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OP eines Abszesses

Einleitung

Abszesse können an unterschiedlichen Körperstellen, wie beispielsweise der Brust, der Haut oder den Zähnen, auftreten und Beschwerden verursachen. Gefürchtet sind Abszesse insbesondere wegen möglicher Komplikationen, allen voran einer Blutvergiftung. Abszesse sind Eiteransammlungen, die ihre eigene Kapsel besitzen. Der Eiter sammelt sich in einer Körperhöhle an, die durch Gewebeeinschmelzung entsteht und zuvor nicht da war. 

Zum Hauptartikel: Abszess - Ursache, Symptome, Therapie und PrognoseAußerdem könnte Sie interessieren: Abszess - Die unterschiedlichen Formen.

Um einen Abszess zu beseitigen, muss man ihn eröffnen und den Eiter entfernen. Damit er nicht wieder an derselben Stelle entsteht, sollte der Abszess mitsamt seiner Kapsel entfernt werden. Die Therapie der Wahl bei einem Abszess ist die chirurgische Eröffnung. Dafür existieren verschiedene Verfahren, die sich je nach Lage und Ausdehnung des Abszesses unterscheiden. Der folgende Artikel behandelt verschiedene Operationen eines Abszesses und beantwortet interessante Fragen rund um das Thema „OP eines Abszesses“.

Lesen Sie alternativ: Hausmittel gegen einen Abszess.

Ablauf der Operation bei einem Abszess

Welches Operationsverfahren bei einem Abszess in Frage kommt, ist stark von der Art und Lage eines Abszesses abhängig. Ein gängiges Verfahren ist die Abszessspaltung. Eine Abszessspaltung wird vor allem bei oberflächlich gelegenen Hautabszessen durchgeführt. Der Eingriff kann sowohl in regionaler Betäubung als auch in einer Allgemeinanästhesie (in Narkose) durchgeführt werden.
Die Region um den Abszess herum wird zunächst gesäubert und desinfiziert. Der Eingriff wird unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Mit einem Schnitt wird der Abszess eröffnet. Falls der Abszess etwas tiefer gelegen ist, wird das Gewebe über dem Abszess mit einer Klemme aufgespreizt. Man spricht in diesem Fall von einer stumpfen Präparation, da das Gewebe nicht mit einem Skalpell weiter aufgeschnitten wird.
Sobald der Abszess eröffnet ist, lässt der Chirurg den Eiter abfließen. Danach erfolgt eine Spülung der Abszesshöhle, sodass alle Reste des Eiters herausgespült werden. Eventuell wird auch abgestorbenes Gewebe entfernt. Die Wunde wird bewusst offengelassen und nicht zugenäht, damit das Gewebe von innen nach außen verheilt und sich nicht wieder ein Abszess unter der Naht bilden kann. Eventuell wird eine Art Lasche oder ein Plastikschlauch, auch Drainage genannt, eingelegt, damit die Wunde nicht sofort zuwächst und verbliebener Eiter und Wundsekret abfließen können.

Die Abszessspaltung ist in der Regel innerhalb weniger Minuten durchgeführt und kann oft auch ambulant durchgeführt werden. Dies ist nicht der Fall, wenn Abszesse tief im Körper, beispielsweise im Bauchraum, liegen. In diesem Fall ist keine einfache Abszessspaltung möglich. Eine größere Operation, in der der gesamte Abszess mitsamt seiner Kapsel entfernt werden muss, kann erforderlich sein. Das ist bei einem Darmabszess der Fall. Dabei handelt es sich um größere Eingriffe, die in Vollnarkose stattfinden und meist mit einer Eröffnung des Bauchraums einhergehen. Eine stationäre Nachbehandlung ist in diesem Fall notwendig.
Auch Analabszesse benötigen meist angepasste Operationsverfahren. Im Grunde wird auch hier der Abszess eröffnet und der Eiter entfernt; die Lage des Abszesses kann jedoch eine spezielle Schnittführung erforderlich machen. Analabszesse können sehr nah am Schließmuskel liegen, weshalb die Lage des Abszesses immer wieder mithilfe eines Ultraschallgerätes überprüft werden muss. So kann sichergestellt werden, dass der Schließmuskel nicht durch eine falsche Schnittführung verletzt wird.

