Gelbsucht

Synonyme

Ikterus

Definition Gelbsucht

Unter einer Gelbsucht versteht man eine unnatürliche Gelbfärbung der Haut bzw. der Bindehäute der Augen und der Schleimhäute, die durch eine Erhöhung des Stoffwechselproduktes Bilirubin ausgelöst wird. Steigt das Gestamtbilirubin im Körper auf Werte über 2 mg/dl wird eine Gelbfärbung ausgelöst.

Formen und Ursachen der Gelbsucht

Das Stoffwechselprodukt Bilirubin stellt das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes dar. Kommt es zu einer Störung des Transportes, oder zu einem erhöhten Anfall, wird Bilirubin an das umliegende Gewebe abgegeben und färbt dann Haut, Schleimhaut und Lederhaut bzw. Bindehaut der Augen gelblich.

Prinzipiell unterscheidet man drei Hauptformen der Gelbsucht (Ikterus), die sich vom Ort der Entstehung ableiten.

1. die prähepatische Gelbsucht

Der prähepatische Ikterus hat meist seine Ursache außerhalb der Leber und zwar in dem Stoffwechselbereich, der der Leber vorgeschaltet ist. Dazu gehören hämolytische Anämien, also Erkrankungen, bei denen Blutbestandteile aufgelöst werden. Das Produkt, das dabei entsteht ist u.a. Bilirubin, das dann die Haut gelb färbt. Aber auch eine nicht effektive Blutproduktion kann zu einem erhöhten Anfall von Bilirubin führen und wird somit ebenfalls zum prähepatischen Ikterus gezählt.
Eine Sonderform stellt der sogenannte Morbus Hämolyticus Neonatorum (Neugeborenenikterus) dar. Eine Blutunverträglichkeit bei Neugeborenen. Bringt eine Mutter ein Kind mit einer anderen Rhesusgruppe auf die Welt, so bildet sie Antikörper. Bei der Geburt eines zweiten Kindes richten sich dann die Antikörper gegen das zweite Kind und greifen dessen Blutbestandteile an. Das Kind wird u.a. durch eine Gelbsucht auffällig.
Heute ist diese Art der Gelbsucht (Ikterus) relativ selten geworden, weil genaue Kontrollen der Mutter und der vorangegangenen Schwangerschaften zu den Standarduntersuchungen zählen.


2. Die hepatische Gelbsucht

Der hepatische Ikterus hat seine Ursache in der Leber. Hierzu gehören alle Entzündungen des Lebergewebes, wie die infektiöse Hepatitis durch Viren, Bakterien und die chronische Hepatitis und die Leberzirrhose, die ihre Ursache entweder in Infektionen oder in übertriebenem Alkoholkonsum hat.
Erkrankungen, die eine erhöhte Bilirubinproduktion zur Folge haben (familiäre Hyperbilirubinämie), durch Gifte erzeugte Hepatitiden durch Alkohol, Tetrachlorkohlenstoff und Knollenblätterpilzvergiftung zählen ebenfalls zu den intrahepatischen Ursachen einer Gelbsucht.
Da die meisten Medikamente nach der Aufnahme in der Leber verstoffwechselt werden, ist es auch möglich bei Überdosierung die Leber so schwer zu schädigen, dass eine Gelbsucht daraus resultiert (Medikamenten Hepatitis, Drogen Hepatitis).
Durch übermäßigen Alkoholkonsum und Leberzirrhose kann es schlussendlich auch zu einer Stauungsleber mit dem sogenannten Pfortaderhochdruck kommen, die den Gallensäurendurchfluss durch die Leber behindert. Einer der ersten Symptome dieser Stauungsleber (Pfortaderhochdruck) ist meist auch eine Gelbsucht. Zahlreiche andere Erkrankungen können ebenfalls einen intrahepatischen Ikterus hervorrufen.
Es handelt sich dabei um seltene Stoffwechselerkrankungen, wie den Morbus Wilson, bei dem es zu einer abnormen Speicherung von Eisen in der Leber kommt, die Leber somit nicht mehr richtig arbeiten kann und den Blutfarbstoff Bilirubin nicht mehr entsorgen kann.
Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: Morbus Wilson
Ein narbiges Verkleben der Gallengänge, die sogenannte PSC (Primär sklerosierende Cholangitis und die PBC (primär biliäre Zirrhose) stellen weitere seltene Ursachen eines intrahepatischen Ikterus dar. Entzündliche Veränderung der Gallengänge nach Infussion eines Chemotherapeutikums oder eine Thrombose in den Lebervenen (Budd Chiari Syndrom) sind zeitweise auch Ursachen einer Gelbsucht.
Eine Sonderform des intrahepatischen Ikterus stellt der idiopathische Schwangerschaftsikterus dar. Er ist für die Mutter ungefährlich, allerdings versterben bei Nichtbehandlung ca. 10 % der Kinder unter der Geburt, 20 % der Kinder kommen zu früh auf die Welt. Bei einer familiären Vorbelastung kann es während der Schwangerschaft zu einer Störung des Gallensäureabflusses mit begleitetem Bilirubinanstieg kommen. Eine Begleiterscheinung ist neben der Gelbfärbung auch meist ein unangenehmer Juckreiz der Haut.

