Inhalt:
- Gallensteine
- Synonyme im weiteren Sinne
- Definition Gallensteine
- Abbildung Anatomie Gallenblase
- Ursachen
- Cholesterinsteine
- Pigmentsteine
- Risikofaktoren
- Symptome / Beschwerden
- Diagnose
- Therapie Gallensteine
- Rehabilitation
- Komplikationen
- Prophylaxe
- Prognose
- Selbstest Immunsystem
- Quiz Innere Medizin
- Weitere Informationen
Gallensteine
Synonyme im weiteren Sinne
Medizinisch: Cholelithiasis
Gallensteinleiden, Cholelith, Cholezystolithiasis, Gallenblasenentzündung, Galle, Leber
Englisch.: biliary calculus, biliary stone, cholelith, gallstone
Definition Gallensteine
Als Gallensteine bezeichnet man Ablagerungen (Konkremente) in der Gallenblase (Cholezystolithiasis) oder den Gallengängen (Choleangiolithiasis). Die Bildung dieser Gallensteine beruht auf einer Veränderung der Gallezusammensetzung.
Man unterscheidet 2 Hauptformen von Gallensteinen:
- cholesterinhaltige Steine (ca. 90%)
- bilirubinhaltige Steine (ca. 10%)
Cholesterin und Bilirubin sind beides Stoffe, die in der Galle ausgeschieden werden. Wenn diese in zu großer Menge in der Gallenflüssigkeit vorhanden sind, fallen sie aus (Kristallisation) und bilden Steine.
Von der Gallenblase und der Leber führen Gallengänge in den Dünndarm, wo die Galle ihre in der Verdauungskette vorgesehene Aufgabe wahrnehmen kann.
Anatomie Leber und Gallenblase
- rechter Leberlappen
- linker Leberlappen
- Gallenblase
Ursachen
Zu den Ursachen für das Gallensteinleiden zählen:
- Übergewicht (Adipositas)
- fettreiche Ernährung
- ausgeprägter Gewichtsverlust und
- parenterale Ernährung (Ernährung über eine Magensonde).
Das vermehrte Auftreten bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist durch Adipositas (Übergewicht) und hohe Triglyceridspiegel (Hypertriglyceridämie = hohe Fettwerte im Blut) zu erklären.
Triglyceride sind wasserunlösliche Energieträger und zählen zu den Blutfetten.
Hohe Cholesterinspiegel im Blut dagegen haben keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Bildung von Gallensteinen.
Cholesterinsteine
Entstehung von Cholesterinsteinen:
Cholesterin kann in der Galle bis zu einer Mange von 500- 600 ml Galle / Tag ausgeschieden werden, vorausgesetzt dieses kann durch genügend Gallensäuren gebunden werden.
Wenn die Galle jedoch mit Cholesterin übersättigt ist (zuviel Cholesterin in der Galle) und diese länger als sonst in der Gallenblase verweilt, führt dies zur Kristallisation.
Eine Übersättigung kann folgende Ursachen haben:
- erhöhte Sekretion von Cholesterin in die Galle
- verminderte Gallensäurensekretion in der Galle
Pigmentsteine
Entstehung von Pigmentsteinen:
Pigmentsteine sind bilirubinhaltige Gallensteine. Bilirubin entsteht entweder durch einen vermehrten Abbau von roten Blutkörperchen (Hämolyse) oder durch bakteriellen Abbau zum Beispiel bei chronischen Infektionen der Gallenwege.
In beiden Fällen kommt es zu einer erhöhten Menge von Bilirubin in der Gallenflüssigkeit, was zur Ausbildung von Steinen führt.
Risikofaktoren
Folgende Faktoren führen zu einer Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für Gallensteine:
- Weibliches Geschlecht
- Übergewicht
- blond = hellhäutiger Hauttyp
- gebärfähiges Alter
- Alter > 40 Jahre.
