Abszess

Synonyme im weiteren Sinne


Eiteransammlung

Englisch: abscess

Einleitung

Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in einer nicht vorgeformten Körperhöhle. Dieser entsteht durch entzündliche Einschmelzungen der Gewebshaut. Der Eiter besteht aus:

Die entzündliche Reaktion wird dabei durch verschiedene Bakterien hervorgerufen, die oftmals Teil der normalen Hautflora sind, und durch Verletzungen in die Haut eindringen und dort entzündliche Reaktionen hervorrufen können. Durch die Eiteransammlung übt der Abszess Druck auf das umgebende Gewebe aus, und kann so zu Schmerzen führen.

In der Größe variieren Abszesse zwischen kleinen, kaum sichtbaren, runden Knoten und flächenhaften Bereichen, die so groß wie eine Handfläche sein können. Wenn sich ein Abszess an einer Haarwurzel bildet, spricht man von einem Furunkel, wenn mehrere Furunkel miteinander verschmelzen, so wird dies als Karbunkel bezeichnet.

Prinzipiell können Abszesse überall entstehen:

Am häufigsten kommen sie allerdings in bzw. unter der Haut vor, da diese in der Regel als erste mit potenziellen Krankheitserregern konfrontiert wird. Im Unterschied dazu handelt es sich bei einem Empyem um eine Eiteransammlung in einer bereits präformierten Körperhöhle. (z.B. Nasennebenhöhlen)


Symptome

Der oberflächliche Abszess zeigt typische Hautreaktionen, wie bei einer Entzündungsreaktion üblich, mit Rötung, Schwellung und Überwärmung der Haut über dem Abszess. In einigen Fällen ist auch die Eiteransammlung als weißer Punkt / weiße Fläche erkennbar. Oftmals bestehen außerdem Schmerzen, die sich vor allem auf Druck (bei Analabszessen beim Sitzen oder beim Stuhlgang) verstärken. Je nach Größe des Abszesses kann dieser fast genauso aussehen wie ein Pickel.

Tiefere Abszesse können zunächst völlig symptomlos verlaufen, bis sie sich eröffnen und es zur Ausbreitung der Erreger im Körper kommt. Dann treten typische klinische Symptome mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl auf, wonach man spätestens zu diesem Zeitpunkt einen Arzt aufsuchen sollte.

Breiten sich die Erreger in der Blutbahn aus, besteht die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis), die mit sehr schwerem allgemeinem Krankheitsgefühl und hohem Fieber einhergeht. Die Sepsis kann unbehandelt zum Multiorganversagen führen und damit tödlich verlaufen und ist deswegen eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung die möglichst schnell antibiotisch therapiert werden muss. Aufgrund dessen sollte ein Abszess immer frühzeitig behandelt werden.

Deutliche Zeichen für eine dringende Behandlung sind:

  • Fieber
  • Größenzunahme des Abszesses
  • deutliche Rötung und
  • Schmerzen im Abszessbereich

Jucken

Durch die entzündliche Reaktion an der Haut kann es zu Rötungen und Juckreiz auf der Haut kommen. Generell ist Juckreiz aber kein Leitsymptom des Abszesses, sondern eher selten. Häufiger werden Schmerzen, Schwellung, Druckempfindlichkeit und Eiter beschrieben, sowie systemische Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Kopf- und Gliederschmerzen.

Ursache

Die Mehrzahl der Abszesse entsteht ohne offensichtliche Ursache. In der Regel sind Bakterien die auslösenden Faktoren eines Abszess. Als Reaktion darauf aktiviert der Körper das Abwehrsystem und die weißen Blutkörperchen bekämpfen die Krankheitserreger wodurch der Eiter entsteht. Schließlich bildet der Körper noch eine Kapsel um die Eiteransammlung herum, um zu verhindern, dass sich der Abszess noch weiter im Körper ausbreiten kann.

Oftmals können Gattungen des Staphylokokkus aureus aus dem Abszess isoliert werden. Aber auch Streptokokken, die zur normalen Hautflora gehören, Tuberkulosebakterien oder auch Pilze können Entzündungsreaktionen und somit Abszesse hervorrufen.

