HIV

Definition

Das HI-Virus (HIV) löst AIDS aus. HIV-positiv zu sein bedeutet nicht sofort an AIDS erkrankt zu sein. Die Krankheit AIDS definiert sich nach der Anzahl der T-Zellen und der Viren sowie nach sogenannten AIDS-spezifischen Krankheiten.

Epidemiologie

Trotz eines Rückganges der Rate der Neuinfizierten (Roman-Koch-Institut, 2011), bleibt das Thema HIV und AIDS ein großes Thema in der Bevölkerung. In Deutschland sind derzeit etwa 70000 Menschen infiziert, von denen etwa zwei Drittel männlichen Geschlechts sind.

Von einer höheren Dunkelziffer ist auszugehen. Weltweit sind über 30 Millionen Menschen betroffen, etwa drei Millionen sterben jährlich an den Folgen der Infektion. Obwohl sich ein Großteil – etwa 20 Millionen - davon auf den afrikanischen Kontinent konzentriert, ist AIDS nach wie vor auch zahlenmäßig ein wichtiges Thema in Westeuropa. Ihren bisherigen Gipfel erreichte die Zahl der Neuinfizierten hier in den frühen Achtzigerjahren, in denen noch niemand über den Virus und seine Übertragung Bescheid wusste.

Dennoch nimmt die Rate der Erkrankten in der Bevölkerung (Prävalenz) weiter zu, was auch am besseren und längeren Überleben der Patienten liegt. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Risiko der Erkrankung und Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen. Die Prävalenz der Erkrankung unter homosexuellen Männern ist immer noch besonders hoch. Andere Risikogruppen sind beispielsweise Nutzer i.v. Verabreichter Drogen, Menschen aus Ländern, in denen ein großer Anteil der Bevölkerung betroffen ist, und Patienten, welche beispielsweise aufgrund einer Hämophilie auf häufige Transfusionen angewiesen sind. Letzteres ist derzeit kaum mehr ein Risiko, da hierzulande Blutspenden entsprechend untersucht und ausgewählt werden.

--> Lesen Sie mehr zum Thema AIDS


Übertragung

Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten einer infizierten Person im direkten Kontakt mit den eigenen. Hierfür wird allerdings eine hohe Konzentration des Virus benötigt. Dies gilt für Blut, Sperma, Vaginal- und Hirnflüssigkeit.

Dies erklärt die wichtigsten Übertragungswege. HIV wird sowohl durch homosexuellen als auch heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen. Besonders der direkte Kontakt infizierten Materials mit Blut ist gefährlich. Hier reichen bereits kleinere kaum sichtbare Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute.

Außerdem können verunreinigte Blutspenden zu einer Übertragung führen. Gefährdet sind auch Drogensüchtige, welche sich beispielsweise durch das Teilen von Spritzen anstecken können. Ebenso kann das Virus beim Geburtsvorgang oder beim anschließenden Stillen von einer infizierten Mutter an ihr Kind weitergegeben werden (s.u.).

HIV und Schwangerschaft

Obwohl er eine von der Kasse übernommene Leistung ist, wird der HIV-Test während der Schwangerschaft bei vielen Frauen nicht durchgeführt. Doch eine bestehende, möglicherweise noch nicht symptomatische HIV-Infektion der Mutter kann auf Neugeborene übertragen werden.

Die Gesamtwahrscheinlichkeit für die Übertragung liegt bei etwa 20%. Sowohl durch den eigentlichen Geburtsvorgang, als auch durch das anschließende Stillen kann das Virus weitergegeben werden. HIV-positiven Müttern wird daher empfohlen grundsätzlich auf das Stillen zu verzichten. Darüber hinaus werden bei positivem Test vor oder während der Schwangerschaft Maßnahmen getroffen, um das Risiko der Infektion für das Neugeborene zu minimieren. So sollte die Geburt per Kaiserschnitt erfolgen, da so ein Kontakt von kindlichem mit mütterlichem Blut vermieden werden kann.
Dank der Barriere des Mutterkuchens ist das ungeborene Kind normalerweise noch nicht infiziert. Daher sollten auch keine invasiven Untersuchungen, wie z.B. Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden.

