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Luftembolie

Definition - Was ist eine Luftembolie?

Als Luftembolie bezeichnet man die Verengung eines Gefäßes durch eine Luftansammlung, bis hin zu einem Gefäßverschluss. Normalerweise resorbiert unser Körper kleinere Luftansammlungen, ohne dass gesundheitliche Folgen entstehen.

Eine Luftembolie wird gefährlich wenn eine größere Menge Luft in der rechten Herzkammer entsteht und das Herz weniger effektiv pumpt. Man unterscheidet zwischen arterieller und venöser Luftembolie.

Ursachen einer Luftembolie

Voraussetzung für die Entstehung einer Luftembolie ist, dass Luft eine Möglichkeit findet, in ein Gefäß zu gelangen. Charakteristisch sind medizinische Eingriffe Ursachen. Eine typische Ursache ist ein offener i.V.-Zugang (intravenös, in die Vene hinein) oder ein Infusionssystem.

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Ist bei einem dieser Zugänge in ein venöses Gefäß ein Dreiwegehahn geöffnet, das Infusionssystem entkoppelt, kann Luft eindringen. Im Infusionssystem oder Zugang kann es außerdem ein Leck geben, wegen eines fehlerhaften Produktes oder einem Schaden am Produkt. Gelangt über einen dieser Wege Luft in eine Vene, hängt die Menge der Luft von der Lagerung des Betroffenen und der Höhe der Vene im Verhältnis zur Herzhöhe ab.

Ebenfalls typisch gilt als Ursache für die Entstehung einer Luftembolie eine nicht korrekte Befüllung oder unzureichende Entlüftung des Infusionssystems. Daneben können Parallelinfusionen die Ursache für eine Luftembolie sein. Parallelinfusionen, bei denen sich zum Beispiel Schwerkraftinfusionen und Infusionspumpen gegenseitig beeinflussen, weil sie zusammengeschlossen sind, kann es zu einem Perlschnureffekt kommen, das heißt Flüssigkeit – Luft – Flüssigkeit.

Eine Luftembolie kann außerdem entstehen, wenn mit einem Portkatheter oder zentralen Venenkatheter unvorsichtig umgegangen wird oder wenn ein undichter Katheter Luft einsaugt. Sämtliche Katheteruntersuchungen (z.B. Herzkatheteruntersuchung) bergen die Gefahr einer Luftembolie.

Weitere mögliche Ursachen sind Verletzungen von größeren Venen, ein Pneumothorax und der Geburtsvorgang.

Die Folgen der Luftembolie hängen davon ab, wie viel Luft in die Blutbahn gelangt.

Luftembolie durch eine Infusion

Eine Infusion ist eine häufige Ursache für eine Luftembolie. Ein offenes Infusionssystem kann aufgrund eines offenen Dreiwegehahns, einer Entkopplung im Infusionssystem oder wegen eines Lecks im System zu einem Eindringen von Luft in die Vene führen.

Eine Luftembolie durch Infusion kann auch entstehen, wenn das Infusionssystem entweder nicht korrekt befüllt oder nicht ausreichend entlüftet wurde. Parallelinfusionen haben ein erhöhtes Risiko für das Verursachen einer Luftembolie, da sich beide Infusionen gegenseitig beeinflussen.

Luftembolie während des Geburtvorganges

Die Geburt birgt das Risiko einer Fruchtwasserembolie. Dabei gelangt Fruchtwasser über die Gebärmutter oder Plazenta in den mütterlichen Organismus und verursacht eine Embolisation.

Das Risiko ist bei der Geburtseinleitung jeder Geburt vorhanden und bei Geburtskomplikationen wie einer Gebärmutterruptur, einem Zervixriss oder hohen Vaginalriss erhöht.

Andere Risikofaktoren wie ein mütterliches Alter >35 Jahre, vorangegangene Kaiserschnitte oder Mehrlingsschwangerschaften erhöhen das Risiko einer Embolie.

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Diagnose

Die klinischen Symptome spielen bei der Diagnostik der Luftembolie eine wichtige Rolle. Liegt ein zeitlicher Zusammenhang mit einem medizinischen Eingriff vor, Infusion, Katheteruntersuchung oder ähnliches, ist dies unbedingt zu melden.  

Mit dem Herzultraschallgerät kann man eine Luftembolie direkt nachweisen. Häufig zeigen sich Veränderungen im EKG (Elektrokardiogramm), die einem Herzinfarkt ähneln.

In der Blutgasanalyse lässt sich in den meisten Fällen ein Abfall des Sauerstoffgehalts nachweisen.

