sonnenstrahlung beziehungsweise hoher UV-Bestrahlung die Bildung der krankhaft veränderten Hautzellen nicht verhindern.

Betroffen von diesen Mutationen sind das sogenannte Telomerasegen sowie das Tumorsuppressorgen TP53. Diese Gene sind Proteine die den Zellzyklus kontrollieren oder den Zelltod von atypischen Zellen (Apoptose) auslösen. Wird deren Funktion durch Veränderungen des Erbguts (Mutationen) ausgeschaltet, können sich die bösartig veränderten Zellen ausbilden. Des Weiteren können sich die Veränderungen auch in das Gewebe unterhalb der Oberhaut, in die Lederhaut (Dermis) ausbreiten. Wird die Basalmembran zwischen Ober- und Lederhaut durchbrochen, spricht man von einem eindringenden Tumor, einem invasiven Plattenepithelkarzinom, das sich bei 5-10 % der Patienten entwickelt. Somit stellt die aktinische Keratose ein Krebsanfangsstadium (Carcinoma in situ) dar.

Doch nicht nur die UVB-Strahlen der Sonne mit 280-320nm Länge können eine aktinische Keratose auslösen. Auch Formen elektromagnetischer Strahlung wie UVA-Licht, wie es zum Beispiel in der Therapie der Schuppenflechte verwendet wird, ionisierende Strahlung oder auch Infrarotstrahlung können die Erkrankung auslösen.

Symptome

Aktinische Keratosen finden sich vor allem an Stellen, die vermehrt Licht ausgesetzt sind, also der Stirn oder einer Glatze, Ohrmuscheln, Wangen, Nasenrücken, Unterlippe, Unterarme oder Handrücken. Es können vereinzelte oder mehrere Herde auf einmal auftreten die einen Durchmesser von 1 mm bis zu 2,5 cm haben können.

Zunächst kommt es zu scharf begrenzten, runden oder ovalen geröteten Herden mit rauer Oberfläche, hierbei handelt es sich um den erythematösen Typ der aktinischen Keratose.

Im Verlauf wird die vermehrte Verhornung (Hyperkeratose) ausgeprägter und es entwickelt sich eine gelbliche, schmutzigbraune verdickte Keratose, dies ist der keratotische Typ.

Von einem Cornu-cutaneum-Typ sprechen die Fachleute, wenn eine sehr starke Hornausbildung vorhanden ist. Des Weiteren kann der pigmentierte Typ abgegrenzt werden, bei dem sich eine verstärkte oder verminderte Hautfärbung (Pigmentierung) zeigt.

Im Bereich der Lippen bezeichnet man die Verhornungsstörung als aktinische Cheilitis. In der Regel sind die Patienten Beschwerdefrei, teilweise ist ein Spannungsgefühl, ein Brennen oder ein Jucken zu spüren. Neben den Pigmentierungsstörungen treten auch Teleangiektasien auf, wobei es sich um erweiterte Hautgefäße handelt, die im betroffenen Bereich stärker hervortreten.

Diagnose

Meist wird die Diagnose klinisch gestellt, das heißt anhand der Symptome und der sicht- und tastbaren Befunde auf der Haut.

Um die Diagnose zu sichern, sollte eine Hautprobe (Biopsie) entnommen werden und pathologisch und histologisch untersucht werden. Auch kann durch ein Auflichtmikroskop mit Hilfe einer Hautprobe eine Abgrenzung gegenüber anderer Hauterkrankungen, wie z.B. seborrhoischen Keratosen vorgenommen werden.

Prognose

Wird die aktinische Keratose rechtzeitig entdeckt und therapiert besteht im Allgemeinen eine gute Prognose. Ansonsten kann sich daraus ein Karzinom, also ein Spinaliom oder Plattenepithelkarzinom entwickeln. Auch ist es möglich, dass es zum Beispiel nach der Behandlung mit der PDT zu einem Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) kommt. Aus diesem Grund sollten ständig Nachkontrollen vorgenommen werden.

Prophylaxe

Als wirksamste Prävention hat sich die komplette Vermeidung von UV-Licht (Karenz) mit Hilfe von Hüten, UV-undurchlässiger Kleidung und Sonnencreme, sowie ein angepasstes Freizeitverhalten erwiesen. 25% der aktinischen Keratosen heilen sogar ohne Therapie bei UV-Lichtkarenz. Auch sollte man regelmäßig selbst seine Haut auf auffällige Stellen untersuchen und bei Möglichkeit eine Hautkrebsvorsorgeuntersuchung (Screening) vornehmen lassen.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.05.2012