Bauchschmerzen

Synonyme im weiteren Sinne

Abdominalschmerzen, Bauchkrämpfe, Magenschmerzen, Magenkrämpfe
englisch: stomachache

Definition Bauchschmerzen

Unter Bauchschmerzen versteht man schmerzliche  Beschwerden, die entweder im Bereich des Bauches entstehen und dort als solche wahrgenommen werden oder an anderer Stelle im Körper verursacht und in die Bauchregion weitergeleitet werden. Lesen Sie auch Erkrankungen des Magen Darm Trakt


Diagnose

Bauchschmerzen ist ein häufiger Grund, weshalb Patienten ihren Arzt aufsuchen. Für ihn ist es wichtig gefährliche Formen des Bauchschmerzes von den ungefährlichen Formen abzugrenzen. Ein wesentlicher Bestandteil der Diagnosestellung ist das Patientengespräch (Anamnese), in dem der Beginn der Schmerzen, die Art, die Schmerzregion und Begleitsymptome erfragt werden sollten. Der Arzt wird auch fragen, ob die Beschwerden mit Durchfall einhergehen und ob nach dem Toilettengang die Beschwerden zunächst gebessert werden (chronisch entzündliche Darmerkrankungen) und ob der Patient von den Bauchschmerzen in der Nacht aufwacht, oder ob er die Beschwerden nachts nicht spürt (psychogene Bauchschmerzen).
An Begleitsysmptomen wäre wichtig zu erfragen, ob ein Diabetes Mellitus, ein Bluthochdruck oder Herzerkrankungen, wie das Vorhofflimmern, vorliegen. Beim zeitlichen Einschätzen sollte erfragt werden, ob die Beschwerden plötzlich aufgetreten sind und wie lange das her ist oder ob der Schmerzverlauf eher schleichend vonstatten gegangen ist. Nach der Patientenbefragung steht auf jeden Fall die körperliche Untersuchung an. Am liegenden Patienten sollten zunächst mit dem Stethoskop die Darmgeräusche abgehört werden, danach sollte der Arzt die Betastung (Palpation) des Bauches durchführen, um Abwehrspannungen und Resistenzen in der Bauchregion feststellen zu können.

Alle weiteren Untersuchungen hängen davon ab, welches Krankheitsbild schlussendlich für die Bauchschmerzen verantwortlich ist. Handelt es sich um eine Nahrungsunverträglichkeit, die meistens mit Durchfällen einhergeht, könnte man eine Laboruntersuchung des Stuhls durchführen, um entsprechende Krankheitserreger zu identifizieren.
Bei kolikartigen Schmerzen sollte man möglichst bald ein Ultraschall des Bauches anfertigen, in dem man die Gallenblase, die Gallenwege und die harnableitenden Organe darstellen sollte.
Handelt es sich um Entzündungen der Bauchorgane kann man verschiedene Tests anwenden. Bei einer Entzündung der Gallenblase kann man das sogenannte Murphyzeichen versuchen bei dem Patienten auszulösen. Dazu muss der liegende Patient ausatmen, dann wird der Bauch von außen schräg rechts oberhalb des Bauchnabels tief eingedrückt und der Patient wird gebeten einzuatmen. Bei Schmerzen ist das Murphyzeichen positiv (Gallenblasenentzündung). Bei einer Blinddarmentzündung gibt es viele verschiedene Tests. Zunächst wird der Patient nach betasten des sogenannten Mc Burney Punktes und des Lanzpunktes (beides sind Punkte an der rechten Bauchseite) starke Schmerzen äußern.
Nach tiefem Eindrücken der linken Seite und plötzlichem Loslassen, wird der Patient auf der rechten Seite Schmerzen angeben (sogenannter Loslassschmerz). Hält man das linke Bein des liegenden Patienten auf der Liege fest und bittet den Patienten das rechte Bein anzuheben, wird der Patient auch über starke Schmerzen klagen (Psoas-Test).
Auch wird der Patient generell starke Schmerzen angeben, wenn man ihn dazu auffordert das rechte Bein anzuhocken. Hat man den Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sollte unbedingt eine Laboruntersuchung des Blutes erfolgen. Eine starke und akute Entzündung des Wurmfortsatzes wird sich im Blutbild an einer Erhöhung der Leukozytenzahlen und einem CRP-Anstieg bemerkbar machen.

