Lungenentzündung

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Pneumonie

Lobärpneumanie, atypische Pneumonie, interstitielle Pneumonie

Englisch: pneumonia

Definition Lungenentzündung

Pneumonien sind Entzündungen der Lunge, die entweder akut oder chronisch verlaufen.
Es können die Lungenblässchen (Alveolen) und / oder das Zwischengewebe (Interstitium) betroffen sein. Die Entzündung betrifft selten die gesamte Lunge, meist sind einzelne Abschnitte der Lunge, die Lungenlappen, betroffen.
Erreger gibt es unterschiedliche: meist Bakterien oder Viren, aber auch Pilze.


Anatomie und Lage der Lunge

  1. rechter Lungenflügel
  2. Luftröhre (Trachea)
  3. Luftröhrengabelung (Carina)
  4. linker Lungenflügel

Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in der Bevölkerung
Die Lungenentzündung ist die häufigste tödlich verlaufende Infektionskrankheit.
Insgesamt steht sie auf Platz 5 der häufigsten Todesursachen. Die offizielle Rate der Neuerkrankungen in Deutschland liegt bei etwa 140000 bis 200000 jährlich, allerdings wird eine hohe Dunkelziffer vermutet.
Die Wahrscheinlichkeit des Todeseintritts bei vorher lungengesunden liegt bei ca. 5%. Wenn die Lungenentzündung (Pneumonie) jedoch im Krankenhaus erworben wird (sog. nosokomiale Pneumonie), beträgt die Letalität (Sterblichkeit) bis zu ca. 70%.

Klassifizierung

Es gibt verschiedene Formen der Lungenentzündung:

  • ambulant erworbene Lungenentzündung (Pneumonie)
  • nosokomiale Lungenentzündung (Pneumonie) (im Krankenhaus erworben)
  • Lungenentzündung (Pneumonie) bei schwerer Grundkrankheit (Nieren- oder Herzinsuffizienz, Diabetes)
  • Aspirationspneumonie (Aspiration bedeutet Mageninhalt “einzuatmen“; z. Bsp bei Alkoholismus oder Erkrankungen der Speiseröhre)
  • Lungenentzündung (Pneumonie) bei Immunsuppresion (z. Bsp. bei Schwäche des Immunsystems durch HIV)

Anzeichen einer Lungenentzündung

Die Anzeichen einer Lungenentzündung können verschiedenartig sein, da es streng genommen zwei Formen der Lungenentzündung gibt:

  1. typische Lungenentzündung
  2. atypische Lungenentzündung

1. Bei der typischen Form kommt es zu plötzlich auftretendem starken Husten, kombiniert mit eitrigem Auswurf, Atemnot, erschwertem, angestrengtem Atmen unter Schmerzen, und hohen Fieber, sowie Schüttelfrost.
Die Temperaturen steigen schnell auf über 38,5 Grad, das Atmen wird von Rasselgeräuschen begleitet. In den Laboruntersuchungen wird der Arzt typischerweise erhöhte Entzündungsparameter, und eine erhöhte Leukozytenzahl im Blut feststellen.

2. Die Anzeichen einer atypischen Pneumonie sind weniger fulminant: Klassisch ist ein subakuter, schleichender Beginn, mit Fieber unter 38,5 Grad. Die atypische Pneumonie entwickelt sich meist aus einem grippalen Infekt, und kennzeichnet eine weitere Verschlechterung der zuvor vorhandenen Erkrankung. Patienten fühlen sich weniger krank, der Husten ist auch eher trocken, als von Auswurf begleitet. Rasselgeräusche sind über den Lungen nur schwach, bis gar nicht vernehmbar.

