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Übergewicht

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Adipositas
Fettleibigkeit, Fettsucht, Obesitas

Diese Begriffe werden in Deutschland gleichbedeutend gebraucht. Der Begriff Fettsucht wird nicht mehr verwendet, weil er diskriminierend wirken kann und zudem medizinisch nicht korrekt ist.

Alle Bezeichnungen beschreiben Menschen die „schwerer“ sind als andere und meistens ein vermehrtes Körperfett aufweisen. Von Übergewicht spricht man, wenn das Körpergewicht, beurteilt nach dem Body-Mass-Index (BMI) erhöht ist. Nach dem BMI wird unterschieden zwischen

Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index ist eine berechneter Wert, anhand beurteilt werden kann ob und gegebenenfalls wie viel Übergewicht eine Person hat. Der Body-Mass-Index (BMI) wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als Richtlinie empfohlen. Der Body-Mass-Index berechnet sich aus Körpergröße und Gewicht und lässt somit Geschlecht, Statur und Alter außer Acht und darf nur bei Erwachsenen angewendet werden.

Detaillierte Informationen zur Berechnung und Anwendung finden Sie unter Body-Mass-Index.



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Autoren: T. Kasprak und Dr. med. N. Gumpert

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Einleitung

Grundsätzlich kann es zu einem Fettansatz nur kommen wenn die Energiezufuhr mit der Nahrung höher liegt als der Energieverbrauch, d.h. bei positiver Energiebilanz.
Allerdings besteht eine individuell unterschiedliche Neigung zu Übergewicht, eine familiäre Häufung ist augenscheinlich wobei eine genetische Disposition
( Veranlagung) vermutet wird. Natürlich muss hierbei auch der Einfluss der Umwelt (Lebensstil hinsichtlich Ernährung und Bewegung) und die Vorbildfunktion der Eltern Berücksichtigung finden.

Die Genforschung konnte an Tiermodellen (Umwelteinflüsse können hier weitgehend ausgeschlossen werden) genetische Defekte beschreiben, die bahnbrechende Erkenntnisse auch für das menschliche Übergewicht geliefert haben. Man entdeckte das sog. ob-Gen und dessen Produkt Leptin (gr. Leptos =schlank). Fehlte bei den Versuchstieren biologisch aktives Leptin waren sie zu dick und fraßen gegenüber ihren Artgenossen zu viel.

Beim Menschen kommen hinsichtlich der Studien zur Vererbung drei Modelle zur Anwendung:

  • Familienuntersuchung
  • Adoptionsstudien und
  • Zwillingsforschung.

Die Art, Menge und Qualität der aufgenommenen Nahrung scheint eher umweltbedingt und aufgrund der Vorbildfunktion von Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen gelernt zu sein.
Essverhalten und Ernährungsgewohnheiten sowie die Vorliebe und Abneigung für bestimmte Lebensmittel werden in der Kindheit erworben, während ein erniedrigter Energieverbrauch (Grundumsatz, Thermogenese (Körperwärme), körperliche Aktivität) vererbt  werden kann und genetisch bedingt ist.


Risiken und Folgen

Ein länger bestehendes vermehrtes Gewicht geht in der Regel mit vielerlei Krankheiten, Symptomen, Beschwerden und Beeinträchtigungen einher. Es sind dies körperliche, psychische und soziale Faktoren.

  1. Es besteht ein deutlich erhöhtes Sterblichkeitsrisiko.
    Ab einem Body-Mass-Index (BMI) > 27 steigt es deutlich an, ab Body-Mass-Index (BMI) > 32 ist es mehrfach erhöht.

  2. Die Lebensqualität ist oft deutlich erniedrigt. Dies bezieht sich auf körperliche Beeinträchtigungen und soziale Beziehungen.

  3. Übergewicht (Adipositas) hat oft negative Auswirkungen bezüglich der Akzeptanz in Schule, Ausbildung und bei der Partnersuche.

  4. Selbstwertgefühl und Zufriedenheit sinken und  wirken sich negativ auf die psychische Verfassung aus.

  5. Übergewichtige werden doppelt so häufig frühzeitig berentet als Normalgewichtige.

