Postoperative Komplikationen

Einleitung/Definition

Der Begriff der postoperativen Komplikationen umfasst sämtliche Komplikationen die nach einer Operation auftreten und sehr schwerwiegend sein können. Zum Teil erfordern die Komplikationen eine Intensivmedizinische Überwachung und schnelle Therapie.

Des Weiteren treten postoperative Komplikationen nicht immer unmittelbar nach der Operation auf, sondern oft erst im Laufe von 2 bis 14 Tagen nach der Operation. Das Auftreten von postoperativen Komplikationen lässt sich zum Großteil vermeiden durch:

  • den Ausschluss einiger Risikofaktoren,
  • eine gute Überwachung und
  • eine optimale Operationsplanung.

Risikofaktoren

Es gibt einige präoperative Faktoren, die das auftreten von Komplikationen nach der Operation deutlich wahrscheinlicher machen.
Hierzu gehören:

All diese Risikofaktoren sollten vor der Operation in einem ausführlichen Aufnahmegespräch (Anamnese) erhoben werden, um vor, während und nach der Operation entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.

Auch während der Operation können Probleme aufkommen, die das Auftreten von Postoperativen Komplikationen deutlich erhöhen.
Hierzu gehören:

  • eine nicht ausreichende Volumengabe,
  • eine unzureichende Atem- Kreislauf- Überwachung oder
  • starke Blutdruckschwankungen.

Aber auch eine lange Operationsdauer, die Eröffnung mehrerer Körperhöhlen und große Blutverluste können postoperativ zu Komplikationen führen.

Auch postoperativ können einige Umstände zu Komplikationen führen. So ist auch hier eine inadäquate Volumengabe, eine zu frühe Entfernung des Beatmungsschlauches und eine unzureichende Überwachung maßgeblich an dem Auftreten von Komplikationen beteiligt. Auch unzureichende Krankengymnastische Atemtherapie, mangelhafte Hygiene und Elektrolytentgleisungen können zu schwerwiegenden Komplikationen führen.

Die Lunge betreffende Komplikationen

Die Funktionsfähigkeit der Lunge bestimmt maßgeblich die Genesung, bzw. das Auftreten von Komplikationen.

Besonders frühzeitige krankengymnastische Atemtherapie kann Lungenentzündungen oder eine Wasseransammlung zwischen Brustkorb und Lunge (Pleuraerguss) vermeiden.

Der Pleuraerguss kann zum einen bei Herzschwäche auftreten und führt dann zu beidseitiger Symptomatik. Ein einseitiger Pleuraerguss tritt nach Entfernung der Milz, Teilentfernung der Leber oder infolge jeder Infektion im Bauchraum (abdominell) reaktiv auf. Klinisch führt ein ausgeprägter Pleuraerguss zu Atemnot und kleineren kollabierten Lungenabschnitten. Kleinere Pleuraergüsse fallen zunächst nicht auf. Bei Ergüssen unter 200ml pro Seite ist kein Ablassen der Flüssigkeit mittels einer Nadel (Punktion) notwendig, sonst sollte die Punktion Ultraschall gesteuert durchgeführt werden.

Bei einem Pneumothorax handelt es sich um das Zusammenfallen einer Lunge, in der Regel postoperativ nach Anlage eines zentralen Venenkatheters oder als Folge einer Langzeitbeatmung. Dabei wird die Pleura durchstochen, sodass Luft in den Pleuraspalt strömt und die Lunge von außen komprimiert. Der Pneumothorax geht je nach Ausprägung mit Atemnot und erhöhter Herzfrequenz einher. Er lässt sich durch seitenvergleichendes Abhören und Abklopfen der Lunge diagnostizieren und bedarf einer schnellen Behandlung. Diese besteht in Anlage einer Thoraxdrainage. Mit Hilfe der Drainage wird die Luft aus dem Pleuraspalt entlassen und die Lunge kann sich wieder ausbreiten.

Auch die Atelektase (kollabierter Lungenabschnitt) stellt eine wichtige atmungsbetreffende Komplikation dar. Dabei wird ein Segment- oder Hauptbronchus meist durch einen Schleimpfropf, seltener durch Blut oder einen Fremdkörper verlegt. Dadurch wird das betroffene Areal zwar weiterhin durchblutet, jedoch kann kein Sauerstoff mehr in diesem Areal aufgenommen werden. Es kommt zu einer verringerten Atemtätigkeit auf der betroffenen Seite. Die Diagnose wird gestellt durch:

  • Beobachten,
  • die Symptome,
  • Auskultation und Perkussion.

Die Therapie erfolgt durch entsprechende Lagerung um den verlegenden Schleimpfropf zu lösen. Außerdem Ausklopfen und Vibrationstherapie. Gleichzeitig werden Medikamente zur Lösung des Sekrets verabreicht.

Die Lungenentzündung (Pneumonie) stellt eine der Hauptkomplikationen nach einer Operation dar. Sie entsteht oft durch Minderbelüftung bei postoperativ schmerzbedingter, zu geringer Atemtätigkeit. Auch bei Langzeitbeatmung kann eine Pneumonie auftreten. Klinisch kommt es zu:

  • schneller,flacher Atemtätigkeit,
  • Fieber,
  • Luftnot und Auswurf.

Die Therapie besteht in einer ausgeprägten krankengymnastischen Atemtherapie um die Lunge vollständig zu belüften. Zudem werden Antibiotika verabreicht.

Die respiratorische Insuffizienz (Störung der Atmung) gehört zu den zentralen Komplikationen, da sie zu einer Sauerstoffunterversorgung aller Organe führt. Es kommt zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung ( Partialinsuffizienz), zum Teil steigt gleichzeitig auch die CO2 - Konzentration (Globalinsuffizienz) an. Symptomatisch kommt es zu:

  • Atemnot,
  • oberflächlicher Hechelatmung,
  • Zyanose,
  • Verwirrtheit,
  • Unruhe und Angst.

