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Schwangerschaft

Synonyme im weiteren Sinne

Gestation, Gravidität

Englisch: pregnancy

Wortbedeutung: gravitas (lat., Schwere), swangar (althochdeutsch, schwerfällig/schwer)

Definition

Als Schwangerschaft bezeichnet man die durchschnittlich 267 Tage (p.c., s.u.)lang andauernde Phase, in der eine befruchtete Eizelle im weiblichen Körper heranreift.

Das Fortschreiten der Schwangerschaft wird als Wochen p.m. (post menstruationem, nach letzter stattgehabter Menstruation) angegeben, da diese der Frau im Gegensatz zur Empfängnis (p.c., post conceptionem) sicherer bekannt ist. Das bedeutet nun, dass das eigentliche Fötus- bzw. Embryonalalter 2 Wochen weniger beträgt. Die Angaben werden sich im Weiteren immer auf das Alter nach letzter stattgehabter Menstruation beziehen.

In Bezug auf die Geburt spricht man auch von  prä-, peri- und postnataler Phase, die den Zeitraum vor, während und nach der Geburt bezeichnen.

Die 9 Monate der Schwangerschaft werden des Weiteren in 3 Abschnitte von jeweils 3 Monaten aufgeteilt (Trimenon, Trimester).

Bis zur 10. Schwangerschaftswoche wird die Frucht als Embryo, danach als Fötus bezeichnet.


Wie entsteht eine Schwangerschaft?

Im Rahmen des weiblichen Menstruationszyklus erfolgt am 15. Tag nach Beginn der Regelblutung der Eisprung (Ovulation). Das Ovulationsprodukt, die Eizelle, misst etwa 0,2 mm und verharrt nach dem Eisprung im Eileiter (Tube), wo es für 12 bis max. 24 Stunden befruchtbar bleibt. Die Befruchtung findet dann statt, wenn nach der Ejakulation i.d.R. eine einzige Samenzelle (Spermium – max. 2-3 Tage befruchtungsfähig) in die Eizelle eindringt (bei zweieiigen Zwillingen/dreieiigen Drillingen sind dies entsprechend 2 bzw. 3).
Nun erfolgt die 2. Reifeteilung mit Verlust eines Polkörperchens (Imprägnation). Die einfachen Chromosomensätze von Spermium und Eizelle verschmelzen (Konjugation) und eine entwicklungsfähige Zelle (Zygote) entsteht. Diese wandert nun innerhalb von ca. 3 Tagen hormonell gesteuert mittels Flimmerschlag, Tubensekretion und -motilität durch den Eileiter und macht eine Zellteilung zur Morula (lat. Maulbeere, Achtzellstadium) durch.
Am 4. bis 5. Tag erfolgt der Übertritt in die Gebärmutterhöhle (cavum uteri). Es erfolgt eine weitere Zellteilung zur Blastozyste, die sich ca. am 6. Tag nach Eisprung (post ovulationem) meist an der Gebärmutterhinterwand einnistet (Implantation). Dieser Vorgang dauert 14 Tage und bis zu seinem Abschluss ist noch die Zwillingsbildung möglich. Die Blastozyste spaltet sich im Verlauf in 2 Schichten: Die Äußere (Trophoblast), aus der der Mutterkuchen (Plazenta) entsteht und die Innere (Embryoblast), aus der der Embryo hervorgeht. Verbunden sind diese beiden Schichten durch die Nabelschnur.

Ca. 24 Stunden nach der Befruchtung produzieren Vorläuferzellen des Mutterkuchens (Synzythiotrophoblasten) das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin). Dieses regt den Gelbkörper im Eierstock dazu an Progesteron zu produzieren, ein Hormon das weitere Eisprünge sowie die Regelblutung unterdrückt. Zusätzlich lockern die genannten Hormone die Gebärmutterschleimhaut auf, was im Weiteren die Einnistung erleichtern wird.

Wie stellt man eine Schwangerschaft fest?