Die Erreger können durch kleinste Verletzungen in die Haut eindringen und zur Bildung eines Abszesses führen. Aber auch

  • Operationen
  • Fremdkörper oder
  • Spritzen

können durch Eindringen von Erregern in die Haut zur Abszessbildung beitragen. Seltener entstehen Abszesse im Rahmen von chronisch entzündlichen Erkrankungen wie dem Morbus Crohn.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die die Entstehung eines Abszesses begünstigen. Dazu gehören unter anderem:

  • bereits vorgeschädigte Haut (z.B. bei Neurodermitis oder Schuppenflechte)
  • eine geschwächte, körpereigene Abwehr
  • Stoffwechselerkrankungen wie der Diabetes mellitus
  • schlechte Versorgung von Wunden
  • mangelhafte Körperhygiene
  • eng sitzende, scheuernde Kleidung
  • eine Entzündung der Drüsen im Analkanal (den Proktealdrüsen)

Als Schutzmechanismus baut der Körper einen Schutzwall um den Abszess, um eine Ausbreitung der Erreger einzudämmen. Dieser Schutzwall besteht aus Granulationsgewebe, das zahlreiche Abwehrzellen enthält und wird als Abszessmembran bezeichnet.

Der Eiter innerhalb der Abszesshöhle besteht im wesentlichen aus abgestorbenen Zellen, Bakterien und Abwehrzellen (neutrophile Granulozyten). Neben diesen gewöhnlichen Abszessen gibt es noch die „kalten Abszesse“. Aus diesen können keine Erreger isoliert werden. Gründe für diese Abszessbildung sind noch nicht ausreichend erklärt.

Diagnostik

Da ein Abszess oftmals Schmerzen hervorruft, führt er den Betroffenen in der Regel schnell zum Arzt. Dieser kann einen Abszess leicht erkennen und von ähnlichen Hauterscheinungen abgrenzen. Als erster und wahrscheinlich wichtigster Hinweis zur Diagnose von einem Abszess an der Haut dienen die oben beschriebenen klinischen Symptome. Da ein Abszess immer von einer deutlichen Rötung begleitet wird, unterscheidet er sich dadurch von Pickeln oder Furunkeln.

Eine weitere wichtige Differenzierung zum Furunkel ist, dass diese immer an Haarwurzeln auftreten und somit durch einen Mediziner leicht unterschieden werden können. Außerdem wird ein Abszess oft von Schmerzen und eventuell auch von Fieber begleitet.

Ein weiterer essentieller Bestandteil der Abszess-Diagnostik ist eine Blutuntersuchung. Im Labor kann man eine Erhöhung von Entzündungswerten (dem C-reaktiven Protein = CRP und weißen Blutkörperchen = Leukozyten) feststellen. Außerdem bietet es sich in einigen Fällen an, einen Abstrich aus der betroffenen Hautstelle zu entnehmen, um den vorliegenden Erreger zu finden, damit man im Anschluss gegebenenfalls eine zielgerichtete Therapie einleiten kann.

Auch in den Bildgebenden Verfahren:

lässt sich die Abszesshöhle darstellen. Nicht zuletzt wird durch Punktion des Abszesse die Eiteransammlung sichtbar, die im mikrobiologischen Labor typische Erreger zeigt.

Abszesse nach Ort des Aufretens

Abszesse können prinzipiell überall auftreten, kommen aber in der Regel am häufigsten unter bzw. in der Haut vor, da diese oft mit Krankheitserregern konfrontiert wird.

Abszess in der Achsel/ Achselhöhle

Auch in der Achselhöhle können sich Abszesse bilden. Bei dem Krankheitsbild, medizinisch meist Axillarabszess genannt, handelt es sich um eine meist schmerzhafte Entzündung im Bereich der Achselhöhle. Es kommen unterschiedliche Ursachen für die Entstehung eines Abszesses an dieser Stelle in Betracht.

