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Schulterluxation
Synonyme
Luxation des Schultergelenkes, Verrenkung des Schultergelenkes, luxatio humeri, Auskugeln der Schulter, habituelle Luxation, rezidivierende Luxation, auskugeln Schulter, Schulterverrenkung
Definition
Man unterscheidet Schulterluxationen (Schulterverenkung) hinsichtlich ihres Entstehungsmechanismusses. Demnach gibt es:
- Traumatische Schultergelenksluxationen, als Folge eines direkten Unfallereignisses.
- Von einer posttraumatisch rezidivierenden Luxation spricht man, wenn es nach einer primär rein traumatisch bedingten Schulterluxation bereits bei geringen Traumen zu wiederkehrenden Verrenkungen kommt.
- Atraumatische Schultergelenksluxationen, die auch habituelle Schulterluxation genannt wird. Hierbei kommt wiederholt sich das Herausspringen des Schultergelenkes ohne jegliches Trauma, beispielsweise bei der Ausführung gewohnheitsmäßiger Bewegungen. Die Ursachen für die Entstehung habitueller Schulterluxationen sind anlagebedingt. Als Beispiel hierfür können angeborene Pfannendysplasien oder angeborene schlaffe Bänder, etc. genannt werden.
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Epidemiologie
Die Erkrankung als solches tritt recht selten auf. Man geht von 15 pro 100.000 Patienten jährlich aus.
Wie kommt es zu einer Schulterluxation?
Röntgenbild Schulterluxation
- Leere Schulterpfanne
- Oberarmkopf (Humerus)
Die grünen Flächen bilden bei einem
normalen Gelenk die Gelenkpartner
Wie bereits oben kurz geschildert, gibt es unterschiedliche Ursachen für das Auftreten einer Schulterluxation. Am häufigsten ist jedoch eine hebelnde Bewegung des Oberarms bei gleichzeitiger Außenrotation zu sehen, bei der sich der Arm vom Körper wegbewegt. Der Kopf des Oberarmknochens springt bei einer Luxation meist nach unten vorn (Luxatio axillaris) oder nach vorn (Luxatio subcoracoidea). Verrenkungen nach hinten sind eher untypisch. Nur ganz selten luxiert eine Schulter bei nach oben ausgestrecktem Arm. In der Regel haben Schulterluxationen traumatische Ursachen: Stürze, Sport-, Fahrrad- oder andere Verkehrsunfälle sind diesbezüglich zu erwähnen.
Die eher seltener auftretenden habituellen (gewohnheitsmäßigen) Schulterluxationen (siehe oben) führen ohne adäquates Trauma (Bagatell-Traumen) aufgrund individueller Begebenheiten (z. B. angeborene Schulterpfannendysplasie) zur Verrenkung,
Anatomie
Das Schultergelenk (= Articulatio humeri) liegt zwischen dem Humeruskopf und der Gelenkpfanne (Cavitas glenoidales) des Schulter- blattes. Es zählt aufgrund der Form des Gelenkes zu den beweglichsten Gelenken des gesamten Körpers. Man nennt diese Form der Gelenke: KUGELGELENKE.
Der relativ große Bewegungsumfang des Schultergelenkes liegt in seiner Anatomie begründet. Die Schulterpfanne ist beispielsweise im Vergleich zum Humeruskopf recht klein. Hinzu kommt, dass Muskeln und Gelenkkapseln aufgrund ihrer relativ lockeren Spannung ein weites Spiel zu lassen.
Ein relativ großer Bewegungsumfang erscheint auf den ersten Blick nicht mit Nachteilen behaftet. Je größer die Bewegungsfreiheit, desto mehr Möglichkeiten der Bewegung hat der Mensch. Treten allerdings traumatische Ereignisse ein oder sind individuelle (angeborene) Ursachen vorhanden, so kommt es umso leichter zu einer “atraumatischen” (habituellen) Luxation.
Abbildung gesunde Schulter
- Oberarmkopf (Humerus)
- Schulterhöhe (Acromion)
- Schultereckgelenk
- Schlüsselbein (Clavicula)
- Rabenschnabelfortsatz (Coracoid)
- Schultergelenk (Glenohumeralgelenk
Ursachen
Oben wurde bereits auf die Unterscheidung zwischen einer traumatischen und einer atraumatischen Schulterluxation unterschieden. Hier sollen weitere Ursachen für das Entstehen der beiden Formen genannt werden. De posttraumatisch rezidivierende Schulterluxation setzt dabei eine traumatische Erstluxation voraus und kann daher als eine Teilform der traumatischen Schulterluxation gewertet werden.
