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Leberhautzeichen

Einleitung

Bei einem Leberschaden oder einer Leberzirrhose kann es zum Auftreten sogenannter Leberhautzeichen kommen. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Hautausschläge, die in einem direkten Zusammenhang mit der Schädigung der Leber stehen. 
Ausgelöst werden können diese Leberhautzeichen zum Beispiel durch die Einnahme von Stoffen, die für die Leber giftig sind, wie zum Beispiel Alkohol, Drogen oder einige Medikamente. Auch Erreger können im Rahmen einer Krankheit die Leber angreifen und schädigen. Des Weiteren kann eine Herzschwäche dazu führen, dass das Blut in die Leber gestaut wird und dadurch das Gewebe in Mitleidenschaft zieht. Häufig sind die Leberhautzeichen bei einer Leberzirrhose sichtbar. 

Diese Leberhautzeichen gibt es

  • Gelbsucht (Ikterus),
  • Palmarexanthem (Rotfärbung der Handinnenfläche)
  • Weißnägel,
  • Gefäßspinnen (Spider naevi),
  • Caput medusae (Erweiterung der oberflächlichen Venen um den Bauchnabel herum)
  • Lackzunge
  • Lacklippe
  • Bauchglatze
  • Dupuytren-Kontraktur (Versteifung der Fingermuskulatur mit knotenartiger Verdickung der Sehnen)
  • Pergamenthaut (Verdünnung der Hautschichten, sodass die Haut wie Pergamentpapier erscheint)

Diese Arten von Hautveränderungen sind in den meisten Fällen ein Hinweis auf eine chronische Lebererkrankung.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Das sind die Symptome einer Leberzirrhose.

Ursachen

Die Leber ist für ganz verschiedene Vorgänge im Körper wichtig und bei Einschränkung von ihrer Funktion kann sich das durch eine ebenso große Variabilität an Symptomen zeigen. Die Leber stellt lebenswichtige Gerinnungsfaktoren für das Blut her, also Blutbestandteile, die eine ausgeglichene Blutkonsistenz ermöglichen und ein Verbluten verhindern. Ist die Leber durch eine Krankheit, einen Giftstoff wie Alkohol oder andere Ursachen geschädigt, so kann es sein, dass eben diese Gerinnungsfaktoren nicht mehr bereit gestellt werden können. Dann kann es zu kleinen Einblutungen in der Haut oder später auch in anderen Organen kommen.
Erkrankungen der Leber beeinflussen auch das Erscheinungsbild der Haut. Durch einen Leberschaden oder eine Leberzirrhose kann das Blut aus dem Magen-Darm-Bereich nicht mehr richtig durch die Leber fließen, da diese bindegewebig umgebaut, in ihrer Funktion eingeschränkt und verkleinert ist. In der Folge staut sich das Blut im Pfortaderkreislauf zurück und man spricht von einer portalen Hypertension. Dieser Rückstau ist als „Caput medusae“ , das sind verdickte Venen im Bereich der Bauchdecke um den Bauchnabel herum, sichtbar.

Durch den gestörten Stoffwechsel und die fehlende Entgiftungsfunktion der Leber sammeln sich Hormone, Giftstoffe und der Gallenfarbstoff Bilirubin im Körper an. Durch das Bilirubin wird die Haut gelb (Ikterus oder Gelbsucht). Die Nägel verfärben sich weißlich (Weißnägel) und die Innenseiten der Hände sind gerötet (Palmarexanthem). Die Zunge ist auffallend rot und glänzend (Lackzunge).

Durch die geänderten Blutdruckverhältnisse treten außerdem die sogenannten Spider naevi am Oberkörper und im Gesicht auf. Dabei handelt es sich um kleine, sternförmige Erweiterungen von kleinen Gefäßen.

Als Bauchglatze bezeichnet man den Verlust der Bauchbehaarung beim Mann. Die Bauchglatze ist ein typisches Leberhautzeichen, da es durch die Leberschädigung zu hormonellen Störungen kommt. Sexualhormone können nicht mehr über die Galle ausgeschieden werden und müssen in weibliche Geschlechtshormone umgewandelt werden, wodurch der Östrogenspiegel erhöht ist. Das Östrogen wiederum ist für die mangelnde Bauchbehaarung verantwortlich.