Abszessdrainage

Bei einer Abszessdrainage handelt es sich um eine kleine Lasche oder einen kleinen Plastikschlauch, der in die Abszesshöhle eingebracht wird. Darüber kann der enthaltene Eiter abfließen. Abszessdrainagen können aus verschiedenen Gründen eingelegt werden. Häufig werden oberflächliche Abszesse zunächst einmal gespalten. Der Eiter wird, soweit es geht, entfernt und die Abszesshöhle wird gespült. Oft wird ein dünner Plastikschlauch in die Wunde eingelegt, über den verbliebener Eiter und Wundsekret abfließen können. Abszessdrainagen können auch bei tiefer gelegenen Abszessen eingebracht werden, wenn diese offen chirurgisch nur schwer zu erreichen sind. In diesem Fall wird die Drainage mittels einer Punktion eingebracht. Die Punktion erfolgt unter Sichtkontrolle mit einem Ultraschall- oder CT-Gerät. Während der Arzt den Abszess punktiert und die Drainage einlegt, kann er also mithilfe des Gerätes die richtige Lokalisation des Drainageschlauches kontrollieren.

Tamponade

Oft werden nach der Operation eines Abszesses Tamponaden in eröffnete Abszesshöhlen eingelegt. Bei Tamponaden handelt es sich meist um Kompressen oder Verbandsmaterial, die in die Abszesshöhle eingelegt werden und diese ausfüllen. Sie sind oft getränkt mit desinfizierenden und antibiotischen Zusätzen. Dies ist beispielsweise oft bei Abszessen in der Mundhöhle, aber auch bei anderen oberflächlichen Abszessen der Fall.  Tamponaden werden in der Regel täglich oder alle zwei Tage gewechselt. Bei oberflächlichen Hautabszessen, die ambulant versorgt werden, kann der Patient die Tamponade selbst wechseln. Stationär versorgte Abszesse werden von den zuständigen Stationsärzten weiterversorgt.

Die Nachbehandlung

Die Nachbehandlung eines Abszesses unterscheidet sich je nach Lage und Art des Abszesses. Oberflächliche Abszesse bedürfen einer speziellen Wundpflege, wohingegen innerlich gelegene Abszesse stationär weiterbehandelt werden. Die weitaus häufigeren oberflächlichen Abszesse können ambulant nachbehandelt werden. Der behandelnde Arzt erklärt dem Patienten genau, worauf er bei der Wundpflege achten soll. In der Regel wird die operierte Wundhöhle jeden Tag mehrmals mit einer Kochsalzlösung gespült. Wenn Kompressen auf der Wunde liegen, werden auch diese mehrmals gewechselt. Sie sind meist ebenfalls mit Kochsalzlösung oder einem desinfizierenden Zusatz getränkt. Die Hygiene ist besonders wichtig, da sonst Infektionen in der offenen Wunde entstehen können.
Sollte eine Drainage in der Wunde liegen, wird diese herausgezogen, sobald kein oder nur noch sehr wenig Wundsekret in ihr abfließt. Die Wunde heilt von innen nach außen von alleine ab und wird nicht vernäht. Bei tiefergelegenen Abszessen, beispielsweise bei Darmabszessen, erfolgt die Nachbehandlung stationär, da es sich um ausgedehnte operative Eingriffe handelt. Der Patient selbst muss in diesem Fall nicht viel tun, außer auf eine körperliche Schonung zu achten. Nach jeder Operation sollte kein Tabak und kein Alkohol konsumiert werden, da es sonst zu Wundheilungsstörungen kommen kann. Körperliche Belastungen und Sport sind anfangs ebenfalls zu unterlassen, bis die Wunden verheilt sind.

Auch können Abszesse wiederholt auftreten, daher wird empfohlen auch im Alltag Abszessen vorzubeugen. Wie Sie Abszessen vorbeugen können, erfahren Sie hier: Wie kann man einem Abszess am besten vorbeugen?

Verläuft der Eingriff ambulant oder stationär?