Traumatische (unfallbedingte) Schulterluxation:
Die Ursachen einer traumatischen Schulterluxation liegen beispielsweise in:
- Unfällen oder
- Krafteinwirkungen
von außen begründet. Eventuelle begünstigende Faktoren können dabei eine wichtige Rolle spiele,
Posttraumatisch rezidivierende Schulter- luxation:
Ursachen und Verletzungsmechanismen der posttraumatisch rezidivierenden Schulterluxation gelten als weitestgehend geklärt. Sie gelten aufgrund ihrer Bezeichnung als „rezidiv“, sodass bereits eine traumatische (unfallbedingte) Erstluxation vorgelegen haben muss, die darüber hinaus u. U. nicht planmäßig verheilte.
Die häufigsten Ursachen für die Entstehung einer posttraumatisch rezidivierenden Schulterluxation sind:
- Verbliebene Schäden nach traumatischer Erstluxation, die in der Regel im Erwachsenenalter erstmalig auftritt.
- Knorpelige/knöcherne Bankart-Läsion (= Abriss des Labrum glenoidale im Rahmen einer vorderen Schultergelenksluxation)
- Hill-Sachs-Läsion (= Impression am dorsolateralen (zum Rücken hin, seitlichen) Rand des Humeruskopfes; bei habitueller Luxation)
- Schwäche des Kapsel-Band-Apparates
- Verlust der Propriozeption (= Verlust der Wahrnehmung und Kontrolle der Lage des Körpers im Raum; Sensibilitätsstörung)
- Muskelschwäche trotz adäquater Rehabilitation
Habituelle (multidirektionale) Schulterluxation:
Im Bereich der habituellen Schulterluxation sind sowohl Ätiologie als auch die Krankheitsentstehung noch nicht hinreichend geklärt. Klassischerweise liegt im Rahmen dieser Untergruppierung eine Erstluxation vor, die in der Regel zum processus coracoidia (= Rabenschnabelvortsatz), nach vorne unten gerichtet ist. Eine habituelle Erstluxation tritt überwiegend im Kindes- bis Jugendalter auf. Dabei bleibt in der Regel eine Instabilität vorhanden, die sich meist sehr schmerzarm auswirkt. Darüber hinaus geht man von gewissen Faktoren aus, die sich auf die Entstehung einer habituellen Schulterluxation begünstigend auswirken können:
- Anomalien im Bereich des Kapselbandapparates
- Veränderte Kollagenvernetzung bzw. -zusammensetzung der Kapsel
- Dysplasie der Schulterpfanne (Minderanlage der Pfanne)
- Verstärkte Neigung der Pfanne nach vorne, verminderte Drehbarkeit des Humeruskopfes nach hinten
- angeborene Bindegewebsschwäche
- Ehlers-Danlos-Syndrom (Hyperelastizität, erhöhte Vulnerabilität und Wundheilungsstörung der Haut, Gelenksüberstreckung mit Neigung zur Luxation; erbliches Krankheitsbild)
- Marfan-Syndrom (erbliches Krankheitsbild, spezielle Bindegewebserkrankung: Veränderung der Augen, des Habitus und des kardiovaskulären Systems)
- Muskuläre Fehlansteuerung
Klassifikation
Da es verschiedene Formen der Schulterluxation gibt, versucht man sie möglichst verständlich zu klassifizieren. Bisher gibt es keine allgemein gültige Klassifikationsform. Man beschreibt sie mittels Ursache und der Richtung der Luxation, sowie hinsichtlich der Form und des Grades. Nachfolgende Kriterien treten demnach in Kombination miteinander auf, um die jeweils vorliegende Luxation zu beschreiben.