Bauchschmerzen, die eine gynäkologische oder urologische Ursache haben sollten immer anhand eines Ultraschalls dargestellt werden. Patienten mit Gefäßverschlüssen sind meistens durch eine entsprechende Vorgeschichte (Vorhofflimmern) und einem charakteristischen Schmerzverlauf (erst starke Schmerzen, dann beschwerdefrei, dann wieder starke Schmerzen) auffällig. Um einen Gefäßverschluss, der den Darm versorgenden Arterie darstellen zu können, müsste eine Kontrastmitteluntersuchung mit anschließender Computertomographie durchgeführt werden. Alle Bauchschmerzen, die durch Darmverschlüsse verursacht werden, sollten durch eine Röntgenaufnahme am stehenden Patienten untersucht werden.
Sogenannte stehende Darmschlingen und Spiegel wären genauso typisch für einen Darmverschluss, wie entweder hochklingende Darmgeräusche (mechanischer Darmverschluss) oder totale Stille im Darm (paralytischer Darmverschluss). Divertikulitiden kann man durch Ultraschalluntersuchungen und durch Darmspiegelungen erkennen. Magenentzündungen oder Magengeschwüre bzw. Geschwüre des Zwölffingerdarmes kann man anhand einer Magenspiegelung darstellen.
Auch bösartige Veränderungen und Tumoren können auf diese Weise dargestellt werden. Bauchfellentzündungen könnte man zum einen anhand des Blutbildes  (Leukozyten und CRP-Erhöhung) sowie anhand eines Ultraschallbildes vermuten, das vermutlich freie Flüssigkeit zeigen würde.

Die Diagnose von psychogenen Bauchschmerzen stellt eine schwierige Herausforderung dar. Meistens handelt es sich dabei um eine Ausschlussdiagnose, wenn keine organische Ursache gefunden werden konnte.

Therapie

Auch die Therapie der Bauchschmerzen richtet sich nach der jeweils die Bauchschmerzen auslösenden Erkrankungen. Bauchschmerzen, die durch Infektionen ausgelöst wurden brauchen entweder nicht oder wenn sie über eine gewisse Zeit bestehen bleiben, durch Antibiotika behandelt werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie die Laktoseintoleranz,  können ausschließlich mit dem Vermeiden der entsprechenden Nahrung behandelt werden. Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen, wie die Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn können mit Hilfe von Kortison und neueren Medikamentengruppen (sogenannte Biologicals) behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Art der chronisch entzündlichen Darmerkrankung, nach dem Fortschreiten und nach dem Stadium.
In einigen Fällen kann es notwendig werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen operativ zu behandeln. Gallensteine und Nierensteine, die Bauchschmerzen verursachen können durch eine operative Entfernung der Gallenblase bzw. der Nierensteinzertrümmerung behandelt werden. Divertikulitiden können zum einen mit Antibiotika zum anderen operativ behandelt werden. Treten die Entzündungen an den Divertikeln regelmäßig auf, sollte früher oder später immer eine Operation erfolgen.
Eine Blinddarmentzündung muss in aller Regel operativ behandelt werden. Musste man früher immer den Bauch aufschneiden und am offenen Bauch  operieren, macht man sich heute die laparoskopische Appendektomie zu nutze. Bei diesem Verfahren kann man durch kleine Hautschnitte Instrumente in den Bauch hineinlegen und den entzündeten Wurmfortsatz herausholen. Entzündungen des Magens brauchen bei einem akuten Verlauf meistens nicht behandelt werden. Bei chronischen Entzündungen des Magens sollte Schonkost zu sich genommen werden. Außerdem sollte die Magensäureproduktion durch Medikamente gehemmt und eine eventuelle stressige Lebenssituation umgestaltet werden.
Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarmes sollten früher oder später operativ entfernt werden, da eine Nichtbehandlung eine bösartige Entartung zufolge haben könnte.