Gelbsucht

Die Gelbsucht, in der Medizin als Ikterus bezeichnet, ist ein Leberhautzeichen, das sich als Gelbfärbung zuerst der Augen und dann der Haut darstellt. Die Leber hat eine bedeutende Rolle im Abbau des Hämoglobins, des Farbstoffes vom Blut, sodass diese Abbauprodukte vermehrt im Körper anfallen, sobald die Leber nicht mehr alle ihre Aufgaben erfüllen kann. Das kann zum Beispiel durch direkte Schädigung der Leberzellen geschehen oder durch eine Stauung im Abfluss der Gallensäure, die auch in der Leber hergestellt wird und dann in der Gallenblase konzentriert wird.

Lesen Sie mehr zum Thema: Gelbsucht

Palmarerythem

Ein Palmarerythem, also die Rotfärbung der Handinnenflächen, ist auch ein typisches Leberhautzeichen, das im Rahmen einer Schädigung der Leber vorkommen kann. Wenn der Druck in den Lebergefäßen erhöht ist, kann es zu einer Erweiterung der Gefäße  in Köperregionen kommen, die weiter entfernt vom Herzen sind. Diese Erweiterung der Blutgefäße kann dann zur charakteristischen Hautrötung führen. In einigen Fällen kann dies auch die Hohlseite des Fußes betreffen.

Caput Medusae

Vom Großteil der Bauchorgane fließt das Blut in den Venen gemeinsam über die Leber zum Herzen hin. Werden die Blutgefäße in der Leber undurchlässiger und steigt der Druck in diesen Gefäßen an, so kann der Körper alternative Umgehungskreisläufe ausbilden, in denen das Blut dann abfließt, um zurück zum Herzen zu gelangen. Zum Beispiel werden dann oberflächliche Bauchgefäße genutzt, die über die Zeit an Volumen zunehmen und am Bauch deutlich sichtbar werden. Dieses Symptombild wird als „Caput Medusae“ bezeichnet.

Leberschaden durch Alkohol

Die häufigste Ursache für einen Leberschaden und die daraus resultierende Leberzirrhose ist chronischer Alkoholmissbrauch.

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Menge an Alkohol, die konsumiert wird, und dem Auftreten der Leberzirrhose. Alkohol ist ein Zellgift, das in der Leber abgebaut wird. Bei übermäßigem Alkoholkonsum kommt es zu Veränderungen an den Leberzellen, das Gewebe verfettet und wird schließlich zirrhotisch.

Leberhautzeichen im Gesicht

Auch im Gesicht kommt es bei einer Leberschädigung oder einer Leberzirrhose zum Auftreten von typischen Hautveränderungen.

Die Lackzunge

Durch den Leberschaden kommt es zu einem Vitaminmangel und in der Folge atrophieren die Zungenpapillen. Das bedeutet, dass die kleinen Erhebungen auf dem Zungenrücken nach und nach verschwinden und die Zungenschleimhaut ein glänzendes, lackartiges Erscheinungsbild annimmt sowie stark gerötet ist. Durch die Veränderungen kann es auch zu Missempfindungen (Parästhesien) an der Zungenoberfläche kommen. Dieses Symptom wird als Lackzunge bezeichnet und tritt häufig gemeinsam mit Lacklippen, also auffällig glänzenden und sehr roten Lippen, auf.

Spider naevi

Die Leberzellen sind nicht nur für die lebenswichtige Entgiftung von schädigenden Stoffen im Körper zuständig. Auch werden in diesen Leberzellen bedeutende Proteine hergestellt, die zum Beispiel dafür sorgen, dass das Blut nicht zu dünn ist und der Mensch nicht verblutet. Fehlen bei einer Leberschädigung eben diese wichtigen Proteine, die „Gerinnungsfaktoren“, kann es überall im Körper zu Einblutungen kommen. Deutlich wird das zum Beispiel an den „Spider naevi“, den spinnenbeinartigen oberflächlichen Einblutungen in kleinsten Adern, die sich permanent auf der Haut zeigen.
Vor allem im Gesicht und im Nacken treten diese auf. Die punktförmigen Gefäßknötchen sind nur wenige Zentimeter groß und lassen sich wegdrücken. Spider neavi zählen zu den Leberhautzeichen und sollten unbedingt abgeklärt werden. Es gibt allerdings auch eine Reihe harmlose Erklärungen für das Auftreten der Spider naevi, wie beispielsweise die Pubertät oder die Schwangerschaft.