Der Goldstandard bei der Untersuchung von Lungenerkrankungen ist die Untersuchung mittels Stethoskop. Mit dessen Hilfe können Rückschlüsse auf die Art der Erkrankung gezogen werden, da veränderte Klangbilder über der Lunge bei der Atmung immer auch in Richtung der Erkrankung schließen lassen. So weisen Rasselgeräusche bei einer Lungenuntersuchung auf Sekretablagerungen in den Atemwegen hin. Die Rasselgeräusche können fein-, mittel-, oder grobblasig sein, und werden ferner in feucht und trocken unterteilt.
Grobblasige Rasselgeräusche lassen eher auf eine Erkrankung großlumiger Atemwegsabschnitte schließen, und umgekehrt. Die Anzeichen einer Lungenentzündung hängen also von der Art der Entzündung ab. Eine zunehmende, langsame Verschlechterung einer bereits vorhandenen Bronchitis kann genauso wie ein plötzlicher, schwerer Verlauf für eine Lungenentzündung sprechen.
Bei Kindern stehen unabhängig von der Art folgende Symptome im Vordergrund: Atemnot, mit Schmerzen beim Atmen bis hin zur Zyanose durch Sauerstoffunterversorgung und folgendem Kreislaufkollaps. Bedingt durch die Atemnot auch erhöhte Atemfrequenz, Schmerzen beim Atmen, und Nasenflügelatmen.

Lesen Sie umfangreichere Informationen zu diesem Thema unter Was sins die Anzeichen einer Lungenentzündung?

Typische Beschwerden und Symptome

Bei den Symptomen kann man die typische von der atypischen Lungenentzündung (Pneumonie) unterscheiden. Hier sollen diese Symptome anhand der Aufzählung vereinfacht dargestellt werden.

  • Typische Pneumonie
    • Beginn: schnell
    • Schüttelfrost: +++
    • Husten: +++
    • Fieber: über 39°C
    • Schnelle Atmung: +++
    • Patholog. Auskultation*: +++
    • Röntgen: segmental

*Pathologische Auskultation bedeutet, dass man beim Abhören mit dem Stethoskop anstelle des normalen Atemgeräusches ein so genanntes Rasseln oder Knistern hört.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome einer Lungenentzündung

Ursachen einer Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung kann entweder durch:

  • Bakterien
  • Viren
    ode
  • Pilze

ausgelöst werden.

Als Ursachen kommen unter anderem:

  • eine Immunsupression (z.B. durch Medikamente, HIV)
  • nach einer OP
  • durch Unterkühlung
  • durch schlechte Belüftung der Lunge
  • durch Bettlägrigkeit

Lesen Sie umfangreichere Informationen zu diesem Thema unter: Ursachen einer Lungenentzündung

Die trockene Lungenentzündung ohne Husten

Sowohl eine typische, als auch eine atypische Pneumonie geht in der Regel mit Husten einher. Dieser ist entweder trocken, oder produktiv, und kann für eine Lungenentzündung sprechen. Teilweise gehen Lungenentzündungen aber auch ohne Husten einher.
Dies ist vor allem bei älteren Patienten der Fall, und erschwert die Diagnose, da ausbleibender Husten eher untypisch ist. Vor allem atypische Pneumonien können milde Verläufe mit leichtem, unproduktivem Husten einschlagen. Diese werden dann eventuell als Raucherhusten abgetan, oder gänzlich ignoriert. Auch ohne Husten bleibt eine Lungenentzündung jedoch potentiell lebensbedrohlich!

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lungenentzündung ohne Husten oder trockene Lungenentzündung

Diagnose der Lungenentzündung

Zur Diagnosestellung einer Lungenentzündung werden mehrere Bereiche hinzugezogen.
Bei der Befragung des Patienten (Anamnese) beispielsweise stellt man Fieber, Schüttelfrost, Husten, verfärbten Auswurf und Thoraxschmerzen fest.
Im Rahmen der körperlichen Untersuchung kann man ein Infiltrat nachweisen. Klopft der Arzt die Lunge ab, ist der Klopfschall im Vergleich zum gesunden Lungengewebe gedämpft.
Mit dem Stethoskop lassen sich dann beim Abhören Rasselgeräusche beim Einatmen und so genanntes Bronchialatmen feststellen. Unter Bronchialatmen versteht man ein Atmen von hauchendem Charakter (klingt beim Ein- und Ausatmen wie „ch“).