Symptome / Beschwerden

- Lokalisation der Gallenblase
Gallensteine sind in den meisten Fällen asymptomatisch, d.h. ohne Beschwerden.Zu Beschwerden kommt es normalerweise erst, wenn ein Verschluss oder eine Entzündung der Gallenwege (Cholezystitis) vorliegt.In ungefähr einem Drittel der Fälle kommt es also zu Gallenkoliken. Kennzeichnend für die Gallenkolik sind wellenartige, starke und oft über Minuten bis Stunden anhaltende Schmerzen im rechten und mittleren Oberbauch.Häufig kommt es zu einem Ausstrahlen der Schmerzen in die rechte Schulter oder den Rücken.
Weitere Symptome können sein:
- Druck- bzw. Völlegefühl
- Übelkeit und Erbrechen
- sowie eine Gelbfärbung der Haut (Ikterus) durch Gallenstau, da ein Stein einen Ausgangsweg verlegt hat und die Galle nun vermehrt in das Blut gedrückt wird.
Ganz allgemein formuliert kann auch ein gehäuftes familiäres Auftreten festgestellt werden. Es kann also von einer erblichen Komponente dieses Leidens ausgegangen werden.
Diagnose
Die Diagnose der Gallensteine kann unter anderem durch das Blutlabor gestellt werden. Ein Anstieg des direkten Bilirubin im Serum kann Hinweise geben auf einen Verschluss des Gallengangs.
Ob auch die Leber in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt sich anhand der Leberwerte / Laborwerte (z. Bsp. GOT) erkennen. Auch Entzündungsparameter (z. Bsp. CRP) geben Aufschluss.
Der Ultraschall (Sonographie) stellt die schnellste und empfindlichste Methode dar, um Gallensteine nachzuweisen. Hierbei erkennt man die Steine aufgrund ihres Kalkgehaltes als weiße Flecken mit einem entsprechenden Schallschatten.
Der Nachweis von Gallensteinen kann problematisch sein.
Wenn sich die Steine frisch gebildet haben, sind sie mit der Untersuchungsmethode der 1. Wahl, nämlich dem Ultraschall nicht erkennbar. Bei den typischen klinischen Anzeichen (kolikartige Schmerzen, die bis in die rechte Schulter ausstrahlen, Fettstühle, Abneigung gegen fettiges Essen, Gelbsucht) kann man dennoch fast sicher von einem Steinleiden ausgehen.
Erst wenn die Gallensteine eine entzündliche Reaktion der Wände der Gallenblase (Cholezytitis) oder der Gallenwege (Cholangitis) ausgelöst haben, und die entzündliche Reaktion zu einer Verkalkung des Gallensteines geführt hat, kann man die Gallensteine auch im Ultraschall erkennen.
Auch im Röntgenbild lassen sich Gallensteine erkennen. Ohne Gabe von Kontrastmittel können allerdings nur die kalkreichen Steine nachgewiesen werden. Steine, die wenig Kalk enthalten, können nach Kontrastmittelgabe anhand von Aussparungen gesehen werden.
Wegen der Kontrastmittelnebenwirkungen wird diese Untersuchung nur durchgeführt, wenn die folgende Methode zu keinem Ergebnis geführt hat.
Eine weitere Nachweismethode besteht in der endoskopischen Gallengangsdarstellung (ERCP). Hierzu wird ein Endoskop über die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm bis in die Austrittsstelle des Gallengangs vorgeschoben.
Durch Eindringen in den Gallengang können Steine nachgewiesen und gegebenenfalls entfernt werden.
Therapie Gallensteine
Eine Behandlung von Gallensteinen wird nur durchgeführt, wenn der Patient Beschwerden hat.
Für die Therapie des Gallensteinleidens / Gallensteine stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
- Schmerzlinderung (Analgesie) bei Gallenkolik durch Medikamente
- nichtchirurgische Gallensteinentfernung durch
- Fragmentation der Gallensteine durch Stoßwellen
- Bei 50% der Patienten kommt es zur Wiedererkrankung.
- Auflösung (Lyse) der Steine durch MTBE (körpereigener Äther)
- Medikamentöse Auflösung der Steine (Litholyse)
- Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie)
- ERCP
Die Schmerzlinderung geschieht durch Schmerzmittel (Metamizol = z.B. Novalgin ®) und / oder spasmolytische Medikamente zur Lösung der Gallenwegskrämpfe (Buscopan ®).
