Inhalt:
- Sprechzimmer
- Schwangerschaftsbluthochdruck
- Synonyme im weiteren Sinne
- Definition
- Vorkommen in der Bevölkerung
- Ursache
- Bedeutung
- Info: Vermeiden von Bluthochdruckfolgen
- Risikofaktoren für die Entwicklung eines Bluthochdrucks in der Schwangerschaft
- Es gibt verschiedene Formen des Schwangerschaftshochdrucks
- Buch bestellen
- Banner Bluthochdruckbuch
- zum Sprechzimmer
- Weitere Informationen
- Selbstest Immunsystem
- Quiz Innere Medizin
Schwangerschaftsbluthochdruck
Synonyme im weiteren Sinne
Schwangerschaftshochdruck, Gestationshochdruck, Gestationshypertonie, Eklampsie, Präeklampsie, HELLP-Syndrom
Englisch: Hypertension in gravidity
Definition
Ein Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist folgendermaßen definiert ist:
Ein mehrfach beim Arzt gemessener Blutdruck mit Werten über 140/90 mmHg gilt als erhöht und bedeutet, dass ein Bluthochdruck bei der Schwangeren vorliegt.
Man spricht von einer leichten Blutdruckerhöhung, wenn sich die Blutdruckwerte zwischen 140/90mmHg und 159/109mmHg bewegen. Eine schwere Blutdruckerhöhung in der Schwangerschaft liegt vor, wenn die gemessenen Werte über 160/110mmHg liegen.
Vorkommen in der Bevölkerung
In ca. 10% aller Schwangerschaften tritt eine Blutdruckerhöhung auf. Zum Schwangerschaftsbluthochdruck mit schweren Symptomen, der Eklampsie, kommt es in 1 von 2000 bis 3500 Schwangerschaften.
Ursache
Die genaue Ursache für eine Blutdruckerhöhung in der Schwangerschaft ist noch unbekannt, es können jedoch Risikofaktoren benannt werden, die dazu führen, dass Schwangere einen Bluthochdruck entwickeln (s. unter Abschnitt „Risikofaktoren“).
Bedeutung
Ein hoher Blutdruck kann für Mutter und Kind außerordentlich gefährlich werden, weshalb es wichtig ist, den Blutdruck in der Schwangerschaft regelmäßig zu kontrollieren.
Bleibt der hohe Blutdruck bei der Mutter unerkannt und besteht über einen längeren Zeitraum, kann es zu Schäden an den Blutgefäßen des Mutterkuchens (Plazenta) kommen. Das Baby wird über diese Gefäße mit Nährstoffen versorgt. Werden die Gefäße geschädigt, kommt es zu einer Unterversorgung des Ungeborenen und es erhält zu wenig Nährstoffe und Sauerstoff, woraus eine Verzögerung seines Wachstums, im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt, folgen können.
Info: Vermeiden von Bluthochdruckfolgen
Die frühe Erkennung von hohen Blutdruckwerten und die Urinuntersuchung im Rahmen der Schwangerenvorsorge ermöglichen eine umgehende Entdeckung, Behandlung und Vermeidung von ungünstigen Verläufen für Mutter und Kind.
Risikofaktoren für die Entwicklung eines Bluthochdrucks in der Schwangerschaft
Hatte die Schwangere bei einer vorherigen Schwangerschaft einen hohen Blutdruck oder ist in ihrer Familie das Auftreten von Bluthochdruck in der Schwangerschaft bekannt, steigt das Risiko, bei der gegenwärtigen Schwangerschaft hohe Blutdruckwerte zu entwickeln. Unterliegt die Gebärmutter einer hohen Dehnung, wie es z.B. bei Zwillingsschwangerschaften oder großen Babys der Fall sein kann, kommt es eher zu einem hohen Blutdruck. Ist die Mutter bereits vor der Schwangerschaft an einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder einem hohen Blutdruck erkrankt, ist das Risiko für einen Schwangerschaftsbluthochdruck ebenfalls erhöht.
Es gibt verschiedene Formen des Schwangerschaftshochdrucks
Die Einteilung des mit der Schwangerschaft verbundenen Bluthochdrucks in verschiedene Formen berücksichtigt die folgenden Aspekte:
- Bestand der Bluthochdruck bereits vor der Schwangerschaft?
