Kaiserschnitt

Synonyme

Schnittentbindung, Sectio caesaera

Englisch: abdominal delivery

Einleitung

Bei einem Kaiserschnitt (Schnittentbindung, Sectio caesaera, sectio = Schnitt, caesaera = kaiserlich) wird der Fetus operativ aus der Gebärmutter der Mutter geholt. Diese Variante war früher lediglich aus medizinischer Indikation möglich. Heutzutage wird aber auch oft auf den Wunsch der Mutter eingegangen, die so den Geburtsschmerz umgehen möchte.


Epidemiologie/ Häufigkeit

Die Häufigkeit der Kaiserschnittentwicklung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Während 1995 in Deutschland etwa 18% der Kinder durch Kaiserschnitt zur Welt kamen, waren es 2005 schon 28% und im Jahr 2009 ca. 30% aller Geburten. Es wird vermutet, dass nicht die Komplikationen während der Schwangerschaft Grund für diesen Anstieg sind, sondern vielmehr die Wunschkaiserschnitte. Auch die deutlich verbesserte Diagnostik führt vermutlich zunehmend zu der „sicheren“ Variante der Kaiserschnittgeburt. So können die Ärzte möglichen Komplikationen während der Geburt aus dem Weg gehen, wenn schon vorher Hinweise auf Probleme in der Diagnostik auffallen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Komplikationen unter der Geburt

Indikationen

Man unterscheidet verschiedene Indikationen für einen Kaiserschnitt.

  1. geburtsmechanische Indikation: Dies sind in der Regel geburtsunmögliche Lagen wie Querlage, Missverhältnis zwischen Kopf und Becken, ein deutlich zu großes Kind (Makrosomie, > 4500g) oder ein zu großer Kopf. Auch eine Beckenendlage des Kindes kann Indikation für einen Kaiserschnitt sein.
  2. kindliche Indikation: pathologische CTG- Befunde (pathologische Wehenschreiberbefunde), Nabelschnurvorfall ( Einklemmung der Nabelschnur durch ein Vorgleiten in die Scheide, die eine Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff nach sich zieht) , vorzeitige Plazentalösung, Rhesus- Inkompatibilität, ein Diabetes mellitus, kindliche Fehlbildungen oder Infektionen sind Gründe, den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorzuziehen. Zu den Infektionen die unter der Geburt übertragen werden können zählen HIV- Infektionen, eine Röteln- Infektion und Herpes genitalis.
  3. mütterliche Indikation: Dies sind normalerweise schwere Erschöpfungszustände oder Allgemeinerkrankungen.
  4. gemischte Indikation: drohende Eklampsie, eine Plazenta praevia (Plazenta liegt vor dem Muttermund) oder eine drohende Uterusruptur sind weitere Gründ für einen Kaiserschnitt.

Letztendlich kann auch noch zwischen einer absoluten Indikation und einer relativen Indikation unterschieden werden. Etwa 10% aller Kaiserschnitte werden aufgrund einer absoluten Indikation durchgeführt. Hierzu gehören die frühzeitige Plazentalösung, Querlage des Kindes, Eklampsie, Uterusruptur oder eine Plazenta praevia.

In 90% der Fälle handelt es sich um eine relative Indikation für einen Kaiserschnitt. Relative Indikationen sind ein zu großes Kind (>4500g), eine Beckenendlage, Mehrlingsschwangerschaft, Geburtsstillstand, pathologisches CTG oder starke Erschöpfung der Mutter.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Geburt aus Beckenendlage

Primärer und sekundärer Kaiserschnitt

Prinzipiell unterscheidet man zwischen einem primären und sekundären Kaiserschnitt. Hauptunterschied ist der Geburtsfortschritt zum Zeitpunkt des Kaiserschnitts.

  1. primärer Kaiserschnitt:

Ein primärer Kaiserschnitt findet geplant und vor Beginn der Geburt statt. Das bedeutet, dass die Fruchtblase zum Zeitpunkt der Operation noch nicht geplatzt ist und auch noch keine effektiven Geburtswehen eingesetzt haben. Grund für einen primären Kaiserschnitt ist nicht nur der Patientenwunsch. Auch geburtsunmögliche Lagen, Komplikationen während der Schwangerschaft oder eine Gefährdung von Mutter und Kind unter einer natürlichen Geburt können Indikationen für einen primären Kaiserschnitt sein. Lesen Sie auch unser Thema Kaiserschnitt auf Wunsch

  1. sekundärer Kaiserschnitt:

Der sekundäre Kaiserschnitt findet statt, wenn die Geburt schon begonnen hat. Das heißt, die Fruchtblase ist geplatzt oder muttermundswirksame Wehen haben eingesetzt. Ein sekundärer Kaiserschnitt ist deswegen oft mit Komplikationen unter der Geburt verbunden. Solche Komplikationen können Veränderungen der kindlichen Herztöne, ein Geburtsstillstand oder nicht ausreichende Drehungen des Kindes während des Geburtsvorgangs sein.

Die dritte Unterscheidung ist der Notkaiserschnitt. Dieser kann primär oder sekundär erfolgen. Es handelt sich hier lediglich um die Bezeichnung der Dringlichkeit eines Kaiserschnitts. Indikationen für einen solchen Noteingriff sind stetige abfallende kindliche Herztöne, Eklampsie, HELLP- Syndrom, eine frühzeitige Plazentalösung, oder ein Gebärmutterriss. Ein Notkaiserschnitt sollte in der Regel innerhalb von 10 min zur Geburt des Kindes führen.