Spider naevi in der Schwangerschaft

Spider naevi, also die kleinen, sternförmigen Haufgefäße, bilden sich eventuell auch bei schwangeren Frauen aus. Ursache hierfür ist der erhöhte Druck im Bauchraum während der Schwangerschaft, der widerum einen hohen Druck im Gefäßsystem bedingt und somit auch für die Ausbildung von Krampfadern verantwortlich ist. Mit Ende der Schwangerschaft sinkt der Gefäßdruck wieder ab, und die Spider naevi verschwinden.

Spider naevi während der Schwangerschaft sind somit harmlos und müssen nicht weiter behandelt werden. Normalerweise verblassen die Hautveränderungen nach der Schwangerschaft von alleine. Passiert das nicht, kann eine Lasertherapie in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Spider naevi in mehreren Sitzungen mit einem Laserstrahl entfernt.

Begleitende Symptome

Als weitere Symptome neben den Leberhautzeichen im Rahmen einer Schädigung des Lebergewebes kann es zu allgemeinen Symptomen, wie Müdigkeit und Schwäche kommen. In einigen Fällen leiden die Patienten unter Juckreiz.
Vor allem, wenn die Leber vergrößert ist, kann ein Druckempfinden und Völlegefühl im rechten Oberbauch auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium einer Leberschädigung kann es zu einer gefährlichen Anhäufung von giftigen Stoffen im Blut kommen, da die Entgiftungsfunktion der Leber vermindert ist. Einige dieser Giftstoffe, wie zum Beispiel Ammoniak, können einen großen Schaden im Gehirn anrichten. Dies wird medizinisch als „Hepatische Enzephalopathie“ bezeichnet.

Aszites

Durch den Bluthochdruck im Pfortadersystem (portale Hypertension) sammelt sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle zwischen den Bauchorganen an. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Aszites (Bauchwassersucht).

Außerdem fühlen sich die Patienten müde und abgeschlagen, klagen über Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme. Generell sagt man, dass Müdigkeit (natürlich nur kombiniert mit anderen Symptomen) das "Leid der Leber" ausdrückt.

Hepatische Enzephalopathie

Bei einem fortgeschrittenen Leberschaden kann die Konzentration der Giftstoffe so weit angestiegen sein, dass sie ins Gehirn gelangen und dort eine hepatische Enzephalopathie verursachen. Die Betroffenen zeigen neurologische Auffälligkeiten, wie Konzentrationsstörungen, Bewusstseinsstörungen, eine Abnahme der Leistungsfähigkeit und eingeschränkte kognitive Fähigkeiten.

Juckreiz

Bei einer Schädigung der Leber können Stoffwechselendprodukte und Gifte nicht mehr über die Galle ausgeschieden werden und sammeln sich im Blut an. Auch Gallensäuren treten aus der geschädigten Leber ins Blut über und verursachen einen Juckreiz am ganzen Körper. Bei Lebererkrankungen kann auch ein Prurigo simplex subacuta auftreten. Dabei handelt es sich um einen Hautausschlag, bei der die Haut gerötet ist und stark juckt. Die genaue Ursache für das Auftreten eines Prurigo simplex subacuta ist noch nicht vollständig geklärt.