In vielen Fällen geht dem Abszess eine Entzündung der Schweißdrüsen voraus. Aber auch eine Infektion der Lymphknoten kann zu einem solchen Abszess führen. Bemerkbar macht sich ein Abszess in der Achsel meist durch eine tast- und sichtbare Schwellung unter der Haut. Bei großen Abszessen können motorische Einschränkung des Armes an der betroffenen Seite entstehen.

Besonders das Heben des Armes kann teilweise nur unter Schmerzen durchgeführt werden. Therapiert werden kann ein Abszess in der Achsel, je nach individuellem Krankheitsverlauf, konservativ mit antibiotischen Medikamenten und Zugsalben oder operativ durch eine Ausräumung des sich unter der Haut befindenden Eiters.

Generell ist die Prognose bei einem Abszess in der Achselregion sehr gut, vorausgesetzt es wird rasch eine Diagnose und daraufhin eine individuell passende Therapie eingeleitet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Abszess in der Achsel

Abszess auf der Brust

Bei einem Brustabszess handelt es sich um eine schmerzhafte Komplikation einer Brustentzündung (Mastitis). Wie auch bei der Entzündung der Brust handelt es sich bei dem verursachenden Erreger meist um Staphylokokkus aureus, welcher in der Regel beim Stillen vom Kind auf die Mutter übertragen wird.

Neben den typischen Entzündungszeichen, die im Rahmen eines Brustabszesses auftreten, wie Schwäche, Rötungen, Fieber und Schmerzen tritt bei einem Abszess auch eine fühlbare Schwellung im Bereich der Brust auf. Es kann außerdem dazu kommen, dass das Heben des Armes auf der betroffenen Seite nur noch unter Schmerzen durchführbar ist.

Bei einem Verdacht auf einen vorliegenden Brustabszess sollte zur schnellen Abklärung ein/e Facharzt/ärztin für Gynäkologie aufgesucht werden. Neben einer konservativen Therapie, bei welcher antibiotische Medikamente zum Einsatz kommen, kann ein Brustabszess auch operativ behandelt werden. Insgesamt haben Abszesse der Brust eine gute Prognose. Vor allem dann, wenn zeitnah eine adäquate Therapie erfolgt ist von einer raschen, vollständigen Heilung auszugehen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Brustabszess

Abszess in der Leiste

Ein Abszess in der Leistengegend kann aus unterschiedlichen Gründen auftreten. So kann ein Abszess aufgrund einer Entzündung der Haarwurzel oder einer Abflussstörung einer Talgdrüse auftreten. Es kann außerdem ein sogenannter Senkungsabszess auftreten. Bei einem solchen Abszess handelt es sich um einen Abszess, welcher primär im Bereich der Wirbelsäule entstand und erst sekundär entlang eines Muskels in die Becken oder Leistengegend wanderte.

Bei einem Abszess in der Leistengegend kann es zu Bewegungseinschränkungen in der Hüfte kommen sowie zu Schmerzen in der betroffenen Gegend. Es kann außerdem zu sichtbaren Schwellungen, Rötungen sowie einer Überwärmung der Region kommen. Die individuelle Therapie richtet sich nach der Ursache und der Größe des Abszesses.

Ein Abszess in der Leiste sollte in jedem Fall durch einen Arzt abgeklärt werden. Medikamentös kann eine gezielte antibiotische Therapie gegen den verursachenden Erreger durchgeführt werden. Auch eine chirurgische Entfernung des Abszesses ist möglich und in vielen Fällen nötig. Bei der Entfernung des Senkungsabszesses muss auch an die Entfernung des primären Abszesses gedacht werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Abszess in der Leiste

Abszess an den Mandeln

Bei Abszessen, welche im Rachen im Bereich der Mandeln auftreten handelt es sich in der Regel um sogenannte Peritonsillarabszesse. Diese können im Rahmen einer Mandelentzündung (Tonsillitis) als Komplikation entstehen. Wie auch bei der Mandelentzündung selbst sind meist Streptokokken als Erreger ursächlich für die Entstehung des Abszesses. In seltenen Fällen kann ein solcher Abszess auch in Folge einer Mandelentfernung entstehen. Besonders dann, wenn die Mandeln nicht vollständig entfernt wurden, bildet sich leicht ein Abszess aus.

