Erkrankung der Leber (Innere Medizin)

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: hepar

Leberlappen, Leberzelle, Leberkrebs, Leberzirrhose, Fettleber, Leberschmerzen

Englisch: liver

Definition Leber

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers. Zu ihren Aufgaben gehört die nahrungsabhängige Speicherung, Umwandlung und Freisetzung von Zuckern und Fetten, der Abbau und die Ausscheidung körpereigener und medikamentöser Giftstoffe, die Bildung der meisten Bluteiweiße und der Gallenflüssigkeit, die Vitaminspeicherung sowie zahlreiche weitere Aufgaben.

Beim Menschen liegt die Leber im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell und ragt mit seiner linken Leberlappenspitze bis zur Mitte des Oberbauchs. Beim Erwachsenen wiegt die Leber etwa 1400 – 1800 g und ist in vier große Lappen unterteilt: Lobus hepatis dexter - Lobus hepatis sinister - Lobus quadratus - Lobus caudatus. Die Lappen sind wiederum in weiter 8 Segmente unterteilt. Näheres zur Anatomie der Leber finden Sie hier.

Abbildung “Innere Organe”

  1. Schildknorpel / Kehlkopf
  2. Luftröhre (Trachea)
  3. Herz (Cor)
  4. Magen (Gaster)
  5. Dickdarm (Colon)
  6. Enddarm (Rektum)
  7. Dünndarm (Ilium, Jejunum)
  8. Leber (Hepar)
  9. Lunge, bzw. Lungenflügel

Übersicht Lebererkrankungen

Die Leber ist ein robustes Organ und kann ihre Aufgaben sogar noch erfüllen, wenn sie teilweise beschädigt ist. Sie kann sich auch selbst reparieren, aber nur wenn die Schäden nicht zu groß sind. Die Leber selbst enthält keinerlei Nerven und ist daher schmerzunempfindlich. Lediglich die bindegewebige Kapsel, welche die Leber umgibt, besitzt Nerven. Es kann zu einem diffusen Druckschmerz am rechten Oberbauch kommen, der als Folge der Spannung dieser Kapsel entstehen.

Typische Zeichen für eine Erkrankung der Leber sind die ständige Müdigkeit und der Leistungsabfall. Häufig leiden Menschen auch an Blutgerinnungsstörungen. Die Leber produziert wichtige Eiweiße für die Gerinnung, welche bei eingeschränkter Funktion nicht mehr hergestellt werden können. Um eine Lebererkrankung festzustellen wird das Blut untersucht. Gewisse Laborwerte können dem Arzt dabei helfen, die Ursachen der Lebererkrankung einzugrenzen.

Im folgenden Abschnitt werden die häufigsten Erkrankungen der Leber besprochen, welche vor allem von einem/r Internisten/in versorgt werden.

1. Gelbsucht
2. Hepatitiden A-E
3. Leberzirrhose
4. Fettleber
5. Leberkrebs
6. Autoimmune Lebererkrankungen
7. Eisenspeichererkrankung
8. Echinokokkose
9. Akutes Leberversagen

  1. Gelbsucht

Bei der Gelbsucht (Ikterus) färben sich die Haut, Schleimhäute und die Skleren (der weiße Teil des Auges) gelb. Die gelbe Farbe entsteht durch Ablagerung des Stoffes Bilirubin im Gewebe. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Demzufolge ist die Gelbsucht keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer Erkrankung. Sie entsteht vor allem wenn viele rote Blutkörperchen zerfallen, der Abfluss der Galle blockiert ist, die Funktion der Leber gestört ist oder das Blut eine angeborene erhöhte Menge an Bilirubin aufweist. Die gelbliche Verfärbung der Haut, Schleimhäute und Skleren verschwindet, sobald die Ursache des Ikterus behoben worden ist.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Gelbsucht

