Inhalt:
Legasthenie
Synonyme im weiteren Sinne
Legasthenie, Dyslexia, Dyslexie isolierte oder umschriebene Lese-RechtschreibSchwäche, Lese- Rechtschreibstörung, LRS, Teilleistungsschwäche, Teilleistungsstörung
häufige Tippfehler
Legastenie, Dyslexi.
Definition
Der Begriff “Legasthenie” stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß übersetzt etwa: Leseschwäche
Ausgehend von dieser Definition ergaben sich in der Historie verschiedene Ansatzpunkte, die die Ursache und den Umgang mit dieser Problematik zu regeln versuchten.
Aus der Betrachtung der Historie heraus ergeben sich die veränderten Bezeichnungen (Legasthenie, LRS, Lese- Rechtschreibschwäche) und Sichtweisen.
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Häufigkeit

- Häufigkeit des Auftretens
Lese- und Rechtschreibschwächen findet man überall dort, wo eine Schriftsprache erlernt wird.
Man geht davon aus, dass etwa 8% bis 12% aller Menschen in drei verschiedenen Problemstufen (schwer / mittel / leicht) an einer Lese- Rechtschreibschwäche leiden.
Die Geschlechterverteilung belegt das Auftreten dieser Lese- Rechtschreibschwäche im Verhältnis von etwa 1 : 3 zu Ungunsten der Jungen, wobei man davon ausgeht, dass dies auf eine unterschiedliche Motivationslage zurückzuführen ist und nicht wie vielfach angenommen auf eine geschlechtsspezifische Neigung zu Entwicklungsverzögerungen oder ähnlichem.
Auch Kombinationen mit einem ADS, bzw. ADHS sind denkbar. Dabei kann eine Lese- Rechtschreibschwäche aufgrund des ADS bzw. ADHS verursacht werden, die Ursache für ein ADS bzw. ADHS liegt allerdings nicht in einer Lese- Rechtschreibschwäche begründet.
Eine Legasthenie kann - anders als die Lese- Rechtschreibschwäche - in Form einer Teilleistungsschwäche darüber hinaus auch im Falle einer vorliegenden Hochbegabung auftreten.
Liegt beim Kind auch eine Rechenschwäche vor, kann in der Regel die Legasthenie als Teilleistungsstörung ausgeschlossen werden. Das gleichzeitige auftreten von Dyskalkulie und Legasthenie kann ausgeschlossen werden. Bei beiden Lernproblemen handelt es sich ja um Teilbereiche, die von einer Lernproblematik betroffen sind. Sobald Probleme in beiden Lernbereichen auftreten, ist nicht mehr nur ein Teil (Teilleistungsschwäche) von einem Problem betroffen.
Eine Rechenschwäche und eine Lese- Rechtschreibschwäche sind denkbar, denn das Kind weist dann im Unterricht generelle Schwächen auf.
Historie

- Legasthenie und Schule
Der Wandel des Begriffes von Legasthenie zur Lese- Rechtschreibschwäche (LRS) vollzog sich allmählich und liegt unter anderem auch darin begründet, dass zum einen die vielen unterschiedlichen Definitionsversuche zu Verwirrung führten. Allzuhäufig wurde besonders in den 70er und 80er Jahren schulisches Versagen mit Legasthenie begründet ohne dass eine rationale Begründung dafür vorlag.
An dieser Stelle soll ein kurzer historischer Abriss zur Klärung der Begrifflichkeiten dienen.
Erstmals beobachtete der Augenarzt Hinshelwood im Jahre 1895 Fälle der so genannten “kongenitalen Wortblindheit”. Die Kinder, die er untersuchte, waren nicht dazu in der Lage, Wörter oder einzelne Buchstaben zu erlesen. Obwohl man damals keine Anzeichen von Hirn- und / oder Organschäden fand, konnte man den Aufzeichnungen des Arztes entnehmen, dass jene Kinder aus Familien stammen, in denen eine Minderbegabung vorzufinden war. Man nahm demzufolge an, dass der “kongenitalen Wortblindheit” ein angeborener oder vererbter Hirndefekt zugrunde liegt.