Wegweisend in der Diagnostik der Lungenentzündung ist vor allem auch das Röntgen. Hierbei sollte immer in zwei Ebenen (also von vorne und von der Seite) geröntgt werden.
Mit Hilfe dieser radiologischen Aufnahmen kann nicht nur die Diagnose Lungenentzündung (Pneumonie) alleine gestellt werden, sondern vor allem lässt sich hier die Lokalisation derselben erkennen.

Um gezielt mit der Therapie beginnen zu können, muss der Erregernachweis erfolgen.
Dieser kann z. Bsp. anhand von Sputum (Auswurf) entweder unter dem Mikroskop oder durch das Heranzüchten von Kulturen gelingen. Meist wird jedoch mit einem Breitbandantibiotikum therapiert, welches eine Vielzahl von Erregern abdeckt.

Auch die so genannte serologische Diagnostik spielt eine wichtige Rolle. Hier werden die vom Körper gebildeten Antikörper nach mindestens einer Woche Krankheit nachgewiesen.
Es werden gegen körperfremde Stoffe, hier also die Bakterien, Viren oder Pilze, Antikörper gebildet, um die “Eindringlinge“ zu bekämpfen. Das Gegenstück zu den Antikörpern, also das, wogegen reagiert wird, nennt man Antigen. Antigen und Antikörper funktionieren nach dem Schlüssel - Schloss - Prinzip. Auch dieses Antigen kann nachgewiesen werden. So kann man das Erbgut, die Gene, des Erregers ermitteln.

Durch die Blutentnahme / Laborwerte werden im Blut wichtige Entzündungsparameter bestimmt.
Zu diesen zählt unter anderem der CRP-Wert (C-reaktives Protein) und die weißen Blutkörperchen (Leukozyten).

Je höher die beiden Werte sind, umso heftiger ist die Entzündung. Die Normalwerte des CRP liegen bei < 5 mg/l, die Normalwerte der Leukozyten liegen bei 4- 11 Mio. / ml.
Je nach auswertendem Labor können diese Referenzwerte schwanken.

In selten Fällen kann auch eine MRT Untersuchung der Lunge weitere Informationen liefern. Das MRT zeigt besonders gut Weichteilprozesse, deutlich besser als das klassische Röntgenbilder Lunge. Problem bei einem MRT der Lunge ist die Darstellung vom Gewebe durch die Luft in der Lunge. Durch das für den Menschen unschädliche Gas Helium konnte die Darstellung in den letzten Jahren deutlich verbessert werden:
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT der Lunge

Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf unserer Seite: Wie erkenne ich eine Lungenentzündung?

Therapie Lungenentzündung

Wenn die Lungenentzündung (Pneumonie) einen schweren Verlauf nimmt, ist eine stationäre Aufnahme ins Krankenhaus indiziert.
Unter einem schweren Verlauf versteht man in diesem Fall eine Atemfrequenz unter 30 pro Minute, dadurch bedingt wenig Sauerstoff im Blut und einen niedrigen Blutdruck. Bei einem leichten Verlauf kann eine ambulante Behandlung ausreichend sein.

Eine große Säule der Therapie der Lungenentzündung stellt die Antibiotikagabe dar.
Die Antibiotika werden je nach Erreger verabreicht.
Bei Pneumokokken und Staphylokokken, welche zu den häufigsten Erregern zählen, wird beispielsweise häufig Penicillin oder Abkömmlinge verordnet.
Bei einer atypischen Lungenentzündung (Pneumonie) werden anhand der Tatsache, dass hier meistens Chlamydien und Mykoplasmen die Verursacher sind, so genannte Makrolid - Antibiotika verabreicht. Da oft nicht sofort das Erregerspektrum vorliegt, werden Breitbandantibiotika verwendet, da eine Lungenentzündung sofortiger Behandlung bedarf.
Unter Breitbandantibiotika versteht man Antibiotika, die gegen möglichst viele Erreger wirksam sind.

