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Empyem

Synonyme

Eiteransammlung, Eiterhöhle

Definition

Sammelt sich im Laufe einer Entzündung Eiter in einer vorgefertigten Körperhöhle an, so nennt der Fachmann diese Ansammlung Empyem.

Allgemeines

Im Rahmen einer Entzündungsreaktion, vor allem bei bakteriellen Infekten, entsteht oft Eiter.
Eiter ist üblicherweise gelb und zähflüssig, generell aber in seiner Beschaffenheit sowie Zusammensetzung recht variabel.
Bildlich geprochen ist Eiter das, was von einer Immunabwehrschlacht übrig bleibt: tote Erreger (zumeist Bakterien), tote Verteidiger (Leukozyten) sowie kollateralschadensmäßig entstandener geweblicher Abfall. Dieser entsteht zum Beispiel durch Erregergifte oder aber körpereigene Stoffe (etwa sogenannte Proteasen, die Eiweiße zerschneiden), die das umliegende Körpergewebe schädigen.

Findet der Entzündungsprozess sehr nahe oder sogar in einer bereits zuvor existierenden Körperhöhle statt, so ist es naheliegend, dass sich entstehender Eiter in dieser Höhle ansammelt : ein Empyem entsteht. Je nachdem, welche Körperhöhle betroffen ist, kann ein Empyem näher bezeichnet werden.

Auch kann ein Empyem in der Pleurahöhle, sprich zwischen den Lungenhüllen entstehen und unerwünschte Folgen mit sich bringen. Beschäftigen Sie sich an dieser Stelle auch mit dem Thema: Pleuraempyem - Was steckt dahinter?

Ursachen

Vor allem eiterbildende Keime (pyogene Erreger) sind für eitrig verlaufende Entzündungen verantwortlich. Viele Bakterien der Gruppen der Staphylokokken und Streptokokken zählen zu den eiterbildenden Keimen und verursachen den Großteil der klinisch beobachteten Empyeme.
In Ausnahmefällen können auch Virusinfektionen, durch Parasiten verursachte Erkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen einen eitrigen Verlauf nehmen.
Dass die Eiterbildung dann aber mengenmäßig so ausgeprägt ist, dass sich ein Empyem entwickeln kann, ist äußerst unwahrscheinlich.

Ein Gallenblasenempyem entsteht üblicherweise im Rahmen einer – zumeist ursprünglich durch einen Gallenstein ausgelösten, Gallenblasenentzündung, bei der es zu einer Besiedlung mit Bakterien gekommen ist.

Ein Pleuraempyem, also eine Eiteransammlung in dem Spalt zwischen Lunge und Brustwand – ist oft durch eine Lungenfellentzündung (Pleuritis) verursacht. Diese ist eine häufige Komplikation bei einer bakteriellen Lungenentzündung (Pneumonie), etwa durch Pneumokokken. Als andere Komplikation kann sich auch einfach Eiter in der Lunge ansammeln.

Auch Empyeme in den Kieferhöhlen, in der Bauchhöhle (eitrige Peritonitis) oder in Gelenken (Pyarthros) sind möglich und ebenfalls üblicherweise Ausdruck einer zugrunde liegenden bakteriellen Infektion

Symptome und Folgen

Neben allgemeinen Symptomen durch eine zugrundeliegende Infektion wie etwa Müdigkeit, Fieber etc., sind durch die lokale Entzündungsreaktion auch Schmerz, Schwellung, Rötung, Erwärmung und Funktionseinschränkungen möglich. Diese Krankheitsanzeichen sind jedoch in ihrer Ausprägung abhängig von Lage und Ausmaß des Empyems.

Da das eitrige Innere eines Empyems sowohl für Immunzellen (Leukozyten) als auch für Medikamente schlecht zugängig ist, kann ein Empyem ohne ärztliches Eingreifen mitunter lange fortbestehen. Auch kann der Eiter weiteren Keimen als Nahrungsgrundlage dienen.

Des weiteren birgt jedes Empyem die Gefahr, dass Keime aus der Eiteransammlung in die Blutbahn gelangen und sich an anderer Stelle niederlassen können (streuen) beziehungsweise das Krankheitsbild einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.

Schlussendlich kann es im Zuge der Abheilung einer (eitrigen) Entzündung zu Verklebungen kommen, die vor allem im Bauchraum sowie im Spalt zwischen Lunge und Brustwand nachfolgend für Probleme sorgen können.

Diagnose

Mitunter kann durch eine gewissenhafte ärztliche Befragung (Anamnese) und körperliche Untersuchung ein dringender Verdacht auf ein Empyem und dessen Lage gestellt werden.

Auch eine labortechnische Untersuchung des Blutes kann durch eine vorliegende Erhöhung von sogenannten Entzündungsparametern weiterführen.

Am besten lokalisiert werden kann ein Empyem jedoch durch den Einsatz bildgebender Verfahren wie etwa Ultraschall (Sonographie), MRT oder CT.

Auch intraoperativ kann rein theoretisch sowohl das Vorhandensein als auch die Lage eines Empyems sicher festgestellt werden.

Therapie

Das Innere einer Eiteransammlung ist im Allgemeinen für Immunzellen und Medikamente (wie etwa hier sinnvolle Antibiotika) schlecht zu erreichen.
Ab einer gewissen Größe eines Empyems ist daher neben einer systemischen Therapie mit einer an den Erreger (und seine Resistenzen) angepasste Antibiotikatherapie (in Tablettenform oder über eine Verweilkanüle), an eine operative Öffnung der Höhle zu denken, um den Eiter abzulassen.
In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, die Körperhöhle während der Operation nicht nur mit desinfizierenden Lösungen rein zu spülen, sondern sogar mit Antibiotika-Lösung oder vorübergehend ein damit versetztes Kettchen, Schwämmchen o.Ä. einzubringen.