Ranschburg war der erste Pädagoge, der im Jahre 1916 aus seiner Arbeit heraus den Begriff der Leseschwäche (Legasthenie) prägte. Er setzte begrifflich die Legasthenie mit der Leseschwäche gleich und wies auf eine Rückständigkeit höheren Grades in der geistigen Entwicklung eines Kindes hin. Diese Entwicklungsverzögerung zeigt sich im Alter zwischen 6 bis 8 Jahren, teilweise auch später durch die Unfähigkeit des Kindes sich eine ausreichende Lesegeläufigkeit anzueignen. Infolge der Definition Ranschburgs wurden Kinder mit einer Leseschwäche bis nach dem zweiten Weltkrieg an Hilfsschulen verwiesen.
Generell ist anzumerken, dass die Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg die Forschung im Bereich der Legasthenie weitestgehend ausgeschaltet hat. Während man beispielsweise in den USA in diesen Jahren eine genetische Disposition in Betracht zog, war dies aufgrund des damals vorherrschenden Gedankengutes nahezu völlig ausgeschlossen.
Maria Lindner griff im Jahre 1951 die Diskussion um die Legasthenie wieder auf und versuchte, Ranschburgs Definition zu widerlegen. Anders als ihre Vorgänger untersuchte sie die Intelligenz jener Kinder, die beim Lesen eine Schwäche aufwiesen. Sie war es, die die Legasthenie als Teilleistungsstörung neu definierte: Sie verstand unter der Legasthenie eine spezielle Schwäche im Erlernen des Lesens, indirekt auch des Schreibens bei relativ guter Intelligenz. Teilleistungsstörung oder eine spezielle Schwäche bedeutete für sie, dass alle anderen schulischen Bereichen keine auffallenden Probleme aufwiesen. Lindner gab zum ersten Mal auch den Hinweis darauf, dass die Schwäche nicht ausschließlich auf das Lesen begrenzt sein muss, sondern auch die Rechtschreibung davon betroffen sein kann. Anders als vorher wurden nun die Lebensumstände des Kindes genauer in Augenschein genommen. Durch die Integration der Intelligenz wurden durch die Definition Lindners alle so genannten “Lernbehinderten” als “Legastheniker” ausgeschlossen. Somit kam eine Legasthenie auch in Kombination mit einer Hochbegabung in Frage.
Auf der Basis von Lindner wurden viele Versuche unternommen, Hinweise auf die Ursachenklärung zur Entstehung einer Legasthenie zu bekommen. Dabei hatten verschiedene Forschungsrichtungen auch unterschiedliche Erklärungsansätze. Zum einen versuchte man Ursachen im prä-, peri- und postnatalen Bereich, also etwaige Probleme vor, während und nach der Geburt zu finden, zum anderen galten besonders Linkshänder als “gefährdet”, da sie von der Rechtsdominanz abweichen.
Andere Forschungsgruppen hingegen sahen die Rechtschreibleistung in großem Maße als milieuabhängig an, da sie in ihrer Versuchsreihe herausfanden, dass Kinder mit Rechtschreibproblemen häufig der Unterschicht zugehörten. Immer spielte in dieser Phase der Legastheniebewegung die Höhe der Intelligenz eine entscheidende Rolle. Man definierte einen Grenzbereich für “normale Intelligenz”, welcher im Bereich 85 - 115 lag.
Die Definition Lindners fand auch im schulischen Bereich Einzug in nahezu alle LRS - Erlasse, wodurch Ranschburgs Definition nahezu ersatzlos gestrichen wurde. Aus den Neuerungen heraus entstand allerdings ein wahrer “Legasthenie - Boom”, der seinerseits wiederum eine “Anti - Legasthenie - Bewegung” hervorrief. Vertreter dieser Bewegung warfen den Verantwortlichen vor, dass man Unzulänglichkeiten im schulischen Bereich durch eine krankheitsähnliche Lernstörung quasi vertuschen wolle. Man bezeichnete die Legasthenie als ein Konstrukt, welches einzig und alleine von schlechten schulischen Noten abzulenken versuche. Der Hauptgrund für diese Behauptung lag unter anderem darin begründet, dass man DIE Ursache als solches nicht finden konnte. Somit wurden immer wieder andere Kinder zu Legasthenikern - abhängig von der Art und Weise der Untersuchungen.
