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Strahlentherapie

Synonyme

Radioonkologie, Bestrahlung

Definition

Unter einer Strahlentherapie versteht man die Behandlung gutartiger und bösartiger (Krebs) Erkrankungen mittels hochenergetischer Strahlung.

Das medizinische Gebiet der Strahlentherapie besteht eigenständig als drittes radiologisches Fachgebiet neben der Diagnostischen Radiologie und der Nuklearmedizin.



Physikalische Grundlagen

Der Begriff Strahlung steht für eine physikalische Energieform. Das sichtbare Licht ist eine allen bekannte Erscheinungsform von Strahlung. Der Strahlenbegriff vereinigt eine Vielzahl unterschiedlicher Strahlenarten.

Prinzipiell kann Wellenstrahlung (Photonenstrahlung) von Teilchenstrahlung (Korpuskularstrahlung) unterschieden werden.

Die Wellenstrahlung beinhaltet viele kleine Energieträger, die Photonen. Das besondere am Photon ist, das es keine eigene Masse besitzt. Im weitesten Sinn ist es reine Energie in Form elektromagnetischer Wellen.

Im Unterschied dazu besitzen die Energieträger bei der Teilchenstrahlung eine eigene Masse. Beispielhaft sei hier der Elektronenstrahl genannt, der sich aus vielen kleinen Elektronen zusammensetzt.

Sowohl die Teilchenstrahlung, als auch die Wellenstrahlung sind weiterhin Sammelbegriffe, die physikalisch unterschiedliche Strahlenarten zusammenfassen.

Photonen

Einzelne Photonen können physikalisch anhand ihrer Wellenlänge unterschieden werden. Die Wellenlänge beschreibt die Strecke, die genau eine Welle vom Anfang bis zu ihrem Endpunkt durchwandert. Die Eigenenergie und die Möglichkeiten der Wechselwirkungen hängen bei der Wellenstrahlung stark von der Wellenlänge ab.

 

Teilchenstrahlen unterscheiden sich in der Teilchenart. Beispiele hierfür sind:

Elektronenstrahlen

Elektronenstrahlen (negativ geladenes Teilchen aus der Atomhülle)

 

 

Protonenstrahlen

Protonenstrahlen (positiv geladenes Teilchen aus dem Atomkern)

 

Neutronenstrahlen (ungeladenes Teilchen aus dem Atomkern)

Schwerionenstrahlen (z.B. Kohlenstoffionen C12).

Wirkungsweise der Strahlentherapie

Tiefendosisverteilung von Elektronen- und Röntgenstrahlen

Hochenergetische Photonen- und die Teilchenstrahlung gehören zu den ionisierenden Strahlen. Trifft solche Strahlung auf Materie, wie z.B. Wasser, geht Energie aus der Strahlung auf die Atome bzw. Moleküle des Wassers über und führt dort zur Ionisation. Die nun entstandenen geladenen Teilchen sind ihrerseits wieder sehr reaktionsfreudig und können benachbarte Moleküle verändern.

Die Strahlenarten unterscheiden sich sehr in der Art des Energieübertrags und können über diese Eigenschaften mehr oder weniger gut therapeutisch genutzt werden.

Die meistgenutzten Strahlen im therapeutischen Bereich sind hochenergetische Röntgenstrahlen und Elektronenstrahlen. Nach Eintritt in das Gewebe, nimmt für die hochenergetische Röntgenstrahlung die Energieabgabe im Gewebe bis zu einer gewissen Tiefe zu, um dann langsam abzufallen. Bei der Elektronenestrahlung ist der Bereich des maximalen Energieübergangs sehr oberflächennah und fällt in der Tiefe rasch ab. Elektronenstrahlen eignen sich also eher zur Behandlung oberflächennaher Prozesse und hochenergetische Röntgenstrahlen für tiefer gelegene.

Ziel der Strahlentherapie beim Menschen ist es, durch den Energieübertrag die vorhanden Tumorzellen so zu schädigen, dass sie in der Folge daran zugrunde gehen. Die entstandenen reaktionsfreudigen Wassermoleküle führen zu Veränderungen bzw. Schädigungen an der DNA der Zelle. In der DNA ist die Information für die Steuerung der Stoffwechselprozesse der Zelle vorhanden. Tritt eine kritischer Schaden in diesem Molekül auf, kann die Tumorzelle ihre lebensnotwendigen Abläufe nicht mehr steuern und sich nicht mehr teilen. Letztlich führt das zum Untergang der Tumorzelle und im Idealfall des gesamten Tumors.

Ziel einer jeden Strahlentherapie muss es deshalb sein, den höchsten Energieübertrag der Strahlung in den Bereich des Tumors zu verlagern. Um dies zu erreichen, werden heute moderne rechnergesteuerte Behandlungseinrichtungen angewandt. Diese helfen, eine sehr präzise Vorhersage bzgl der Dosisverteilung im Körper zu erhalten.

Behandlung

Eine qualitativ hochwertige Krebstherapie erfolgt heute in Absprache zwischen den zuständigen medizinischen Fachbereichen (Chirurgische Fächer, Internistische Onkologie, Strahlentherapie) und dem Patienten.
Am Anfang muss ein Konsens für das erreichbare Therapieziel gefunden werden. Wichtige Fragen sind hier, ob der Tumor geheilt werden kann, ob Symptome vorhanden sind, die behandelt werden müssen, wie ist die Bereitschaft und Belastbarkeit des Patienten, usw.