Ob die Operation eines Abszesses ambulant oder stationär durchgeführt wird, hängt von der Lage und der Art des Abszesses ab. Oberflächliche Abszesse können meist in einer ambulanten Operation eröffnet werden. Dazu gehören vor allem Hautabszesse.
Abszesse, die tief im Körper, beispielsweise der Bauchhöhle, liegen, müssen jedoch stationär operiert werden (siehe auch: Abszess am Bauch). Auch ausgedehnte Abszesse, beispielsweise im Analbereich, werden oft im stationären Rahmen operiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Abszess also stationär oder ambulant behandelt werden kann, ist individuell zu treffen. Auch Abszesse, die tief in Muskelschichten hineinragen oder gar den Knochen (lesen Sie hierzu auch: Knochenabszess) infiltrieren, werden stationär und nicht ambulant operiert.

Narbe nach Abszessspaltung

Viele Betroffene sorgen sich nach einer Abszessoperation über die Narbenbildung, die dieser Eingriff mit sich bringen kann. Narben können entstehen, ihre Größe und Ausprägung ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Sie hängt stark von dem Gewebe der jeweiligen Person und von der Art der Operation ab. Sehr große Schnitte, Hautareale, in denen die Haut unter starker Spannung steht, und Wundheilungsstörungen können zu einer ausgeprägten Narbenbildung führen. Oft sind die kosmetischen Ergebnisse nach einer Abszessoperation jedoch sehr zufriedenstellend und die Narben verschwindend klein. Für eine gute Wundheilung ist es sehr wichtig, dass man sich an die Hygieneempfehlungen hält und das Rauchen, sowie den Alkoholkonsum unterlässt. Weiterhin sind schwere körperliche Belastungen bis zum Abheilen der Wunde zu vermeiden, da auch diese die Wundheilung stören können.

Risiken bei der Operation eines Abszesses

Wie bei jeder anderen Operation bestehen auch bei einer Abszess-Operation gewisse Risiken. Es gibt sowohl allgemeine als auch spezielle Operationsrisiken. Zu den allgemeinen Risiken der Operation eines Abszesses gehören unter anderem Blutungen, Verletzungen des umliegenden Gewebes, Verletzungen von Nerven, Muskeln oder angrenzenden Organen und Infektionen. Diese Komplikationen treten jedoch selten auf, der Patient muss dennoch darüber aufgeklärt werden.

Nach einer Operation kann es zu einem Rezidiv, also einer erneuten Entstehung eines Abszesses an der operierten Stelle, kommen. Durch ein gründliches Vorgehen und eine gute Nachsorge versucht man, dieses Risiko, so gut es geht, zu minimieren. Eine schwere Komplikation einer Abszess-Operation ist die Entstehung einer Blutvergiftung. Diese Komplikation ist jedoch sehr selten. Wie nach jedem Eingriff kann es zu Wundheilungsstörungen und einer Narbenbildung kommen.

Dauer der Krankschreibung

Die Dauer einer Krankschreibung nach einer Abszess-Operation unterscheidet sich je nach Verlauf der Operation und Zustand des Patienten. Oberflächliche Abszesse, die ambulant operiert wurden, erfordern meist keine lange Krankschreibung. Die Arbeit kann häufig bereits am Folgetag wiederaufgenommen werden, sofern es sich nicht um eine schwere körperliche Arbeit oder eine Arbeit, die die Wundheilung auf sonstige Art und Weise beeinträchtigt, handelt. Auch der Verlauf der Operation spielt eine wichtige Rolle. Sollte die Operation Komplikationen mit sich gebracht haben, erfolgt selbstverständlich eine Krankschreibung bis zur gesundheitlichen Verbesserung des Betroffenen. Größere Abszesse und ausgedehnte Operationen können sogar eine Krankschreibung von mehreren Wochen erfordern. Das ist beispielsweise bei Darmabszessen der Fall. Diese werden stationär behandelt und brauchen in der Regel mindestens zwei bis drei Wochen, bis der Patient wieder entlassen werden kann. Die Dauer einer Krankschreibung lässt sich daher nicht pauschal angeben und ist sehr stark vom individuellen Verlauf, dem Gesundheitszustand und der Art der Arbeit abhängig.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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