Schwangerschaft: Ultraschall

Viele Frauen bemerken erste Anzeichen einer Schwangerschaft bereits vor Aussetzen der ersten Regel: Ein Spannen der Brüste, vermehrter Harndrang sowie Übelkeit und ein Unbehagen in der Bauchgegend können solche Anzeichen sein. Einige beobachten auch abnorme Essgewohnheiten und Kreislaufbeschwerden.

Wissenschaftlich gesehen werden die Indikatoren (Hinweiszeichen) für eine Schwangerschaft je nach ihrer Verlässlichkeit in unsicher, wahrscheinlich und sicher eingestuft.

Als unsichere Indikatoren gelten hierbei das Ausbleiben der Regelblutung, morgendliches Erbrechen und Übelkeit sowie gynäkologische Veränderungen (livide Verfärbung der Scheide (Vagina), Gebärmuttervergrößerung)).

Ein wahrscheinlicher Indikator für eine Schwangerschaft ist der positive Ausfall eines Schwangerschaftstests, der sich den Konzentrationsanstieg des Schwangerschaftshormons hCG in Urin oder Blut zu Nutze macht.

Als sicheren Indikator bezeichnet man den definitiven Nachweis eines Embryo/Fötus durch Ultraschall, kindliche Herztöne und Kindsbewegungen.

Wie errechnet man den wahrscheinlichen Geburtstermin?

Info: Geburtstermin

Diesen Termin errechnet man nach der Naegele-Regel:

Geburtstermin = Datum der letzten Menstruation + 7 Tage -3 Monate + 1 Jahr

 

Abhängig vom Zyklus wird der Beginn der Schwangerschaft mit dem 1. Tag der letzten statt gehabten Regelblutung festgesetzt. Nach dieser Definition findet also der zu Befruchtung und Schwangerschaft führende Geschlechtsverkehr in der 2. Schwangerschaftswoche statt. Danach dauert die Schwangerschaft durchschnittlich 280 Tage bzw. 40 Wochen. Der tatsächliche Entwicklungsstand der Frucht wird regelmäßig per Ultraschall untersucht.

Genau zum errechneten Termin finden jedoch nur etwa 5% aller Geburten statt, während die überwiegende Mehrheit eine Abweichung von über eine Woche aufweist. Als „Übertragen“ bezeichnet man eine Geburt bei einer Abweichung vom berechneten Geburtstermin von länger als 14 Tagen.

Eine Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche wird als Frühgeburt bezeichnet.

 

Ablauf der Schwangerschaft

1. Drittel der Schwangerschaft

Schwangerschaft: Übelkeit

Das erste Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft stellt den rasantesten und gleichzeitig auch den gegenüber schädigenden Einflüssen empfindlichsten Entwicklungsabschnitt dar. In dieser Phase ereignen sich die meisten Abgänge (Aborte/Verlust der Frucht). Durch die intensive Hormonumstellung der Frau kommt es bei 3/4 der Schwangeren in dieser Phase zu starker Übelkeit. Im Verlauf können sich fleckenförmige Pigmentierungen im Gesicht (Chloasmen) entwickeln. Nach den ersten Schwangerschaftswochen klagen viele Frauen auch über zunehmende Sensibilität und Spannungen der Brüste.

1.      Monat:

Hier erfolgen Befruchtung und Einnistung (siehe oben).

Der Mutterkuchen (Plazenta) ermöglicht den Stoffaustausch zwischen mütterlichem und kindlichem Kreislauf und versorgt den Embryo mit Sauerstoff, Nährstoffen und Antikörpern.

2. Monat:

Diese Wochen zeichnen sich durch rapiden Wachstum des Embryos aus: Während die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) in der 7.Woche noch 4-8 mm beträgt, sind es in der 8.Woche schon 9-15 mm. Die hormonabhängige (v.a. hCG) morgendliche Übelkeit, Erbrechen sowie Stimmungsschwankungen und Heißhungerattacken beginnen in den Vordergrund zu treten. Das Aufrichten der Gebärmutter bewirkt eine Dehnung der Mutterbänder, was zu ziehenden Schmerzen in der Leistengegend führen kann.

