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Die Leberzirrhose

Definition

Die Leberzirrhose ist eine Erkrankung bei der es zu einem bindegewebigen und knotigem Umbau der Leber kommt. Eine Leberzirrhose kommt meist durch eine fortschreitende Zerstörung des Lebergewebes zustande.
Der Untergang von gesundem Lebergewebe kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Zu den wichtigsten Auslösern einer Leberzirrhose gehören die Virushepatitiden, die toxischen Leberschäden durch Alkohol und Medikamente und die Angeborenen Lebererkrankungen, wobei hier die Autoimmunhepatitis führend ist.

Zu den seltenen Auslösern einer Leberzirrhose gehören Erkrankungen wie die Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), der Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) un die primäre sklerosierende Cholangitis. Demnach lassen sich angeborene und erworbene Ursachen einer Leberzirrhose unterscheiden. Die Leberzirrhose bildet die Endstrecke der chronischen, und in seltenen Fällen auch akut verlaufenden Lebererkrankungen. Das bedeutet, dass die Leber seinen vielseitigen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann und somit auch wichtige Entgiftungsprozesse und Syntheseprozesse nicht mehr durchgeführt werden können.

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan unseres Körpers und übernimmt eine Großzahl an verschiedenen Aufgaben.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Leber gehören:

  • die Speicherung und Bereitstellung von Glukose,
  • die Herstellung von gerinnungsaktiven Eiweißen (Gerinnungsfaktoren),
  • die Verstoffwechselung von Harnstoff,
  • die Entgiftung von Medikamenten und anderen körperfremden Stoffen,
  • die Produktion von Gallensäure und die Produktion von Albumin, dem wichtigsten Bluteiweiß des Körpers.

Bei einer ausgeprägten Leberzirrhose kommt es zu einer Störung all dieser Aufgaben. Der bindegewebige Umbau der Leber kann sich auch auf das Herz Kreislauf System auswirken, da sich das Blut aus dem Darm (Enterohepatischer Kreislauf) vor der Leber staut und es somit zu einer Ausbildung von Krampfadern kommt, die eventuell lebensbedrohliche Blutungen nach sich ziehen könnten.

Ursachen einer Leberzirrhose

Die Ursachen einer Leberzirrhose sind vielfältig, und lassen sich einerseits in angeborene Ursachen und anderseits in erworbene Ursachen einteilen.

Die erworbenen Ursachen bilden die weitaus häufigsten Ursachen. Eine erworbene Leberzirrhose ist meist die Folge von infektiösen Geschehen, wie z.B eine Hepatitis. Durch die Virus Hepatitiden (A, B, C), insbesondere die meist chronisch verlaufende Hepatitis C, wird das gesunde Lebergewebe Stück für Stück geschädigt, wodurch es zu einem Funktionsverlust der Leber kommt.
Auf die chronischen, das heisst über längere Zeit andauernden, Entzündungsprozesse reagiert die Leber mit der Ausbildung von sogenannten Pseudolobuli und Regeneratknoten. Regeneratknoten entstehen dann, wenn die Leber versucht das verlorene Lebergewebe wiederaufzubauen, um so dem Funktionsverlust entgegenzuwirken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Medikamente bei Hepatitis C

Diese Regeneratknoten bestehen aus einem derben Bindegewebe, die das Lebergewebe verhärten und somit die typische knotige Oberfläche erzeugen. Desweiteren kann eine Leberzirrhose durch toxische Stoffe wie Medikamente und Alkohol hervorgerufen werden. Die alkoholische Leberzirrhose ist die häufigste Zirrhoseform der westlichen Welt.
Das heisst das über 50% der Zirrhosen auf den Alkoholismus zurückzuführen sind.
Die Zirrhose kommt meistens dann zustande, wenn die Entgiftungsleistung der Leber überfordert ist, und somit reaktive Giftstoffe enstehen, die das Lebergewebe schädigen. Zuständig für die Entgiftung, beziehungsweise Verstoffwechselung von Medikamenten, ist ein eisenhaltiges Enzym mit dem Namen Cytochrom P450. Manche Medikamente schaffen es dieses Enzym auszuschalten, was eine verringerte Entgiftungsfunktion nach sich ziehen würde.