  1. Leberentzündung (Hepatitis)

Die Gründe einer Leberentzündung sind vielfältig. Vor allem Viren, aber auch Bakterie, Parasiten, Pilze, Alkohol oder andere Giftstoffe, Autoimmunerkrankungen oder eine Leberverfettung können zu einer akuten oder chronischen Entzündung der Leber führen. Die verschiedenen Hepatitiden sorgen für eine Leberzellzerstörung und Einwanderung von Entzündungszellen in die Leber. Lange Zeit kann eine Hepatitis unerkannt bleiben. Spätere Symptome sind Juckreiz oder ein Druckgefühl im Oberbauch, Gelbsucht, starke Müdigkeit oder Erbrechen. Die letzten drei Symptome treten eher bei schweren Fällen auf.
Die Leberentzündungen werden in zwei Kategorien unterteilt: die akute und chronische Hepatitis. Zu den akuten Hepatitiden zählen die Entzündungen, die nicht länger als sechs Monate andauern. Bei einer chronischen Leberentzündung zeigt sich ein langer Verlauf (> 6 Monate) und eine bindegewebige (fibröse) Vernarbung des Lebergewebes.
Eine frühe Diagnose ist für die folgenlose Ausheilung wichtig, denn nach dem Übergang in eine chronische Leberentzündung kann es letztendlich zu einer Leberzirrhose oder einem Leberkrebs kommen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Hepatitis

  1. Leberzirrhose (Schrumpfleber)

Bei der Leberzirrhose (Schrumpfleber) kommt es zu einem bindegewebigen und knotigen Umbau der Leber. Sie ist das Endstadium vieler chronischer Erkrankungen der Leber.
Eine Schrumpfleber wird durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst, vor allem spielen Alkohol, Medikamente, Autoimmunhepatitis und Virushepatitiden (Leberentzündungen ausgelöst durch Viren) eine große Rolle. Durch den knotigen, bindegewebigen Umbau der Leberzellen können die kleinen Blutgefäße kein Blut mehr abtransportieren und das Blut staut sich vor der Leber an, insbesondere in der Pfortader. Es kommt zur sogenannten „portalen Hypertension“ = Bluthochdruck in der Pfortader. Es entstehen Umgehungskreisläufe, so dass das Blut nicht durch die Leber, sondern an ihr vorbei zum Herzen zurückfliest. Da die Leber eine große Rolle bei der Entgiftung und dem Stoffwechsel des Körpers spielt, gelangen bei fortgeschrittener Leberzirrhose giftige Stoffe ins Gehirn und führen zu Konzentrationsstörungen, Zittern, Muskelzuckungen, Gangunsicherheit, Schläfrigkeit und letztendlich zum Koma. Die Blutgefäße der Umgehungskreisläufe haben unstabile Wände, weshalb sie bei zu hohem Druck platzen und zu inneren Blutungen führen können. Der Prozess der Leberzirrhose ist nicht rückgängig zu machen, er kann lediglich gestoppt werden. Unbehandelt führt die Erkrankung zum Leberversagen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Leberzirrhose

  1. Fettleber

Neben der Entgiftung hat die Leber auch die Aufgabe Fette zu speichern und bei Bedarf wieder freizusetzen. Wenn die Leber jedoch zu viel Fett aufnehmen muss, ohne den notwendigen Speicherplatz zu besitzen, lagert sich das Fett zusätzlich in den Zellen der Leber ab, sie verfettet. Folgende Ursachen können zu einer Fettleber führen: übermäßiger Alkoholkonsum, Stoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Übergewicht, Medikamenteneinnahme.
Die Fettleber birgt die Gefahr einer Leberentzündung, welche bei lange andauerndem Bestehen zu einer Leberzirrhose oder Leberkrebs führen kann. Das Positive bei einer Fettleber ist, das sie sich vollständig zurückbilden kann, wenn der Betroffene seinen Lebensstil ändert. Verzicht auf Alkohol, Reduktion des Gewichtes, Weglassen unnötiger Medikamente, und gute Einstellung des Blutzuckers sind dabei Voraussetzungen, welche erfüllt werden müssen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Fettleber

  1. Leberkrebs

Bei der Leber gibt es sowohl gutartige als auch bösartige Tumore. Zu den gutartigen Geschwülsten zählen das gehäuft vorkommende Hämangiom, das Leberadenom oder die fokale noduläre Hyperplasie (=lokal knotige Substanzvermehrung in der Leber). Bei den bösartigen Lebertumoren wird zwischen dem Hepatozellulären Karzinom (HCC) und dem Cholangiozellulären Karzinom (CCC) unterschieden. Das Erste (HCC) entsteht in der Leber selbst. Bei dem anderen (CCC) handelt es sich um ein bösartiges Krebsgeschwür in den Gallengängen. Zusätzlich können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) von anderen bösartigen Tumoren in die Leber einnisten.
Lebertumore sind besonders tückisch, da sie erst sehr spät eine Symptomatik entwickeln und somit entdeckt werden. Dazu zählen Gelbsucht, Übelkeit, Gewichtsabnahme, Wasserbauch, Schmerzen im Oberbauch. Eine Früherkennung ist besonders wichtig, um die Heilungschancen zu verbessern.