Das Fruchtwasser, was den Embryo/Fötus umgibt und ihn vor äußeren Einflüssen wie Erschütterungen und Temperaturschwankungen abschirmt sowie große Organe beginnen sich zu bilden. In der 6. Woche beobachtet man die Wirbelsäulenbildung und den Verschluss des Neuralrohrs, aus dem später Gehirn und Rückenmark hervorgehen. Die 7. Woche beinhaltet die Ausbildung von Knospen, aus denen sich die Gliedmaßen entwickeln. Nun werden auch die ersten Herzaktionen im Ultraschall nachweisbar. Finger, Gesichtszüge und allmählich alle Organe entwickeln sich in der 8. Woche.

Die Herzfrequenz des Embryos beträgt nun um die 140-150 Schläge pro Minute (bpm, beats per minute).

3.Monat:

Um die 10. Woche herum sind bereits alle Organe angelegt. Das knorpelige Ohr sowie Nase und Zehen beginnen sich zu entwickeln. Die Anlagen der Milchzähne entstehen und der Embryo ist zu den ersten Bewegungen in der Lage.

Die Umstellungen im Körper der Schwangeren finden in dieser Phase besonders im Herz-Kreislaufsystem statt: Das mütterliche Blutvolumen erhöht sich um durchschnittlich 1,5 L, um den Embryo ausreichend versorgen zu können. Dadurch erhöht sich auch der Puls der Schwangeren. Zusätzlich führt eine hormonabhängige Gefäßerweiterung zu einer Blutungsneigung an Schleimhäuten von Nase und Mund sowie Krampfadern und Besenreisern.

Der vermehrte Harndrang in dieser Phase lässt sich durch den Progesteron- bedingt verminderten Tonus der Schließmuskulatur erklären. Östrogen-abhängige Wassereinlagerungen im Gewebe können zu Gewichtszunahmen führen.

Das Embryonalgewicht beträgt zum Ende des 3. Monats durchschnittlich 14g bei einer Länge von 3,5 bis 5,5 cm.

In der 10. Schwangerschaftswoche erfolgt der Übergang von der Embryonal- zur Fötalperiode.

2. Drittel der Schwangerschaft

Das Zweite Trimenon zeichnet sich durch zunehmende Zufriedenheit seitens der Schwangeren aus: Die Beschwerden durch die Hormonumstellungen (Übelkeit etc.) nehmen ab, die Schwangerschaft ist deutlich weniger von einem Abort bedroht und die ersten Fötalbewegungen sind für die Mutter spürbar.

4.Monat:

Die Hormonproduktion des Eierstocks wird nun vom Mutterkuchen übernommen. Dadurch ist der Hormonspiegel etwas niedriger, was die vorigen, hormonell bedingten Beschwerden lindern kann.

Die Schwangere nimmt nun durchschnittlich ein halbes Pfund pro Woche zu. Auf der Haut können hierdurch die ersten Dehnungsstreifen entstehen. Die stärker pigmentierte Linie, die sich senkrecht von Bauchnabel bis Schambein erstreckt (Linea nigra) ist hormonabhängig und bildet sich nach der Schwangerschaft meist zurück.

Beim Fötus werden im Ultraschall eventuell die Genitalien sichtbar. Die Augenlider beginnen sich nun zu verschließen, auf der Haut bildet sich ein Flaum - die Lanugobehaarung. Der Mutterkuchen übernimmt die entgiftende Funktion der Leber, die im Gegensatz zu Niere, Magen, Darm und Lunge noch nicht arbeitet. Diese Organe werden durch Schlucken und Ausscheiden des Fruchtwassers trainiert, das ungefähr alle 11 Stunden erneuert wird.

Die Fötalgröße beträgt um die 10 cm, das Gewicht ca. 100 g.

5.Monat:

Bei der Schwangeren kann es durch Magnesium-Mangel zu Wadenkrämpfen kommen.