Zu den weiteren Formen der Zirrhose gehört die sogenannte Stauungszirrhose. Diese wird hervorgerufen durch ein Rechtherzversagen. Das Rechtsherzversagen hat zur Folge, dass sich das Blut vor dem rechten Herz in der Leber staut und somit das Lebergewebe zusammengepresst wird und zerstört wird. Diese Form tritt aber erst sehr spät auf, da das Herz schon sehr vorgeschädigt sein muss und dies in der Regel mit einer langjährigen Erkrankung einhergeht. Eine Fettleber ist eine weitere Lebererkrankung, die zu einer Leberzirrhose führen kann. Diese kann ohne jegliche Vorerkrankung auftreten, z. Bsp. durch falsche Ernährung, kann aber auch die Folge von einem jahrelangen Alkoholmisbrauch sein. Weitere komplexe genetische Erkrankungen, wie die Eisenspeicherkrankheit, können ebenfalls zu einer Leberzirrhose führen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Leberinsuffizienz und Ernährung bei einer Leberzirrhose.

Das können die begleitenden Symptome sein

Die Leberzirrhose beruht auf einer chronischen Erkrankung der Leber und geht daher mit vielen Leber-spezifischen Symptomen einher.

Typischerweise treten dabei Funktionsstörungen der Leber auf, die sich im Stoffwechsel und in den von der Leber hergestellten Molekülen bemerkbar machen.
So kann es in Folge einer Leberzirrhose und der begleitenden Leberfunktionsstörung zu einer verringerten Produktion von Gerinnungsfaktoren kommen, sodass eine Blutungsneigung entsteht.

Gleichzeitig steigen die Produkte, die normalerweise über die Leber ausgeschieden werden, im Körper an, sodass es zu Vergiftungserscheinungen wie einer Gelbfärbung der Augen (Skleren) und der Haut kommt. Im Spätstadium sammeln sich die Stoffe im Gehirn an und führen dort zur sogenannten hepatischen Enzephalopathie.

Auch ein Stau der Lebergefäße ist nicht selten, sodass es zunächst zu einem Bluthochdruck in den Gefäßen der Leber kommt.
Dadurch werden Umgehungskreisläufe ausgebildet, was sich in späten Stadien der Leberzirrhose durch sogenannte Varizen (dicke, neu gebildete Blutgefäße) an der Speiseröhre und beispielsweise um den Bauchnabel herum bemerkbar macht.

Auch ein Rückstau des Blutes in die Milz mit einer Vergrößerung des Organs kommt häufig vor. Durch den hohen Blutdruck in den Lebergefäßen entstehen häufig auch Wassereinlagerungen im Bauch (Aszites), die durch die mangelnde Produktion von Eiweißen durch die Leber zusätzlich verstärkt werden. Durch den Stau der Gallenflüssigkeit in der Leber können auch Verdauungsprobleme entstehen. Zudem kommt es bei der Leberzirrhose zu einem bindegewebigen Umbau des Gewebes, sodass sich die Leber hart und knotig anfühlt.

Wasser im Bauch

Das Wasser im Bauch, auch Aszites genannt, ist eine typische Komplikation der Leberzirrhose.
Es tritt vor allem dann auf, wenn die Leber nicht mehr genug Eiweiß produziert.

Das Eiweiß (vor allem das Albumin) befindet sich normalerweise im Blut und bindet dort Flüssigkeit an sich.
Kommt es zu einer verringerten Albuminkonzentration, wird weniger Flüssigkeit in den Gefäßen gebunden, sodass diese ins Gewebe austritt.
Verstärkt wird der Prozess durch den Aufstau des Blutes in den Lebergefäßen, sodass Flüssigkeit von dort leicht in das Gewebe austreten kann.

Juckreiz

Der Juckreiz ist bei der Leberzirrhose ein typisches Zeichen dafür, dass sich Giftstoffe im Körper ansammeln.
Wenn deren Konzentration stark erhöht ist, sammeln sie sich auch in der Haut an.

