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Gallensteinleiden
Definition
Unter Gallensteinen versteht man eine Ablagerung von festen Stoffen, die aufgrund unterschiedlichster Ursachen aus der Gallenflüssigkeit heraustreten, ausflocken und sowohl zu Schmerzen, als auch zu Verlegung der Gallengänge und Abflussbehinderung der Gallenflüssigkeiten führen können.
Synonyme
Cholelithiasis
Formen und Ursachen
Man unterscheidet die Gallensteine zum einen nach der Steinart und zum anderen nach dem Entstehungsort.
Gallensteine, deren Hauptbestandteil Cholesterin ist (Cholesterinsteine) sind die häufigsten und machen ca. 70-80% aller Gallensteine aus. Die Ursachen von können zum Teil vererbt werden. Man fand heraus, dass häufig viele Mitglieder einer Familie unter Gallensteinen zu leiden haben. Auch gab es bestimmte Indianerstämme, bei denen Gallensteine besonders häufig bzw. nie auftraten. Genmutationen können ebenfalls ein chronisches Gallensteinleiden auslösen. Sowohl das Alter, als auch das Körpergewicht und der Cholesterinwert im Blut gelten als Risikofaktoren und Ursachen der Cholesterinsteine. Die zweite Gruppe der Steine (20%) bezeichnet man als Bilirubin-, oder Pigmentsteine. Die Ursachen können in einem chronischen Auflösen von Blutbestandteilen (Hämolysen) oder in einer Leberzirrhose liegen. Man vermutet weitere Ursachen von Bilirubinsteinen, genaueres ist aber unbekannt. Viele Menschen sind Träger von Gallensteinen und können bevorzugt ein Gallensteinleiden (Gallenkolik) entwickeln. Meistens machen sie allerdings keine Beschwerden und verbleiben so Jahre unbemerkt in der Gallenblase (Gallenblasenstein), dem Hauptbildungsort. Ein geringer Teil der Gallensteine gelangt aus der Gallenblase heraus und wandert in die angrenzenden Gallengänge (Gallengangsstein). Dort können selbst kleinste Steine zu einer Verstopfung und somit zu starken Schmerzen führen. Im Laufe der Zeit können kleine Steine, die in der Gallenblase verblieben sind, an Volumen zunehmen. Meistens lösen sie dann die ersten Beschwerden aus. 75% der Gallensteine verursachen keine Beschwerden (stumme Gallenstein). Nur 25% führen zu einem symptomatischen Gallensteinleiden. 10-15% der Patienten mit Gallenblasensteinen haben ebenfalls bereits Steine im sich anschließenden Gallengang (Ductus choledochus).
Epidemiologie
Beim Gallensteinleiden (Gallenkolik) sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Das Verhältnis liegt bei ca. 2:1. Man geht davon aus, dass 15% aller Frauen und 7,5% aller Männer Träger von Gallensteinen sind. Liegt als Begleiterkrankung ein Morbus Crohn oder eine Leberzirrhose vor, so nimmt die Häufigkeit an einem Gallensteinleiden zu erkranken zu (25%-30% aller Erkrankten). Besteht eine Schwangerschaft oder werden zusätzlich Östrogenpräparate eingenommen, steigt das Verhältnis Frauen zu Männer auf 3:1. Es gibt eine Faustregel, die besagt, welche Patienten besonders gefährdet für Gallensteine sind (6 F-Regel):female=weiblich, fair=hellhäutig, fat=übergewichtig, forty=über 40 Jahre alt, fertile=fruchtbar, family=bereits Kinder auf die Welt gebracht.
Symptome
Wie oben bereits erwähnt, verursachen 75% der Gallensteine keine Symptome. Meist sind sie zu klein oder verbleiben unauffällig in der Gallenblase. Die restlichen 25% der Steine können entweder die Gallenblase nicht passieren, d.h. sie haben eine Größe, die einen Durchtritt in das Gallengangssystem unmöglich macht. Bei jeglicher Bewegung der Gallenblase stoßen die Steine an die Gallenblasenwand und verursachen Schmerzen. Teilweise liegen diese Steine auch genau in der Gallenblasenöffnung und versperren den Ausgang, was nicht nur zu Schmerzen, sondern auch zu einem Rückstau der Gallenflüssigkeit in der Gallenblase führen kann. In diesem Fall kann es auch zu einem Ikterus (Gelbsucht) kommen. Sind die Gallensteine klein genug, um von der Gallenblase in das Gallengangssystem geschwemmt zu werden, besteht die Gefahr, dass die Steine sich in den Gängen verfangen, an den Wänden der Gallengänge reiben oder diese verstopfen. Hier kann es ebenfalls zu einem Aufstau und zu einer Gelbsuchtsymptomatik kommen. In fast jedem Fall aber ist dieser Vorgang des Steinwanderns mit starken Schmerzen (sogenannte Koliken) verbunden. Koliken (Gallensteinleiden) sind von typischem Schmerzcharakter. Sie werden als sehr starke bis stärkste Schmerzen beschrieben, die wellenförmig auftreten, aber genauso schnell wieder verschwinden. Meist ist der Patient schweißgebadet und unruhig, kann die Stelle der Schmerzentstehung oft nicht genau lokalisieren. Häufig werden rechter und mittlerer Oberbauch, Ausstrahlen in den Rücken und in die rechte Schulter genannt. Einige Patienten berichten über Übelkeit und Erbrechen während der Kolik. Ähnliche Beschwerden können des weiteren bei den sogenannten Nierensteinen auftreten. Verbleiben die Gallensteine in der Gallenblase, führen sie besonders häufig nach fettreichem Essen (die Gallenblase führt danach besonders starke Knetbewegungen durch) oder während des nächtlichen Liegens (hier können Gallensteine an die Gallenblasenwand gedrängt werden) zu einem Gallensteinleiden (Gallenkolik). Diese Schmerzen werden von den Patienten hauptsächlich im Oberbauch (einige cm über dem Bauchnabel) lokalisiert.