- Kann neben den erhöhten Blutdruckwerten eine hohe Menge von Eiweißen im Urin festgestellt werden?
Können diese beiden Fragen von der Schwangeren und mit Hilfe einer Urinuntersuchung verneint werden, liegt ein unkomplizierter Schwangerschaftsbluthochdruck, auch Gestationshypertonie genannt, vor. Häufig sind junge Frauen betroffen, die ihr erstes Kind erwarten. Diese Form des Schwangerschaftsbluthochdrucks kennzeichnet sich dadurch, dass weder vor der 20. Schwangerschaftswoche hohe Blutdruckwerte bestanden, noch dass die erhöhten Werte länger als sechs Wochen nach der Geburt anhalten. Der Bluthochdruck ist also auf die Zeit der Schwangerschaft bzw. eine sechswöchige Phase nach der Geburt des Kindes begrenzt. Bis auf die erhöhten Blutdruckwerte bestehen bei der Schwangeren keine weiteren Krankheitszeichen.
Bei der so genannten Präeklampsie kann die Frage nach der Eiweißausscheidung über den mit „Ja“ beantwortet werden. Die Schwangeren mit Präeklampsie haben neben erhöhten Blutdruckwerten auch einen auffälligen Urinbefund:
Mit dem Urin scheidet sie vermehrt Eiweiße aus. Es kann außerdem bei dieser Form des Schwangerschaftsbluthochdrucks zu Wassereinlagerungen (Ödeme) im Körper kommen. Wird ein fortbestehender Blutdruckanstieg festgestellt und fällt eine ungewöhnlich starke Gewichtszunahme von ca. 1kg pro Woche auf oder werden dicke Beine (Ödeme) von der Schwangeren bemerkt, sollte sofort der Arzt aufgesucht werden, denn dies sind Zeichen einer Präeklampsie. Bei Werten ab 160/100 mmHg sollte auch ohne Ödeme oder starker Gewichtszunahme eine Untersuchung beim Arzt erfolgen, um die Ursache der erhöhten Werte auf den Grund zu gehen!Andere Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit der Präeklampsie stehen auftreten können, sind anhaltende Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen oder Lichtempfindlichkeit.
Diese Beschwerden sollten vom Arzt abgeklärt werden, da es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann.
Es kann zu einer Unterversorgung des Kindes kommen, die man unbedingt vermeiden will. Durch regelmäßige Arztbesuche können Blutdruckerhöhungen oder das Auftreten von Eiweiß im Urin während der Schwangerschaft rechtzeitig erkannt und eine entsprechende Therapie durchgeführt werden.
Die Eklampsie und das HELLP-Syndrom sind Sonderformen der Präeklampsie (s. unten).
Die chronische Hypertonie ist definiert als Bluthochdruck, der bereits vor der Schwangerschaft oder vor der 20. Schwangerschaftswoche eintritt und mindestens sechs Wochen nach der Geburt weiter fortbesteht. Diese Bluthochdruckform hängt also nicht unmittelbar mit der Schwangerschaft zusammen wie die Gestationshypertonie und die Präeklampsie mit ihren Sonderformen.
Von der so genannten Propfgestose wird gesprochen, wenn die Frau bereits vor der Schwangerschaft einen hohen Blutdruck hatte und sich dieser durch die Schwangerschaft verschlechtert, d.h. noch höhere Blutdruckwerte erreicht werden.
Die nachfolgende Tabelle fasst die Informationen noch einmal anschaulich zusammen.