Handelt es sich um eine Eiteransammlung im Spalt zwischen Lunge und Brustwand (Pleuraspalt) oder in der Bauchhöhle, wo Verklebungen drohen, so kann mit einer speziellen Lösung gespült werden, die diese verhindern soll.

Abgeschlossen wird der Eingriff dann meist mit der Einlage einer Drainage, die weiterhin für einen Sekretabfluss sogen kann und somit eine unmittelbare Neubildung des Empyems verhindern kann. Diese Drainage bleibt dann Stunden bis Tage liegen; kann im Extremfall sogar mehrfachen Austausches bedürfen.
Fall und Ortsabhängig erfolgt der Eingriff entweder unter lokaler Betäubung oder aber unter Narkose im Operationssaal.

Prognose

Grundsätzlich sind Empyeme gut behandelbar. Ob sich Komplikationen wie etwa eine Blutvergiftung oder Verklebungen nach dem Abheilen einstellen, kommt vor allem darauf an, ob früh genug und richtig eingegriffen wurde.

Zu beachten ist jedoch, dass ein Empyem nur Ausdruck einer Erkrankung ist. Ob, und wenn ja, wie schnell eine Heilung möglich ist, hängt vor allem davon ab, welche Erkrankung zugrunde liegt, welche Nebenerkrankungen vorliegen, in welchem Allgemeinzustand und Alter der Patient sich befindet.

Prophylaxe

Wurde in, oder in der Nähe von Körperhöhlen operiert, ist die Schaffung eines künstlichen Abflusses aus dieser Höhle in Form einer Drainage als Prophylaxe gegen eine Empyembildung denkbar.
Ohne einen solchen Abfluss könnte sich ansammelndes Wundsekret als Nährboden für Bakterien und somit als Grundlage für eine Empyembildung dienen.

Empyem im Knie

Bei einem Empyem handelt es sich um eine Infektion der Weichteile. Anders als beim Abszess ist die Ansammlung von Eiter in bereits bestehenden Körperhöhlen kennzeichnend für das Empyem. Gelenksempyeme stellen unter den Empyemen einen Notfall dar, da sie, wenn sie nicht behandelt werden, zu einer Zerstörung des Gelenks innerhalb kurzer Zeit führen können.
Das Kniegelenk stellt eine solche Körperhöhle dar. Kniegelenksempyeme können als Folge von Verletzungen, Knochenbrüchen oder Operationen entstehen. Die Erreger gelangen so durch offene Wunden und offene Knochenbrüche direkt in das Gelenk, sie können aber auch durch den Blutkreislauf aus anderen Körperregionen in das Knie fortgeleitet werden.
Auch ärztliche Maßnahmen wie eine Spiegelung des Kniegelenks oder Injektionen in das Gelenk sowie offene Operationen am Knie begünstigen leider das Eindringen von Bakterien, obwohl sie unter möglichst keimarmen Umständen durchgeführt werden.
Gewisse Vorerkrankungen wie Krebs, Diabetes Mellitus, Gicht, Leber- und Nierenerkrankungen oder Infektionen wie HIV, Immunschwächen sowie Erkrankungen der Blutgefäße wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit erhöhen das Risiko für die Entstehung eines Empyems im Knie. Dadurch kommt es zu einem eitrigen, schmerzhaften Erguss, welcher sofort eröffnet und gesäubert werden muss.
Typisch ist eine Bewegungseinschränkung, Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Knies. Weiterhin kann auch Fieber auftreten.
Als Basismaßnahmen erfolgt eine Kühlung und Ruhigstellung sowie Hochlagerung des Knies. Weiterhin werden Schmerzmedikamente und eine Thromboseprophylaxe verabreicht, bevor das Gelenk eröffnet und gesäubert wird. Zusätzlich werden Antibiotika gegen die Erreger gegeben.

Empyem in der Kieferhöhle

Auch die Kieferhöhle kann von einem Empyem betroffen sein. Die Kieferhöhle (Sinus maxilaris) gehört zu den Nasennebenhöhlen.
Bei einer Entzündung spricht man von einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Dafür kann es verschiedene Ursachen geben.
Eine Eiteransammlung in der Kieferhöhle wird als Kieferhöhlenempyem bezeichnet. Dieses kann als Komplikationen einer Chronischen Nasennebenhöhlenentzündung oder aber auch durch den Eintritt von Erregern auf anderem Wege verursacht werden. Knochenbrüche im Mittelgesicht und Oberkiefer ermöglichen den Eintritt von Keimen in die Kieferhöhle. Entzündungen im Bereich der oberen Zähne können in die Kieferhöhle fortgeleitet werden.
Typisch sind Schmerzen beim Kaufen, Zahnschmerzen, Fieber und ein Gesichtsschmerz. Da die Gefahr einer Fortleitung der Infektion auf die Hirnhäute oder die Entstehung einer venösen Thrombose besteht, muss auch hier schnell gehandelt werden. Zur Therapie gehören Antbiotika und eine endoskopische Abtragung der Entzündeten und eitrigen Schleimhaut sowie die Säuberung der Kieferhöhle.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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