Legasthenie heute
Da sich die schulischen Probleme allerdings nicht wegdiskutieren ließen und bis heute auch nicht wegdiskutieren lassen, kam es zu einer Neuerung der Erlasse, die nunmehr den Schüler nicht mehr im Hinblick auf seine Intelligenz sondern auf seine schulischen Leistungen hin beurteilt. Man spricht in den Erlassen auch nicht mehr von einer Legasthenie im eigentlichen Sinne, sondern von einer Lese- Rechtschreibschwäche (LRS), von der nunmehr alle Kinder, unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Intelligenz oder etwaiger Erklärungsversuche aus dem Umfeld des Kindes, von dieser Lese - Rechtschreibschwäche betroffen sein können. Auf die “klassischen Legastheniker” mit einer Teilleistungsstörung im Bereich des Lesens und Rechtschreibens bei normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz entfällt in dieser Gruppe nur ein geringer prozentualer Anteil.
Während sich bei Kindern mit einer Teilleistungsstörung (Legasthenie) die Schwäche auf das Lesen und Rechtschreiben beschränkt, können Kindern mit einer LRS (Lese- Rechtschreibschwäche) auch Probleme in anderen schulischen Bereichen zugeschrieben werden. Sie gelten häufig als generell leistungsschwächer.
Ähnlich verhält es sich im Bereich der Mathematik. Während es dort Kinder gibt, die alleine im mathematischen Bereich Probleme in Form einer Teilleistungsschwäche oder Teilleistungsstörung aufweisen (Dyskalkulie), gibt es ebenso Kinder, die generell schwächere schulische Leistungen aufweisen. Dann spricht man von einer Rechenschwäche.
Die Geschichte der Legasthenie im Überblick
1895 | Hinshelwood | kongenitale Wortblindheit; vererbt (genetisch bedingt) oder angeboren. |
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1916 | Ranschburg | Begriff: Legasthenie; geistige Entwicklungsverzögerung (“Hilfsschüler”) |
1951 | Lindner | Legasthenie = Teilleistungsstörung bei normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz; Ausschluss generell schwächerer Schüler. |
50’ er bis | Legasthenieboom | führen zur Neuerung der Erlasse. Gefordert werden Erlasse, die allen Schülern mit Problemen im Lesen und Rechtschreiben Hilfe und gezielte Förderung zukommen lassen. Legasthenie wird zum Teilbereich der Lese- Rechtschreibschwäche (LRS). |
Heute | LRS - Legasthenie | LRS umfasst die Legasthenie. Legasthenie stellt auch heute noch die Teilleistungsschwäche bei normaler bis überdurchschnittlicher Intelligenz dar. Generell gilt:
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Ursachen der Legasthenie
Auf unserer Seite Ursachen der Legasthenie beschreiben wir umfassend alle möglichen Ursachen, die zur Entstehung der Probleme im Lesen- und Rechtschreiben beitragen können. Dabei wird unterschieden zwischen
1. Sozialen Faktoren:
- Ursachen im Bereich der Familie
- Ursachen im Bereich der Schule
2. Konstitutionellen Ursachen:
Darunter versteht man alle Ursachen, die auf genetischer, körperlicher oder seelischer Ebene für die Entstehung einer Legasthenie in Frage kommen können.
Klicken Sie hier um weitere Informationen zu den Ursachen zu erhalten: Ursachen Legasthenie
Symptome der Legasthenie
Symptome sind generell individueller Natur und müssen im Einzelfall betrachtet und beurteilt werden.
Wir unterscheiden zwischen:
- Den primären Erscheinungsformen der Lese- Rechtschreibschwäche / Legasthenie
- Den sekundären Erscheinungsformen der Lese- Rechtschreibschwäche / Legasthenie
Wenn Sie mehr über die symptomatischen Erscheinungen erfahren möchten, klicken Sie bitte hier: Symptome Legasthenie.
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Die Diagnosestellung bei Verdacht auf Legasthenie
Analog zu dem historischen Wandel des Legastheniebegriffes machen sich auch Unterschiede in der Diagnose bemerkbar. Es gibt auch heute noch unterschiedliche Diagnoseverfahren und Vorgehensweisen.
Auf unserer Diagnose - Seite gehen wir detailliert auf die einzelnen Verfahren ein. Klicken Sie hier, um weitere Informationen zu erhalten: Diagnose Legasthenie.
Wir gehen ein auf Testverfahren zur:
- Testung der visuellen Wahrnehmung
- Testung der Lesefähigkeit
- Testung der Rechtschreibfähigkeiten
- ...
Therapiemöglichkeiten bei Legasthenie
Die Therapie sollte stets individuell auf die Defizite des Kindes zugeschnitten werden und nach Möglichkeit ganzheitlich ansetzen. Mit ganzheitlich ist an dieser Stelle gemeint, dass Therapie / Therapeut, Eltern und Schule an einem Strang ziehen um durch Kooperation miteinander bestmögliche Ergebnisse erzielen zu wollen.