Sichtbar wird dies anhand des Ikterus (der sogenannten Gelbsucht), bei der sich die Haut durch nicht abgebauten Blutfarbstoff gelblich verfärbt.
Zusätzlich kommt es zu einem ausgeprägten Juckreiz, der durch diese giftigen Substanzen ausgelöst wird.

Gelenkschmerzen bei Leberzirrhose

Gelenkschmerzen sind ebenfalls eine Folge der Leberzirrhose.
Typischerweise treten Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen der Leber auf.
Dabei richtet der Körper seine Immunzellen gegen sich selbst.
Er zerstört dadurch die Leber, was eine Leberzirrhose hervorrufen kann und greift auch die Gelenke an.

Doch auch bei einer nicht autoimmunen Leberzirrhose können Gelenkschmerzen auftreten.
Sie sind meist die Folge einer Ansammlung von Giftstoffen, die sich in den Gelenken ablegen.

Rückenschmerzen bei Leberzirrhose

Rückenschmerzen können bei einer Leberzirrhose als Folge der Dehnung der Leberkapsel entstehen.
Zu Beginn der Zirrhose vergrößert sich das Organ, dies kann zu einer Kapseldehnung und in der Folge zum Kapseldehnungsschmerz führen, der bis in den Rücken ausstrahlen kann.

In späten Stadien kann auch massiver Aszites (die ausgeprägte Wasseransammlung im Bauchraum) Rückenschmerzen hervorrufen.

Mundgeruch bei Leberzirrhose

Der Mundgeruch bei einer Leberzirrhose riecht typischerweise süßlich und ist ebenfalls auf die verminderte Stoffwechselleistung der Leber zurückzuführen.
In der Folge kommt es zur Ansammlung verschiedener Giftstoffe, die nun zum Teil über die Atmung ausgeschieden werden und so den Mundgeruch verursachen.

Schmerzen bei Leberzirrhose

Schmerzen treten nicht zwangsläufig im Rahmen der Leberzirrhose auf.
Die Leberzellen selbst, die bei der Zirrhose zugrunde gehen, besitzen keine schmerzleitenden Nervenzellen und können daher im Gehirn keinen Schmerzreiz auslösen.
Schmerzen entstehen vor allem dann, wenn sich die Leber als gesamtes Organ vergrößert.

Es kommt zu diffusen Oberbauchschmerzen.
Auch andere Komplikationen wie Blutungen der Umgehungskreisläufe und Aszites können Schmerzen hervorrufen.

Lesen Sie hierzu folgenden Artikel: Schmerzmittel bei Erkrankungen der Leber

Wie schaut der Erkrankungsverlauf aus?

Die Leberzirrhose verläuft meist über mehrere Jahre hinweg.
Es kommt aufgrund verschiedener leberschädigender Substanzen (Medikamente, Alkohol, Drogen, Fett) zunächst zu einer Verfettung der Leber.
Diese ist in den meisten Fällen noch rückgängig zu machen, wenn ein adäquater Verzicht auf die Triggersubstanzen erfolgt.

Gelingt dies nicht, beginnt der bindegewebige Umbau der Leber, der sich langsam in Form einer Leberzirrhose bemerkbar macht.
Zunächst vergrößert sich die Leber (meist mit der Verfettung des Organs).
Es kommt zu einer Verschlechterung der Syntheseleistung, nach und nach lässt die Gerinnungsfunktion nach und es kommt zur Ansammlung von Blutabbauprodukten.

Auch die Produktion von Eiweißen wird zurückgeschraubt, sodass mit der Zeit immer mehr Wassereinlagerungen im Bauch entstehen.
Durch das vermehrte Anfallen giftiger Stoffwechselprodukte kommt es in fortgeschrittenen Stadien zudem zu einer Beteiligung des Gehirns, der sogenannten Enzephalopathie.

Im Endstadium ist die Leber wieder klein und knotig umgebaut, die Gerinnung ist nur noch gering vorhanden, es sind viele Umgehungskreisläufe der Leber zu finden und die kognitive Leistung lässt aufgrund der Hirnbeteiligung nach.

