Psoriasis

Synonyme im weiterem Sinne


Schuppenflechte
Englisch: psoriasis
Häufige Tippfehler: Schuppenflechte

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Definition

Schuppenflechte

Der Name „Psoriasis“ basiert auf dem griechischen Wort „psora“, welches für „Kratzen“ bzw. „Jucken“ steht.

Die Schuppenflechte ist eine gutartige, chronische, nicht infektiöse, entzündliche Hauterkrankung. Sie ist durch gut abgrenzbare, rötliche Flecken, die meist von weißlichen Schuppen bedeckt sind. Man unterscheidet zwei Formen (Psoriasis vulgaris und Psoriasis pustulosa), bei denen jeweils auch eine Polyarthritis (Entzündungen mehrerer Gelenke) auftreten kann.

Bei der Schuppenflechte / Psoriasis handelt es sich um eine Hautkrankheit die eine erbliche Komponente zu haben schein, da sie oft mehrere Familienmitglieder betrifft.


Historie

Erstmalige Beschreibungen der Schuppenflechte / Psoriasis finden sich schon bei den alten Griechen.

Damals wurde diese Erkrankung allerdings mit der ansteckenden Lepra verwechselt. Immer wieder taucht die Krankheit im Verlauf der Geschichte auf. Erstmals als eigenständige Hautkrankheit beschrieben wurde sie allerdings erst 1841 von einem österreichischen Hautarzt (Arzt für Dermatologie). Er grenzte erstmals die Schuppenflechte auch klar von der Lepra ab.

Epidemiologie / Vorkommen in der Bevölkerung / Häufigkeit

Die Schuppenflechte / Psoriasis tritt bei der weißen Bevölkerung bei 1,5- 3%, bei anderen Ethnien wesentlich seltener auf.

Keines der beiden Geschlechter wird häufiger betroffen, als das andere. Es liegt also ein ausgeglichenes Verhältnis vor.
Die Altersverteilung folgt ebenso keiner Regelmäßigkeit.
Die Schuppenflechte / Psoriasis tritt sowohl bei jungen, als auch bei älteren Menschen auf.
Man findet jedoch zwei Erkrankungsgipfel: Der eine liegt in der 2.- 3., der andere in der 6. Lebensdekade.

Entstehung

Psoriasis vulgaris

Der Schuppenflechte (Psoriasis) liegt die gutartige Vermehrung der Oberhaut zu Grunde. Die Hautzellen durchwandern die einzelnen Hautschichten viel schneller, als normal.
Bei einer gesunden Haut entwickeln sich die Hautzellen in der Tiefe aus Zellteilung sogenannter Stammzellen und wandern im Rahmen des Wachstums in die oberen Schichten vor.
Die normale Durchwanderungsdauer beträgt etwa 28 Tage, um von der untersten Schicht bis zur obersten Schicht, der Hornschicht, zu gelangen.
Bei der Schuppenflechte benötigen die Zellen nur etwa 4 Tage.
Die Vermehrung der Hautzellen ist um etwa das 20fache oder mehr erhöht. Diese überstürzte und gestörte Verhornung äußert sich in einer stärkeren Verhornung und einer Verbreiterung der Oberhaut. In der Haut entsteht eine Entzündung und es wachsen vermehrt Blutgefäße ein.


Ursachen

Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine Erkrankung die eine erbliche Disposition hat. Die Anlage dazu liegt also in unseren Genen. Somit fällt auch eine Häufung innerhalb der Familien auf.

Bewiesen wurde die Theorie der Vererbung anhand von Zwillingsstudien. Das gehäufte Auftreten bei eineiigen Zwillingen spricht eindeutig für die genetische Komponente der Schuppenflechte.
Die Vererbung kann jedoch nicht auf ein Gen festgelegt werden, sondern wird auf mehreren Genen vererbt (polygene Vererbung). Es spielen auch mehrere äußere Faktoren (zum Beispiel Umweltfaktoren) eine Rolle (multifaktorielle Vererbung).
Man nimmt an, dass es hierbei einen so genannten Schwellenwert gibt. Es muss also eine gewisse Grenze überschritten werden, um die Krankheit ausbrechen zu lassen.
Na geht davon aus, dass die Schuppenflechte unterhalb diese virtuellen Schwellenwertes nicht auftritt.
Es wurde auch beobachtet, dass bei Betroffenen das Antigen HLA-1 und HLA-2, ein typischer genetischer Code (genetischer Fingerabdruck) vorliegt.
Bestimmte Umweltfaktoren können die Manifestation (Erkennbarwerden) der Krankheit bei genetisch vorbelasteten Personen hervorrufen und begünstigen. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Infektionen (z. Bsp. Streptokokkeninfektion)
  • Medikamente (z. Bsp. Beta - Blocker, Antirheumatika)
  • Psychischer Stress
  • Alkoholismus
  • erhöhter Nikotingenuss
  • Absetzen einer Kortison- Therapie

