Lebensmittelvergiftung

Synonyme

Lebensmittelintoxikation, Nahrungsmittelvergiftung, Nahrungsmittelintoxikation

Englisch: food intoxication, food poisoning

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Definition

Der Begriff Lebensmittelvergiftung bezeichnet eine Magen-Darm-Erkrankung, die durch mit der Nahrung/ Ernährung aufgenommene Giftstoffe verursacht wird. Bei diesen Giftstoffen handelt es sich um Toxine, welche von Bakterien, Pilzen, Pflanzen, Metallen beziehungsweise deren Verbindungen oder Meerestieren stammen.


Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung

Eine Lebensmittelvergiftung durch Bakterien wie Staphylococcus aureus, Bacillus cereus und Clostridium perfringens (Enterotoxinbildner) sind relativ häufig, weisen jedoch eine noch höhere Dunkelziffer auf.
An einer Lebensmittelvergiftung durch Clostridium botulinum erkranken in Deutschland dank entsprechender Lebensmittelhygiene mittlerweile nur noch 10 bis 30 Personen pro Jahr.

Allgemein gestaltet sich die Erfassung von Zahlen zur Häufigkeit von Lebensmittelvergiftungen schwierig, da einerseits viele Fälle nicht gemeldet werden, andererseits auch bereits der Verdacht auf Intoxikation/ Lebensmittelvergiftung angegeben wird.

Ursachen

Vergiftete Lebensmittel als Ursache einer Lebensmittelvergiftung

Eine Lebensmittelvergiftung entsteht durch die orale Aufnahme von Giftstoffen (Toxine). Diese können folgenden Ursprung besitzen:

  • Bakterien
  • Pilze
  • Pflanzen
  • Metalle/ Metallverbindungen
  • Fisch/ Schalentiere

Zu den toxinbildenden Bakterien zählen zum Beispiel Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens sowie Clostridium botulinum. Häufig enthalten sind deren Gifte beispielsweise in Milch- oder Eiprodukten, Fleisch, Fisch oder Mayonnaise (Kartoffelsalat).

Beispiele für eine Lebensmittelvergiftung verursachende Pilzgifte sind Amatoxin (u. a. Grüner Knollenblätterpilz), Muskarin (Fliegenpilz) oder Orellanin (u. a. Orangefuchsiger Raukopf). Zu Giftstoffen, welche in Pflanzen enthalten sind, zählen Atropin, Scopolamin oder Solanin, beispielsweise aus Nachtschattengewächsen. Eine Lebensmittelvergiftung hervorrufende Metalle sind unter anderem Arsen oder Blei.

Tetrodotoxin des Kugelfischs (u. a.), Saxitoxin einiger Muscheln sowie Ciguatoxin bestimmter Einzeller (Dinoflagellaten) gehören zu Giften der Meerestiere, welche eine Lebensmittelvergiftung nach sich ziehen können.

Diagnose

Die Diagnose Lebensmittelvergiftung stellt der Arzt in erster Linie anhand der Anamnese und des klinischen Bilds. Anamnestisch auf eine Lebensmittelvergiftung hinweisend ist, wenn mehrere Personen über die gleichen Beschwerden klagen, die innerhalb der letzten 16 Stunden gemeinsam gegessen haben.

Unter Umständen kann auch ein Nachweis des entsprechenden Toxins in der aufgenommen Nahrung gelingen. Bei Botulismus können zusätzlich Erbrochenes, Stuhl, Serum und Magensaft auf die Existenz des Toxins untersucht werden, um eine Nahrungsmittelvergiftung zu diagnostizieren.

Therapie

Therapie der Lebensmittelvergiftung

Behandelt werden Lebensmittelvergiftungen durch Wasser- und Elektrolytersatz. Bei einigen bakteriellen Erregern können Antibiotika verabreicht werden. Auch Antidot-Gabe gegen bestimmte Toxine stellt eine Therapiemöglichkeit dar, beispielsweise die Verabreichung von Chelatbildnern bei Bleivergiftung.

Die Behandlung des Botulismus umfasst eine Magen-Darm-Entleerung, um das Toxin aus dem Darm zu entfernen. Zusätzlich wird, um das freie Botulismustoxin zu binden und unschädlich zu machen, ein Antitoxin gegeben.

Ist bereits eine Atemlähmung eingetreten, wird der Patient außerdem beatmet.

Meldepflicht

Insgesamt gesehen müssen alle Vergiftungsfälle an das Bundesinstitut für Risikobewertung gemeldet werden.

Außerdem ist nach dem Infektionsschutzgesetz die bakteriell verursachte Lebensmittelvergiftung bei im Lebensmittelbereich tätigen Personen meldepflichtig. Auch bei epidemischem Auftreten, das heißt bei mindestens 2 Erkrankten, muss durch den behandelnden Arzt eine Meldung an das Gesundheitsamt erfolgen.

Die Meldepflicht bei Botulismus umfasst Verdacht, Erkrankung sowie Tod bei allen Patienten.

Prophylaxe

Lebensmittelvergiftung

Um die Auslösung einer Lebensmittelvergiftung zu verhindern sollte auf Lebensmittelhygiene (Verfallsdaten, ausreichendes Erhitzen, Kühlung) geachtet werden. Außerdem sollte Nahrung frisch zubereitet und direkt im Anschluss ohne lange Wartezeit verzehrt werden. Der Inhalt bombierter Konserven (Deckel gewölbt) sollte nicht verzehrt werden, da diese Botulismustoxin enthalten können.

Zusammenfassung

Lebensmittelvergiftungen entstehen als Folge der Aufnahme bestimmter Giftstoffe (Toxine) mit der Nahrung und können verschiedene Ursache haben (Bakterien, Pilze, Pflanzen, Metalle, Meerestiere). Das Vergiftungsbild umfasst neben gastrointestinalen  Beschwerden (Beschweden im Magen Darm Trakt) wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen für den jeweiligen Giftstoff charakteristische Symptome.

Diagnostiziert wird eine Lebensmittelvergiftung anhand der Anamnese sowie des klinischen Bilds; die Therapie zielt vor allem auf den Ausgleich des mit der Vergiftung einhergehenden Wasser- und Elektrolytverlusts ab. Zusätzlich kann in einigen Fällen ein Antidot (Gegengift) gegeben oder weitere Maßnahmen in Abhängigkeit des Toxins eingeleitet werden.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012