Bei Viren und Pilzen allerdings sind Antibiotika unwirksam.
Die virale Lungenentzündung (Pneumonie) kann in ihrem Verlauf nicht medikamentös beeinflusst werden.

Unterstützend kann den Patienten das Atmen durch die Gabe von Sauerstoff erleichtert werden. Bei Schmerzen werden Schmerzmittel verabreicht und es muss viel getrunken werden (bzw. Flüssigkeit per Infusion zugeführt werden).

Wie ansteckend ist eine Lungenentzündung?

Lungenentzündungen werden in der Regel durch Bakterien verursacht. Die Liste der Erreger führen dabei die Bakterien Streptococcus Pneumoniae, Haemophilus influenzae, und Staphylococcus aureus an.
Dabei handelt es sich um sehr weit verbreitete Erreger, denen wir Tag täglich begegnen. Dennoch erkranken wir nicht andauernd an einer Lungenentzündung. Wie kann das sein?

Zwar sind alle oben genannten Erreger ansteckend, und somit für den Körper potentiell gefährlich. Allerdings verfügt unser Körper in der Regel über ein gut funktionierendes Immunsystem, welches diese Bakterien bereits bei Eintritt in den Körper erfolgreich bekämpft. Nur bei sehr alten oder sehr jungen Menschen (also Kleinkindern, oder Babys) besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Schließlich ist ihr Immunsystem noch nicht – bzw. nicht mehr – so gut ausgeprägt. Für einen gesunden Menschen zwischen 10 und 60 Jahren sollte eine Lungenentzündung also in der Regel nicht ansteckend sein.
Allerdings sind natürlich nach wie vor ein gewisser Abstand, und hygienische Grundmaßen geboten, um den Erregern keine Chance zu geben. Ein Aufenthalt im selben Zimmer, oder flüchtiger Körperkontakt sollte jedoch problemlos möglich sein.
Angehörige können während der Zeit auch mit Vitaminpräparaten und Erkältungstees vorsorgen. Auch kurzzeitiges Stoßlüften wird empfohlen, um die Bakterienlast in der Luft zu senken und die Gefahr einer Ansteckung zu senken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wie ansteckend ist eine Lungenentzündung?

Komplikationen

Eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie) kann zu einem septischen Schock (Sepsis = Blutvergiftung) und einem Atemstillstand (respiratorische Insuffizienz) führen, was eine intensivmedizinische Betreuung notwendig macht.
Es können sich Abszesse (Eiteransammlungen) im Bereich der Lungen und Empyeme (Eiter) im Bereich des Lungenfells bilden.
Unter einem Abszess versteht man eine Eiteransammlung in nicht vorgeformten Höhlen, z. Bsp. innerhalb der Lunge. Ein Empyem hingegen ist eine Ansammlung von Eiter in bereits vorhandenen Höhlen, beispielsweise im Lungenfellspalt.
Auch ein möglicher Pleuraerguss (Flüssigkeit im Spalt zwischen den Blättern des Lungenfells) also Wasser zwischen dem Lungenfell, was laienhaft gehäuft als Wasser in der Lunge bezeichnet wird, kann als Folge der Pneumonie entstehen.

Infolge der Bettruhe, die meist bei Lungenentzündung (Pneumonie) angebracht ist, besteht die Gefahr der Thrombose.
Im Krankenhaus allerdings wird dem durch Thrombose-Spritzen (z. Bsp. Clexane®, Fraxiparin®, etc.) entgegengewirkt.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie unter: Thrombose

Prophylaxe

Eine Prophylaxe zur Lungenentzündung (Pneumonie) gibt es insofern, als dass die STIKO (Ständige Impfkommission) des Robert Koch- Institutes seit Juli 2006 eine Impfung gegen Pneumokokken als Grundimpfung für alle Kinder empfiehlt.
Dies gilt nicht nur für Kinder. Denn vorausgesetzt Sie wurden als Kind nicht geimpft, sollten Sie das nachholen sobald Sie älter als 65 Jahre sind und öfter mit Infektionen der oberen Atemwege zu kämpfen haben.
Die Impfung ist auch zu empfehlen wenn sie eine bekannte Immunschwäche haben, oder an einer chronischen Krankheit leiden (z. Bsp. chronische Bronchitis, Diabetes).

