Hämangiom der Leber - Ist das gefährlich?

Definition

Das Hämangiom der Leber ist der häufigste gutartige Lebertumor und tritt mit einer Häufigkeit von 3:1 häufiger bei Frauen auf. Es besteht aus feinen Blutgefäßen, im allgemeinen Sprachgebrauch wird es daher auch als Blutschwämmchen bezeichnet. Die Gründe der Entstehung sind unbekannt. Oft kommt es zu keiner fulminanten Symptomausprägung, sodass ein Hämangiom der Leber eher als Zufallsbefund bei bildgebenden Untersuchungen beeindruckt. Gegebenenfalls können bei größeren Befunden Beschwerden im Oberbauch auftreten oder auch ein Völlegefühl mit Übelkeit imponieren.

Wichtige Sonderform des Hämangioms ist auch das kavernöse Hämangiom. Lesen Sie, um mehr darüber zu erfahren: Kavernöses Hämangiom - Wie gefährlich ist das?

Ist ein Hämangiom der Leber gefährlich?

Ob ein Hämangiom gefährlich werden kann, hängt zum einen von dessen Ausprägung oder Größenwachstum ab, zum anderen von der Lage in der Leber. Eine Entartung im Sinne einer Krebserkrankung ist bisher noch nie beobachtet worden.
Das Hämangiom der Leber stellt in den meisten Fällen einen Zufallsbefund dar. Eventuelle Symptome können deshalb relativ unspezifisch sein und zunächst nicht in die richtige Richtung lenken. Neben Oberbauchbeschwerden wie Schmerzen kann auch Übelkeit auftreten.
Treten seltene Komplikationen wie Blutungen aus dem Hämangiom auf, kann es zu allgemeiner Schwäche und Blässe, sowie zu Schmerzen kommen. Zu Blutungen kann es kommen, wenn das Hämangiom sehr dicht an der Leberoberfläche zu finden ist und sehr groß ist (Durchmesser von über 5cm).
Des Weiteren kann das Hämangiom auch innerhalb der Leber in der Nähe von bedeutenden Gefäßen, wie den Gallenkanälen, wachsen. Werden diese eingeengt, ist es möglich, dass der Galleabfluss behindert wird und ein Ikterus (Gelbfärbung der Haut) entsteht. Diese erkennt man am besten zuerst an der Bindehaut der Augen.

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Macht ein Hämangiom der Leber Schmerzen?

Ein Hämangiom der Leber verursacht in den meisten Fällen keine Symptome, also auch keine Schmerzen. Gelegentlich kann es zu unspezifischen Oberbauchbeschwerden kommen. Diese treten vor allem dann auf, wenn das Hämangiom der Leber größer wird oder bereits besonders groß ist. Hinzu kommen Beschwerden wie ein Völlegefühl und Übelkeit. Schmerzen treten meist erst bei sehr großen Leberhämangiomen auf. Da die Leber selbst nicht gut mit schmerzleitenden Nervenfasern versorgt ist, treten Schmerzen erst auf, wenn die Kapsel der Leber so stark gedehnt wird, dass die darin enthaltenden Schmerzfasern gereizt werden.

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Kann ein Hämangiom auch von selbst verschwinden?

Das Hämangiom der Leber zählt zu den gutartigen Tumoren. Dabei spielen zwei Faktoren eine wesentliche Rolle: Zum einen breitet sich das Hämangiom selten aus, es reagiert nicht mit dem umliegenden Gewebe und beeinträchtigt dadurch die Leberfunktion nicht. Zum anderen bilden sich die meisten Hämangiome der Leber im Laufe der Zeit von selbst wieder zurück. Daher ist nur in den seltensten Fällen eine Therapie des Hämangioms notwendig. Oftmals wird ein Hämangiom der Leber nur durch Zufall entdeckt. Anschließend erfolgen Verlaufskontrollen, bis das Hämangiom von selbst verschwunden ist.

Was macht man wenn das Hämangiom größer wird?

Ein Hämangiom muss in der Regel nicht behandelt werden, da es sich nur um eine benigne (=gutartige) Raumforderung handelt. Von dem Hämangiom geht in den meisten Fällen keine Gefahr aus, da sie die Funktion der Leber nicht beeinträchtigen. Wird jedoch das Hämangiom größer, besteht die Gefahr einer Ruptur, also dass das Blutschwämmchen reißt und es somit zu einer Einblutung in die Leber kommt. Dies kann die Leberzellen schädigen oder bei besonders großen Hämangiomen der Leber auch zu einem starken Blutverlust führen. In diesem Fall kann eine Therapie des Hämangioms in Erwägung gezogen werden. Dazu gibt es verschiedene Methoden: Man kann das Hämangiom mit chemischen Substanzen veröden, sodass es nicht mehr durchblutet wird. Alternativ kann eine operative Entfernung des Hämangioms vorgenommen werden, dies ist jedoch keine Standardtherapie von einem Hämangiom der Leber.