Neben Symptomen die durch die bakterielle Infektion erklärt werden können, wie ein geschwächter Allgemeinzustand und Fieber kann bei einem Abszess im Bereich der Mandeln auch Schluckbeschwerden sowie eine sichtbare Rötung im Rachenbereich auftreten. Je nach Größe des Abszesses kann auch das Sprechen für die betroffenen Personen schwierig sein.

Wenn der behandelnde Arzt einen solchen Abszess diagnostiziert hat sollte unverzüglich eine Therapie eingeleitet werden. Meist wird mit einer einer gezielten antibiotischen Therapie begonnen. Außerdem wird der Abszess eröffnet um den dort befindlichen Eiter abzulassen. Um wiederholte Abszesse zu verhindern sollte die Durchführung einer Mandelentfernung in Erwägung gezogen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Abszess an den Mandeln

Abszess am Zahn

Ein Abszess kann auch im Mundbereich wie etwa an den Zähnen auftreten. Im genaueren tritt der Abszess im Bereich der Zahnwurzel auf. Der Abszess wird in der Regel durch Bakterien verursacht. So liegt in den meisten Fällen neben dem Abszess ein fortgeschrittener Kariesbefund oder andere bakterielle Entzündungen des Zahns oder des Zahnfleisches vor.

Bemerkbar macht sich ein Zahnabszess durch starke Zahnschmerzen.Es kann außerdem dazu kommen, dass sich der betroffene Zahn lockert. Gleichzeitig kann es zu Schwellungen kommen, die auch von außen sichtbar sind.

Da es sich um eine bakterielle Infektion handelt kann auch Fieber auftreten. Die Therapie des Abszesses richtet sich nach dem Fortschreitungsgrad der Erkrankung. Die primäre Therapie wird mit Antibiotika durchgeführt. In vielen Fällen kann schon eine gezielte antibiotische Therapie zu einer Heilung des Zahns führen.

Um einen zweiten Abszess zu verhindern kann es nötig sein eine Wurzelbehandlung durchzuführen und damit den Zahn wieder herzustellen. Bei einem fortgeschrittenen Abszess mit Zerstörung des Zahns und in schweren Fällen sogar des angrenzenden Knochens kann eine vollständige Entfernung des Zahns notwendig sein.

Lesen Sie mehr zu unserem Thema in der Zahnmedizin unter: Abszess am Zahn

Abszess am Bein

Auch am Bein können sich Abszesse bilden.
Hiervon sind mehr Männer als Frauen betroffen, da eine starke Beinbehaarung in Verbindung mit mechanischer Belastung (Reiben der Hose) die Entstehung eines Abszesses begünstigt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Abszess am Bein

Abszess im Gesicht

Abszesse im Gesicht können zum Beispiel bei Männern durch Verletzungen beim Rasieren entstehen. Oft sind Bakterien verantwortlich, die zur normalen Hautbesiedelung im Gesichtsbereich gehören. Dazu gehören neben den sogenannten Streptokokken auch vor allem eine bestimmte Untergruppe der Staphylokokken, der sogenannte Staphylokokkus aureus. Kleine Verletzungen oder Aufschürfungen der Haut im Gesicht stellen eine mögliche Eintrittspforte für die krankheitsauslösenden Erreger dar. Diese kleinen Hautirritationen können vor allem im Gesicht sehr schnell entstehen. Aber auch durch vorausgegangene Entzündungen wie etwa einer Gehörgangsentzündung kann es zu einem Abszess, in diesem Fall zu einer Abszessbildung im Ohr, kommen.

Lesen sie mehr zum Thema: Abszess im Gesicht

Ist ein Abszess ansteckend?