Anästhesieverfahren

Der Kaiserschnitt kann unter Regionalanästhesie oder in Allgemeinanästhesie durchgeführt werden. Bei der Regionalanästhesie handelt es sich um eine rückenmarksnahe Periduralanästhesie oder Spinalanästhesie. Die Wahl des Narkoseverfahrens hängt von der Planbarkeit des Eingriffs und der Belastbarkeit der Mutter ab. Da die Regionalanästhesie einige Minuten braucht um wirken zu können und eine gewisse Mitarbeit der Patientin erfordert, werden Notkaiserschnitte in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. Die Op kann dadurch sehr viel schneller durchgeführt werden und senkt damit das Risiko für Mutter und Kind. Die Letalität aufgrund eines Kaiserschnittes liegt bei 1: 25.000. Ist also sehr selten. Dabei deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass eine Allgemeinanästhesie ein größeres Risiko bedeutet als eine Regionalanästhesie. Allerdings überwiegt bei einem Notkaiserschnitt der Nutzen für Mutter und Kind deutlich.

Die Regionalanästhesie hat den Vorteil, dass der Vater normalerweise mit in den Op darf, und die Mutter ihr Kind direkt nach der Geburt sehen kann.
Mehr zum Thema Anästhesie

Operation

Dank neuster Techniken und Operationsverfahren ist es heutzutage möglich, einen Kaiserschnitt sehr schonend und mit möglichst geringsten Komplikationen durchzuführen. Dabei wird die Bauchdecke in den meisten Fällen durch einen tiefen Unterbauchschnitt eröffnet (sog. Pfannenstiel- Schnitt). Nach Abschieben der Blase wird der Uterus im unteren Uterinsegment eröffnet. An dieser Stelle ist genug Bindegewebe vorhanden, sodass eine gute Heilung möglich ist. Anschließend wird der Uterus stumpf ohne einen weiteren Schnitt geweitet und das Kind mit der Hand oder der Saugglocke entwickelt. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine bestmögliche und schnelle Wundheilung, die kaum Wundheilungsstörungen oder sonstige Komplikationen nach sich zieht. Vom Beginn der Operation bis zur Geburt des Kindes vergehen in der Regel nur wenige Minuten. Die meiste Zeit nimmt oft das anschließende Verschließen der Wunde in Anspruch.

Nach der Entwicklung des Kindes wird die Plazenta mit der Hand manuell gelöst und vollständig entfernt, bevor der Uterus und die Bauchdecke mit einer Naht verschlossen werden.

Komplikationen und Risiken

Die Risiken und Komplikationen des Kaiserschnitt sind heutzutage sehr gering. Es handelt sich vor allem um Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen und Narbenverwachsungen. Es kann auch zur Beschädigung von Nachbarorganen kommen. Dabei sind vor allem die Harnblase, aber auch der Harnleiter und der Darm betroffen. Außerdem können die Patientinnen viel Blut verlieren, wenn es zu Komplikationen kommt.

Für das Kind bestehen kaum Risiken. Es ist möglich, dass die Kinder aufgrund des Kaiserschnittes kleinere Schürfwunden, Schnitte oder Brüche erleiden. Dies ist aber sehr selten. Die Kinder können außerdem zu Beginn eine nicht vollständig funktionierende Darmflora haben. Grund hierfür ist, dass die Kinder unter einer natürlichen Geburt das Vaginalsekret der Mutter schlucken, und damit ihre Darmflora besser ausreift. Ein etwas häufigeres Problem ist die Anpassung von Mutter und Kind. Kaiserschnittkinder haben deswegen öfter Stillprobleme zu Beginn, da die Bondingphase nach einem Kaiserschnitt ungenügend sein kann.

Spätfolgen können Uterusrupturen bei einer weiteren Schwangerschaft sein, da das Narbengewebe brüchiger ist.

Weitere Geburten nach einem Kaiserschnitt

Früher galt die Regel, dass nach einem Kaiserschnitt alle folgenden Kinder ebenfalls per Kaiserschnitt zur Welt geholt werden müssen. Grund hierfür war die Angst einer Uterusruptur an der Narbe. Das Gewebe ist an dieser Stelle nicht mehr so belastbar und kann leichter reißen. Inzwischen hat sich jedoch erwiesen, dass ein vorangegangener Kaiserschnitt keine zwingende Indikation für einen weiteren operativen Eingriff zur Geburt darstellt. Allerdings nur, insofern keine weiteren Indikationen oder Komplikationen bestehen. Die Häufigkeit der Uterusrupturen steigt jedoch nicht nach einem vorangegangen Kaiserschnitt.

Zusammenfassung

Der Kaiserschnitt stellt heutzutage eine sichere Möglichkeit der Geburt dar, sofern eine entsprechende Indikation besteht. Durch einen Kaiserschnitt können sowohl Gefahren für die Mutter sowie für das Kind umgangen, bzw. gering gehalten werden. Dennoch sollte der Kaiserschnitt nicht zur Regel werden, da es sich nicht um eine natürliche Geburt handelt. So kann es nach einem Kaiserschnitt zu Bindungsproblemen zwischen Mutter und Kind kommen. Auch das Stillen ist oft nach Kaiserschnittgeburten problematischer als nach einer natürlichen Geburt. Aus diesen Gründen werden Wunschkaiserschnitte in einigen Krankenhäusern nicht durchgeführt. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt sollte auch nicht vergessen werden, dass es sich um eine Operation handelt, die entsprechende Risiken mit sich bringen kann. Dennoch gibt es Indikationen, die eine natürliche Geburt unmöglich machen. In solchen Fällen ist der Kaiserschnitt eine sehr gute und weitestgehend risikofreie Möglichkeit Mutter und Kind zu schonen oder sogar zu retten.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.05.2017
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