Pathogenese (Ursache):
- Traumatisch
- unidirektional
- Atraumatisch
- Folgende Luxationsformen können im Rahmen einer atraumatischen Schulterluxation auftreten:
- Habituell unidirektional
- Habituell willkürlich
- Habituell multidirektional
Lokalisationen:
- Anterior-inferior (vorne-unten) = Luxatio subcoracoidea
- posterior-superior (hinten-oben)
- Kombinationen
Schweregrad:
- Grad I (Distorsion):
- Dehnung
- Kapsel und Muskulatur sind intakt
- Einige Faserrisse sind vorzufinden
- Grad II (Subluxation):
- Partielle Muskelläsion
- Kapselruptur, bzw. Kapselablösung
- Grad III (Luxation):
- Kapsel- Band- Läsionen sind immer vorhanden
- In der Regel erfolgt die Luxation nach vorne (in etwa 96% aller Fälle)
Diagnostik
Zur Diagnostik im Rahmen einer Schulterluxation zählt in erster Linie die klinische Untersuchung. Je nach Schweregrad kann diese allerdings unter Umständen schwierig sein. Insbesondere bei Distorsionen und Subluxationen ist daher auch die Anamnese sehr richtungsweisend, um zwischen den verschiedenen Schwereformen zu unterscheiden.
Notwendige apparative Untersuchungen
- Röntgen der Schulter in 2 Ebenen zur Abgrenzung des Types und zur Bestimmung eventueller knöcherner Begleitverletzungen. Mittels Röntgenbild lässt sich auch feststellen, ob Ursachen für die Luxation(z.B. Dysplasie, etc.) vorliegen.
Im Einzelfall nützliche apparative Untersuchungen
- Sonographie (vor allem zum Ausschluss einer Rotatorenmanschettenläsion)
- Spezielle Röntgen-Aufnahmen, z.B.: Velpeau-Aufnahme (Lage-beziehung Humeruskopf-Pfanne), ventrodorsale 60°-Innenrotationsaufnahme (Hill-Sachs-Darstellung), Pfannenprofilaufnahme
- MRT
- CT (ggf. Luft-Arthro-CT)
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Therapie
Die Diagnoseerhebung hat wichtige Konsequenzen hinsichtlich der Therapieform, die im Anschluss an die Diagnoserhebung eingeschlagen wird.
Je nach Form und Schwere der Verletzung unterscheidet man zwischen der konservativen und der operativen Therapie, die nachfolgend noch ausführlich beschrieben werden. An dieser Stelle sei allerdings erwähnt, dass bei einer ausgewiesenen Schulterluxation in jedem Fall das Gelenk schnellstmöglich wieder reponiert (= wieder eingerenkt) werden sollte. Andernfalls können schwerwiegende Schäden an Knorpel und Weichteilen entstehen.
Da das Reponieren starke Schmerzen verursacht, wird der Arzt dem Patienten zunächst ein Schmerzmittel verabreichen. Dadurch wird auch die notwendige Muskelentspannung erreicht, die Schulterbewegungen generell erst wieder zulässt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Schultergelenk zu reponieren.
Man unterscheidet:
- Die Reposition nach Arlt
Der Ellenbogen wird um 90° gebeugt, der Arm wird im Sitzen hängend über die Stuhllehne gelegt. Der Arzt übt einen Längszug aus. - Die Reposition nach Kocher
Sie findet im Liegen statt, wobei der Oberkörper des Patienten leicht aufgerichtet wird. Auch hier ist der Ellenbogen um 90° angewinkelt. Der Arzt führt die Reponierung in drei Schritten durch. - Die Reposition nach Manes
Diese Repositionsmöglichkeit wird besonders bei Patienten ab dem 60. Lebensjahr angewendet. Der Arzt zieht am Arm des Patienten und bewegt gleichzeitig den Humeruskopf in die ursprüngliche Lage. Auch hier ist der Ellenbogen um 90° angewinkelt. - Die Reposition nach Hippokrates
Auch diese Repositionsmöglichkeit wird besonders bei Patienten ab dem 60. Lebensjahr angewendet. Der Patient liegt, der Arzt zieht am gestreckten Arm. Die Ferse des Arztes dient dabei als Dreh- (Unterstützungs-) Punkt des Hebels.
Das Reponieren sollte ausschließlich von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Unsachgemäße Handhabungen können zu schwer wiegenden Schäden führen. Die oben beschriebenen Maßnahmen sollen nur beschreiben, wie eine Reposition durchgeführt wird. Sie sind in keinem Fall Beschreibungen für die selbst durchgeführte Reposition.
An der Reposition nach Hippokrates erkennt man, das Schultergelenksluxationen in ihrem Auftreten schon recht lange vorkommen. In der Tat wurden Repositionierungen beispielsweise durch Hippokrates schon vor mehr als 2000 Jahren durchgeführt.
Dies bedeutet allerdings nicht, dass Repositionierungen immer gelingen. Sollte eine Repositionierung manuell nicht durchgeführt werden können, geschieht das Reponieren im Rahmen einer Operation.
