Gebärmutterhalskrebs

Alle hier gegebenen Informationen sind nur allgemeiner Natur, eine Tumortherapie gehört immer in die Hand eines erfahrenen Onkologen!!!

Synonyme im weiteren Sinne

Synonyme im weiteren Sinne: Krebs am Gebärmuttereingang, Gebärmutterkebs
Häufige Rechtschreibfehler:
Gebermutterhalskrebs, Gebarmutterhalskrebs, Gebährmutterhals oder
Englisch:
cervical cancer/ cervix cancer

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Definition Gebärmutterhalskrebs

Dieser Tumor / Krebs, im stellt den zweit häufigsten Tumor nach dem Brustkrebs bei der Frau dar. 20% aller neu aufgetretenen Krebserkrankungen ist der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).
Ursächlich wird angenommen, dass der Gebärmutterhalskrebs durch Warzenviren (Humane Papilloma Virus) ausgelöst wird.


Vorkommen in der Bevölkerung (Epidemiologie)

Der Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom) macht 20% der bösartigen Krebserkrankungen der Frau aus. Früher gehörte er zu den häufigsten Krebserkrankungen.
Heute steht dieser weltweit etwa eine halbe Million Frauen betreffende Krebs an zweithäufigster Stelle der bösartigen Tumoren.
Jährlich kommen zehn bis zwanzig Neuerkrankungen unter 100.000 Einwohnern in der Bundesrepublik hinzu. Die Auftretenshäufigkeit ist zwischen dem 35. und dem 60. Lebensjahr am größten. In jüngerem Alter können bereits Vorstufen auftreten.

Anatomie und Histologie

Abbildung Gebärmutter
  1. Gebärmutter - Uterus
  2. Gebärmutterkuppe - Fundus uteri
  3. Gebärmutterschleimhaut -
    Tunica mucosa
  4. Gebärmutterhöhle - Cavitas uteri
  5. Bauchfellüberzug - Tunica serosa
  6. Muttermund - Ostium uteri
  7. Gebärmutterkörper - Corpus uteri
  8. Gebärmutterenge - Isthmus uteri
  9. Scheide - Vagina
  10. Gebärmutterhals -
    Cervix uteri
  11. Eierstock - Ovarium
  12. Eileiter - Tuba uterina

Alle medizinischen Abbildungen

Abb. Stellung und Form der Gebärmutter im weiblichen Becken
  1. Gebärmutter - Uterus
  2. Gebärmutterkuppe - Fundus uteri
  3. Gebärmutterschleimhaut -
    Tunica mucosa
  4. Gebärmutterhöhle - Cavitas uteri
  5. Bauchfellüberzug - Tunica serosa
  6. Muttermund - Ostium uteri
  7. Gebärmutterkörper - Corpus uteri
  8. Gebärmutterenge - Isthmus uteri
  9. Scheide - Vagina
  10. Schambeinfuge -
    Symphysis pubica
  11. Harnblase - Vesica urinaria
  12. Mastdarm - Rectum

Der Gebärmutterhals stellt den aus der Scheide (Vagina) in den Gebärmutterkörper führenden Teil der Gebärmutter dar. Der sich in die Scheide vorstülpende Anteil dieses Gebärmutterhalses (also der vom Gebärmutterkörper weiter entferntere Abschnitt) wird als Portio bezeichnet und ist der häufigste Entstehungsort von Gebärmutterhalskrebs.
Dafür sind sich in der Geschlechtsreife abspielende, natürliche Veränderungen der Gebärmutterhalsschleimhaut verantwortlich: Hormonell gesteuert, kommt es zum Vorwachsen von Schleimhaut des Gebärmutterhalses (diese enthält zum Schutz gegen aufsteigende Infektionen kleine Drüsen, die einen antibakteriell wirksamen Schleim bilden) nach außen in Richtung Scheide.
Vor der Pubertät ist die Scheide nur von flachen, übereinander gestapelten Oberflächenzellen bedeckt (sog. Plattenepithel). Bedingt durch diese Umbauvorgänge ist die Schleimhaut des vorderen Gebärmutterhalses (die Portio, s.o.) besonders empfindlich für bakterielle, mechanische, u.a. Reize.
Häufige Entzündungen begünstigen daher die auf dem Boden von vorgeschädigten Zellen ihren Ausgangspunkt nehmende Tumorentstehung.