Der Abszess selbst ist nicht ansteckend. Es handelt sich um einen Eiterpickel mit lokaler Entzündungsreaktion und wird durch Bakterien verursacht. Daher ist der Eiter, der aus dem Abszess austreten kann, wenn er eröffnet ist, hochansteckend. Unbehandelt kann der Eiter aus dem Abszess in die Blutbahn gelangen und so zu einer Blutvergiftung führen. Solange man den Abszess aber behandelt und niemand Kontakt zum Abszess und dem Eiter hat, ist er nicht ansteckend.

Therapie

Man sollte es unbedingt vermeiden, selbst an Abszessen herumzudrücken um den Eiter loszuwerden, da so ein hohes Risiko der Keimverschleppung entsteht.

Prinzipiell sollte jeder Abszess entlastet werden. Das bedeutet, dass im Rahmen einer mehr oder weniger großen Operation der Abszess eröffnet wird und so der Eiter abließen kann. Der genaue Vorgang der Operation und auch die Art der Narkose (Vollnarkose oder lokale Betäubung) sind abhängig von:

  • Größe und Lokalisation des Abszesses
  • welchem Erreger er hervorgerufen wurde
  • Vorerkrankungen des Patienten

Im Allgemeinen läuft die Behandlung folgendermaßen ab: Zunächst durchtrennt der Arzt mit Hilfe eines Skalpells die Haut und das Gewebe, bis der Abszess geöffnet ist und der Eiter abfließen kann (Inzision). In der Regel wird die Abszesshöhle als erstes gespült, bevor anschließend eine Drainage eingelegt wird ohne anderes umliegendes Gewebe durch eine Infektion zu gefährden. Wenn der Eiter vollständig entleert ist, so muss in einem nächsten Schritt das entzündete Gewebe entfernt und die entstandene Wunde gesäubert werden.

Normalerweise erfolgen diese beiden Schritte im Rahmen eines Eingriffs, bei besonders großen Abszessen kann allerdings gelegentlich auch ein zweizeitiges Vorgehen (erneuter Eingriff) notwendig werden. Im Anschluss an die Drainage wird die Wunde nicht zugenäht. Man möchte damit verhindern, dass gegebenenfalls nicht vollständig entfernte Erreger oder auch Flüssigkeit sich erneut einkapseln und dadurch wieder ein Abszess entsteht. Damit diese sogenannte sekundäre Wundheilung regelrecht stattfinden kann, ist es jedoch von ausgesprochener Wichtigkeit, dass die Wunde in regelmäßigen Abständen gesäubert und die Verbände regelmäßig gewechselt werden.

Bei Abszessen, die von außen nicht sichtbar und mit einem einfachen Skalpell unzugänglich sind (zum Beispiel bei Abszessen in der Bauchhöhle), muss die Drainage entweder mit sonographischer oder CT-Kontrolle durchgeführt werden, damit sichergestellt werden kann, dass die zur Entlastung eingeführte Nadel auch tatsächlich in den Abszess trifft. Nicht selten, vor allem bei fortgeschrittenem Schweregrad eines Abszesses (besonders bei einer Sepsis), werden zusätzlich zur Abszessdrainage Antibiotika verabreicht. Welches Mittel hier zum Einsatz kommt, ist abhängig von:

  • Art des Abszesses
  • Art des Erregers
  • evtl. All ergie gg. ein bestimmtes Präparat

Gelegentlich ist ein Abszess noch „unreif“, was bedeutet, dass der schmerzende, neu entstehende Hohlraum sich noch nicht vollständig mit Eiter gefüllt hat. Um die Reifung des Abszesses zu beschleunigen, können Salben angewendet werden, die die Durchblutung und dadurch auch die Effektivität von Abwehrzellen erhöhen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Abszess Behandlung

