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Lebertransplantation

Die Leber ist eines von vielen lebenswichtigen Organen des Menschen. Zu ihren Aufgaben gehört neben vielen wichtigen Stoffwechselleistungen auch die Entgiftung des Körpers.

Wenn diese unheilbar erkrankt, ist häufig die Transplantation einer gesunden Leber der einzige Weg das Leben des Erkrankten zu retten.

Bei der Lebertransplantation wird die erkrankte Leber entfernt und eine gesunde Leber eines verstorbenen Organspenders oder Teile einer Leber von einem Organspender eingesetzt. Ziel der Lebertransplantation ist, dass die neu eingesetzte Leber alle Funktionen übernehmen kann.

In Deutschland werden zur Zeit ca. 900 Lebertransplantationen im Jahr vorgenommen.

Indikation – Faktoren die eine Lebertransplantation nötig machen können

Häufigster Grund für eine Lebertransplantation in Deutschland ist eine voragegangene chronische Erkrankung der Leber, die Leberzirrhose. Ausgelöst wird diese vor Allem durch :

Auch bei Kindern kann die Notwendigkeit zur Lebertransplantation bestehen z.B. bei:

  • Angeborener Gallengangsverschluss (häufigster Grund bei Kindern)
  • Kongenitale Leberfibrose (Vernarbung des Lebergewebes)
  • Erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen

Kontraindikationen - Faktoren die gegen eine Transplantation sprechen

  • Blutvergiftung
  • Schwere Herz-Lungen Begleiterkrankungen
  • Anhaltender Alkoholkonsum (wenn ein Patient aufgrund von Alkoholmissbrauchs eine neue Leber benötigt, muss dieser erst für mind. 6 Monate trocken sein, bevor er in Frage kommt für die Operation)
  • Tumore in anderen Organen

Ablauf

Wenn die Indikation zur Organtransplantation gestellt wurde, wird der Patient auf eine Warteliste für ein Spenderorgan gesetzt. Die Wartezeit kann stark variieren, häufig dauert es Monate bis Jahre, bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht.

Ist ein Spenderorgan gefunden, ist es wichtig, dass die Operation zur Transplantation schnellstmöglich stattfindet, da sich die Funktionsfähigkeit des entnommenen Organs schnell verschlechtert. Innerhalb von 16-24 Stunden muss die Leber nach Entnahme beim Spender dem Empfänger eingepflanzt sein.

Auswahl der Spender

In Deutschland ist eine Organspende nur nach dokumentiertem Hirntod und Zustimmung des Spenders (z.B. durch einen Organspenderausweis) erlaubt (Transplantationsgesetz 1997). In Europa übernimmt die Eurotransplant-Zentrale in den Niederlanden die Transplantat-Zuweisung. Die Spenderorgane werden nach Dringlichkeit an die Patienten verteilt, entscheidend ist hierbei, wie hoch die noch verbliebene Funktionsfähigkeit der erkrankten Leber ist. Dementsprechend erhalten Patienten mit fulminantem Leberversagen oder Intensivtherapie die höchste Dringlichkeitsstufe.

Die Operation

Anders als bei z.B. Nieren- oder Pankreastransplantationen handelt es sich bei der Lebertransplantation um eine sogenannte orthotope Transplantation, was bedeutet, dass das neue Organ genau an die Stelle des alten erkrankten Organs eingesetzt wird.

Zunächst wird ein großer Bauchschnitt gemacht und somit der Bauchraum für die Operateure eröffnet. Als erstes muss die alte Leber entnommen werden. Dazu wird die Leber vorsichtig aus dem umliegenden Gewebe gelöst und die zu- und abführenden Gefäße werden freigelegt. Als nächstes wird der Gallengang möglichst nah an der Leber durchgetrennt.