Lesen Sie weiter unter:

Häufigkeit / Epidemiologie

Die Inzidenz (Vorkommen) in der westlichen Welt beträgt in etwa 250 pro 100.000 Einwohner pro Jahr, und kommt in etwa doppelt so häufig bei Männern vor wie bei Frauen.

Die Diagnose der Leberzirrhose

Was sieht man im Blutbild?

Im Blutbild zeigt sich die Leberzirrhose zum einen durch spezifische Leberwerte.
So sind die sogenannten Transaminasen (ALT und AST) erhöht.
Auch die GLDH, die alkalische Phosphatase und das Gamma-GT sind in der Regel erhöht.

Durch den Gallestau können zudem die Blutfarbstoffe nicht ausreichend ausgeschieden werden, sodass das Bilirubin im Blutbild erhöht ist.
Gelingt die Entgiftung über die Leber nicht mehr ausreichend, kann auch der Ammoniakspiegel im Blut ansteigen.

Zusätzlich macht sich die Synthesestörung der Leber durch verringerte Gerinnungswerte bemerkbar.

Das Gesamteiweiß im Blut, allen voran das Albumin, sinkt.

Weitere Informationen über die Veränderungen der Blutwerte bei einer Leberzirrhose erfahren Sie unter:
So verändern sich die Blutwerte bei Leberzirrhose

Was sieht man im Ultraschall?

Im Ultraschall zeigt sich die Leber höckrig und knotig.
Zudem verändert sich die Organform, sodass der sonst spitze Leberwinkel abgerundet ist.
Das Lebergewebe selbst zeigt sich mit bindegewebigen Veränderungen, die sich durch Inhomogenitäten (unterschiedlich echodichte Strukturen) zeigen.

Die Leber ist bei einer Zirrhose in der Regel zunächst vergrößert, später zieht sich das Organ zusammen, sodass es zu einer Verkleinerung der Leber kommt.
Im Spätstadium sind im Ultraschall auch Komplikationen der Leberzirrhose erkennbar.
So kommt es zu einer verringerten Menge an kleinen Lebervenen, das größte Lebergefäß dagegen (Pfortader) erscheint erweitert.

Außerdem können Wassereinlagerungen im Bauch (Aszites) mithilfe des Ultraschalls gut diagnostiziert werden.

Kann man eine Leberzirrhose tasten?

Eine Leberzirrhose lässt sich in der körperlichen Untersuchung gut tasten.

Die Leber liegt normalerweise unter dem rechten Rippenbogen versteckt und ist maximal in voller Ausatmung am Rand tastbar.
Durch die Leberzirrhose entsteht zunächst eine Vergrößerung des Organs, sodass die Leber besser tastbar ist.

Durch die bindegewebigen Umbildungen fühlt sich die Leber zudem knotig und höckrig an.
Auch eine Verhärtung der Oberfläche kann sich bemerkbar machen.

In späten Stadien verkleinert sich die Leber wieder, sodass ein Ertasten des Organs erschwert ist.

Therapie/Behandlung einer Leberzirrhose

Die Allgemeine Therapie der Leberzirrhose besteht zunächst aus einer Verringerung der Risikofaktoren.
So sollten leberschädigende Medikamente abgesetzt werden.
Auch schädigende Substanzen wie Alkohol sind bei der Leberzirrhose verboten.

Ist bereits ein erhöhter Druck in den Lebergefäßen vorhanden, kann eine diuretische Therapie mit Wassertabletten den Druck senken.
Auch Betablocker sind ein geeignetes Mittel um den Druck zu behandeln.

Zudem sollten Gerinnungsfaktoren medikamentös zugeführt werden, damit es nicht zu ausgeprägten Blutungen kommt.
Dazu gehört außerdem eine Substitution von Vitamin K, welches zur Bildung einiger Gerinnungsfaktoren benötigt wird.

