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Blutvergiftung
Lesen Sie auch:
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- Blutvergiftung Symptome
- Blutvergiftung Therapie
Synonyme
Medizinisch:
- Sepsis
- Septikämie
- Bakteriämie
Im weiteren Sinne:
- Sepsis-Syndrom
- Septischer Schock
- SIRS (systemic inflammatory response snydrome)
- Syndrom der systemischen Entzündungsreaktion
Definition und Einleitung
Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) kommt es durch Erreger und deren Produkte, die durch eine Eintrittspforte in die Blutbahn eingedrungen sind und auch Organe besiedelt haben, zu einer systemischen Bekämpfungsreaktion des gesamten Organismus mit der ungehemmten Freisetzung von Substanzen, welche das Gerinnungs-, Abwehr- und Entzündungssystem aktivieren. Sie ist lebensgefährlich und kann mit einem Multiorganversagen einher gehen. Bei den Erregern handelt es sich in der Regel um Bakterien. Eine Blutvergiftung (Sepsis) ist eine gefährliche und gefürchtete Komplikation einer Vielzahl von Erkrankungen.
Solche Reaktionen können auch durch andere Ursachen wie Verbrennungen, Traumata oder Gifte ausgelöst werden. Man bezeichnet dies als SIRS (systemic inflammatory response syndrome). Darunter wird ein Überbegriff verstanden, der eine Entzündungsreaktion meint, die den ganzen Organismus betrifft, verschiedene Ursachen haben kann und mit einer Endorganschädigung einhergeht. Die Blutvergiftung ist die häufigste Ursache eines SIRS und wird durch Erreger (in der Regel Bakterien) ausgelöst.
Häufigkeit einer Blutvergiftung
In Deutschland geht man von jährlich etwa 100.000 – 150.000 erkrankten Personen aus, wobei Frauen etwas weniger betroffen zu sein scheinen. Die Angaben über die Letalität schwanken zwischen Werten um 25 % bis zu 50 % und ist sicherlich von Art des Erregers, Schwere der Erkrankung und Therapiebeginn abhängig.
Eine Blutvergiftung (Sepsis) ist oft eine Folge vorausgegangener Infektionen bestimmter Organe. Häufigster Vorreiter einer Blutvergiftung ist eine Lungenentzündung (44%), gefolgt von Harnwegsinfektionen (10%) und Infektionen der Bauchorgane (10%). Zuletzt sind noch Infektionen von Wunden oder Weichteilen zu nennen (ca. 5%), z.B. nach Verbrennungen, Operationen oder Verletzungen.
Einteilung der Blutvergiftung
Eingeteilt wird die Blutvergiftung anhand der Schwere in folgende Stadien:
- Blutvergiftung (Sepsis)
- schwere Blutvergiftung (mit Organfehlfunktionen)
- septischer Schock
Neben der Einteilung nach der Schwere der Blutvergiftung, kann man sie auch nach der Art der Erreger, der Lokalisation der Eintrittspforte oder dem Ausgangsherd der Blutvergiftung einteilen.
Eintrittspforten
Um in den Körper bzw. in die Blutbahn zu gelangen, stehen den Erregern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Wunden der Haut, Operationswunden, Verbrennungen
- Magen-Darm-Trakt inklusive Gallenwege
- Hals-Nasen-Ohren-Bereich
- Genitalien
- Harnleitendes System
Nachdem die Erreger die lokale Abwehr der Eintrittspforte überwunden haben, gelangen sie in die Blutbahn.
Erreger einer Blutvergiftung
Am häufigsten sind als Erreger einer Blutvergiftung Bakterien zu finden. Aus der Vielzahl der verscheidene Erreger, seien hier die häufigsten genannt:
- Staphylokokken
- Streptokokken
- E. coli
- Enterobacter spp
- Pseudomonas aeruginosa
Nahezu jeder Erreger kann eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Dies ist u. a. von der Abwehrlage des Betroffenen abhängig.
Seltener sind Blutvergiftungen, die durch Pilze verursacht werden. Sie spielen aber eine bedeutende Rolle bei Patienten, deren Abwehrsystem herabgesetzt ist. Dies ist bei Infektionen wie AIDS oder als Therapie bei Transplantationen (z.B. des Knochenmarks) der Fall.