Diagnose
Der Arzt wird zunächst versuchen anhand einer gezielten Fragestellung (Anamneseerhebung) die Ursachen der vom Patienten beschriebenen Schmerzen herauszufinden. Er wird vermutlich folgende Fragen stellen: „wann treten die Beschwerden auf?Treten die Schmerzen hauptsächlich nach und vornehmlich fettreichem Essen auf. Treten die Schmerzen in der Nacht während des Liegens auf? Besteht Übelkeit und Erbrechen? Strahlen die Schmerzen aus? Wo sind die Schmerzen lokalisiert? Sind die Schmerzen wellenförmig?“
Der Arzt wird nun eine klinische Untersuchung des Bauches des Patienten durchführen. Neben dem Überprüfen der Druckschmerzhaftigkeit ist das sogenannte Murphy-Zeichen zu nennen: nach Ausatmen des Patienten drückt man den Bereich am Bauch, an der sich die Gallenblase befindet, tief ein und lässt den Patienten wieder einatmen. Stoppt er das Einatemmanöver und klagt über Schmerzen, spricht das für einen Gallenstein in der Gallenblase (Murphy-Zeichen positiv).
Als nächstes wird der Arzt eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes durchführen. Dabei handelt es sich um eine genaue und sichere Methode der Steindiagnose. Der oder die Gallensteine stellen sich als weiße Struktur mit sich anschließendem Schallschatten dar. In der Ultraschalluntersuchung kann der Arzt auch feststellen, ob die Gallenblase oder die Gänge verdickt sind. Dies würde für eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder einer Gallengangsentzündung (Cholangitis) sprechen. Durch eine sogenannte Hochfrequenz Signalanalyse kann beurteilt werden, ob es sich bei dem Stein um einen Cholesterinstein handelt und ob dieser verkalkt ist. Auch kann eine Computertomographie angefertigt werden, um die Zusammensetzung des Steines zu erläutern.
Um Auszuschließen, dass es sich bei den Beschwerden um einen entzündlichen Prozess handelt, sollte man eine Blutuntersuchung bei dem Patienten durchführen. Darin sollten vor allem die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Entzündungsproteine (CRP) untersucht werden, deren Erhöhung für einen entzündlichen Prozess typisch wären. Aber auch Leber-, und Gallenwerte sollten erkundet werden (gamma GT, alkalische Phosphatase).
Eine weitere Methode der Diagnostik, vor allem bei durch Steine verursachten Abflussproblematiken, stellt die endoskopische-retrograde-Cholangio-Pankreatikographie (ERCP) dar. Hierbei wird ein Schlauch mit einer an der Spitze befindlichen Kamera in den Magen und anschließend in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Von dort aus gelangt man in den Gallengang und kann hier untersuchen, ob sich darin ein Stein befindet. Spritzt man ein Kontrastmittel durch das vorgeschobene Instrument in den Gallengang und fertigt im Anschluss ein Röntgenbild an, so kann man Gallensteine erkennen , die den Durchfluss des Kontrastmittels behindern. Auch kann durch eine am Anfang der Schlauchs befindliche Ultraschallsonde eine noch genauere Darstellung der Gallenblase und des Gallengangssystems hergestellt werden.
Therapie
Die Therapie des Gallensteinleidens (Gallenkolik) ist vielfältig. Gallensteine, die keine Symptome machen bedürfen keiner Therapie. Eine Ausnahme stellen Gallensteine dar, die besonders groß sind. Überschreiten diese eine kritische Größe von 3 cm im Durchmesser, ist davon auszugehen, dass sie in absehbarer Zeit Symptome auslösen und zu einem Gallensteinleiden führen. Dann ist eine elektive, also geplante und nicht notfallmäßige, Operation indiziert. Ein chronisches Gallensteinleiden kann durch die daraus resultierende immer wieder kehrende Entzündung eine sogenannte Porzellangallenblase auslösen. Der Name ist zutreffend, da die Gallenblase durch ihre Verkalkung im Ultraschallbild wie Porzellan aussieht. Da immer die Gefahr besteht, dass aus dieser Porzellangallenblase ein bösartiger Tumor (Karzinom) entsteht, rät man diesen Patienten ebenfalls zu einer Operation.