Interventionell kann eine Entlastung der Wasseransammlung im Bauch mittels einer Punktion erfolgen.
Auch Komplikationen wie beispielsweise die Blutung in den Umgehungskreisläufen müssen interventionell behandelt werden.
Diese Varizen können beispielsweise in der Speiseröhre bluten und einen lebensgefährlichen Blutverlust herbeiführen.
Eine Stillung der Blutung mittels interventioneller Therapie kann hier notwendig werden.

Die letzte Möglichkeit zur Therapie der Erkrankung besteht in einer Transplantation der Leber.

Erfahren Sie auch, wie man für eine Lebertransplantation auf die Warteliste kommt:
Die Lebertransplantation - Indikationen, Kosten & die Warteliste

Die Lebenserwartung bei der Leberzirrhose

Die Lebenserwartung ist abhängig vom Stadium der Leberzirrhose.
Im Stadium A mit nur geringen Ausfällen der Leberfunktion ist die Überlebensrate fast normal.
Im höchsten Stadium, dem Stadium C (Endstadium der Leberzirrhose) überlebt nur etwa jede dritte betroffene Person ein ganzes Jahr.

Die Ausnahme bilden diejenigen, die mittels einer Lebertransplantation geheilt werden können.

Lesen Sie alles rund um die Lebertransplantation im folgenden Artikel:
Die Lebertransplantation - Indikationen, Kosten & die Warteliste

Folgen einer Leberzirrhose

Die Folgen der Leberzirrhose machen sich zunächst durch eine Ansammlung verschiedener Giftstoffe und eine verringerte Syntheseleistung der Leber und daraus resultierenden Gerinnungsstörungen bemerkbar.
Zwei schwerwiegende Folgen der Leberzirrhose sind die hepatische Enzephalopathie (das Gehirn ist betroffen) und das hepatorenale Syndrom (die Niere ist betroffen).

Bei der hepatischen Enzephalopathie sammeln sich Giftstoffe wie Ammoniak im Gehirn an.
Es kommt zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, die durch eine Verschlechterung der Leberfunktion sowie Verdauungsbeschwerden, Flüssigkeitsverlust und Infektionen verstärkt werden können.
Die Therapie besteht in der Gabe von Ornithinaspartat, das die Ammoniakentgiftung steigern kann.

Beim Hepatorenalen Syndrom entsteht eine Nierenfunktionsstörung, die durch die geringe Durchblutung der Niere aufgrund der Leberfunktionsstörung zustande kommt.
Auch hier sind Flüssigkeitsverluste, Verdauungsstörungen und Infekte die häufigste Ursache für eine akute Verschlechterung.
Typischerweise steigen die Nierenwerte wie beispielsweise das Kreatinin an, es kommt zu einem akuten Nierenversagen mit einer deutlich verringerten oder vollständig ausbleibenden Harnausscheidung.

Ist eine Leberzirrhose heilbar?

Eine Leberzirrhose selbst ist in der Regel nicht mehr heilbar.
Jedoch können Vorstufen der Erkrankung (die Leberverfettung) noch rückgängig gemacht werden.
Die ersten Umbauprozesse werden durch leberschädigende Substanzen wie Medikamente, Drogen, Alkohol und ein übermäßiger Fettkonsum hervorgerufen.

Die daraus entstehende Fettleber ist eine reversible (wieder rückgängig machbare) Veränderung des Lebergewebes und kann durch einen Verzicht auf die genannten Substanzen geheilt werden.
Sobald der bindegewebige Umbau des Gewebes stattfindet, ist der Prozess nicht mehr umkehrbar und man spricht von einer Leberzirrhose.
Die einzige „Heilungsmöglichkeit“ besteht in einer Lebertransplantation.

Wann braucht man eine Lebertransplantation?

Eine Lebertransplantation ist die einzige Möglichkeit, eine Leberzirrhose zu heilen und wird in den fortgeschrittensten Stadien der Leberzirrhose durchgeführt, sofern ein Organ verfügbar ist.
Dazu wird ein Punktewert, der sogenannte MELD-Score benutzt.
Dieser berechnet aus der Konzentration des Bilirubins, des Kreatinins (Nierenwert) und des INR (Gerinnungswert) eine Näherung für die Restfunktion der Leber und kann anhand dessen die Dringlichkeit einer Lebertransplantation einschätzen.