  1. Autoimmune Lebererkrankungen

Autoimmun bedeutet, dass sich die körpereigenen Abwehrzellen gegen den eigenen Körper richten. In diesem Falle greifen Abwehrzellen die Leber und Gallenwege an.
Es gibt drei Arten von Autoimmunerkrankungen der Leber:

  • Autoimmune Hepatitis: Es handelt sich hierbei um eine chronische Entzündung der Leber, die in jedem Alter, gehäuft aber bei Frauen auftritt. Zeichen dafür sind Müdigkeit, Juckreiz und diffuse Oberbauchbeschwerden. Die Diagnose ist eher ein Zufallsbefund, da bei Routineuntersuchungen vermehrt erhöhte Leberwerte vorkommen, welche weitere Untersuchungen veranlassen.
  • Primäre sklerosierende Cholangitis: Sie ist eine Entzündung der mittleren und großen Gallengänge. Die genaue Ursache der Krankheit ist nicht bekannt. Etwa 60% der Betroffenen leiden gleichzeitig an Colitis ulcerosa, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Hier sind gehäuft Männer betroffen. Typische Beschwerden sind Juckreiz, Müdigkeit, Gelbsucht und Gewichtsverlust. Eine Folge der Erkrankung kann Gallengangskrebs sein. Die primäre sklerosierende Cholangitis kann nicht geheilt werden. Die Symptome wie Juckreiz oder Bauchschmerzen können aber behandelt werden.
  • Primäre biliäre Zirrhose: Die kleinen Gallengänge in der Leber sind bei dieser Krankheit länger als 6 Monate entzündet und können bei Fortbestehen der Erkrankung auf die gesamte Leber übergehen. Die Ursache der Erkrankung ist bis heute unbekannt. Zu 90% sind Frauen davon betroffen. Typische Zeichen sind Müdigkeit, Juckreiz, Leistungsabfall und Verdauungsstörungen. Die Krankheit kann nicht geheilt, aber die Symptome mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.
  1. Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)

Die Krankheit zählt zu den häufigsten Erbkrankheiten. Der Körper nimmt dabei vermehrt Eisen aus der Nahrung auf und speichert es in der Leber, im Herzen und den Nieren ab. Es kann im Laufe der Zeit zu bindegewebigen, knotigen Veränderungen kommen, die sich zu einer Leberzirrhose entwickeln. Die Ursache der Eisenspeicherkrankheit kann nicht behandelt werden, jedoch hat man die Krankheit ganz gut im Griff. Ein frühzeitiger Beginn mit dem Aderlass (große Menge Blut abnehmen) bringt die Eisenwerte wieder in den Normbereich und verhindert die schweren Folgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs.

  1. Echinokokkose

Es gibt zwei Arten: Die alveoläre Echinokokkose und die zystische Echinokokkose. Bei der Alveolären handelt es sich um einen Befall der Leber mit Fuchsbandwürmern (Echinococcus multilocularis). Die Überträger des Parasiten sind Füchse, Hunde und Katzen. Die Infektion kann die Leber zerstören und muss frühzeitig behandelt werden. Die Zystische Echinokokkose wird durch den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) übertragen. Nach oraler Aufnahme durchdringen die Parasiten die Darmwand und gelangen über die Pfortader in die Leber. Wenn möglich sollten die Echinokkokose chirurgisch entfernt werden. Alternativ kann sie mit dem Arzneimittel Albendazol behandelt werden.

  1. Akutes Leberversagen

Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine akut auftretende Funktionsstörung der Leber. Häufig hervorgerufen durch Viren oder Giftstoffe z.B.: des Knollenplätterpilzes, Drogen oder anderen Chemikalien. Die Patienten bekommen Gelbsucht, haben vermehrt Blutungen, da die Gerinnung nicht richtig funktioniert, werden schläfrig oder fallen ins Koma. Eine sofortige Therapie muss eingeleitet werden. Die Ursache muss, wenn möglich, behoben werden. Bei starker Schädigung der Leber ist der einzige Ausweg eine Lebertransplantation.

Internistische Erkrankungen der Leber

Im Folgenden können Sie die Liste aller Themen einsehen, die bereits zu Erkrankungen der Leber, die dem medizinischen Gebiet der Inneren Medizin zuzuordnen sind, erschienen sind:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.08.2017
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