  6. Übergewicht / Adipositas verursacht inzwischen bis zu 10 % der Krankheitskosten in den Industriestaaten. Mediziner und Versicherungsexperten warnen vor einem Kollaps der Gesundheitssysteme durch die rasante Zunahme von übergewichtigen Patienten und die Behandlung der Folgekrankheiten.
    Es sind dies in erster Linie Diabetes, Schlaganfall, Herzinfarkt, Gelenkerkrankungen und Darmkrebs.
    Dieses wird aber schon bald in dieser Form nicht mehr finanzierbar sein. Es wird in Zukunft immer mehr Wert gelegt werden müssen auf vorbeugende Ernährung- und Bewegungsprogramme, idealerweise beginnend in Kindergärten und Schulen.

Entstehung von Übergewicht

Kritische Lebensphasen für Entstehung von Übergewicht

Übergewicht (Adipositas) kann in jedem Lebensalter entstehen. Allerdings gibt es Phase in denen ein veränderter Energiebedarf auftritt und die Gefahr übergewichtig zu werden besonders hoch ist.

  1. Pubertät
    Das Wachstum verlangsamt sich, der Körper braucht weniger Energie. Hormonelle Umstellungen können auch den Fettstoffwechsel beeinflussen. Die Gefahr an Essstörungen, wie Magersucht oder Bulimie zu erkranken, ist in dieser Zeit besonders hoch.

  2. Schwangerschaft
    Der Energiebedarf der Schwangeren ist nur gering erhöht. Erst ab dem 4. Monat werden nur ca. 300 Kalorien täglich mehr gebraucht.
    Essen für Zwei“ in der Schwangerschaft bedeutet nicht für zwei mehr zu essen sondern für Zwei das Richtige zu essen. Also, mehr Eiweiß und ausreichend Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sollte ca. 11 kg  betragen.

  3. Ab dem vierzigsten Lebensjahr
    Der Energieverbrauch nimmt mit fortschreitendem Lebensalter ab. Wird, dieser Verringerung des Bedarfes entsprechend, die Energiezufuhr in Form von  Nahrung nicht angepasst, sondern Essgewohnheiten mit zunehmendem Lebensalter unverändert beibehalten, so muss daraus ein Übergewicht resultieren. Diese Gefahr wird in erheblichem Ausmaß auch durch die Verringerung des Bewegungsdranges gesteigert. In dieser Phase stellt sich der  Hormonhaushalt um. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, der Grundumsatz sinkt.

  4. Menopause (Wechseljahre)
    Frauen
    entwickeln nach der Menopause eine deutliche Zunahme des Taillenumfanges. Sie setzen vermehrt Fett im Bauchraum und an der oberen Körperhälfte an. Ob diese Zunahme hormonelle oder andere Ursachen hat wird diskutiert und es gibt bisher keine bestätigten Erkenntnisse.

Ursachen

Veränderter Grundumsatz / BMR (basal metabolic rate)

Grundumsatz wird die Menge an Energie genannt, die der Körper eines entspannt liegenden Menschen 12 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme bei konstanter Raumtemperatur von 20 Grad pro Tag benötigt. Diese Energiemenge ist erforderlich, damit die Organe arbeiten können, der Stoffwechsel funktioniert und die Körpertemperatur gehalten werden kann.

Der Grundumsatz ist abhängig von:

Zur Berechnung gibt es folgende Faustregel:

Grundumsatz Frauen (in kcal) = 0,9 x Körpergewicht in kg x 24

Grundumsatz Männer (in kcal) = 1,0 x Körpergewicht x 24

Männer haben einen höheren Grundumsatz als Frauen weil sie mehr Muskelmasse besitzen und Muskelzellen verbrauchen auch im Ruhezustand mehr Energie als Fettgewebe.
Frauen besitzen von Natur aus weniger Muskelmasse, dafür mehr Fettgewebe als  Männer.
Jugendliche haben in der Wachstumsphase einen höheren Grundumsatz als Erwachsene. Frauen haben in der Schwangerschaft und in der Stillzeit einen höheren Grundumsatz. Mit zunehmendem Alter sinkt der Grundumsatz.