Weitere Informationen rund um die Lebertransplantation finden Sie unter:
Die Lebertransplantation - Indikation, Ablauf & Kosten

So sieht eine Leberzirrhose im Endstadium aus

Im Endstadium ist die Leberzirrhose durch eine Vielzahl von Beschwerden gekennzeichnet.
Es kommt zu einer deutlich verringerten Menge an Eiweiß, die noch in der Leber gebildet wird.
Dies hat eine starke Ödemneigung mit Wassereinlagerungen in den Extremitäten (vor allem den Beinen) und dem Bauch (Aszites) zur Folge.

Zudem steigt die Konzentration der Blutabbauprodukte unaufhörlich an.
Es kommt zu einer Akkumulation (Ansammlung) des Bilirubins, sodass die Haut sich gelb verfärbt (sogenannter Ikterus).
Dies führt häufig auch zu Beschwerden wie Juckreiz.

Zudem sinkt die Syntheseleistung der Leber im Endstadium derart ab, dass die Gerinnungsfaktoren nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sind.
So kommt es schnell zu großflächigen Blutungen.
Da zusätzlich die Gefäße in der Leber gestaut sind und dadurch große Umgebungskreisläufe gebildet werden kann eine Verletzung dieser Gefäße in Kombination mit der schlechten Gerinnung zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Außerdem sammeln sich aufgrund der schlechten Stoffwechsellage Giftstoffe wie Ammoniak an.
Diese gelangen ins Gehirn und führen dort zur hepatischen Enzephalopathie.

Was sind Leberhautzeichen?

Bei der Leberzirrhose kommt es durch den Funktionsverlust der Leber zu sogenannten Leberhautzeichen.
Dazu gehören die Lacklippe und die Lackzunge, bei der die betroffenen Stellen besonders glänzen.

Am Rumpf treten oberflächliche dünne Gefäße in Erscheinung, man spricht von Teleangiektasien und Spider naevi.
Rund um den Bauchnabel können sich die oberflächlichen Venen als Umgehungskreisläufe vergrößern, in seiner ausgeprägten Form zeigt sich dies als Caput medusae.
An den Händen entsteht ein Hautausschlag an den Handflächen, die Fingernägel werden milchig-weiß.

Was ist die Gynäkomastie?

Die Gynäkomastie bezeichnet eine Vergrößerung der Brust bei Männern.
Im Rahmen der Leberzirrhose werden auch bei Männern häufig vermehrt weibliche Hormone gebildet.
Dies kann sich unter anderem in einem Brustwachstum bemerkbar machen.

Typischerweise tritt die Gynäkomastie beidseitig auf, da sie hormonell getriggert ist und nicht auf lokalen Funktionsstörungen beruht.

Wie die Gynäkomastie behandelt wird, erfahren Sie hier:
Gynäkomastie - So wird sie behandelt!

Gelbsucht bei Leberzirrhose

Die Gelbsucht (Ikterus) ist eines der ersten Anzeichen für eine Leberfunktionsstörung.
Durch die Ansammlung von Abbauprodukten des Blutfarbstoffes Hämoglobin kommt es zu einer Gelbfärbung der Augen (Skleren) und der Haut.
Typischerweise geht die Gelbsucht mit einem Juckreiz einher, der ebenfalls auf die Ansammlung des Bilirubins zurückzuführen ist.

Gerinnungsstörung bei Leberzirrhose

Die Gerinnungsstörung bei der Leberzirrhose ist auf eine verminderte Produktion der Gerinnungsfaktoren zurückzuführen.
In der Leber werden besonders die Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X gebildet.
Kommt es zu einer verminderten Syntheseleistung aufgrund der Leberzirrhose, fällt die Konzentration dieser Gerinnungsfaktoren im Blut ab und es kommt zu einer Gerinnungsstörung. Diese kann sich durch großflächige Blutungen infolge von nur kleinen Traumata bemerkbar machen.

Wie hoch ist die Gefahr, dass sich aus einer Leberzirrhose Leberkrebs entwickelt?