Das Fötalgewicht beträgt 200 bis 300 g und die Scheitel-Steiß-Länge liegt bei ca. 15 cm.

6.Monat:

Die Gebärmutter kann durch ihre zunehmende Größe (ihr Oberrand steht nun ungefähr auf Nabelhöhe) einige Beschwerden machen: So kann es durch Druck auf  Magen und Blase zu Sodbrennen bzw. vermehrtem Harndrang kommen. Des Weiteren schwellen die Brüste hormonabhängig an.

 

Ab diesem Monat beginnt das Kind auf optische und akustische Reize von außen zu reagieren. Auf der Haut entwickelt sich die Käseschmiere (Vernix caseosa), eine Fettschicht, die die kindliche Haut vor dem Fruchtwasser schützt und bei der Geburt das Gleiten im Geburtskanal erleichtert.

Der Fötus wiegt nun um die 500g und ist ca. 26 cm lang.


3. Drittel der Schwangerschaft

Ab dem dritten Trimenon ist eine Frühgeburt bereits überlebensfähig. So liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Fötus vor Beginn der 26. Woche bei ca. 50 %, während sie in der 28. Woche schon um die 80 % beträgt. Zunehmende Wassereinlagerungen führen bei der Schwangeren zu steigender Gewichtszunahme. Diese führt zu Beschwerden wie Rückenschmerzen und zusätzlich durch den Druck der Gebärmutter zu Kurzatmigkeit und Hämorrhoiden. Beinahe regelmäßig tritt bei der werdenden Mutter eine Blutarmut (Anämie) auf.

7.Monat:

Die Augenlider beginnen sich wieder zu öffnen und der Fötus wiegt nun um die 1000g bei einer Länge von etwa 35 cm.

Bei der werdenden Mutter kann Sekret (Kolostrum) aus den Brustwarzen austreten.

8.Monat:

Durch das Gewicht der Gebärmutter kann es zu Blasenschwäche kommen. Der hormonbedingt gesteigerte pH-Wert (abnehmender Säuregehalt) der Scheide vermindert die Keimabwehr und kann zu bakteriellen- und Pilzinfektionen führen. Nun können auch die ersten Vorwehen auftreten, die sich durch periodisches Zusammenziehen der Gebärmutter äußern. Dieser Vorgang ist meist schmerzfrei und lediglich an einer Verhärtung der Bauchdecke zu bemerken.

Beim Fötus ist die Organentwicklung mit Ausnahme der Lunge abgeschlossen. Das durchschnittliche Gewicht liegt nun bis zu 2000 g und die Körperlänge beträgt etwa 40 cm.

9. Monat:

In der 36. Woche sollte optimalerweise die Drehung des Fötus in Schädellage (korrekte Geburtslage:mit dem Kopf nach unten) erfolgt sein, da diese danach nur noch eingeschränkt möglich ist. Der Kopf des Kindes tritt dann zum Ende des Monats in das kleine Becken der Frau ein.

Die Lungenreife gilt ab der 35. Woche als abgeschlossen, das heißt das Kind könnte bei einer Frühgeburt ab jetzt selbstständig atmen.

Der Fötus wiegt nun knapp unter 3000g und ist ca. 45 cm groß.

Ende der Schwangerschaft:

Die Mutter hat bis zur Geburt durchschnittlich 10-15 kg zugenommen.

Da der Fötus nun vollständig entwickelt ist, erfolgt bei ihm jetzt hauptsächlich eine Gewichtszunahme. Das Geburtsgewicht beträgt durchschnittlich 3000 bis 4000 g und die Körperlänge liegt zwischen 47 und 55 cm. Der Kopfdurchmesser beläuft sich auf ca. 100 mm.

Wie kündigt sich die bevorstehende Geburt an?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie sich eine bevorstehende Geburt ankündigen kann. Eine Einweisung in die Geburtshilfe sollte bei folgenden Anzeichen vorgenommen werden:

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