Nach der Festlegung des Therapieziels sollte ein Behandlungsplan erstellt werden, der die aktuell geltenden Therapieempfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften und laufende Studienergebnisse berücksichtigt.

Mögliche Therapieoptionen sind:

Regelhaft erfolgt eine Kombination der einzelnen Therapieoptionen.

Nach dem Wirkungsort können drei übergeordnete Therapieformen unterschieden werden.

Je nach Erfordernis kann die Strahlentherapie als alleinige Therapie durchgeführt werden oder in Kombination, bzw. vor oder nach den anderen Therapien.

Besteht die Indikation zur Bestrahlung, muss vorab die medizinische Aufklärung bzgl. Ziel, Durchführung und mögliche Nebenwirkungen der Therapie stattfinden.

Um zu gewährleisten, dass die wirksame Strahlendosis auch im Bereich des Tumors ankommt, erfolgt vor dem eigentlichen Therapiebeginn die Bestrahlungsplanung.
Dazu wird heute regelhaft eine Computertomographie der betroffenen Körperregion angefertigt. Aus diesen Bilddaten wird ein dreidimensionales Modell des Patienten errechnet, in dem die Behandlungsregion und die benachbart liegenden Organe zu sehen sind.
In diesem Modell wird nun festgelegt, welcher Bereich strahlentherapeutisch wirksam behandelt werden soll. Des Weiteren wird definiert welche Organe von der Strahlung verschont werden müssen. Nach diesen Vorgaben wird ein Behandlungsplan errechnet, der eine millimetergenaue Platzierung der therapeutischen Strahlendosis erlaubt.

Außer bei Tumoren der Haut liegt die Behandlungsregion einige Zentimeter unterhalb der Körperoberfläche.

Bei Elektronen ist der Bereich der größten Energieübertragung sehr oberflächennah und fällt in der Tiefe steil ab.
Photonenstrahlen haben ihr Übertragungsmaximum ein bis zwei Zentimeter unter halb der Haut. Um tiefergelegene Regionen wirksam zu behandeln, ohne das benachbarte Gewebe zu schädigen, wird die gewünschte Therapiedosis über mehrere Einstrahlfelder aufgeteilt, welche sich in der Therapieregion treffen. Dadurch addiert sich die Dosis jedes Feldes zu der der restlichen Felder. Das bedeutet, in der Tumorregion ist die maximale Strahlendosis vorhanden und im Umfeld fällt die Strahlenbelastung deutlich ab.

Um zu gewährleisten , dass bei jeder Sitzung wieder die gleiche Region behandelt wird, werden Hilfsmittel verwendet mit denen der Patient sicher und stabil gelagert werden kann.

Verhalten während der Strahlentherapie

Je nach bestrahlter Körperregion sollten einige Maßnahmen getroffen werden, um mögliche Nebenwirkungen zu lindern bzw. zu verhindern.

Generell sollte die Haut in den Bereichen, in denen eingestrahlt wird möglichst wenig manipuliert werden. Einige Kliniken haben ein generelles Waschverbot über den Therapiezeitraum. Letztlich hat klares Wasser und eine parfümfreie Seife jedoch keinen negativen Einfluss auf mögliche Hautreaktionen. Richten Sie sich generell nach den Empfehlungen, die Ihnen Ihre Therapieeinrichtung vorgibt. Das benutzen von wirkstofffreien Pudern ist vorteilhaft. Einerseits kühlt der Puder die Haut und ist deshalb angenehm. Andererseits wird der Schweiß durch den Puder aufgenommen und verhindert dadurch ein Verwischen der Markierungen durch die Kleidung.

Sollten stärkere Reaktionen der Haut im Verlauf der Therapie auftreten werden weiter Maßnahmen erforderlich (z.B. desinfizierende Lösungen, Salben, etc.)

Hals-Nasen-Ohren
Die Mund- und Rachenschleimhaut ist sehr empfindlich. Eine Strahlentherapie in dieser Region führt häufig zu Entzündungen und schmerzhaften Schluckbeschwerden. Gerne siedeln sich dann Bakterien und Pilze an und verstärken die Symptome noch.
Diesem Problem kann durch eine penible Mundhygiene mit desinfizierenden Mundspülungen (z.B. Jodlösungen) vorgebeugt werden. Zur Verhinderung von Strahlenkaries erfolgt vor Therapiebeginn, soweit möglich, eine Zahnsanierung. Vorgeschädigte Zähne werden entfernt, wenn sie nicht durch kleine Füllungen abschließend behandelt werden können.

Bestrahlungen im Bereich des Brustkorbs
Bei Lungentumoren oder Speiseröhrentumoren wird die Schleimhaut der Speiseröhre durch die Bestrahlung belastet. Dies kann im Verlauf der Therapie zu schmerzhaften Schluckbeschwerden führen.

Bauch-/ Beckenbereich
Sollte der Magen im Bestrahlungsfeld liegen, kann Übelkeit auftreten. Die Darmschleimhaut reagiert mit Duchfall und die Harnblase kann Symptome einer Blasenentzündung entwickeln. Das bedeutet, dass häufiger als üblich uriniert werden muss und evtl. ein Brennen beim Wasserlassen zu spüren ist.
Sollten solche Beschwerden bei Ihnen auftreten müssen Sie das sofort Ihrem behandelnden Arzt mitteilen, dass die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden können.



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