Die verschiedenen Vorschädigungen (zusammengefasst werden sie als cervicale intraepitheliale Neoplasien, kurz CIN, d. h. als auf den oberflächlichen Zellverband beschränkte Neubildungen des Gebärmutterhalses, bezeichnet und je nach Ausmaß der Zellveränderungen in Stufen von I bis III eingeteilt) wachsen zunächst noch nicht ins umliegende Gewebe ein (= invasives Wachstum), aber sind mittels Abstrichuntersuchung und Kolposkopie (s.u.) nachweisbar


Ursache

Die Ursache von Gebärmutterhalskrebs ist immer noch nicht eindeutig geklärt

Die genaue Entstehung des Gebärmutterhalskrebses ist nicht in allen Details bekannt. Allerdings gilt die Erkrankung nach aktuellem Kenntnisstand als Beispiel für eine durch Viren ausgelöste Krebserkrankung.
Im Rahmen umfangreicher Studien konnte gezeigt werden, dass eine Infektion mit dem Humanen Papillomvirus (HPV) Voraussetzung für eine Erkrankung ist. Übertragen wird das Virus durch Geschlechtsverkehr. Dabei stellen zwei der etwa 200 verschiedenen Typen des Humanen Papillomvirus (HPV) ein besonders hohes Risiko dar (die Typen 16 und 18); auf andere Typen des Virus (die Typen 6 und 11) sind z. B. Feuchtwarzen der Geschlechtsorgane (sog. condyloma acuminata) zurückzuführen.
Humane Paillomaviren sind im weitesten Sinne Viren, die auf der Haut Warzen auslösen.
Eine Infektion mit dem Humanen Papillomvirus ist aber nicht zwingend mit einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs verknüpft. Selbstheilungskräfte des Körpers verhindern bei etwa 80% aller mit dem Virus Infizierten den Ausbruch der Erkrankung.
Schlechte Hygiene und häufiger Partnerwechsel erhöhen die Krankheitswahrscheinlichkeit, während Beschneidung des Mannes und Kinderlosigkeit das Risiko senken.

Symptome

Anfangs treten nur selten Beschwerden auf. Manchmal können ein süßlich riechender Ausfluss und Schmierblutungen (v.a. nach Sexualkontakt) erste Hinweise auf einen Gebärmutterhalskrebs sein. Im fortgeschrittenen Stadium breitet sich die Geschwulst weiter in die Wand des Gebärmutterhalses sowie in die Scheide, Beckenwand, Mastdarm (Rektum), und den bindegewebigen Halteapparat der Gebärmutter im Becken (die sog. Parametrien) aus.
Absiedlungen (Metastasen) des Tumors können sich zunächst über die Lymphwege ausbreiten, später auch durch Einwachsen in Blutgefäße in Leber, Gehirn, Lunge und Knochen (sog. hämatogene Metastasierung, d.h. Absiedlung auf dem Blutweg) mit Folge schwerer Schmerzen.

Diagnose

Diagnostik Gebärmutterhalskrebs

Ab dem 20. Lebensjahr werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, da eine Infektion mit dem den Krebs auslösenden Virus schon sehr früh erfolgen kann. Der Nachweis von Krebsvorstufen ist mittels Abstrichuntersuchungen möglich. Die so gewonnenen Zellen werden zur Sichtbarmachung angefärbt (das Verfahren wurde George Nicolas Papanicolaou, einem von 1883-1962 lebenden griechischen Arzt und Pathologen entwickelt und wird noch heute in modifizierter Form durchgeführt). Die Beurteilung erfolgt in Klassen PAP (Papanicolaou) von I bis V, entsprechend einem Normalbefund bis hin zu Zellveränderungen, die dringenden Tumorverdacht belegen mit Notwendigkeit sofortiger Abklärung durch Entnahme einer Gewebeprobe.


Klassifikation nach Papanicolaou

PAP - Klassen

Beurteilung

PAP I

Normales Zellbild

Der Befund ist normal, es gibt keine Auffälligkeiten, Kontrolle nach einem Jahr im Rahmen der Krebsfrüherkennungs- untersuchung

PAP II

Entzündliche und metaplastische Ver- änderungen

Die Zellveränderungen sind unverdächtig, meist bedingt durch Bakterien oder anderen Keimen, ggf. Untersuchung nach 3 Monaten und eine evtl. Behandlung der Entzündung

PAP III

Schwere entzündliche oder degenerative Veränderungen, eine Beurteilung, ob die Veränderungen bösartig sind, ist nicht sicher möglich

Der Befund ist unklar; ggf. antibiotische oder hormonelle Behandlung kurzfristige Kontrolle nach ca. 2 Wochen; bei anhaltendem Pap III ist eine feingewebliche (histologische) Abklärung (Histologie) wichtig