Durch die Stoßwellentherapie wird versucht durch Fragmentierung der Gallensteine deren spontanen Abgang hervorzurufen.
In der Regel wird etwa 2 Wochen vorher mit der medikamentösen Litholyse (Steinauflösung) begonnen. Es wird für eine erhöhte Konzentration von Gallensäuren gesorgt, um somit das Cholesterin aus den Gallensteinen zu lösen.
MTBE (Methyl-tert-buthyl- Äther) ist ein cholesterinlösender Äther und wird in Form von Spüldrainagen in der Gallenblase eingesetzt. Die Spüldauer ist abhängig vom jeweiligen Steinvolumen.
Die Cholezystektomie (Entferung der Gallenblase) ist die häufigste Therapieform des Gallensteinleidens. Hierzu wird vorwiegend eine Bauchspiegelung (die sog. Laparoskopie) mit einem Endoskop durchgeführt. Bei dieser minimal- invasiven Operation ist die Genesung der Patienten entsprechend rasch.
Durch eine ERCP können mit Hilfe eines Endoskops Gallensteine gefunden und entfernt werden.
Die Therapie des Gallensteinleidens hängt von der Position des Steines ab:
- Wenn er den Ausgang der Gallenblase verstopft (die häufigste Position), wird dies mittlerweile durch eine komplette Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) behandelt.
Die Gallenblase hat ja lediglich Speicherfunktion, die nicht lebensnotwendig sind, weshalb der Körper auch ohne sie auskommen kann. Der frühere Therapieansatz der Zerstörung mittels Schallwellen (Stoßwellentherapie) hat sich dauerhaft als nicht sinnvoll erwiesen, da es kam zum regelmäßigen Wiederauftreten von Gallensteinen kam.
- Wenn Gallensteine den direkten Kanal zwischen Leber und Dünndarm verlegen, muss man sich eine andere Möglichkeit überlegen, da der Gang nicht entfernt werden kann. In diesem Fall wird meist versucht, mit Hilfe eines Endoskops durch den Mund über Magen und Dünndarm in die Gallengänge zu gelangen (ERCP siehe oben) um dann quasi vor Ort den Stein entfernen zu können.
Meist bleibt der Stein an der Engstelle bei der Mündung des Gallengangs in den Dünndarm stecken. Da Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse gemeinsam in den Zwölffingerdarm münden, staut sich auch der Cocktail an Verdauungseiweißen aus der Bauchspeicheldrüse an. Das kann dann wiederum eine akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) auslösen.
Homöopathische Ansätze der Therapie finden Sie auch unter: Homöopathie bei Gallensteinen
Rehabilitation
Kann ich ohne Gallenblase leben?
Die Entfernung der Gallenblase hat im Allgemeinen keine Nachteile. Möglicherweise wird das eine oder andere Nahrungsmittel schlechter vertragen als früher, daher sollte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden.
Komplikationen
Entzündungen der Gallenblase (Cholezystiasis), Perforationen (Riss) der Gallenblase oder sekundäre Leberveränderungen (Leberzirrhose) können möglicherweise als Komplikationen auftreten.
Durch einen eventuellen Aufstau von Galle kann es zu vermehrter Flüssigkeitsansammlung in der Galle (Gallenblasenhydrops) kommen.
Wenn der gemeinsame Ausführungsgang von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse verlegt ist, kommt es zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).
Prophylaxe
Eine eigentliche Prophylaxe des Gallensteinleidens gibt es nicht.
Übergewicht, ballaststoffarme und fettreiche Kost begünstigen jedoch das Auftreten dieser Erkrankung.
Daher sollte auf das Körpergewicht geachtet, ballaststoffreich und fettarm gegessen werden. Auch auf Kaffee und Gebratenes sollte im Hinblick auf die Gefahr einer folgenden Gallenkolik verzichtet werden.
Prognose
Chirurgische Entfernungen der Gallenblase (Cholezystektomie) bergen, abgesehen von den allgemeinen Narkose- und Operationsrisiken, im Großen und Ganzen verhältnismässig geringe Gefahren.
Bei allen nichtchirurgischen Therapien allerdings ist die Rate der Wiedererkrankung (Rezidivrate) mit 30 – 50% relativ hoch.
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