Relativ einig sind sich die Experten auch, dass eine immunologische Überreaktion Auslöser der Psoriasis ist. Diese Immunreaktion wird durch Abwehrzellen, so genannte T- Lymphozyten, vermittelt.
Normalerweise richten sich die T- Lymphozyten gegen körperfremdes Material, also z. Bsp. Bakterien und Viren. Bei der Schuppenflechte (Psoriasis) kann das Abwehrsystem nicht mehr zwischen körpereigenen und körperfremden Bestandteilen unterscheiden und verursacht so selbst die Krankheit.

Einen positiven Einfluss auf diese Erkrankung haben der Sommer, Klimafaktoren (Sonne und Meer) und hormonelle Faktoren (Schwangerschaft).

Formen

Die Schuppenflechte kann in drei verschiedene Formen untergliedert werden:

  1. Psoriasis vulgaris (allgemein)
  2. Psoriasis pustulosa (pustelförmig)
  3. Nagelpsoriasis

Beschwerden

Die Psoriasis vulgaris zeichnet sich aus durch den Beginn als punktförmiger Herd, der sich vergrößert. Durch das Zusammenlaufen einzelner Herde entstehen unterschiedliche Formen. Beispielsweise eine landkartenartige Form, eine mit eher ringförmigem Aussehen und eine Form, die sich gewunden darstellt. Die Psoriasis vulgaris juckt oder schmerzt selten.

Es bestehen Sonderformen:

  1. Psoriasis geographica
    Die Stellen, an denen diese Form am häufigsten ausbricht, sind die Streckseiten der Arme und Beine, die Stirnhaargrenze und die Kreuzbeingegend. Die Flecken (Plaques) sind gut abgrenzbar, normalerweise rötlich und von wachsartigen Schuppen bedeckt. Diese Plaques können unterschiedlich groß sein, meist einige Centimeter.
  2. Psoriasis guttata
    Dieser akute Ausschlag ist durch einen Infekt hervorgerufen, ist tropfenförmig und tritt symmetrisch auf. Besonders Jugendliche sind betroffen. Besonders betroffenen Stellen sind der Rumpf, Arme und Beine.
  3. Psoriasis inversa
    Das Verteilungsmuster ist nahezu gegenteilig zu den oben genannten. Es sind Körperfalten, Analgegend, Achselhöhlen und Gelenkbeugen betroffen. Die Plaques rot und glänzen oft. Hauptsächlich betroffen sind ältere Menschen.
  4. Kapillitium
    Hier sind die Schuppenschichten besonders dick. Sie kommen einzeln, aber auch als Befall der gesamten Kopfhaut auf. Oft folgt hier Haarausfall. Diese Sonderform kann durchaus die einzige Ausprägung der Schuppenflechte sein.
  5. Windelpsoriasis
    Der Ausschlag tritt in der Windelgegend auf und ist gut abgrenzbar. Hieraus kann sich eine Psoriasis vulgaris entwickeln.

Die Psoriasis pustulosa tritt in 5% der Fälle auf und hat eine pustelförmige Erscheinung. Die Pusteln sind gefüllt mit Eiter. Die Psoriasis pustulosa wird in zwei Formen eingeteilt.

  1. Psoriasis pustulosa generalisata
    Diese Form ist selten, zeigt aber einen schweren Verlauf. Sie tritt am gesamten Körper auf und zeigt kleine, gelbe Pusteln auf rotem Grund. Die Verbreiterung erfolgt schnell und der Patient fühlt sich sehr unwohl, hat Fieber und muss stationär behandelt werden.
  2. Psoriasis pustulosa palmoplantaris
    Diese Form zeigt ebenfalls gelbe Pusteln, die allerdings an Hand- und Fußinnenflächen auftreten. Ebenso ist das Allgemeinbefinden der Patienten - im Gegensatz zur Psoriasis Pustulosa generalisata- gut. Hauptsächlich sind Frauen mittleren Alters betroffen. Es zeigt sich ein erhöhtes Auftreten bei Raucherinnen.