Begleitende Symptome

Entsteht eine Luftembolie, gibt es bestimmte Symptome, die einzeln oder gemeinsam auftreten können. Ein starker Husten und Schmerzen beim Atmen bis hin zu Atemnot sind mögliche Symptome.

Häufig kommt es außerdem zu einem beschleunigten Atmen, Tachypnoe. Die Betroffenen können Synkopen (Kreislaufkollaps, kurzzeitige Bewusstlosigkeit) und Angstzuständen bis zur Panik leiden. Häufig treten Schweißausbrüche auf.

Wenn die Luftembolie in einem Hirngefäß vorkommt, sind neurologische Ausfälle zu erwarten. Die Symptome können dann einem Schlaganfall ähneln.

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Wie schnell treten die Symptome nach einer Luftembolie auf?

Die Symptome treten bei einer Luftembolie in den meisten Fällen sofort nach dem Eintreten der Luftansammlung in das Gefäß ein. Die Folgen einer Luftembolie sind von dem Luftvolumen und der Geschwindigkeit, mit welcher die Luft infundiert wird, abhängig.

Welche Menge braucht man für eine Luftembolie ?

Allgemein ist ein Lufteintritt ins Gefäß jeder Menge äußerst kritisch zu betrachten. Die Folgen sind stark davon abhängig, wie viel Luft eintritt, in welcher Geschwindigkeit und wie der Zustand des Betroffenen ist.

Kleinere Gasansammlungen in den Venen werden in den meisten Fällen resorbiert.

Gefährlich wird es, wenn eine größere Menge Luft (>100 ml Luft) in der rechten Herzkammer auftritt. Eine Gaszufuhr von mehr als 100 ml Luft pro Sekunde oder mehr verläuft meistens tödlich.

Im arteriellen System sind deutliche kleinere Luftmengen bedrohlich. Bereits 2 ml Luft können in den Hirnarterien zu einem Schlaganfall führen und nur 0,5 ml Luft in den Herzkranzgefäßen führen zu einem Herzinfarkt. Die Menge, die man für eine Luftembolie braucht ist also von der Lokalisation und dem Gefäß (Arterie oder Vene) abhängig.

Behandlung / Therapie

In der Therapie der Luftembolie sind die Sofortmaßnahmen wichtig und können Leben retten. Die erste Maßnahme ist die Beseitigung der Ursache der Luftembolie. Ein weiteres Einströmen von Luft in das Gefäß muss verhindert werden.

Je nach Ausmaß der Luftembolie und Symptomatik kann es nötig sein, den Patienten zu beatmen. Ein zentraler Venenkatheter kann in manchen Fällen genutzt werden, um Luft aus dem rechten Herzvorhof abzusaugen.

Ein Verfahren zur Behandlung ist die Kompressionstherapie mit Verbänden, Strümpfen, je nach Lage und Ursache der Luftembolie. Das Durant-Manöver kann helfen, um eine zunehmende Embolisierung der Lunge vorzubeugen. Im Rahmen dieser Lagerung wird der Patient in Linksseitenlage mit Kopftieflage gebracht.

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Je nach Symptomatik kann es notwendig sein, kreislaufstabilisierende Maßnahmen (Medikamente, Schocklagerung) zu ergreifen. Gegebenenfalls kann eine Reanimation nötig sein.

Was sind die Sofortmaßnahmen?

Als Sofortmaßnahme muss die Ursache der Luftembolie verhindert werden, das heißt, dass das weitere Einströmen von Luft in das Gefäß verhindert werden muss.

Bei einer stark ausgeprägten Luftembolie kann eine sofortige Beatmung des Patienten notwendig sein. Um eine weitere Embolisierung der Lunge vorzubeugen, kann das Durant-Manöver hilfreich sein. Bei dieser Lagerung wird der Betroffene in Linksseitenlange mit Kopftieflage gebracht. Das Ziel ist, dass die Luft in der rechten Herzkammer bleibt und die Lungengefäße nicht erreicht. In schweren Fällen kann eine Reanimation nötig sein.

Dauer / Prognose

Die Prognose und die Dauer hängen von dem Zeitpunkt der Diagnosestellung und der Behandlung ab.

Wenn die Luftembolie sofort diagnostiziert und rechtzeitig behandelt wird, haben die Betroffenen eine günstige Prognose. In vielen Fällen geht die Embolie vollständig zurück. Manche Patienten behalten Symptome wie Paresen (Lähmungen) oder Lungenerkrankungen.

Wenn die Luftembolie spät erkannt wird, ist die Wahrscheinlichkeit daran zu sterben sehr hoch.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.05.2019
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