Gynäkomastie

Zusätzlich im Rahmen einer Leberschädigung können Veränderungen im Hormonstoffwechsel auftreten mit Verschiebung der natürlichen Verhältnisse von Östrogen und Testosteron hin zum deutlichen Überschuss von Östrogen. Bei Männern kann dies ein Wachstum der Brustdrüsen bewirken, was medizinisch als Gynäkomastie bezeichnet wird. Zu viel Östrogen beim Mann kann also zur Ausbildung von Brüsten führen, was oft mit einem großen Unbehaglichkeitsgefühl beim Patienten einhergeht. Bei Frauen kann es zum Ausbleiben der Regelblutung kommen und bei beiden Geschlechtern zu Verminderung des Lustgefühls.

Weitere Informationen finden Sie unter: Gynäkomastie

Dupuytren-Kontraktur

Die Dupuytren-Kontraktur stellt eine Versteifung der Fingermuskulatur mit knotenartiger Verdickung der Sehnen dar und kann unter anderem im Rahmen einer langwierigen Leberschädigung vorkommen. Den genauen Mechanismus hat man noch nicht verstanden, jedoch ist bekannt, dass der Auslöser dieser Fingerversteifung die Anhäufung von giftigen Stoffen im menschlichen Körper ist.
Anfangs ist ergotherapeutische Behandlung die Therapie der Wahl, während bei fortgeschrittenem Krankheitsbefund eine Operation angeraten wird. Im Anschluss an eine Operation der Hand muss kontinuierliches Training der Handmuskeln stattfinden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erhalten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Morbus Dupuytren

Diagnose

Leberhautzeichen können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein und bei Vorliegen dieser Hautveränderungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt erkennt die typischen Hautveränderungen und Hautausschläge mittels Inspektion (Blickdiagnose) des Patienten.

Im Folgenden kann er die Leber mittels Ultraschalluntersuchung bewerten und die Leberwerte im Blut bestimmen. Dadurch lässt sich feststellen, ob ein Leberschaden oder eine Leberzirrhose vorliegt. Dementsprechend kann die Krankheit behandelt werden.

Leberwerte

Bei Vorliegen von Hautveränderungen, die auf einen Leberschaden hindeuten, kontrolliert der Arzt immer auch die sogenannten Leberwerte im Blut. Dabei handelt es sich um die Konzentration bestimmter Enzyme (also Proteine) im Blut, die Hinweise auf die Leberfunktion geben. Diese Enzyme gehören normalerweise nicht ins Blut. Wenn ihre Konzentration im Blut aber zunimmt, ist das ein Zeichen dafür, dass Leberzellen zugrunde gegangen sind - das ist bei einem Leberschden der Fall.

Zu den Leberparametern zählen

  • GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase auch Alanin-Aminotransaminase (ALT, ALAT) genannt),
  • GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase auch Aspartat-Aminotransferase (AST, ASAT) genannt),
  • Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase)
  • und die alkalische Phosphatase (AP).

Eine Erhöhung dieser Werte deutet auf einen Leberschaden hin und bedarf einer weiteren Abklärung.

Therapie

Die Behandlung von Hautveränderungen bei einem Leberschaden erfolgt durch die Therapie der auslösenden Grunderkrankung.

Patienten mit einem Leberschaden müssen unbedingt auf Stoffe, welche giftig auf die Leber wirken, verzichten. Dazu zählen Alkohol und bestimmte lebertoxische Medikamente.

Außerdem sollte auf eine ausgewogene, salzarme Ernährung mit ausreichender Energiezufuhr geachtet werden. Bei Mangelerscheinungen müssen fettlösliche Vitamine (Vitamine A, D, E und K) sowie Vitamine B12 substituiert werden.

Auch die Gabe von Gerinnungsfaktoren kann bei einem erhöhten Blutungsrisiko nötig sein.

Die portale Hypertension kann mittels Medikamenten (z.B. nicht-selektive Beta-Blocker wie Propranolol) gesenkt werden, wodurch es zu einer Besserung des Caput medusae und der Spider naevi kommt.

Durch entwässernde Medikamente (Schleifendiuretika) wird die Aszites behandelt.

Unbehandelte chronische Lebererkrankungen münden am Ende immer in einer Leberzirrhose, die irreversibel ist und nicht mehr behandelt werden kann. Die einzige Möglichkeit besteht für die Patienten dann in einer Lebertransplantation.

Qualitätssicherung durch:      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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