PAP III D

Zellen weisen leichte bis mäßige untypische Zell- veränderungen auf

Der Befund ist unklar; meist hängt diese Veränderung mit dem häufig verbreiteten HPV - Infekt zusammen. Kontrolle nach 3 Monaten ist ausreichend, eine histologische Abklärung erst bei wiederholtem Auftreten erforderlich

PAP IV a

Zellen schweren Dysplasie oder eines Carcinoma in situ (Krebsvorstufe)

Feingewebliche (histologische) Abklärung mit Hilfe einer Cürettage (Ausschabung) und einer Koloskopie / Hysteroskopie

PAP IV b

Zellen schweren Dysplasie oder eines Carcinoma in situ (Frühstadium eines Krebses), Zellen eines bösartigen Krebses können nicht ausgeschlossen werden

Erfordert die feingewebliche (histologische) Abklärung mittels Konisation (siehe unten) oder Biopsie (Gewinnung einer Gewebeprobe)), Therapie je nach Befund und Familienplanung der Patientin

PAP V

Zellen eines vermutlich bösartigen Krebses (maligner Tumor), Tumor ist eindeutig bösartig

Erfordern die feingewebliche (histologische) Abklärung mittels Konisation (siehe unten) oder Biopsie (Gewinnung einer Gewebeprobe).
Therapie: Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Der gynäkologischen Untersuchung ist der Gebärmutterhals mittels der Kolposkopie (wörtl.: „Spiegelung der Scheide“ von griech. kolpo = Scheide, skopie = spähen / betrachten) zugänglich. Eingeführt wurde diese der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses dienende Diagnostik bereits in den 20er Jahren durch Hans Hinselmann. Dabei wird der Gebärmutterhals mit einem speziellen Mikroskop (Kolposkop) unter optimaler Beleuchtung mit sechs- bis zwanzigfacher Vergrößerung betrachtet.

Mittels der Essigsäureprobe können Vorstufen (sog. Präkanzerosen) und mit erhöhtem Krebsrisiko assoziierte Schleimhautveränderungen sichtbar gemacht werden (z. B. die als Metaplasie bezeichnete Umwandlung von Gebärmutterschleimhaut in Scheidenschleimhaut als Folge ständig wiederkehrender Entzündungen; in gewissem Maße ist diese Schleimhautumwandlung allerdings auch normal und bei allen Frauen nach der Pubertät nachzuweisen).
Da sich jedoch auch normale Schleimhaut durch die Essigsäureprobe anfärbt, ist zur Unterscheidung des gesunden von krankem Gewebe die im Rahmen der sog. Schillerschen Jodprobe erfolgende, dunkelbraune bis schwarze Anfärbung von ausschließlich gesunden Zellen hilfreich.
Grundlage dieses Nachweises ist die chemische Reaktion des in normalen Zellen enthaltenen Glykogen (einem aus mehreren Tausend Zuckerbausteinen bestehenden, als Speicher dienenden Riesenmolekül) mit Jod zu einem braunen Reaktionsprodukt.
Krankhaft veränderte Schleimhaut (sog. durch Entzündungen entstandene metaplastische Schleimhaut oder Krebsvorstufen) dagegen enthält wenig Glykogen und färbt sich daher nur wenig oder gar nicht an.

Das Kolposkop selbst wird nicht in die Scheide eingeführt, sondern vor ihr positioniert. Zur Entfaltung der Scheidenwände benutzt der Frauenarzt ein Spekulum (lat.: Handspiegel; zur Einführung in natürliche Körperhöhlen röhren-, trichter-, oder spatelförmig). Mit einer speziellen kleinen Zange ist es möglich, kleine Gewebsstücke zu entnehmen und diese unter dem Mikroskop zu untersuchen. Über die bloße Betrachtung hinaus ermöglicht ein Kolposkop auch das Erstellen von Fotos und Videoaufnahmen zu Dokumentationszwecken.

Ziel der Kolposkopie ist die Einstufung des Schweregrads bei Feststellung einer krankhaften Veränderung. Entscheidend sind dabei u.a. Farbe, Oberflächenbeschaffenheit, und die Anfärbbarkeit durch Jod des verdächtigen Gewebeanteils. Oberflächliche Weißfärbungen der Schleimhaut (sie werden als Leukoplakien bezeichnet) können harmlos sein oder Hinweis auf eine zugrunde liegende Krebsvorstufe geben. Rote Punkte oder Leisten („Mosaik“ genannt) entsprechen an die Oberfläche reichenden Gefäßen und sind immer verdächtig für eine bösartige Veränderung.
Bisher konnte ein positiver Effekt im Rahmen der Krebsvorsorge noch nicht bewiesen werden. Eine Koloskopie erscheint uns jedoch als vorsorgemaße sehr sinnvoll. Die Kolposkopie ist nicht im Leistungsumfang der GKV (gesetzliche Krankenversicherung) vertreten.