Nach einer Repositionierung sollte stets mittels erneuter Röntgenaufnahme in zwei Ebenen das Schultergelenk kontrolliert werden. Darüber hinaus sind die Motorik, die Durchblutung und die Sensibilität zu prüfen. Je nach Ausmaß der Verletzung erfolgt eine Ruhigstellung mittels Schulterbandage von unterschiedlicher Dauer. Bei der Abschätzung der Länge der Ruhigstellung ist der Schweregrad, aber auch das Alter des Patienten entscheidend.
Eine einfache Luxation eines älteren Patienten impliziert eine Ruhigstellung von etwa einer Woche, während bei anderen Umständen auch Ruhigstellungen von bis zu 6 Wochen denkbar sein können.
Wichtige Fragen, die gestellt werden sollten sind:
- Klassifizierung der Schulterluxation (siehe oben: Klassifikation)
- Einschätzen der Schmerzen
- Falls eine Reposition bereits stattfand: Wie wurde sie durchgeführt? (spontan, selbsttätig, Fremdreposition)
- Inwieweit ist eine Funktionseinschränkung vorhanden (Auswirkungen auf: Beweglichkeit, Kraft (dead arm sign))
- Besteht ein Instablitätsgefühl?
- Lassen sich neurologische Ausfälle, Durchblutungsstörungen nachweisen?
- Welche sportliche Aktivitäten werden ausgeübt? (Diese Frage ist besonders im Hinblick auf die therapeutischen Maßnahmen wichtig; siehe unten)
- Rechts- / Linkshänder?
- Alter?
- Welche Schulter belastenden Tätigkeiten werden (beruflich / privat) durchgeführt?
- Bestehen Vorschäden? Bisherige Therapie?
Die Therapieform ist stets individuell zu entscheiden und muss sich demzufolge an den unterschiedlichen Begebenheiten und natürlich auch an den Ansprüchen des Patienten orientieren. Ein junger, sportlich ambitionierter Patient stellt an sein Schultergelenk andere Anforderungen als beispielsweise ein älterer Patient ohne sportliche Ambitionen, der auch ohne Operation glücklich werden kann.
Unterschiede im Bereich der Therapie müssen natürlich auch hinsichtlich der Klassifikationen (siehe oben) stattfinden. Eine traumatische Schulterluxation wird dabei anders behandelt, als eine habituelle Luxation, in deren Auswirkung das Schultergelenk beispielsweise schon bei normalen Bewegungen luxiert.
Erklärtes Ziel einer Therapie ist in erster Linie die Reponierung (siehe oben) und darüber hinaus das Erreichen einer Stabilisierung des Schultergelenkes, sodass Belastungen wieder möglich werden.
In welcher Form dieses Ziel erreicht werden kann, ist dabei individuell unterschiedlich.
Wie bereits erwähnt spielt die Klassifizierung für die Behandlung eine große Rolle. Die Therapiemaßnahmen erfolgen unter Berücksichtigung gewisser Prinzipien, den so genannten Behandlungsprinzipien. Zwar kann im individuellen Fall der Arzt unter Umständen in seiner Behandlungsform davon abweichen, für den Regelfall gelten allerdings die nachfolgend aufgelisteten Prinzipien.
Behandlungsprinzipien:
Traumatische Schulterluxation:
- operativ therapiert wird in der Regel:
bei vorderer – unterer Erstluxation - konservativ therapiert wird in der Regel mit zunehmendem Alter und reduzierter sportlicher, sowie körperlicher Aktivität.
Posttraumatisch rezidivierende Schulterluxation
- operativ therapiert wird in der Regel:
- bei vorderer – unterer Erstluxation
- bei unidirektionaler, vorderer Instabilität
- bei jüngeren, körperlich aktiven Patienten (aufgrund der hohen Reluxationsrate)
- konservativ therapiert wird in der Regel mit zunehmendem Alter und reduzierter sportlicher, sowie körperlicher Aktivität.
habituelle Schulterluxation:
- bei seltener Luxation und in Fällen, in denen keine wesentlichen Funktionseinschränkungen vorliegen, sowie bei älteren Patienten wird in der Regel konservativ therapiert.
- Sportlich aktive Patienten, bei denen es zu häufigen rezidivierenden Luxationen kommt, werden in der Regel operativ therapiert.