Lesen Sie mehr zum Thema: Aufgaben der Leber

3. Die posthepatische Gelbsucht

Unter einem posthepatischen Ikterus ist eine Abflussstörung aus der Ausflussstrombahn der Leber und des Gallengangssystems zu verstehen.
Dies kann zum einen durch einen Gallenstein oder nach Operationen entstandenen Verwachsungen passieren, aber auch durch Tumorbildung im Gallengangs-, oder Bauchspeicheldrüsenbereich. Der Ikterus (Gelbsucht) ist oft das erste Symptom dieser bösartigen Erkrankung, der Tumor leider zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten.

Häufigkeit der Gelbsucht

Die Häufigkeit einer Gelbsucht richtet sich nach der verursachenden Erkrankung. Bei der Hepatitis A z.B. kommt es bei Kindern, die jünger als 6 Jahre sind, in weniger als 10%, bei Kindern über 6 Jahre in 45 % und bei Erwachsenen in 75% der Fälle zu einem ikterischen Verlauf.
Der Morbus Hämolyticus Neonatorum als Ursache einer Gelbsucht (Ikterus) kommt heute verhältnismäßig selten vor. Ebenso die Vielzahl an familiären Hyperbilirubinämie- Syndromen. Tumoröse Erkrankungen, wie das Bauchspeicheldrüsenkarzinom, treten vornehmlich bei Patienten im sechsten bzw. siebten Lebensjahrzehnt auf. In 25% kommt es im Frühstadium zu einem Ikterus. Im Spätstadium haben 90% der Patienten eine Gelbsucht.

Symptome der Gelbsucht

Steigt das Gesamtbilirubin über 2mg/dl im Serum ist zunächst eine Gelbfärbung in der sonst als weiß erkennbaren Lederhaut der Augen zu erkennen. Bei weiterem Bilirubinanstieg folgt die Gelbfärbung der Haut.
Meist ist dann die Haut des gesamten Körpers betroffen. Bei stärkerer Bilirubinerhöhung kann es auch zu einem Juckreiz der Haut kommen.

Diagnose

Die Gelbsucht ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eher ein Symptom, das von unterschiedlichen Faktoren (siehe oben) ausgelöst wird.
Die Gelbsucht ist zumeist eine Blickdiagnose. Der Arzt kann dann durch eine Blutentnahme den Bilirubinspiegel bestimmen. Meistens ist dieser bei einer Gelbsucht erhöht, der Wert liegt mindestens über 2 mg/dl. Nun muss herausgefunden werden, welche Ursache der erhöhte Bilirubinspiegel hat.

Die Bestimmung eines großen Blutbildes kann Aufschluss darüber geben, ob eine der zahlreichen Blutbildungserkrankungen vorliegt. Die Ultraschalluntersuchung von Leber und Gallengangsystem gibt Hinweise auf Erkrankungen dieser Organe. Um zu untersuchen, ob z.B. eine Raumforderung des Gallengangs oder der Bauchspeicheldrüse den Gallensäurenabfluss verursacht, kann eine sogenannte ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie) durchgeführt werden. Hierbei wird ein Schlauch mit einer an der Spitze befestigten Kamera in den Magen und von dort in den Zwölffingerdarm geschoben. Am Eingang des Bauchspeicheldrüsenganges wird ein Kontrastmittel in diesen gespritzt.
Kurz danach wird eine Röntgenaufnahme durchgeführt. Auf dem Bild sieht man nun, ob Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang durchgängig sind oder ob irgendetwas diesen verschließt oder einengt. Auch kann man dieses Instrument dazu benutzen Gallengangssteine zu bergen oder Proben der Einengung zu nehmen. Die ERCP stellt eine wichtige Untersuchungsmethode zur Ursachenfindung des Ikterus und zur Diagnose eines Bauchspeicheldrüsentumors dar.

Therapie des Ikterus (Gelbsucht)

Weitere Informationen zur Diagnose, Therapie, Prognose und Prophylaxe des Ikterus (Gelbsucht) finden Sie unter unserem Thema:

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.02.2018
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