Für den Fall, dass es zu einer Grippe - Epidemie kommen sollte, sollte eine Grippe-Impfung in Betracht gezogen werden.

Auch eine Grippe kann der Auslöser einer Lungenentzündung sein.

Dauer und Prognose einer Lungenentzündung

Eine typische Lungenentzündung geht bei richtiger Behandlung nicht über die Dauer von 2-3 Wochen hinaus. In Einzelfällen sind auch Verläufe von bis zu 12 Wochen möglich, ab 8 Wochen spricht man bereits von einer chronischen Erkrankung.
Atypische Pneumonien sind üblicherweise weniger fulminant, und haben einen milderen Verlauf. Oft nehmen die Patienten eine atypische Lungenentzündung gar nicht als solche wahr, und gehen von einer schweren Erkältung aus.
Diese sollte in der Regel ebenfalls binnen 2 Wochen abgeklungen sein. Bei der typischen Lungenentzündung verschlechtert sich der Zustand innerhalb der ersten Woche. Danach tritt die Ausheilungsphase ein.

Bei Immungeschwächten, oder alten Patienten kann es zu Komplikationen kommen: Zwar liegt die durchschnittliche Letalitätsrate (Tödlichkeit der Krankheit) bei niedrigen 0,5 %. Allerdings können ungünstige Faktoren diesen Wert negativ beeinflussen. So gibt der CRB-65 Score Aufschluss über den möglichen Verlauf der Lungenentzündung.
C steht dabei für Confusion, also Verwirrung, R für respiratory rate, also Atemfrequenz, falls diese über 30 Atemzügen pro Minute liegt, und B für Blutdruckwerte, die unter 90 zu 60 liegen. Die 65 steht schlussendlich für ein Alter von 65 Jahren oder älter. Für jedes zutreffende Element des CRB65 Scores wird ein Punkt vergeben. Während bei 0-1nem Punkt die Letalität noch auf 1-2% Prozent geschätzt wird, liegt sie bei zutreffen aller vier Punkte bei hohen 31,2%. Daher werden Patienten, auf die alle vier Punkte zutreffen, stets auf der Intensivstation behandelt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Dauer einer Lungenentzündung

Auftreten von Lungenentzündungen in bestimmten Situationen

Lungenentzündung beim Baby

Für Babys gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, sowohl für den Fall, dass sie selbst erkrankt sind, als auch für den Fall, dass Eltern, oder Geschwister erkrankt sind.
Das Immunsystem von Kindern ist bis zum 10ten Lebensjahr nicht vollständig entwickelt, es lernt noch. Daher können sich Babys nicht so effektiv gegen die Erreger wehren, wie Erwachsene. Das heißt einerseits, dass sie schneller und häufiger erkranken, aber auch, dass die Erkrankungen schwerer verlaufen, da ihr Körper noch nicht so viel Übung darin hat, die Bakterien zu eliminieren.
Deswegen sind Lungenentzündungen im Kleinkind – Alter besonders kritisch, und sollten immer beim Arzt vorgestellt werden. Die Symptome sind ähnlich derer der Erwachsenen, unterscheiden sich jedoch an einigen Stellen:

So haben Babys und Kinder von Haus aus eine erhöhte Atemfrequenz. Diese ist jedoch nochmals erhöhte, es kommt zum sogenannten Nasenflügeln, und Atemnot. Durch die schnelle Atmung wird eine Menge Feuchtigkeit aus dem Körper abgeatmet, es kommt zum Wasserverlust, und Einziehungen der Haut, vor allem im Bereich des Brustkorbes. Während ältere Kinder den Hustenschleim noch abhusten können, verschlucken ihn Babys oftmals, und erbrechen in der Folge. Typisch ist auch hohes Fieber, und Schüttelfrost. Da es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt, werden Babys und Kleinkinder normalerweise stationär im Krankenhaus aufgenommen.
Gegen die häufigsten Erreger kann ab dem 2ten Lebensmonat eine Schutzimpfung vorgenommen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lungenentzündung beim Baby