Genetisch bedingter (vererbter) Grundumsatz

Die Höhe des Grundumsatzes wird vererbt.
So hat man 1986 in Studien festgestellt, dass die Varianz des Grundumsatzes zwischen den Familien 4 mal so hoch war wie innerhalb einer Familie. Erklärt wird dies durch die unterschiedliche Muskelfaserzusammensetzung. Dies ist ein Grund dafür, dass Menschen bei gleicher, überhöhter Energiezufuhr unterschiedlich schnell und viel zunehmen. Ein niedriger, vererbter Grundumsatz kann zu Übergewicht (Adipositas) führen.

Thermogenese

Darunter versteht man den Mehrverbrauch an Energie durch wärmeproduzierende Faktoren wie Nahrungsaufnahme („thermic effect of food“) und Verdauung.

10 % des Grundumsatzes kann man für diesen Effekt dazuaddieren.

Der Grundumsatz bezieht sich immer auf den Menschen in völliger Ruhe. Der täglich Energieverbrauch setzt sich zusammen aus

Leistungsumsatz

Der Leistungsumsatz ist jene Kalorienmenge, die durch Bewegung und Arbeit zusätzlich zum Grundumsatz verbraucht wird. Er ist abhängig von der körperlichen Aktivität und individuell sehr unterschiedlich.
Um den Gesamtenergieverbrauch abzuschätzen, multipliziert man den Ruheenergieverbrauch bei Männern mit 1,6 und bei Frauen mit 1,5  wenn sie körperlich wenig aktiv sind, bei mittlerer und starker Aktivität sind Multiplikationen mit 1,8 bzw. 2,0 bei Männern und 1,7 bzw. 1,9 bei Frauen angezeigt.

Körperliche Aktivität

Die spontane körperliche Aktivität scheint genetisch verankert zu sein. Körperliche Inaktivität kann Ursache für eine positive Energiebilanz (überschüssige Kalorien die in Fett umgewandelt werden) sein.
Meisten liegt bei Übergewicht / Adipositas aber eine Mischung aus beiden vor: und zwar wenig Bewegung und zu viel Energiezufuhr.

Ernährnährungsgewohnheiten

Zweifelsohne ist eine Überernährung einer der Hauptgründe für die Entstehung von Übergewicht. Ernährungsgewohnheiten, Essverhalten und Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel sind in den einzelnen Familien sehr unterschiedlich.
Übergewichtige bevorzugen oft Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte d.h. fett- und zuckerreich oder eine Kombination aus beiden.
Diese Lebensmittel sind schmackhaft, weisen ein geringes Volumen auf, haben hohe Energiedichte (viele Kalorien) und einen geringen Sättigungsgrad.
Auch der aufgenommene Alkohol spielt eine Rolle. Er fördert die Gewichtszunahme nicht nur als zusätzlicher Energielieferant, sondern auch als Hemmer der Fettverbrennung.

Psychische Ursachen

Stress beeinflusst das Essverhalten. „Ärger schlägt auf den Magen“ oder „Liebe geht durch den Magen“ sind Sätze die zeigen, dass Ärger, Konflikte, Arbeit, Prüfungen, Lärm aber auch Langeweile, Einsamkeit und Trauer (Kummerspeck) bei manchen Personen die Nahrungsaufnahme erhöhen können.
Übergewichtige sind von ihren Persönlichkeitsmerkmalen her allerdings psychisch nicht mehr oder weniger auffällig als Normalgewichtige.

Viele hilfreiche Informationen zu diesem von unserem ärztlichen Psychotherapeuten Christoph Barthel verfassten Thema finden Sie unter: Übergewicht und Psychologie


Essverhalten

Das Essverhalten von Übergewichtigen weist oft charakteristische Besonderheiten und Symptome auf.

  1. Naschen („nibbling“)
    Häufige Aufnahme von kleinen Nahrungsmittelmengen, meist leicht verfügbare und gut schmeckende Nahrungsmittel, ohne Hunger

  2. Heißhunger (craving“)
    Im Vordergrund steht das intensive Verlangen (kein Hunger) nach einem bestimmten Nahrungsmittel außerhalb der Mahlzeiten. Der Betroffene kann diesem Wunsch meist nicht widerstehen. Gegessen wird bis zur Sättigung, nicht darüber hinaus. Die gegessene Nahrungsmenge ist unterschiedlich.