Abszess aufstechen

Die beste Behandlungsmethode für einen Abszess ist die operative Eröffnung, das „Aufstechen“. Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die sich vom restlichen Gewebe abgekapselt hat und meistens durch Bakterien wie Staphylokokken verursacht wird. Durch die Kapsel wird das Innere eines Abszesses nur schlecht von Antibiotika erreicht, aus diesem Grund sollte ein Abszess eröffnet und der Eiter abgelassen werden.
Abszesse können sich überall im Körper bilden, sehr große und schlecht zugängliche Abszesse können einer Operation unter Vollnarkose bedürfen. Oberflächliche, leicht zugängliche Abszesse beispielsweise der Haut können auch in Lokalanästhesie aufgestochen werden.
Beim Aufstechen eines Abszesses wird zuerst die Kapsel eröffnet und anschließend der enthaltene Eiter abgelassen. Die Abszesshöhle muss anschließend mit desinfizierender Spülflüssigkeit gespült werden, um auch letzte Eiterreste zu entfernen. Die leere Kapselhöhle wird bei oberflächlichen Abszessen mit antibakteriellem Material tamponiert, die offene Wunde wird nicht verschlossen. Dieses Verfahren der offenen Wundbehandlung ist notwendig, um eine erneute Verkapselung infizierten Gewebes zu vermeiden.

Die Tamponade wird zu Beginn täglich entfernt, die leere Kapselhöhle erneut gespült und eine neue Tamponade eingelegt. Die offene Wundbehandlung wird so lange fortgesetzt, bis eine erneute Füllung der Abszesshöhle nicht mehr zu erwarten ist.
Bei tief gelegenen Abszessen, beispielsweise in der Bauchhöhle, kann natürlich keine offene Wundbehandlung durchgeführt werden. Ein solcher Abszess wird in Vollnarkose eröffnet und der Eiter abgesaugt. Nach der Spülung wird eine Drainage eingelegt, die durch einen leichten Sog anfallende Wundflüssigkeit und Eiter vom Körperinneren nach außen in eine Drainageflasche leitet und so die leere Abszesskapsel sauber hält.
Bei großen Abszessen muss trotz der operativen Therapie häufig eine begleitende antibiotische Behandlung durchgeführt werden, bei kleineren Abszessen ist ein Aufstechen und eine im Anschluss ordnungsgemäß durchgeführte Wundbehandlung im Allgemeinen ausreichend und eine Gabe von Antibiotika unnötig.
Ein Abszess sollte von Betroffenen nicht selbst aufgestochen oder aufgedrückt werden. Hier besteht die Gefahr, dass sich die im Eiter angesiedelten Bakterien auf bisher noch nicht befallenes Gewebe ausbreiten oder dass die Abszesskapsel nicht vollständig entleert wird, weil eine desinfizierende Spülung durch die betroffene Person nicht richtig durchgeführt werden kann. Eine Keimverschleppung könnte weitere Abszesse verursachen oder zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Sollte sich ein Abszess von selbst öffnen, sollten sich Betroffene auch an einen Arzt wenden, um durch ihn eine Spülung und Wundtamponade durchführen zu lassen. Sauberes und hygienisches Arbeiten ist in der Abszessbehandlung sehr wichtig.

Salben gegen ein Abszess

Zur Abszessbehandlung stehen viele Salben zur Verfügung, die freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich sind, aber auch verschiedene rezeptpflichtige Präparate, diese enthalten Ammoniumbituminosulfat, ein Inhaltsstoff von Ölschiefer. Diese Salben wirken durch eine Steigerung der Durchblutung im betroffenen Gebiet, wodurch Erreger besser abtransportiert werden können. Ein besserer Abtransport von Bakterien wird auch durch die resorptionsfördernden Eigenschaften dieser sogenannten Zugsalben vermittelt. Außerdem hemmen die Salben zur Abszessbehandlung die Entstehung und Ausbreitung von Entzündungen sowie die Schmerzentstehung. Zug- oder Ziehsalben sind im Anfangsstadium eines Abszesses empfehlenswert, da sie eine Ausbreitung von Erregern bei kleinen Eiteransammlungen verhindern können.
Große Abszesse, die mit einer starken Rötung, Schmerzen und eventuell sogar Fieber einhergehen, sollten aber nicht allein durch eine Ziehsalbe behandelt werden, da die Salbe nicht in der Lage ist, größere Kapseln zu durchdringen. Allerdings kann eine Zugsalbe gut zur unterstützenden Behandlung eines Abszesses dienen, da sie die Haut über dem Abszess aufweicht und die Abszesskapsel verkleinert. Die Zugsalbe sollte einmal täglich dick auf den Abszess aufgetragen werden, bis der Abszess prall gefüllt ist und dann vom Arzt aufgestochen werden kann. Die Salbe unterstützt die „Reifung“ des Abszesses, ein Prozess, bei dem das Gewebe einschmilzt, der Abszess sich zusammenzieht und die Eiteransammlung sich vollständig abkapselt.
Zugsalbe kann bei kleinen Abszessen, Furunkeln (Haarbalgsentzündung) und Karbunkeln (mehrere Furunkel), Akne und eitrigen Nagelbettentzündungen angewendet werden und den Heilungsprozess beschleunigen. Sollte sich unter der Therapie mit Zugsalbe der Abszess trotzdem vergrößern, ist eine baldige Spaltung des Abszesses durch den Arzt die einzige bleibende Behandlungsmethode.