Krankheitsentstehung
Die Abwehrzellen des Körpers reagieren auf eine Blutvergiftung mit einer sehr starken Abwehrreaktion. Meist handelt es sich bei den Erregern um Bakterien, die durch eine Eintrittspforte in den Körper gelangen. Nachdem sie die lokale Abwehr überwunden haben, gelangen sie in die Blutbahn. Es wird eine Entzündung ausgelöst. Dabei können die Bakterien selbst oder deren Abbauprodukte bzw. von ihnen ausgeschüttete giftige Stoffe (Toxine) entzündlich wirken. Bestimmte Abwehrzellen, die Fresszellen (Monozyten/Makrophagen), schütten nach ihrer Aktivierung durch Kontakt mit den Erregern bestimmte Stoffe (Zytokine) aus, die in hoher Dosis zum einen direkt schädigend auf das Gewebe wirken können, zum anderen die Entzündungsreaktion weiter fördern, indem sie weitere Abwehrzellen (z.B. Granulozyten) aktivieren, welche wiederum selbst entzündungsfördernde Substanzen ausschütten. Bei diesen Substanzen handelt es sich um Zytokine. Man versteht darunter Eiweiße, welche bestimmte Zielzellen dazu anregen, zu wachsen, sich weiter zu entwickeln und sich zu vermehren.
Im Falle der Blutvergiftung werden dann bei dieser starken Abwehrreaktion durch diese Zytokine massiv gewebegiftige Substanzen produziert. Zu diesen giftigen Substanzen zählen u.a. freie Sauerstoffradikale und Stickstoffmonoxid (NO). Zudem bewirken die Zytokine an den Zielzellen auch eine Freisetzung bestimmter Mediatoren, also von Botenstoffen, die auf die verschiedenen Schichten der Blutgefäße und Zellen bzw. Geweben wirken. Kleinste Gefäße werden in ihrer Struktur und Funktion verändert. So können sie sich weiten und die Wände durchlässiger werden. In der Folge tritt Flüssigkeit ins umliegende Gewebe über (interstitielles Ödem). Auch das Gerinnungssystem wird aktiviert. So ist die Gerinnungsbereitschaft des Blutes verändert und es kommt zur Bildung von Gerinnseln. Die Durchblutung kann nicht adäquat gewährleistet werden, das Gewebe ist mit Sauerstoff unterversorgt, was man als ischämisch-hypoxischer Zellschaden bezeichnet.
Doch es sind nicht nur die kleinsten Blutgefäße betroffen. Auch die größeren und großen Gefäße weiten sich, vor allem in peripheren Regionen, also z.B. der Arme und Beine, was wiederum Auswirkungen auf den Blutdruck hat. Zu Beginn begegnet der Körper diesem Widerstandsabfall mit einem beschleunigtem Herzschlag (Herzrasen) und damit vermehrten Blutauswurfvolumen, um den Blutdruck aufrecht zu erhalten. Nach einiger Zeit, wenn dann auch der Herzmuskel angegriffen wird, kann der Körper dies jedoch nicht mehr kompensieren, der Blutdruck sinkt ab. Da der Herzmuskel von der Unterversorgung ebenfalls betroffen ist, können zunehmend die Gewebe nicht mehr versorgt werden bis es zu einem Schock kommt.
Risikifaktoren (Prädisposition)
Besonders gefährdet, eine Blutvergiftung (Sepsis) zu entwickeln, sind Personen, deren Abwehrsystem herabgesetzt ist. Dazu zählen Zuckerkranke (Diabetes mellitus), Patienten, die an Tumoren oder Leber- und Nierenerkrankungen leiden. Gefährdet sind auch Personen, deren Immunsystem infolge einer AIDS-Erkrankung geschwächt ist. Eine Abwehrschwäche kann auch Folge einer Therapie mit Unterdrückung des Immunsystems sein (Immunsuppressionstherapie). Das ist z.B. bei Transplantationen der Fall. Patienten nach einem Trauma oder Operationen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, eine Blutvergiftung zu entwickeln. Auch aus anfangs scheinbar eher harmlose Entzündungen wie die der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der harnleitenden Wege können sich zu einer Blutvergiftung weiter entwickeln.
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