Was ist ein kavernöses Hämangiom?

Als kavernöses Hämangiom der Leber bezeichnet man Blutschwämmchen, die aus sehr großen blutgefüllten Räumen bestehen. Der Begriff kavernös (Kaverne = entstandener Hohlraum) bezeichnet ein Hämangiom, welches nicht aus vielen kleinen angesammelten Gefäßen besteht, sondern bei dem sich ein Gefäß besonders groß ausweitet. Da auch das kavernöse Hämangiom der Leber aus einem Gefäß entsteht, besteht die Auskleidung der Hämangiom-„Höhle“ aus Endothel, also der innersten Zellschicht, die sich auch in normalen Blutgefäßen befindet. Bei kavernösen Hämangiomen der Leber besteht im Vergleich zu anderen Hämangiomen eine etwas größere Rupturgefahr (Gefahr, dass das Blutschwämmchen reißt), wodurch auch die Blutungsgefahr etwas höher ist als bei anderen Hämangiomen.

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Entfernung eines Hämangioms mittels Operation

Die Entfernung eines Hämangioms wird in der Regel selten notwendig. Ab einer Größe von über 5 cm und ungünstiger Lage sollte über eine Operation nachgedacht werden. Bei diagnostischer Unsicherheit kann eine Probenentnahme sinnvoll werden, welche minimalinvasiv durchgeführt wird. Engt das Hämangiom wichtige, in der Leber befindliche Strukturen ein, kann eine Entfernung ebenso nötig werden um zum Beispiel den Gallenfluss wieder zu gewährleisten. Grundsätzlich wird immer ein minimalinvasives Vorgehen einer sogenannten „offenen“ Operation bevorzugt, bei der ein größerer Schnitt am Oberbauch erfolgt. Die Entscheidung trifft der Operateur nach gewissenhafter Sichtung der Konstitution, der Vor-Operationen und des allgemeinen Gesundheitszustandes des Patienten. Kommt es zu einer Blutung aufgrund eines Einrisses des Leberhämangioms, muss umgehend operiert werden.

Ursachen

Die Ursachen der Entstehung eines Hämangioms der Leber sind weitgehend unbekannt. Sie können angeboren sein und auch ein Leben lang keine Beschwerden verursachen. Bei Frauen unter starkem Einfluss weiblicher Hormone, wie es in der Schwangerschaft oder bei Einnahme der „Pille“ vorkommt, können diese gutartigen Tumoren vermehrt beobachtet werden. Auch ein Wachstum von bereits bestehenden Hämangiomen der Leber kann während der Schwangerschaft auftreten, sodass der hormonelle Faktor eine entscheidende Rolle spielt.

Hämangiom der Leber in der Schwangerschaft

Die Hormonumstellung des weiblichen Körpers wirkt sich erwiesenermaßen auf das Wachstum von Hämangiomen der Leber aus. Hier spielen Progesteron und Östrogen eine wichtige Rolle. Da sich diese Hormone auch in oralen Kontrazeptiva („Pille“) wiederfinden, kann es auch unter deren Anwendung zum vermehrten Wachstum kommen. Sind Hämangiome bei einer Schwangeren bekannt, müssen sie nicht zwangsläufig auch Beschwerden verursachen, dennoch sollten sie in Größe und Lage regelmäßig überprüft werden, um eventuelle Komplikationen wie Blutungen zu vermeiden. Dieses kann zum einen in den standardmäßig festgelegten Ultraschalluntersuchungen geschehen, je nach Bedarf aber auch in zusätzlichen Terminen überwacht werden. Als alternatives Schnittbildverfahren kann das MRT eingesetzt werden, eine Computertomographie wäre eine zu große Strahlenbelastung für Mutter und Kind. Auf das ungeborene Kind hat ein Hämangiom der Leber in der Regel keinen Einfluss

Hämangiom der Leber und die "Pille"

Die Pille enthält je nach Präparat eine Hormonzusammensetzung wie sie der Körper einer Schwangeren selbst produziert. Dem weiblichen Körper wird durch die Einnahme der Pille sozusagen eine Schwangerschaft simuliert. Die enthaltenen Hormone sind meist Östrogen und Progesteron. Diese haben nachweislich Einfluss auf das Wachstum von Hämangiomen der Leber. Ist also ein Hämangiom bei einer Frau bekannt, sollten im Rahmen einer Verhütung mit der Pille, regelmäßige Kontrollen, auf Veränderungen wie Größenwachstum, durch Ultraschalluntersuchungen stattfinden.