Lungenentzündung beim Kind

Lungenentzündungen beim Kind stellen eine häufige Infektionserkrankung dar. Die Erreger sind meistens Bakterien, wie Pneumokokken, oder Viren, wie RS-Viren oder Mykoplasmen. Die Symptome sind oftmals unspezifisch, weshalb eine Lungenentzündung unter Umständen leider auch unerkannt bleiben kann. Häufige Symptome sind Fieber, Husten mit oder ohne Auswurf und ein starkes Krankheitsgefühl. Bei dem Verdacht auf eine Lungenentzündung sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, damit frühzeitig mit der Therapie (Antibiotika) begonnen werden kann.
Weitere Informationen finden Sie unter: Lungenentzündung beim Kind

Unterschiede zur Lungenentzündung eines Erwachsenen

Eine Lungenentzündung beim Kind ist durchaus keine Seltenheit. Im Grunde handelt es sich um dasselbe Krankheitsbild wie beim Erwachsenen: Eine Lungenentzündung ist eine infektiöse Entzündung der Lunge, die durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht werden kann. Bei Kindern stellt die Lungenentzündung vor allem in Entwicklungsländern immer noch eine der häufigsten Todesursachen dar.

In den Industrienationen sind jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten vorhanden, sodass eine Lungenentzündung nur noch in sehr seltenen Fällen tödlich endet. Die Erreger werden meist durch das Niesen oder Husten übertragen. Ein besonders hohes Risiko für eine Übertragung zwischen Kindern besteht in den Gemeinschaftseinrichtungen, in denen Kinder den Großteil ihrer Zeit verbringen.

Das sind beispielsweise Schulen, Kindergärten, Sportvereine oder auch Kinderheime. Hier ist das Übertragungsrisiko durch den engen Kontakt besonders hoch. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist auch das Immunsystem nicht in dem Maße ausgereift, wie bei Erwachsenen, weshalb eine Übertragung leicht stattfinden kann. Vorerkrankungen wie Mukoviszidose oder Asthma erhöhen das Risiko für Kinder, an einer Lungenentzündung zu erkranken.

Die Symptome einer Lungenentzündung sind insbesondere bei kleinen Kindern und Säuglingen im Gegensatz zu Erwachsenen nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Säuglinge und Kleinkinder können durch Trinkunlust und einen aufgeblähten Bauch auffällig werden.

Auch ein apathisches Verhalten, hohes Fieber und eine schnelle sowie flache Atmung können auf eine Lungenentzündung hindeuten. Typisch sind weiterhin Husten sowie das Aufstellen der Nasenflügel beim Atmen. Dies bezeichnet man als Nasenflügeln. Bei älteren Kindern ähnelt die Erkrankung in ihrer Symptomatik der Lungenentzündung bei einem Erwachsenen.

Die Lungenentzündung nach einer OP

Nach Operationen (OP) ist das Immunsystem geschwächt, da der Körper Energie darauf verwenden muss, den operierten Bereich zu regenerieren. Dies ist ein natürlicher Prozess, und leider nicht zu vermeiden. Je mehr „Baustellen“ der Körper zu versorgen hat, desto anfälliger ist er auch für Angriffe von außen.
Zudem kann es nach bestimmten OP´s, wie Transplantationen ohnehin notwendig sein, dass Immunsystem zu bremsen, damit das Transplantat nicht direkt wieder abgestoßen wird.
Kommt zudem noch eine postoperative, künstliche Beatmung hinzu, oder großlumige Zugänge wie ein ZVK (zentraler Venenkatheter) besteht auch die Gefahr der Besiedlung der verwendeten Plastikschläuche und Nadeln mit Pseudomonaden. Pseudomonas aeruginosa ist einer der häufigsten Erreger von nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Lungenentzündungen.
Leider lässt sich dieser Umstand auch durch strengste Hygienemaßnahmen nicht immer verhindern, so dass nach OP´s viele Patienten an einer Folgeinfektion erkranken. Dies wird vor allem durch eine lange Verweildauer im Krankenhaus begünstigt. Die größte Erregerlast findet sich leider - dem Namen entsprechend - nach wie vor im „Krankenhaus“.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lungenentzündung nach einer OP