Eine Leberzirrhose stellt eine chronische Reizung der Leberzellen dar.
Typischerweise führt dies zunächst dazu, dass die Leber versucht sich zu regenerieren, indem sie neue Zellen bildet.

Je häufiger die Zellen neu gebildet und/oder repariert werden müssen, desto wahrscheinlicher ist es, dass dabei ein Fehler passiert.
Daraus kann eine Leberkrebszelle entstehen, die sich zu einem ausgewachsenen Tumor entwickelt.
Je fortgeschrittener also die Leberzirrhose ist, desto höher ist die Gefahr, dass sich aus einer Leberzirrhose Leberkrebs entwickelt.

Welche Symptome treten bei einem Leberkrebs auf? Lesen Sie hierzu unseren Artikel:
Symptome von Leberkrebs

Historie

Die erste Beschreibung einer zirrhotischen Leber tauchte in einer einer Zeichnung von Leonardo Da Vinci aus dem Jahre 1508 in Florenz. Die Zeichnung beruhte auf einer Autopsie bei der die Gefäßanatomie der Leber hervorgehoben werden sollte.

Krankheitsentstehung

Die Ursachen der Leberzirrhose sind wie oben erwähnt sehr vielfältig. Die häufigste Ursache in den Industrieländern, mit etwa 50% der Zirrhosen, ist der Alkoholmissbrauch.
Die zweithäufigste Ursache der Zirrhosen ist der Hepatitis vorbehalten. Hier liegt die Häufigkeit in etwa bei 20-25%. Die Hepatitis C ist die Hepatitisform, die am häufigsten zu einer Leberzirrhose führt, da Hepatitis C in 85% der Fälle chronisch verläuft, und es somit zu einer über Jahrzehnten andauernden Zerstörung des Lebergewebes kommt.
In den Entwicklungsländern sind die Ursachen der Zirrhose deutlich umgekehrt. Hier sind über 90% der Zirrhosen die Folge einer Hepatitis.

Dies lässt sich hauptsächlich durch die mangelnde Hygiene erklären. Auf der Zellebene kommt es zu einer sogenannten Nekrose der Leberzellen.
Eine Nekrose beschreibt einen Prozess bei dem Zellen irreversibel geschädigt werden.
Diese Zellnekrosen werden durch Viren oder Gifte verursacht. Der Leberzelluntergang bewirkt, dass das Immunsystem, mit seinen vielen Zellen, über Botenstoffe aktiviert wird und es somit, durch die ständige Immunreaktion, zu einem bindegewebigen Umbau der Leber kommt.
Hierbei kommt es zu Gewebsnekrosen mit der Ausbildung von sogenannten Regeneratknoten und Bindegewebssepten. Diese Umbauprozesse unterbrechen den natürlichen Blut und Gallenfluss durch die Leber. Durch die Unterbrechung der Blut und Gallenwege kommt es zu einem Blut und Gallenstau in der Leber, der sich in schweren Fällen auf den Körper ausbreiten kann. Der hohe Druck, der bei dem Blutstau in der Leber entsteht, wird portale Hypertension (Pfortaderhochdruck) genannt (Bluthochdruck der Leber). Das Blut staut sich bei der portalen Hypertension in die Bauchorgane des Körpers zurück und in den sogenannten Kollateralgefässen (Umgehungskreisläufe).

Die am meisten gefürchtete Komplikation der Leberzirrhose ist die Ösophagusvarizenblutung (Krampfadern in der Speiseröhre). Die Varizen entstehen dadurch, dass sich das gestaute Blut der Leber andere Wege sucht um wieder an die rechte Herzkammer zu gelangen.

Diese Krampfadern stehen unter einem hohen Druck, und können z.B durch zu starkes husten reißen. Das Reißen dieser Krampfadern gilt als eines der schwerwiegensten Notfällen in der Medizin, da hier sehr schnell sehr viel Blut verloren gehen kann.
Die Leberzirrhose zählt unterdessen zu der Vorstufe von Leberkrebs, dem sogenannten Hepato-Cellulären-Carzinom (HCC).

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.09.2019
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