Im nächsten Schritt werden die Blutgefäße der Leber abgeklemmt. Die Leber ist stark durchblutet und erhält ihr Blut durch die Pfortader (ein großes Blutgefäß, welches das gesamte Blut aus den Verdauungsorganen der Leber zufließen lässt). Das Blut wird durch die Leber geleitet und verlässt diese wieder über die untere Hohlvene, welche das Blut zum Herzen transportiert. Außerdem hat die Leber noch eine eigene Blutversorgung über die Leberarterie. Diese 3 Gefäße (Pfortader, untere Hohlvene und Leberarterie) müssen abgeklemmt werden, um die alte Leber zu entnehmen und dabei möglichst kein Blut zu verlieren.

Sind die 3 Blutgefäße abgeklemmt, ist die Leber vom Blutkreislauf abgetrennt und kann entnommen werden. Dazu durchtrennt der Operateur die abgeklemmten Gefäße auf Höhe der Leber. Nun liegt die Leber frei und kann dem Körper entnommen werden.

Danach wird begonnen das Spenderorgan an die Stelle der alten Leber eingesetzt. Hierfür wird die Spenderleber an die Gefäße des Patienten angeschlossen (Pfortader, Hohlvene und Leberarterie). Als erstes wird die Hohlvene der neuen Leber mit der abgeklemmten Hohlvene des Patienten verbunden, danach ebenso die Pfortader und Leberarterie.

Sind alle Gefäße gut aneinander adaptiert, können die die vormals abgeklemmten Gefäße wieder freigegeben werden, wodurch die Leber wieder durchblutet wird. Jetzt wo wieder Blut durch die Leber fließt, ist es wichtig drauf zu achten, ob es irgendwo zu kleinen Blutungen kommt, gerade an den neu verbundenen Gefäßen.

Wenn alle Blutungen gestillt sind, wird als letztes noch der Gallengang des Spenderorgans mit dem des Empfängers verbunden.

Zum Schluss der Operation, bevor der Bauch wieder verschlossen wird, werden Drainagen im Bereich der frisch operierten Gefäßverbindungen eingesetzt. Diese dienen dazu Blut, Eiter oder Wundsekret aus der Bauchhöhle heraus in einen Behälter außerhalb des Körpers abzuleiten, um die Wundheilung zu fördern.

Prognose

Nach erfolgreicher Operation muss abgewartet werden, ob der Körper das Spenderorgan annimmt oder als fremd erkennt und dieses daraufhin abstößt. Die durchschnittliche Verweildauer in den Akuteinrichtungen beträgt nach einer Lebertransplantation ca. 1 Monat. Um eine Abstoßung der neu transplantierten Leber zu verhindern, ist eine Immunsupprimierende Therapie (Immunsuppressiva) notwendig, was bedeutet, dass man medikamentös das körpereigene Immunsystem unterdrückt, um dem Körper Zeit zu geben sich an die neue Leber zu gewöhnen. Auch nach erfolgreicher Transplantation ist eine lebenslange Immunsupprimierende Therapie notwendig.

Die Überlebenszeiten nach Lebertransplantationen steigen stetig an. Haben etwa in den frühen 1980er-Jahren etwa 70% der Lebertransplantierten noch gelebt, sind es heute über 90%. Und auch nach 5 Jahren liegt die Überlebensrate noch bei ca. 75%, diese ist allerdings stark abhängig von anderen Erkrankungen des Patienten neben der Lebererkrankung und der Mitarbeit und Einhaltung des strengen Therapieschemas.

Lebensqualität nach der Lebertransplantation

Die meisten Patienten, die die Operation und die Monate darauf gut überstehen, ohne Abstoßungsreaktion oder unbeherrschbare Infektionen, erreichen eine vollständige Rehabilitation.

Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 85% der Überlebenden einer Lebertransplantation sich wieder gut in den Arbeitsalltag eingliedern lassen. Außerdem sind bereits zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Frauen nach erfolgreicher Lebertransplantation schwanger geworden sind und termingerecht ein gesundes Kind zur Welt gebracht haben.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Lebertransplantation finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen aus dem Gebiet der Chirurgie finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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