  3. Erbrechen / Bulimie
    Im Unterschied zum Naschen oder zum Heißhunger wird Erbrechen in den meisten Fällen verleugnet. Erbrechen als Maßnahme zur Gewichtskontrolle ist hauptsächlich bei Frauen anzutreffen. Bei Frauen >30 trifft man dieses Verhalten in 8% aller Fälle an, bei jüngeren Frauen bei bis zu 20%.
    Mehr Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema Bulimie.

Sozialer Status

Im MONICA-PROJEKT wurde nachgewiesen, dass in Deutschland der soziale Status ähnliche Auswirkungen auf das Gewicht hat wie in anderen Industriestaaten.
Je niedriger die soziale Schicht, desto höher das Gewicht. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei Frauen; solche mit Hauptschulabschluss waren 4 mal häufiger übergewichtig als solche mit Abitur oder vergleichbarem Schulabschluss.

Medikamente

Eine Reihe von Medikamenten und Hormonen können zur Gewichtszunahme führen. Zu diesen Medikamenten gehören einige Antidepressiva, z.B. Zoloft und Neuroleptika. Weitere Medikamente, die genannt werden müssen sind: Sulfunylharnstoffe (Medikament gegen Diabetes) und Beta-Blocker (Medikament gegen Bluthochdruck). Weiterhin führt die Einnahme von einigen Hormonen wie Insulin, Kortison, Östrogene (weibliches Geschlechtshormon, z.B. im Rahmen der Pille) und Androgene (männliches Geschlechtshormon).

Genetische Ursachen

Genetische Syndrome (Syndrom = zusammen; Gruppe von gleichzeitig zusammen auftretenden Krankheitszeichen)

Eine Reihe von genetischer  (vererbter) Syndrome die mit Übergewicht  einhergehen sind bekannt aber  selten. Die häufigsten und am besten untersuchten sind das Prader-Willi-Syndrom und das Bardet-Biedl-Syndrom.

Prader- Willi-Syndrom
1956 von Prader, Labhart und Willi erstmals beschrieben. Bereits das Neugeborene weist eine ausgeprägte Hypotonie (niedriger Blutdruck) auf, Trinkschwierigkeiten fallen auf.
Später Verhaltensprobleme, Eigensinn, Impulsivität. Abnormes Essverhalten, Aufnahme von riesigen Nahrungsmengen. Fast alle betroffenen sind übergewichtig mit Fettansammlung hauptsächlich im Bauchraum. Bei beiden Geschlechtern sind die sekundären Geschlechtsmerkmale verkümmert, Schwangerschaften sind selten.

Bardet-Biedl-Syndrom
1936 erstmals beschrieben.
Einhergehend mit:

Die Häufigkeit wird mit etwa 1 : 20.000 angegeben. Essstörung und Übergewicht sind meist weniger ausgeprägt als beim Prader-Willi-Syndrom.

Andere Ursachen

Sekundäre Adipositas (Übergewicht als Folge einer Erkrankung)

Übergewicht kann auch Folge einer Reihe verschiedener Krankheiten sein.

  1. Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse)
    Bei 5% aller übergewichtigen Personen liegt eine Hypothyreose vor. Beschwerden. Kälteintoleranz, trockene, teigige Haut, Myxödem (Schwellung) im Gesicht, Verstopfung, Verlangsamung und Schwäche.
  2. Morbus Cushing (Überfunktion der Nebennierenrinde)
    Symptome: Vollmondgesicht, Stiernacken, Bluthochdruck, Stammfettsucht
  3. Polyzystisches Ovar- Syndrom (PCOS)
    Es besteht eine zystische Veränderung der Eierstöcke. Die Produktion von Androgenen (männlichem Geschlechtshormon) ist erhöht.

Zusammenfassung

Die Ursachen für Übergewicht ( Adipositas) sind individuell unterschiedlich.

Ursachen können sein:

  • Erhöhte Energiezufuhr (zuviel Essen)
  • Inaktivität (Faulheit / Trägheit)
  • geringer Energieverbrauch (Grundumsatz, Thermogenese, körperliche Aktivität)
  • psychische Komponenten
  • psychosoziale Aspekte
  • hormonelle Faktoren und
  • Lebensphasen mit unterschiedlichem Energieverbrauch

sind die häufigsten Auslöser. Genetische Syndrome als Ursache sind selten. In manchen Fällen entsteht Übergewicht auch als Folge von anderen Krankheiten (sekundäre Adipositas) und als Nebenwirkung von Medikamenten.

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