Eine ganzheitliche Förderung sollte darüber hinaus auch bezogen auf das Kind stattfinden und somit den sozial - emotionalen Bereich genauso ansprechen wie den psychomotorischen und den kognitiven Bereich.
Die pädagogische Arbeit sollte sich dabei am Lernstand, den Lernbedingungen und den Arbeitsmöglichkeiten eines jeden Kindes orientieren.
Lesen Sie hier mehr zur Thematik: Therapie der Legasthenie.
Weitere Legasthenie - Themen
- Diagnose Legasthenie -
Unter einer Legasthenie versteht man spezifische Schwächen, die sich ausschließlich beim Lesen und (Recht-) Schreiben zeigen, obwohl keine Beeinträchtigung in der geistigen Entwicklung festzustellen sind und somit eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz vorliegt. Eine Diagnose der Legasthenie ist in der Regel eine Folge aus Beobachtungen, die zeigen, dass im schriftsprachlichen Bereich Probleme auftreten, die nicht auf unzulänglichen Unterricht zurückzuführen sind und sich ausschließlich auf den Bereich des Lesens, Schreibens und Rechtschreibens beziehen. In der Regel wird darüber hinaus ein Intelligenztest durchgeführt.
- Früherkennung Legasthenie -
Die Möglichkeiten, Lese- Rechtschreibschwierigkeiten oder gar eine Legasthenie früh zu erkennen, sind gegeben, allerdings erfordert es eine Offenheit dazu und setzt Grundkenntnisse voraus, Wahrnehmungsschwächen erkennen und Fehler, bzw. Auffälligkeiten deuten zu können. Schon im Vorschulalter können sich Auffälligkeiten bemerkbar machen, die zu Problemen im Schriftspracherwerb führen können. Insbesondere die Wahrnehmung spielt für die Vorbereitung auf den Lese- und Schreiblernprozess eine besondere Bedeutung.
- Legasthenie - LRS -
Unter LRS fallen sämtliche Pobleme im Bereich des Lesens, Schreibens und Rechtschreibens, die im Rahmen des Lernprozesses aufgrund unterschiedlicher Ursachen auftreten können. Dabei müssen die Probleme nicht auf den schriftsprachlichen Bereich beschränkt sein. Die Legasthenie stellt einen Spezialfall der Lese- Rechtschreibschwäche dar. Sie umfasst Kinder, die Probleme im Lesen und Rechtschreiben besitzen, allerdings nur diejenigen Kinder, deren Probleme sich auf diesen Bereich des Lernens beschränken (Teilleistungsschwäche) und bei all ihren schriftsprachlichen Problemen über eine normale bzw. auch überdurchschnittliche Intelligenz verfügen.
- Symptome Legasthenie -
Die Symptome auffälliger Lese- Schreib- und Rechtschreibleistungen sind vielfältig. Generelle Fehler werden in der Regel analysiert und den jeweiligen Problemfeldern zugeordnet, die dann im Rahmen der Therapie wiederum spezifisch aufgegriffen und trainiert werden. Man unterscheidet zwischen den primären Erscheinungsformen der Legasthenie und den sekundären Erscheinungsformen der Legasthenie.
- Therapie Legasthenie -
Unter einer gezielten Therapie einer vorhandenen Legasthenie versteht man eine individuell passende Förderung, die auf der Förderdiagnostik basiert und im Interesse des Kindes ständig evaluiert wird. Eine Therapie kann auf unterschiedliche Arten und Weisen erfolgen. Es sind schulische, außerschulische und häusliche Therapieformen denkbar, die sich an den individuellen Fehlerbereiche ausrichten, darüber hinaus ist oftmals eine Therapie der Psyche des Kindes erforderlich, da häufige Misserfolgserlebnisse die Versagensängste weiter schüren können.
- Ursachen Legasthenie -
Die Ursachen, die zur Entstehung und Entwicklung einer Legasthenie beitragen sind vielfältig. Es gibt nicht DIE EINE Ursache, sondern eine Vielzahl ursächlicher Probleme, die zur Entstehung beitragen können. Inwiefern mögliche ursächliche Faktoren zutreffen und schließlich auslösenden, begleitenden oder verstärkenden Charakter haben, ist individuell zu bewerten. Unterschieden wird auf Ebene zweier Kategorien, den sozialen Faktoren und den konstitutionellen Ursachen.
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