Lesen Sie mehr zum Thema: Abszess Salbe

Zinksalbe

Die Zinksalbe wird schon seit langer Zeit zur Behandlung von Wunden eingesetzt, da sie entzündungshemmend, desinfizierend und wundheilungsfördernd wirkt. Besonders an den Rändern von Wunden oder bei juckenden und nässenden Stellen wird sie verwendet. Auf offenen Wunden wird sie eher nicht eingesetzt, da sie die Wunden austrocknet. Sie ist empfohlen für die Behandlung von Hautausschlägen, Flechten, Akne und Verbrennungen. Da der Abszess im Akutfall eine offene eiternde Wunde darstellt, sollte man ihn in diesem Zustand nicht mit Zinksalbe therapieren, sondern besser einen Arzt aufsuchen. Solange der Abszess geschlossen ist, kann Zinksalbe verwendet werden.

Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: Hausmittel gegen einen Abszess

Prognose

Abszesse heilen in der Regel sehr gut wieder aus, wenn die richtige Behandlung durchgeführt wird. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die Zeit bis zur vollständigen Heilung mitunter mehrere Wochen dauern kann und Disziplin erfordert, da die Wunde unbedingt regelmäßig gesäubert und der Verband erneuert werden müssen. Es ist wichtig in dieser Zeit geduldig zu bleiben und die Wunde nicht zu sehr zu strapazieren, da so wiederum Keime hinein gelangen können.

Wenn der Abszess nicht regelrecht behandelt wurde oder wenn er nicht vollständig entfernt werden konnte, so besteht das Risiko, dass sich an der gleichen Stelle nach einiger Zeit erneut ein Abszess bildet. Die genaue Prognose eines Abszess hängt neben der korrekten Behandlung allerdings natürlich auch maßgeblich von seiner Größe und Lokalisation ab.

Wenn ein Abszess trotz angemessener Therapie nicht regelrecht abheilt oder aber immer wiederkommt, so ist dies unter Umständen ein Hinweis auf eine Abwehrschwäche oder einen Diabetes mellitus und sollte von einem Arzt abgeklärt werden. So ist die gründliche Ausräumung und erregerspezifische Antibiotikatherapie sehr wichtig, um den Abszess ausreichend behandeln zu können. Dennoch können einige Abszessformen gefährliche Komplikationen mit sich bringen. Umso wichtiger ist die spezifische Behandlung des Abszesses.

Dauer bis zur Heilung

Die Dauer der Heilung hängt von der Größe, Lage und Behandlung des Abszesses ab. Je größer der Abszess, desto länger dauert es bis er wieder zugewachsen ist, wenn er operativ entfernt werden musste. Ein kleiner Abszess kann nur durch Auftragen einer Zugsalbe innerhalb von Tagen bis Wochen ausgetrocknet werden. Ein großer Abszess muss meist operiert werden, dabei wird der Abszess eröffnet und dass entzündete Gewebe entfernt. Dieses muss anschließend wieder zusammenwachsen. Auch das dauert einige Wochen.