- Alles in allem hängt die Therapiemaßnahme somit von der Zahl der Reluxationen, der sportlichen Aktivität und dem Ausmaß der subjektiven und objektiven Beeinträchtigung ab.
Konservative Therapie:
Auf die Behandlungsformen im Rahmen der unterschiedlichen Formen der Schulterluxation wurde im letzten Abschnitt bereits hingewiesen. Im nachfolgenden Abschnitt werden verschiedene therapeutische Maßnahmen vorgestellt. Wenn Ihnen Ihr behandelnder Arzt zu einer konservativen Therapie rät, wird er Ihnen in der Regel auch spezielle Verhaltensweisen für den Alltag, aber auch – sofern notwendig für Beruf und Sport mitteilen. Sie sollten wissen, dass kontinuierlich durchgeführte Eigenübungen zur Muskelkräftigung und Gelenkstabilisierung besonders wichtig sind und nur durch Sie über die konservative Therapie hinaus durchgeführt werden können. Sie selbst sind also maßgeblich in die Therapie mit einbezogen und sollten diese Tatsache ernst nehmen.
Medikamentöse Therapie:
Mittels medikamentöser Therapie können Schmerzen gelindert und Schwellungen reduziert werden. Zur Repositionierung der Schulter können bereits anfänglich Schmerzen gelindert und angespannte Muskeln gelockert werden, so dass das Reponieren leichter fällt (= symptomatische Schmerzmittelgabe). Oral können auch die so genannten NSAR (= nicht steroidale Antirheumatika) gegeben werden. Beispielartig seien hier Diclofenac, Celebrex, Ibuprofen etc. genannt.
Orthopädietechnik:
Weiter oben wurde bereits auf die Schweregrade eingegangen. Diese Schweregrade unterscheiden sich natürlich auch in ihrer therapeutischen Vorgehensweise. Auch die Anwendung der Orthopädietechnik ist in den drei Schweregraden unterschiedlich. Nachfolgend soll aufgezeigt werden, wann beispielsweise die unterschiedlcihen Orthopädietechniken zum Einsatz kommen:
- Gilchristverband
- Thorax-Abduktionsschiene oder -kissen
- Antiluxationsorthesen
Physikalische Therapie:
Nachdem die Ruhigstellung im Anschluss an die Repositionierung überwunden wurde, sollte versucht werden im Rahmen einer physikalischen Therapie die Kräftigung der Schultergürtelmuskulatur zu bewirken. Besonders jene Muskelgruppen, die der Luxationsrichtung entgegenwirken sind dabei von großer Bedeutung. Muskel kräftigende Übungen müssen – wie bereits weiter oben beschrieben – stets auch eigenständig weitergeführt werden. Die Eigeninitiative stellt hierbei folglich einen wesentlichen Aspekt dar. Ihr Physiotherapeut wird ihnen gelenkzentrierte Übungen zur Muskelstärkung zeigen. Bitte beachten Sie auch hierzu die empfohlene Literatur, die ihnen helfen sollte, darüber hinaus die Schulter zu stabilisieren. Weitere Maßnahmen der physikalischen Therapie sind je nach Zeitpunkt und erreichter Stabilität beispielsweise auch:
- Lokale Kühlungen (im akuten Stadium)
- Bewegungsübungen u. a. zur Stärkung der Muskulatur
- Bewegungsbad
- Spezielle krankengymnastische Techniken (z.B. PNF)
Operative Therapie
Im Rahmen der Behandlungsprinzipien wurde bereits zwischen der konservativen und der operativen Therapie abgegrenzt. Da es kein standardisiertes Verfahren gibt, das allgemeingültig angewendet werden kann, sollen im Folgenden lediglich die gängigsten operativen Therapiemaßnahmen angesprochen werden. Ihr Arzt kann individuell entscheiden, welches operative Maßnahme für Sie die beste darstellt.
Allgemeine Indikationskriterien
- Klassifizierung der Schulterluxation (siehe oben: Klassifikation)
- Alter?
- Bestehen Vorschäden? Knochen-, Knorpel- und Weichteilläsionen?
- Einschätzen der Schmerzen
- Inwieweit ist eine Funktionseinschränkung vorhanden (Auswirkungen auf: Beweglichkeit, Kraft (dead arm sign))
- Besteht ein Instabilitätsgefühl?
- Lassen sich neurologische Ausfälle, Durchblutungsstörungen nachweisen?