Gallensteine, die symptomatisch sind, sollten operativ entfernt werden. In fast allen Fällen entfernt man die gesamte Gallenblase mit den darin liegenden Steinen. Hierzu wird die sogenannte laparoskopische Cholezystekomie durchgeführt. Der Operateur macht vier kleine Hautschnitte, in die Operationsinstrumente eingeführt werden. Unter Kamerasicht löst der Chirurg die Gallenblase und entfernt diese durch ein vorher eingeführtes Rohr. Sollte der Patient zu einer Risikogruppe gehören (Verwachsungen durch vorangegangene Operationen oder anatomische Besonderheiten), wird eine offene Entfernung der Gallenblase in Betracht gezogen. Anstelle der kleinen Hautschnitte wird ein längerer Schnitt im rechten Oberbauch durchgeführt. Der Operateur operiert unter Sicht. Heute hat die laparoskopische Operationsmethode die herkömmliche offene weitgehend abgelöst. Nur in Ausnahmefällen wird sie noch angewandt.
Eine Kolik (Gallensteinleiden) kann auch symptomatisch behandelt werden. Dem Patienten werden meist unter einer 24 stündigen Nahrungskarenz Schmerzmittel (Analgetika) und krampflösende Mittel (z.B. Butylscopolamin) verabreicht. Eine Operation ist aber selbst nach erfolgreicher Behandlung der Kolik (Gallensteinleiden) anzuraten. Lautet der Verdacht auf eine durch die Steine ausgelöste Entzündung der Gallenblase sollte eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet werden. Eine Behandlungsmöglichkeit, die heute allerdings nur noch selten zum Einsatz kommt, ist die medikamentöse Auflösung des Gallensteines. Die Behandlung muss zwei Jahre durchgeführt werden. Die Erfolgsrate liegt aber nur bei 70%. Das Zertrümmern der Steine durch Stoßwellen von außen kommt ebenfalls in seltenen Fällen zum Einsatz. Beide genannten, alternativen Behandlungen setzen aber eine bestimmte Steinzusammensetzung voraus. Befindet sich ein Gallenstein im Gallengang muss durch die o.g. ERCP zunächst der Gallengang ein wenig eingeschnitten und schließlich der festsitzende Gallenstein mit einem Körbchen geborgen werden.
Homöopathische Ansätze der Therapie finden Sie auch unter: Homöopathie bei Gallensteinen
Prognose
Nach Entfernung der Gallenblase haben die meisten Patienten eine gute Chance, nie wieder ein Gallensteinleiden (Gallenkolik) zu bekommen. In einigen Fällen kann es aber trotzdem vorkommen, dass die Steine sich im Gallengang bilden und dort für Schmerzen sorgen. Betroffen sind meist Patienten, die an erblichen Gallensteinen leiden oder die o.g. Risikofaktoren nicht ausschalten (können). Im Allgemeinen ist die Prognose aber nach OP sehr gut. Nicht operative Gallensteinbehandlungen haben eine schlechtere Prognose. Wie oben erwähnt, haben diese oft nur eine 70%ige Erfolgsquote.
Prophylaxe
Viele Risikofaktoren, wie Alter oder Geschlecht kann man natürlich nicht beeinflussen. Wohl aber die Ernährungsgewohnheiten ändern (keine cholesterinreiche, balaststoffarme Ernährung) und das Körpergewicht reduzieren. Das Trinken eines Glas Milch zur Nacht soll dazu führen, dass sich die Gallenblase entleert und so das Risiko für die Bildung von Gallensteinen vermindern.
Zusammenfassung
Das Gallensteinleiden (Gallenkolik) ist eine sehr häufige Erkrankung. Man geht davon aus, dass 15% aller Frauen und 7,5% aller Männer Träger von Gallensteinen sind. 75% verursachen aber keine Beschwerden, werden z.T. nicht entdeckt und müssen auch nicht behandelt werden. Symptomatische Steine werden meist mit Gallenblase durch laparoskopische Operationen entfernt. Ursache von Gallensteinen sind meist Alter, weibliches Geschlecht, Übergewicht, mangelnde Bewegung, cholesterinreiche und balaststoffarme Ernährung. Befinden sich die Steine in der Gallenblase, verursachen sie meist nach fettreichem Essen oder beim nächtlichen Liegen Oberbauchschmerzen. Wandern die Steine durch die Gallengänge und bleiben hängen oder reiben an den Gangwänden, können sie wellenförmig auftretende, stärkste Schmerzen (Kolik) auslösen. Patienten mit Koliken sind meist schweißgebadet, laufen unruhig umher, können oft den Ort der Schmerzentstehung nicht lokalisieren.
Die meisten Patienten sind nach der operativen Gallenblasen-, und Steinentfernung dauerhaft beschwerdefrei. In einigen Ausnahmefällen können aber Steine im Gallengang weiterhin entstehen und so auch Koliken (Gallensteinleiden) auslösen.
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