Tabelle 1: Formen und Merkmale eines Bluthochdrucks in der Schwangerschaft
Form | Merkmale |
Gestationshypertonie | - hoher Blutdruck durch die Schwangerschaft verursacht - im letzten Drittel der Schwangerschaft - keine vermehrte Ausscheidung von Eiweißen mit dem Urin - Abklingen nach der Geburt |
Präeklampsie | - hoher Blutdruck wird durch die Schwangerschaft verursacht - zusätzlich vermehrte Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödembildung) - dringend zu behandeln, da es ohne Therapie zu und Krampfanfällen (Eklampsie) und dem HELLP-Syndrom kommen kann |
chronische Hypertonie | - hoher Blutdruck nicht durch die Schwangerschaft verursacht - keine vermehrte Protein-Ausscheidung im Urin feststellbar |
Propfgestose | - bereits vor der Schwangerschaft vorhandene Nieren- oder Bluthochdruckerkrankung. - durch die Schwangerschaft kommt es zu einer Verschlechterung dieser Vorerkrankungen |
Es gibt Sonderformen des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft:
Geht die Präeklampsie in eine Eklampsie über, können zusätzlich zu den erhöhten Blutdruckwerten und der Eiweißausscheidung im Urin die folgenden Symptome auftreten:
- starke Kopfschmerzen
- Flimmern vor den Augen
- allgemeines Unwohlsein
- überschießende Muskelreflexe
- Krampfanfälle
- und Bewusstseinsstörungen.
Es kann auch nach der Geburt noch zur Eklampsie kommen. In nur 0,1% der Fälle geht eine Präklampsie in eine Eklampsie über.
Es bestehen verschiedene Behandlungsstrategien beim Vorliegen einer Eklampsie:
Beim akuten Krampfanfall werden muskelentspannende Medikamente wie Diazepam (z.B. Valium ®) gegeben und nach dem Anfall eine prophylaktische Therapie mit Magnesiumsulfat durchgeführt, um dem Auftreten weiterer Krampfanfälle vorzubeugen. Die Patientin erhält ebenfalls eine blutdrucksenkende Therapie.
Die Entbindung des Babys mittels Kaiserschnitt kann vorgenommen werden, wenn der Anfall abgeklungen ist und die Schwangere sich in einem stabilen Zustand befindet. Sie erhält vor und nach der Entbindung eine blutdrucksenkende und Krampfanfall vorbeugende Therapie. Befindet sich die Schwangere noch in einer frühen Phase der Schwangerschaft, kann nach einem eklamptischen Anfall in Einzelfällen auch ein abwartendes Verhalten möglich sein, so dass das Kind in einem reiferen Zustand zur Welt kommen kann. Die Eklampsie kann auch noch im Wochenbett auftreten, d.h. im Zeitraum von 6-8 Wochen nach der Geburt des Kindes.
Treten bei einer Schwangeren, die sich über der 17. Schwangerschaftswoche befindet, im rechten Oberbauch Schmerzen auf, sollte ein HELLP-Syndrom als Ursache abgeklärt werden.
HELLP leitet sich vom englischen Originalnamen der Erkrankung ab und beschreibt die Symptome, die im Krankheitsverlauf auftreten. Das HELLP-Syndrom zeichnet sich durch die Kombination eines vermehrten Abbaus der roten Blutkörperchen, erhöhter Leberwerte und eines niedrigen Wertes der Blutplättchen aus. Hierbei steht HE für den Abbau der roten Blutkörperchen (engl.: hemolysis), L für die erhöhten Leberwerte (engl.: elevated liver enzymes) und LP für die erniedrigten Blutplättchen (engl.: low platelets).
Die Symptome können zu einer Blutgerinnungsstörung führen und es ist möglich, dass das Kind auf Grund der mütterlichen Erkrankung nicht optimal durch den Mutterkuchen versorgt wird.
Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines HELLP-Syndroms ist gegeben, wenn...
- die Schwangere über Schmerzen im oberen Bauch, v.a. auf der rechten Seite klagt.
- mehrmals hohe Blutdruckwerte über 140/90mmHg gemessen werden.
- Vermehrt Eiweiß mit dem Urin ausgeschieden wird.
- die Zahl der Blutplättchen in der Blutuntersuchung vermindert ist.
- Anzeichen für den Abbau von roten Blutkörperchen vorhanden sind.
- erhöhte Entzündungswerte in der Blutuntersuchung auffallen.
- das Baby in der Ultraschalluntersuchung Wachstumsverzögerungen zeigt.
Liegen diese Symptome vor, muss umgehend eine Überwachung der Patientin im Krankenhaus stattfinden.
Tabelle 2: Sonderformen der Präeklampsie
Sonderform der Präeklampsie | Merkmale |
Eklampsie |
|
HELLP-Syndrom |
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