Manie

Synonyme

Bipolare affektive Störung, manisch depressive Störung, Zyklothymie, Depression

Englisch: Mood Disorders, Dysthymie, rapid cycling

Definition

Bei der Manie handelt es sich, ähnlich wie bei der Depression um eine Erkrankung der Stimmungslage. Diese ist in der Regel sehr gehoben (“himmelhochjauchzend”) oder im selteneren Falle verärgert (dysphorisch). Man unterscheidet die hypomanische Episode, die psychotische Manie und die gemischten manisch-depressiven Episoden.

Epidemiologie

Die Manie als einzeln auftretende (unipolare) Stimmungserkrankung ist sehr, sehr selten. Viel häufiger tritt sie in Verbindung mit einer depressiven störung auf.

Bei ca. 20% der Patienten, die an einer wiederkehrenden (rezidivierenden) depressiven Störung leiden kommt es im Laufe der Erkrankung zu manischen oder hypomanischen Episoden. Diese Krankheit hat somit 2 “Pole” einen manischen und einen depressiven. Man nennt sie somit eine bipolar-affektive (“2-polige Störung der Stimmungslage“) Erkrankung. Diese Erkrankungen haben ihren Beginn früher als die unipolare Depression. Es kann hier schon im 18.Lebenjahr zur Ersterkrankung kommen. Ein 2. sog. Krankheitsgipfel liegt um das 30. Lebensjahr. Männer und Frauen erkranken gleichermaßen. Das Lebenzeitrisiko beträgt ca. 1,5%. Jeder 10. Betroffene entwickelt im Verlauf ein sog “rapid cycling”, also einen sehr schnellen Wechsel zwischen Manie und Depression. Bei etwa der Hälfte aller Patienten kommt es zum Auftreten von psychotischen Symptomen (s. Kapitel Schizophrenie).


Symptome

Typische Symptome einer Manie sind:

  • Größenideen und erhöhte Selbsteinschätzung
  • Vermehrter Rededrang
  • formale Denkstörungen
  • Irritierbarkeit
  • erhöhte körperliche Unruhe
  • deutlich reduziertes Schlafbedürfnis
  • erhöhte Libido und sexuelle Aktivität

Größenideen und erhöhte Selbsteinschätzung:

Manische Patienten halten sich im Rahmen der Erkrankung für deutlich qualifizierter und intelligenter als sie tatsächlich sind. Dies kann im Besonderen bei sonst schüchternen und gehemmten Patienten ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln.

Diese Selbstüberschätzung kann bis in den Größenwahn hinein gehen.

Beispiel: Größenwahn

Ein bis dato eher schüchterner Buchhalter tritt nach einem Urlaub auf der Arbeitsstelle selbstsicher und forsch auf. Er traut sich auf einmal Frauen anzusprechen und dem Chef die Meinung zu sagen. Freunden gegenüber gibt er an, daß er ein guter Freund von David Beckham sei und bei den Windsors ein und aus gehe.

Vermehrter Rededrang

Ein deutlich vermehrtes Redebedürfnis, ist ein sehr häufiges Symptom bei der Manie. (“Reden ohne Punkt und Komma”). Dieser Rededrang wird meist in einer unangebrachten Lautstärke und mit großem Enthusiasmus vorgetragen. Andere kommen nicht mehr zu Wort und fühlen sich häufig überfahren. Man nennt dieses Symptom auch Logorrhoe.

Formale Denkstörungen

Das formale Denken beschreibt nicht was wir denken, sondern vielmehr wie wir denken. Im Gegensatz zu normalen Gedankenverlauf, der in der Regel eher gerade, also linear verläuft, fallen dem manischen Patienten 1000 Dinge auf einmal ein. Die Gedanken drängen sich ihm auf (Gedankendrängen). Dies kann im schweren Stadium der Manie zu einem sehr großem Problem werden, da die Gedanken so schnell anstürmen und auch wieder verschwinden, daß der Kranke von der Außenwelt teilweise nicht mehr erreicht werden kann.

Irritierbarkeit:

Schon leichte Reize der Außenwelt oder aber auch plötzliche Ideen können den an Manie leidenden Patienten den “roten Faden” verlieren lassen. Er kommt von “Höckstken auf Stöckstken”.

Erhöhte körperliche Unruhe:

Der Kranke kann nicht mehr still sitzen, er findet keine Ruhe mehr. Er wird ständig getrieben. Dies führt im Weitern (in Kombination mit anderen Symptomen) zur Unfähigkeit einer geregelten und konzentrierten Arbeit nachzugehen

Deutlich reduziertes Schlafbedürfnis:

Häufig sieht man das verminderte Bedürfnis nach Schlaf als Vorboten der manischen Episode. Das Bedürfnis schrumpft im Verlauf auf ca. 3-4 Stunden pro Nacht zusammen. Diese kurzen Schlafphasen werden im Normalfall vom Kranken als außerordentlich erholsam erlebt.. Im Einzelfall kann das Schlafbedürfnis auch komplett erlöschen, so daß der Kranke viele Tage ohne Schlaf auskommt.

Erhöhte Libido und sexuelle Aktivität:

Ein Manie führt in der Regel dazu, daß beim Erkrankten ein deutlich erhöhter sexueller Trieb vorhanden ist. Dies kann viele Probleme mit sich bringen. Häufig kommt es zu vermehrten sexuellen Kontakten zu einer Vielzahl von Personen. Hierin liegt natürlich im Besonderen eine körperliche Bedrohung (HIV etc.), aber auch ein echte Bedrohung der sozialen Situation.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen und zur Therapie der Manie finden sehe auf unserer Seite:

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Qualitätssicherung durch: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 07.02.2017
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