Mutter und Neugeborenes sollten außerdem eine antiretrovirale Therapie (s.u.) erhalten. Entgegen der öffentlichen Meinung gibt es darüber hinaus für HIV-positive Frauen und Männer mit Kinderwunsch sehr wohl sichere Möglichkeiten einer Schwangerschaft ohne gleichzeitige Infektion des Partners. Dazu gehört beispielsweise die künstliche Besamung positiv getesteter Frauen.

Therapie

Eine HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar. Dennoch ist sie kein unmittelbares Todesurteil. Die immer besser werdenden Medikamente erhalten und verbessern die Lebensqualität deutlich. Diese werden zusammengefasst unter dem Begriff der antiretroviralen Therapie, also eine Behandlung, welche sich gezielt gegen das spezielle Verhalten dieser Art von Viren richtet.
Die Therapie muss nicht immer direkt nach Stellung der Diagnose erfolgen, sondern erst, wenn die Zahl der T-Zellen im Blut dauerhaft unterhalb eines bestimmten Wertes liegt (350/mycrol).

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von verschiedenen Wirkstoffen, welche an verschiedenen Stellen des Lebenszyklus eines Virus angreifen. Beispielsweise kann so das Eindringen der Viren in die T-Zelle unterdrückt werden. Üblicherweise werden mindestens drei verschiedene Wirkstoffe kombiniert. Man spricht dann von der sogenannten hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART). Mithilfe dieser Therapieform ist bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn mittlerweile eine normale Lebenserwartung möglich.

Allerdings sind die hoch wirksamen Medikamente Ursache vieler Nebenwirkungen. Es kann, je nach Wirkstoff, beispielsweise zu Störungen des Stoffwechsels, im Bereich der Nerven oder der Blutbildung kommen. Da die Medikamente dauerhaft genommen werden müssen, ist es wichtig, die Nebenwirkungen mit der Wirksamkeit abzuwägen, um eine optimale individuelle Therapie zu finden. Die Wirksamkeit wird regelmäßig überprüft. Dabei spielt wieder die Zahl der T-Zellen, aber auch die Menge der Viren im Blut eine Rolle.

--> Lesen Sie mehr zum Thema AIDS Therapie

Rechtlicher Aspekt

Nach der gesicherten Diagnose und dem Beginn einer Therapie ist es für die Betroffenen leider noch lange nicht getan. Es ergeben sich im täglichen Leben viele moralische und sogar rechtliche Probleme. Es ist zum Beispiel Vorsicht dabei geboten, an wen man diese Information weitergibt. HIV ist nicht meldepflichtig, so dass für den behandelnden Arzt uneingeschränkte Schweigepflicht besteht. Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn der Arzt begründeten Verdacht hat, dass der Patient ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem nicht informierten Partner hat, darf davon abgewichen werden.
Aber auch mit ins Vertrauen gezogene Angehörige und Freunde, können so bei unbedachter Weitergabe zu Schadensersatz verklagt werden. Jemand, der weiß, dass er sich mit HIV infiziert hat, ist jedoch verpflichtet, seinen Sexualpartner durch ein Kondom vor Ansteckung zu schützen oder ihn/sie über die eigene Erkrankung zu informieren.

Bei Vorstellungsgesprächen darf die Erkrankung verschwiegen und sogar verleugnet werden, solange die Erkrankung die Tätigkeit nicht negativ beeinflusst. Dies gilt nicht für Berufsgruppen mit Übertragungsgefahr, wie zum Beispiel Chirurgen und andere Fachärzte. Allerdings kann die HIV-Infektion auch beispielsweise für Piloten einschränkend wirken, da sie die Einreise in bestimmte Tropenregionen schwierig und gefährlich macht. Kollegen am Arbeitsplatz sind normalerweise nicht gefährdet, da eine Ansteckung über Speichel nicht möglich ist. Ausnahmen sind hierbei wieder Mitarbeiter in Kliniken und Laboratorien, wo viel mit spitzen Gegenständen gearbeitet wird.

AIDS-Kranke mit stark geschwächter Leistungsfähigkeit können als schwerbehindert eingestuft werden und entsprechende Leistungen beziehen.

--> Weiter zum Thema HIV - Symptome

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Seiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: