Ernährung bei Bluthochdruck

Einleitung Bluthochdruck

Bluthochdruck ist neben der Zuckerkrankheit, erhöhten Blutfettwerten und Zigarettenrauchen ein wichtiger Risikofaktor für die Entsehung von:

Bei der Entstehung des Bluthochdruckes gibt es neben anderen Ursachen  auch eine enge Beziehung zu Ernährungsfaktoren. Gesichert sind dies vor allem eine zu hohe Kochsalzzufuhr, eine kalorische Überernährung und regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum.
Bereits in den 60er und 70er Jahren wurde ein Zusammenhang von zu hoher Energiezufuhr, Übergewicht und der Entstehung von Bluthochdruck erkannt. Es wurde in Studien gezeigt, dass die Höhe des Blutdruckes parallel zum Körpergewicht ansteigt. Zunächst hat man angenommen, dass durch die erhöhte Nahrungszufuhr auch mehr Natrium aufgenommen wird und dies den Blutdruck negativ beeinflusst.
Der Mineralstoff Natrium ist in den Lebensmitteln weit verbreitet und ist Bestandteil von Kochsalz ( 1g Kochsalz= ca. 400 mg Natrium + ca. 600 mg Chlorid). Nur Natrium beeinflusst den Blutdruck indem es Wasser bindet und so das Blutvolumen erhöht. Höherer  Druck in den Gefäßen entsteht und damit eine Erhöhung des Blutdruckes.
Inzwischen ist allerdings der, durch Überernährung ausgelöste erhöhte Insulin - spiegel in den Vordergrund gerückt. Ein sogenannter Hyperinsulinismus (zu viel Insulin, welches nicht ausreichend wirkt, im Kapitel Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus ausführlich beschreiben) geht der Entwicklung eines Bluthochdruckes bei mehr als der Hälfte der Patienten voraus.

Eine Reduktion der Zufuhr von Kochsalz wird bei jedem Patienten mit Bluthochdruck empfohlen. Allerdings gibt es bei der Empfindlichkeit gegenüber Kochsalz erhebliche Unterschiede.
Nicht alle Patienten reagieren auf Kochsalzeinschränkung mit einem deutlichen Blutdruckabfall. Man geht deshalb davon aus, dass manche Personen „salzsensitiver“ sind als andere. Welche Faktoren dazu führen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. In jedem Falle, ist allgemein betrachtet die Kochsalzzufuhr in Deutschland zu hoch. In fast allen Lebensmitteln und Genussmitteln ist Salz enthalten und der Durchschnittsbürger nimmt im Durchschnitt ungefähr 12 g Kochsalz täglich auf.
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 5 – 6 g Kochsalz täglich. Diese Menge reicht aus um den Mineralverlust durch Schwitzen auszugleichen.
Sparsam mit Kochsalz umzugehen ist auch Grundlage der allgemeinen gesunden Ernährung. Sobald ein Bluthochdruck vorliegt ist es umso wichtiger und empfehlenswert den Kochsalzverbrauch zu verringern. Oft ist der Bluthochdruck verknüpft mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Fettstoffwechselstörungen und Gicht (metabolisches Syndrom).  Ernährungstherapeutisch gibt es hier ein breites Wirkungsfeld.

  • Bei leichtem Bluthochdruck kann und soll der Versuch einer mehrmonatigen Ernährungstherapie dem Einsatz eines blutdrucksenkenden Medikamentes vorausgehen.
  • Bei schwerem Bluthochdruck ist der Einsatz eines Medikamentes sofort notwendig. Allerdings soll immer ernährungstherapeutisch begleitet werden. Damit kann eventuell die Dosis des Medikamentes und damit auch Nebenwirkungen verringert werden.

Natriumarme Ernährung

Durch die Einhaltung einer natriumarmen Ernährung lässt sich nachweislich eine Senkung des Blutdruckes erreichen. Deshalb wird diese Ernährungsform bei allen Bluthochdruckformen empfohlen.

Drei Diätstufen werden praktiziert:

  • Streng natriumarme bzw. kochsalzarme Diät. Natriumgehalt  < 400 mg Natrium (< 1g Kochsalz)
  • Natrium und kochsalzarme Diät. Natriumgehalt < 1200 mg (< 3g Kochsalz)
  • Mäßig natriumarme und kochsalzarme Diät. Natriumgehalt < 2400mg (< 6 g Kochsalz).