Therapie Gebärmutterhalskrebs

Es gibt verschiedene Behandlungsebenen:

  1. Vorbeugung (Prophylaxe)
  2. Konisation
  3. Gebärmutterentfenung (Hysterektomie)

Vorbeugung (Prophylaxe) -> Impfung

Impfung Gebärmutterhalskrebs

Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs.
Nach vielversprechenden Ergebnissen im Tierversuch konnten Wissenschaftler jetzt im Rahmen klinischer Studien nachweisen, dass ein neu entwickelter Impfstoff sich durch große Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen auszeichnet.
Der Impfstoff besteht aus Eiweißen, die jenen aus der Hülle des Humanen Papillomvirus entsprechen. Durch die Impfung wird das Immunsystem angeregt, selbst schützende Eiweißstoffe (sog. Antikörper) gegen die den Krebs auslösenden Viren zu produzieren, vergleichbar mit einem Training. Verstärkt wird die Wirkung der Impfung durch ein zusätzlich aktivierend auf das Immunsystem wirkenden Hilfsstoff (ein sog. Adjuvans). Nachgewiesen werden konnte ein effektiver Schutz über 4,5 Jahre für Frauen von 25 bis 55 Jahren. Bisher ist der Impfstoff nur in den USA zugelassen (seit Juni 2006).
Voraussichtlich ist Ende 2006 eine Impfung auch in Deutschland möglich.
Da diese aber keinen 100%igen Schutz bietet, kann sie keine vorsorgenden Abstrichuntersuchungen ersetzen (Der Impfstoff wirkt bisher nur gegen die zwei gefährlichsten, für etwa 70% aller Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses verantwortlichen Hoch-Risiko-Typen des Virus). Geplant sind breit angelegte Impfprogramme in der Bevölkerung, da die Durchseuchung mit Humanem Papillomvirus hoch ist: Zwischen 70% und 80% aller Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden im Laufe ihres Lebens mit HPV infiziert.
In der Regel heilt die Infektion von selbst innerhalb von 12 bis 18 Monaten aus, so dass beispielsweise ein positiver Test auf das Virus auf keinen Fall mit einer bestehenden oder später entstehenden Krebserkrankung verknüpft ist. Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass eine Impfung lediglich vorbeugenden Charakter hat: Eine erfolgte Infektion mit dem Virus kann dadurch nicht geheilt werden.
Deshalb ist geplant, vor allem die Altersgruppe der Neun- bis Zwölfjährigen (Pubertät) vor dem erstem Sexualkontakt zu impfen. Von der Impfung profitieren würden nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen: Der voraussichtlich Anfang 2007 in Deutschland eingeführte Impfstoff soll auch vor den gutartige Warzen der Geschlechtsorgane verursachenden Viren schützen (die bezogen auf den Gebärmutterhalskrebs aber harmlos sind und daher als low - risk Typen bezeichnet werden).
Zukünftiges Ziel ist es, durch die Impfungen den Gebärmutterhalskrebs mitsamt allen Vorstufen auf ein nicht mehr weiter reduzierbares Minimum zu begrenzen..

Konisation

Krebsverdächtige Gewebsveränderungen sollten kegelförmig aus dem Gebärmutterhals herausgeschnitten werden (sog. Konisation). Zur Zeit werden in Deutschland schätzungsweise 50.000 dieser operativen Eingriffe pro Jahr durchgeführt.
Eine generelle Konisation ist nicht in jedem Fall notwendig, sondern ein stadienabhängiges Vorgehen nach dem individuellen Befund entsprechend der aktuellen Leitlinien.

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Operation des Gebärmutterhalskrebs

In fortgeschritteneren Stadien ist eine Entfernung der gesamten Gebärmutter (med. Hysterektomie) inklusive des bindegewebigen Halteapparats, einer Scheidenmanschette und der umliegenden Lymphknoten das Mittel der Wahl (sog. Wertheim - Radikaloperation). Manchmal sind auch noch Strahlentherapie und / oder Chemotherapie erforderlich.
Wie bei jeder Krebserkrankung ist eine konsequent durchgeführte Nachsorge wichtig: Während der ersten drei Jahre alle drei Monate, für zwei Jahre alle vier Monate und nach fünf Jahren halbjährlich.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.08.2014