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Diagnose

Die Diagnose eines Hämangioms der Leber ist in den meisten Fällen eine Zufallsdiagnose während eines bildgebenden Verfahrens, wie dem Ultraschall. Außerdem kann es auch in der Computertomographie oder der Kernspintomographie beobachtet werden. Am Anfang aller Diagnostik steht die Anamnese, das ärztliche Gespräch, in dem zielgerichtete Fragen auf die Ursache von eventuellen Beschwerden gestellt werden. Sehr oft leiden Patienten mit einem Hämangiom in der Leber aber unter keinen Beschwerden, beziehungsweise die vorhandenen Symptome sind sehr unspezifisch. So wird die Diagnose auf jeden Fall über die oben genannten Untersuchungsmethoden gestellt. Besteht doch eine Unsicherheit kann man an eine Probenentnahme denken, wobei hier mit besonderer Vorsicht vorgegangen werden muss, um größere Blutungen zu vermeiden. Die gewonnen Proben werden dann unter dem Mikroskop untersucht und geben Gewissheit um welches Geschehen es sich handelt.

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Computertomographie

Die Computertomographie bietet eine mit Röntgenstrahlen gewonnene Schichtbildaufnahme des zu untersuchenden Bereichs. Sie kann unterstützend, zur besseren Beurteilung, in Kombination mit einem Kontrastmittel, welches über die Vene gespritzt wird, erfolgen. Die Darstellung eines Hämangioms der Leber imponiert hierbei, da es aus feinsten Blutgefäßknäulen besteht und diese sich mit dem Kontrastmittel anreichern. Die Einleitung einer computertomographischen Untersuchung erfolgt häufig erst nachdem eine Raumforderung in der Leber durch den Ultraschall detektiert wurde. Diese kann dann Sicherheit für die Gutartigkeit des gewonnenen Befundes bringen.

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MRT der Leber

Die Magnetresonanztomographie, oder auch Kernspintomographie, ist ein strahlenarmes Untersuchungsmedium, welches eine gute Auflösung für Schichtbildaufnahmen von Weichteilstrukturen bringt. Auch im MRT kann, wie im CT, zur Diagnosesicherung ein Kontrastmittel eingesetzt werden. Das Hämangiom reichert sich mit dem Kontrastmittel an und kann somit in seiner Lagebeziehung zu anderen Strukturen in der Leber dargestellt werden

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Sonographie

Die Sonographie des Oberbauchs stellt die Leber ebenfalls in Schichtbildern dar und ist häufig die erste Station der Diagnostik. Der Ultraschallkopf wird fächerartig über die verschiedenen Positionen zur Leberbeurteilung bewegt. Wird der Verdacht auf ein Hämangiom oder eine andere unklare Raumforderung gestellt, sollte zur Sicherstellung im Nachgang eine Kontrastmittel-CT oder MRT Untersuchung gemacht werden.

Kann man ein Hämangiom sicher von einer Metastase unterscheiden?

Wie gut man ein Hämangiom von einer Metastase in der Leber unterscheiden kann, hängt von der Untersuchungsmethode ab. In der Regel beginn die Untersuchung mit einem Abtasten der Leber, dabei ist in beiden Fällen eventuell eine Vergrößerung des Organs festzustellen. Anschließend erfolgt ein Ultraschall der Leber und des Bauches. Bei dieser Untersuchung zeigt sich das Hämangiom als helle Struktur, die Metastase dagegen kann sowohl als dunkle oder auch als helle Struktur auftreten und ist am Rand besonders scharf gegen die Umgebung abgegrenzt. Im CT oder MRT reichert sich Kontrastmittel beim Hämangiom sehr schnell am Rand an, wenig später gelangt es in die Mitte. Die Lebermetastasen dagegen nehmen in der Regel kaum Kontrastmittel auf und heben sich daher in der Bildgebung nicht besonders hell von der Umgebung ab.

Hämangiom der Leber und Ernährung

Die Ernährung hat in der Regel keinen Einfluss auf ein Hämangiom der Leber. Sollten sich aber im Laufe eines Lebens Veränderungen des Lebergewebes ergeben, welche ernährungsbedingt bei sehr fettreicher Nahrung und regelmäßigem Alkoholkonsum auftreten können, könnte es möglich sein, dass ein Hämangiom weniger Platz hat. Dieser Platzmangel könnte zum einen in der Leber auf wichtige Strukturen Druck ausüben und diese bedrängen, zum anderen könnte es auch zu Blutungen aufgrund eines Einreißens kommen

Hämangiom der Leber und Alkohol

Der Genuss von Alkohol in geringen Mengen sollte sich im Allgemeinen nicht auf Hämangiome der Leber auswirken. Im Rahmen von strukturellen Umbauten der Leber bei regelmäßig zu hohem Alkoholkonsum kann es beispielsweise im Rahmen einer Fettleber oder Leberzirrhose zum Platzmangel des Hämangioms kommen. Eine Ruptur bei oberflächlich gelegenen Hämangiomen, oder die Verlegung wichtiger Strukturen können dann Komplikationen wie Blutungen oder einen Ikterus auslösen.

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Autor: Dr. Nikolas Gumpert
Veröffentlicht: 21.03.2017 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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