Prognose

Die Prognose für eine ambulante Lungenentzündung (Pneumonie) ist recht gut, denn die Letalität (Sterblichkeit) liegt bei deutlich unter 5%.
Im Vergleich dazu liegt die Sterblichkeitsrate von Lungenentzündungen, die im Krankenhaus erworben wurde, bei 70%. Dies liegt einerseits an dem unterschiedlichen Erregerspektrum: Krankenhauskeime sind meist resistenter.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema: multiresistente Krankenhauskeime

Andererseits liegt es an der Tatsache, dass im Krankenhaus die Lungenentzündung meist als Superinfektion auftritt; sie wird also zusätzlich zu einer schon bestehenden Krankheit erworben, weil das Abwehrsystem bereits geschwächt ist.

Impfung gegen eine Lungenentzündung

Es existiert keine Impfung gegen die Lungenentzündung, sondern lediglich gegen ein bestimmtes Bakterium, welches eine Lungenentzündung verursachen kann. Es handelt sich bei diesen Bakterien um die sogenannten Pneumokokken.

Die Impfung wird laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Rahmen der Grundimmunisierung für alle Säuglinge und Kleinkinder empfohlen. Sie besteht aus einem Totimpfstoff (PCV13), der in drei Teilimpfungen verabreicht wird und gegen 13 verschiedene Bakterienstämme der Pneumokokken schützen soll.

Die erste Dosis wird im Alter von 2 Monaten, die zweite im Alter von 4 Monaten und die dritte im Alter von 11 bis 14 Monaten verabreicht. Bei Frühgeborenen kommt eine vierte Teilimpfung hinzu. Auch die Impfungen gegen Varizellen, Masern, HiB und Influenza können vor einer Lungenentzündung schützen.

Historie

Die so genannte Legionellenpneumonie hat ihren Namen vom erstmaligen Auftreten bei einer Versammlung von ehemaligen Legionären.
Dabei war einer nach dem anderen an Husten und Fieber erkrankt. Angesteckt hatten sie sich in der Dusche, da das Duschwasser nicht hoch genug erhitzt worden war und so die Erreger, die so genannten Legionellen, nicht abgetötet wurden.
Durch Einatmen dieser Erreger in die Lunge kam es zur Entzündung.

Anatomie luftleitender Abschnitte

  1. Rechte Lunge - Pulmo dexter
  2. Linke Lunge - Pulmo sinister
  3. Nasenhöhle - Cavitas nasi
  4. Mundhöhle - Cavitas oris
  5. Rachen - Pharynx
  6. Kehlkopf - Larynx
  7. Luftröhre (ca. 20 cm) - Trachea
  8. Gabelung der Luftröhre -
    Bifurcatio tracheae
  9. Rechter Hauptbronchus -
    Bronchus principalis dexter
  10. Linker Hauptbronchus -
    Bronchus principalis sinister
  11. Lungenspitze - Apex pulmonis
  12. Oberlappen - Lobus superior
  13. Schräge Lungenspalte -
    Fissura obliqua
  14. Unterlappen - Lobus inferior
  15. Unterer Lungenrand - Margo inferior
  16. Mittellappen (nur bei der rechten Lunge) - Lobus medius
  17. Horizontale Lungenspalte (zw. Ober- und Mittellappen rechts) - Fissura horizontalis
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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.08.2017
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