Darmverschlüsse sollten zunächst versucht werden mit abführenden Maßnahmen zu beheben. Ist dies nicht möglich, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bauchschmerzen verursachende Erkrankungen, die mit einem brettharten Bauch und Abwehrspannung einhergehen müssen operativ untersucht und ggfs. behandelt werden. Auch hier macht man sich meistens eine sogenannte Laparoskopie zunutze, die nur kleine Hautschnitte bedarf. In vielen Fällen muss allerdings aufgrund der Schwere der zu einem akuten Abdomen führenden Erkrankung eine Laparoskopie in eine reguläre Laparotomie (Aufschneiden des Bauches) umgewandelt werden.
Bevor das akute Abdomen allerdings operativ versorgt wird, sollte ein Blutzuckerspiegel festgestellt werden. Bei Blutzuckerentgleisungen kann es zu einem dem akuten Abdomen ähnlich scheinenden Krankheitsbild kommen. Die Behandlung von psychogenen Bauchschmerzen stellt wie die entsprechende Diagnose ein schwieriges Unterfangen dar. Meistens werden Patienten mit entsprechenden Symptomen lediglich versucht zu beruhigen. Bei nicht ansprechen sollte ein Facharzt für Psychiatrie zugezogen werden.
Bei Kindern mit Schulangst sollte man mit dem Kind entsprechend über die Situation sprechen. Auch könnten Lehrer mit in die Problematik einbezogen werden. Die Unterstützung durch einen Kinder und Jugendpsychiater sollte auf keinen Fall in der ersten Instanz erfolgen. Verbleiben elterliche Versuche erfolglos, kann immer noch ein Besuch beim Kinder- und Jugendpsychiater erfolgen.

Zusammenfassung

Bauchschmerzen stellen eines der häufigsten Gründe dar, weshalb ein Arzt aufgesucht wird. In vielen Fällen handelt es sich um ungefährliche Erkrankungen, die Bauchschmerzen auslösen. Dazu zählen Lebensmittelunverträglichkeiten oder eine Lebensmittelvergiftung bzw. Infektionen. Treten die Bauchschmerzen direkt nach dem Essen auf, könnte es sich um eine Geschwürerkrankung des Magens handeln. Verschwinden die Schmerzen nach Essensaufnahme könnte ein Geschwür des Zwölffingerdarmes dahinterstecken.
Entzündungen des Magens machen sich meistens durch einen Magendruck bemerkbar. Kolikartige, wellenförmige Bauchschmerzen werden meistens durch Gallensteine oder Nierensteine ausgelöst. Zu den gefährlichen Erkrankungen zählen alle die, die ein sogenanntes akutes Abdomen auslösen können. Unter diesem Symptom versteht man einen brettharten Bauch mit Abwehrspannung und sehr starke Schmerzen. Ursachen könnte ein perforiertes Organ oder ein Darmverschluss fortgeschrittenen Stadiums sein. Hier muss in jedem Fall eine operative Diagnostik erfolgen. Rechtsseitige Unterbauchschmerzen könnten für eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis) sprechen, während linksseitige Bauchschmerzen (siehe Bauchschmerzen links) auf eine Divertikelentzündung hinweisen. In jedem Fall gilt es, Bauchschmerzen sehr eingehend zu untersuchen, da immer auch lebensbedrohliche Situationen dahinterstecken können.

--> Weiter zum Thema Bauchschmerzen nach dem Essen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012