Die Nagelpsoriasis tritt bei 50% der Patienten auf. Typisch sind Tüpfel- und Grübchennägel. In der Mitte des Nagelbetts erscheinen gelbbräunliche Flecken (Ölfleck), am Rand des Nagelbetts kommt es zur Lösung des Nagels. Bei den so genannten Krümelnägeln ist das Wachstum des gesamten Nagels gestört.

Diagnose Psoriasis

Bei der Untersuchung durch den Arzt wird eine der Schuppen vorsichtig abgekratzt. Nacheinander treten folgende Psoriasisphänomene auf:

  • „Kerzentropfphänomen“
    durch das Kratzen tritt eine lamelläre Schuppung hervor
  • „Phänomen des letzten Häutchens“
    an der Basis der Schuppe lässt sich ein dünnes, leicht zerreißbares Häutchen erkennen
  • „Phänomen des blutigen Taus“
    weiteres Kratzen führt zu punktförmigen Blutungen

Unter dem Mikroskop kann man in einem Hautschnitt z. Bsp. die typischen Verhornungen und die Entzündungszellen.

Verlauf

Die Schuppenflechte / Psoriasis besteht ein Leben lang mit unterschiedlichem Schweregrad. Nicht selten kommt es zu Beeinträchtigungen des Aussehens, was psychosoziale Folgen mit sich bringt.

Die Krankheit kann nur schwer verarbeitet werden und es kommt zu Problemen bei zwischenmenschlichen Beziehungen und zum Beispiel auch am Arbeitsplatz. Vor allem eine Psoriasis die das Gesicht befällt, trägt zu Unwohlfühlen bei.

Die Psoriasis beginnt meist akut- generalisiert (plötzlich und überall) oder primär- chronisch (langsam und mit einzelnen Herden).
Aber auch Mischformen kommen vor und sind recht häufig.
Meistens verläuft die Schuppenflechte in Schüben, jedoch kommt es selten zu völlig symptomfreien Intervallen.
Die Manifestation (äußerlichen Zeichen) kann behandelt bzw. reduziert werden oder gar gänzlich verschwinden. Die Disposition bleibt aber vorhanden und ist nicht heilbar. Die Schuppenflechte wird also immer wiederkehren.

Komplikationen

Die Komplikationen der Schuppenflechte sind folgende:

  1. Psoriasis arthropathica
    Sie betrifft ca. 5% der Psoriasispatienten. Es kommt zu einer Entzündung der distalen Gelenke (Gelenke die an den Extremitätenenden zu finden sind, z. Bsp. Zehengelenke, Fingergelenke). Hierbei kommt es zu einer Schwellung. Auch einzelne Finger können betroffen sein. Es sind auch osteolytische (knochenauflösende) Formen bekannt.
    Wesentlich seltener kommt der axiale Typ vor. Hierbei kommt es zu einer Versteifung von Wirbelsäule und der Beckengelenke.
  2. Psoriatische Erythrodermie
    Durch eine zu stark reizende äußerliche Behandlung kommt es zu Rötung und Schuppung. Diese Rötung tritt an der gesamten Haut auf.

Prophylaxe

Eine Prophylaxe, um das erstmalige Ausbrechen dieser Krankheit zu verhindern, gibt es nicht. Allerdings können gewisse Risikofaktoren, wie Rauchen und Übergewicht vermieden werden.

Schübe lassen sich hinauszögern indem man auf eine gesunde Lebensweise achtet. Rauchen und Alkohol sollten vermieden werden. Ernährungsspezifisch zeigen so genannte Omega- 3- Fettsäuren eine positive Wirkung.
Diese Fettsäuren sind vor allem in Fisch enthalten. Auch Betakarotin, welches hauptsächlich in Karotten enthalten ist, scheint eine gewisse Besserung zu bringen. Wichtig ist eine gute Hautpflege – auch in beschwerdefreien Zeiten- und Hygiene. Auch Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung können den Ausbruch eines Schubes hinauszögern.
Auch der individuelle Umgang mit der Krankheit kann einen Einfluss haben.



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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.09.2014