Die  streng natriumarme Kostform wird heute kaum noch durchgeführt, weil sie praktisch sehr kompliziert herzustellen ist und den Patienten zu sehr belastet. In der Klinik wird die zweite Form mit 3g Kochsalz verordnet und für den ambulanten Bereich zur Dauereinstellung ist die dritte Form mit 6g Kochsalz praktikabel.
Hier müssen alle Lebensmittel mit hohem Natriumgehalt gemieden werden. Es sind dies gesalzene, gepökelte oder geräucherte Fleisch- und Wursterzeugnisse, bestimmte Brotsorten, Gemüsekonserven, Fertiggerichte, Fertigsuppen und  Fertigsoßen, Knabberprodukte, Salz und salzhaltige Würzmittel.
Eine salzarme Diät mit weniger als 3g Kochsalz lässt sich in der Klinik gut durchführen. Spezielle natriumarme Lebensmittel wie Brot, Wurst und Käse stehen in erster Linie den  Kliniken und Sanatorien über den Großhandel zur Verfügung. Sie werden im Lebensmitteleinzelhandel und in Reformhäusern nur vereinzelt angeboten.
Der Geschmack dieser angebotenen Produkte kann allerdings nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden. Natriumarmer Salzersatz (meist auf Kaliumbasis) ist verfügbar. Der Geschmack der Speisen wird aber dadurch kaum verbessert und bei Nierenerkrankungen dürfen Kaliumsalze nicht, oder nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden. Alle diese Produkte unterliegen der Diätverordnung und müssen für ihre Inhaltstoffe genau definierte Kriterien einhalten.

Seit 1988 hat die Lebensmittelindustrie auch die Möglichkeit neben diesen natriumarmen und streng natriumarmen Diätetika auch natriumreduzierte Lebensmittel im Einzelhandel anzubieten. Dies bezieht sich auf Lebensmittelgruppen die erfahrungsgemäß zu einer hohen Salzzufuhr beitragen wie Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichte.
Diese kochsalzverminderten Lebensmittel sind geeignet um eine mäßig natriumarme Kost (<6g Kochsalz täglich) einzuhalten und können ganz allgemein helfen den Salzkonsum der Bundesbürger  einzuschränken. Bis jetzt gibt es allerdings nur sehr wenige von diesen salzreduzierten Produkten auf dem Markt zu kaufen da laut Lebensmittelindustrie die Nachfrage das Angebot bestimmt und diese Produkte zu wenig nachgefragt und konsumiert werden. Für Menschen mit Bluthochdruck wird außerhalb der Klinik die mäßig natriumarme Kost mit <6 g Kochsalz empfohlen. Hier müssen alle, stark natriumreichen Lebensmittel weggelassen werden. Kochsalz ist in der Küche nur sehr sparsam einzusetzen und soll so oft es geht durch andere Gewürze und frische Kräuter ersetzt werden. Es ist Wert darauf zu legen den Eigengeschmack der Speisen hervorzuheben und auch ohne Salz schmackhaft und abwechslungsreich zu kochen.


sonstige Beachtung...

Gewichtreduktion bei Übergewicht

Liegt das Körpergewicht über einem BMI (Body-Mass-Index) von 25 muss eine Gewichtsreduktion erfolgen. Am besten mit einer moderat energiereduzierten, fett- und fettmodifizierten ausgewogenen Mischkost. Die Reduzierung von Kochsalz ergibt sich automatisch aus der verminderten Nahrungsaufnahme.
Durch die Reduktion von fettreicher Wurst und Käse wird eine Natriumeinsparung erzielt, die bei einer täglichen Kalorienaufnahme von nicht mehr als 1000 Kalorien als ausreichend gelten kann. Bei höherer Energiezufuhr sollen aber in jedem Fall sehr natriumreiche Lebensmittel aus dem Speiseplan gestrichen werden.

Einschränkung der Alkoholzufuhr

Mehr als 20 g Alkohol (bei Männern, bei Frauen 10g) sollten es täglich nicht sein. Empfohlen wird grundsätzlich eine Alkoholkarenz.

Erhöhung der Kaliumzufuhr

Völker die kein Kochsalz benutzen und relativ viel Kalium (aus pflanzlicher Nahrung) aufnehmen kennen keine Hochdruckkrankheiten. Kalium scheint bei der Entwicklung eines Bluthochdruckes Gegenspieler von Natrium zu sein. Erhöhte Kaliumzufuhr lässt sich erreichen, wenn man sich nach dem Prinzip der Ernährungspyramide ernährt und täglich Vollkornprodukte 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse verzehrt.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012