- Welcher sportlichen Aktivitäten werden ausgeübt? (Diese Frage ist besonders im Hinblick auf die therapeutischen Maßnahmen wichtig; siehe unten)
- Welche Schulter belastenden Tätigkeiten werden (beruflich / privat) durchgeführt?
Häufige Operationsverfahren
An dieser Stelle können nicht alle operativen Therapiemaßnahmen benannt und beschrieben werden, da es zu viele Operationsverfahren gibt. An dieser Stelle sollen die gängigsten und bewährtesten Techniken benannt und kurz beschrieben werden. Dabei können die unterschiedlichen Techniken je nach Ätiologie, Luxationsart und -richtung sowie dem Ausmaß intraartikulärer Schäden unter Umständen sogar miteinander kombiniert werden. Vertrauen Sie hierbei Ihrem behandelnden Arzt. Er sieht das Ausmaß Ihrer Erkrankung und kann Sie diesbezüglich individuell beraten. Im Rahmen der operativen Therapie werden sowohl offene als auch arthroskopische Techniken angewandt. Desweiteren stehen anatomische und nicht anatomische Rekonstruktionsverfahren zur Verfügung.
Arthroskopische Operationstechniken:
- Operation nach Neer,
- Labrum – Kapsel – Refixation
- Offene Operationstechniken
- Operation nach Bankart (anatomische offene Operationstechnik)
- Operation nach Neer (anatomische offene Operationstechnik)
Weitere Operationsverfahren sind:
- Eden – Lange Hybinette (nicht anatomische offene Operationstechnik)
- Putti – Platt
- Operation nach Bristow – Hilfert
- Operation nach Mayer – Burgdorff
- Operation nach Weber (nicht anatomische offene Operationstechnik)
Mögliche Folgen und Komplikationen:
- Allgemeine Risiken: Nachblutung, Hämatom, Wundheilungsstörung, Infektion, Thrombose, Lungenembolie, Verletzung von Gefäßen, Nerven
- Spezielle Folgen: Bewegungseinschränkung (vor allem Rotation), Arthrose (Spätfolge)
- Komplikationen: Rezidiv, Verzögerung der Knochenheilung, Pseudarthrose, Implantatkomplikationen (Fehlposition, Materialbruch, Lockerung, Allergie)
Komplikationen
Häufige Komplikationen nach einer Schulterauskuglung sind:
- Schultersteife (frozen shoulder)
- Knochenbruch (Tuberculum majus Abriss)
- Verletzung von Nerven (Nervus axillaris)
- Gelenkeinblutung durch Kapselverletzung / Kapselzerreissung
Weiter Informationen zum Thema Schultersteife erhalten Sie auch unter unserem Thema: Schultersteife.
Prognose
- Bei traumatischen (rezidivierenden) Schultergelenksluxationen
- Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer rezidiven (= erneuten) Luxation ist umso größer, je jünger der Patient und je größer seine sportliche Aktivität ist.
- Die Einschränkungen durch das individuell unterschiedliche Ausmaß der Gelenkbeteiligung einer Luxation und der damit verbunden unterschiedlichen Art und Dauer der durchgeführten Therapiemaßnahmen, spielen hinsichtlich der Gefahr einer weiteren Luxation eine große Rolle, so dass nur der behandelnde Arzt die individuelle Prognose stellen kann.
bei atraumatischen, habituellen Schultergelenksluxationen
- Die Wahrescheinlichkeit eines erneuten Auftretens ist stark erhöht, da durch die Repositionierung und die nachfolgende Behandlung – sofern nicht operativ durchgeführt – keinerlei Veränderungen im Hinblick auf die teilweise angeborene Ursache bewirkt wurden
Prävention
- Adäquate Ruhigstellung und konsequente Krankengymnastik nach der Erstluxation
- Anpassung der körperlichen/sportlichen Aktivitäten, ggf. Meidung schulterbelastender Beanspruchungen
- Ggf. auch frühzeitige operative Rekonstruktion zur Verhütung von Reluxationen
Perspektive
Mit einer Erweiterung bzw. Verbesserung der arthroskopischen Techniken ist zu rechnen.
Mittel- und langfristige Ergebnisse der arthroskopischen Operationen sowie der Lasertechniken bleiben abzuwarten.
Ob eine frühzeitige Rekonstruktion nach Erstluxation einen Einfluss auf die Rezidivrate hat, muss erst noch durch Studien belegt werden.
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