Je nach Lage des Abszesses ist es auch schwerer ihn zu behandeln, weshalb es auch länger dauert, ihn zu heilen. Einen Abszess im Gesicht zu entfernen ist beispielsweise schwieriger als am Gesäß. Zuletzt ist es davon anhängig, wie und ob man den Abszess behandeln lässt. Ohne Behandlung besteht die Gefahr, dass sich der Abszess ausbreitet, es zu einer Blutvergiftung kommt oder der Abszess immer wieder kommt. Dies verlängert die Heilungsdauer natürlich erheblich.

Wenn der Abszess günstig liegt, nicht zu groß ist und operativ komplett entfernt werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er ohne Komplikationen abheilt. Dies kann dann mehrere Wochen dauern. Bei der Versorgung der Wunde ist es wichtig, die Stelle täglich gut zu spülen und den Verband täglich zu wechseln, um zu verhindern, dass sich erneut ein Abszess bildet. Kann der Abszess aufgrund seiner Größe und Lage nicht komplett entfernt werden, wird für 6-8 Wochen eine Drainage eingelegt. Der Abszess kann trotzdem komplikationslos abheilen, jedoch verlängert sich die Krankheitsdauer auf Wochen bis Monate. Generell ist ein Abszess eine langwierige Erkrankung, bei der man gute Hygiene betreiben muss, um sie nicht wieder zu bekommen.

Prophylaxe

Im Allgemeinen hilft es allerdings, auf eine gründliche Körperhygiene zu achten und luftdurchlässige nicht zu eng anliegende Kleidung zu tragen. Zur Vorbeugung eines Analabszesses ist außerdem eine ausgewogene Ernährung wichtig, da zu fester Stuhlgang zu einer Entzündungsreaktion der Proktealdrüsen beitragen kann.

Es ist schwer sich vor Abszessen zu schützen, da man die Entstehung oft nicht beeinflussen kann. Spritzenabszesse lassen sich durch ordnungsgemäße Desinfektion vor der Intervention vermeiden. Auch weitergeleitete Abszesse lassen sich durch sorgfältige und spezifische Therapie der Grunderkrankung vermeiden. Hierbei ist es besonders wichtig, dass die Infektionen der Pneumatisationsräume im Kopf gut und ausreichend behandelt werden, da Hirnabszesse schwerwiegende Folgen mit sich bringen können und in einigen Fällen letal, also tödlich, enden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hirnabszess

Abszess mit Fisteln

Ein Abszess entsteht durch die Entzündung der Duftdrüsen (Proktodealdrüsen), die sich zwischen den inneren und äußeren Schließmuskeln im Bereich des Analkanals befinden. Ihre Drüsengänge münden in den Analkanal. Durch die Entzündung schwillt das Gewebe an und das Sekret kann nicht mehr durch die Ausführungsgänge abfließen. Dadurch bildet sich eine Eiteransammlung und es entsteht ein eitergefüllter Pickel im Bereich des Anus.

Bei der Fistel bleibt ein Fistelgang durch die Muskulatur durch zum Analkanal bestehen und der Eiter wird in den Analkanal ausgeschüttet. Erst wenn der Fistelgang verstopft ist, kommt es zu den gleichen Symptomen wie bei einem Abszess. Dies kann rezidivierend sein. Das heißt, die Fistel ist normalerweise nicht sichtbar, kann aber immer wieder durch eine Verstopfung des Fistelganges zu akuten aufplatzenden Eiterbeulen mit Schmerzen führen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Fistel am After

Zusammenfassung

Vor einere Abszessbildung ist niemand sicher. Es handelt sich beim Abszess um eine Infektion, die bei den meisten Menschen einmal im Leben vorkommt und in der Regel einfach und folgenlos therapiert werden kann. Da ein Abszess jedoch zu Blutvergiftungen oder Ausbreitung in andere Organe führen kann, sollte er immer sorgfältig und möglichst frühzeitig therapiert werden. Dadurch lassen sich Komplikationen und operative Eingriffe vermeiden. Außerdem sollte durch ausreichende Hygienische Maßnahmen und Desinfektion die Bildung vermeidbarer Abszesse verhindert werden.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.08.2017
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