Therapie ist zunächst die Sauerstoffgabe über eine so genannte Sauerstoffbrille. Führt diese Maßnahme nicht zu einem ausreichenden Anstieg der Sättigung, muss der Patient maschinell beatmet werden. Unerlässlich ist die engmaschige Kontrolle der Blutgase, sowie sie dauerhafte Kontrolle der Sauerstoffsättigung.

Die Lungenembolie gehört mit zu den gefährlichsten postoperativen Komplikationen. Ursache ist eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose aufgrund unzureichenden Blutflusses, bzw. zu wenig Bewegung. Aus diesem Grund werden alle Patienten die postoperativ in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sind mit einer Thromboseprophylaxe (Heparin) behandelt. Löst sich dieses Blutgerinnsel wird es bis in die großen Lungenvenen transportiert und verlegt hier einen großen Bronchus. Es kommt es dann plötzlich zu:

  • massiver Atemnot,
  • atemabhängigen Schmerzen,
  • einem Anstieg der Herzfrequenz und Blutdruckabfall.

Bei unzureichender Therapie kann eine Lungenembolie tödlich enden. Die Therapie besteht in Sauerstoffgabe und der Auflösung des Gerinnsel mit Hilfe von Heparin in therapeutischen Dosen.

Das Herz betreffende Komplikationen

Das akute Herz- Kreislauf- Versagen geht mit einem plötzlichen Blutdruckabfall einher.
Klinisch werden die Patienten blass und die Haut verfärbt sich bläulich, Arme und Beine werden kalt, da die Blutversorgung auf die wichtigen Organe beschränkt wird. Ursache für ein solches Versagen sind eine deutlich zu hohe Herzfrequenz, Atemnot, zu flaches schnelles Atmen und ein Lungenödem.
Die Therapie besteht in einer ausreichenden Sauerstoffgabe, wenn nötig Beatmung, Anlage eines venösen Zugangs und langsame Volumengabe. Außerdem müssen die Patienten intensivmedizinisch überwacht werden. Die entgleiste Herzschwäche ist Folge eines akuten Pumpversagens des Herzen durch zum Beispiel:

Klinisch leiden die Patienten unter Atemnot, deutlich erhöhter Herz- und Atemfrequenz, die jedoch zu einer uneffektiven Sauerstoffaufnahme und Sauerstofftransport führen.
Die Therapie besteht in der Oberkörperhochlagerung, Senkung des Volumens, Sauerstoffgabe und medikamentöse Behandlung der hohen Herzfrequenz.

Durchgangssyndrom

Hierbei handelt es sich um eine eingeschränkte Kooperationsfähigkeit des Patienten mit der Gefahr der Selbstgefährdung durch:

  • postoperative unkontrollierte motorische Unruhe,
  • Verwirrtheitszuständen und variabler Begleitsymptomatik.

Je nach Ausmaß der eingeschränkten Kooperation kann die Atemtherapie uneffektiv werden und die unkontrollierte Unruhe kann zu Schlafmangel führen, welcher schon nach ca. 2 Tagen zu physischer Erschöpfung führen kann.

Prädisponierend für ein Durchgangssyndrom ist zum Beipiel:

  • Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch,
  • Stress,
  • Schlafentzug und
  • lange Ruhigstellung vor der Operation.

Die Symptome beginnen meist akut und verlaufen sehr individuell in Ausprägung und Intensität.
Die Symptome verschlechtern sich meist zur Nacht hin und können bis hin zu Desorientiertheit, panischen Fluchtversuchen und dem gewaltsamen Entfernen von Kathetern und Sonden führen.

Die Therapie und Prophylaxe besteht in einer kontinuierlichen Gabe von Clonidin, sowie ständiger Blutdruck- und Herzfrequenzüberwachung.

Stressulkus

Bei einem Stressulkus handelt sich um akute Läsionen des oberen Magen- Darm Traktes. Ursache ist eine abgelaufene Schockphase, die oft Tage zurückliegen kann.
Prädisponierende Faktoren sind:

Klinisch tritt blutiger Mageninhalt auf, eventuell mit Erbrechen von Blut. Zum Teil kommt es zur Durchlochung des Organs mit akutem Abdomen und freier Luft unter dem Zwerchfell.

Die Therapie besteht in der Magenspülung mit 14°C kaltem Wasser und dem Versuch der endoskopischen Blutstillung. Bleibt der Versuch erfolglos, muss die Blutung operativ gestillt werden. Um einen Stressulkus zu vermeiden wird frühzeitig orale Nahrung verabreicht, außerdem wird zur Magenentlastung und Blutungskontrolle eine Magensonde angelegt. Zudem ist eine pharmakologische Prophylaxe mit Protonenpumpenhemmern möglich.

Fieber nach einer OP

Da eine postoperative Temperaturerhöhung zum Postaggressionsstoffwechsel gehört, ist eine leichte Temperaturerhöhung unter 38,5°C bis 3 Tage postoperativ nicht bedenklich.

Initial deutlich erhöhte Temperatur sowie jede Temperaturerhöhung über diese 3 Tage hinaus bedarf einer gründlichen Abklärung und gegebenenfalls Therapie, da Fieber ein deutliches Zeichen für eine Infektion sein kann. Ursache können zum einen Wund- oder Harnwegsinfekte sein. Beides sollte durch regelmäßige Kontrolle der Wunde und des Urins kontrolliert werden und bei positiver Diagnose antibiotisch behandelt werden.

Im Falle einer Wundinfektion muss diese eröffnet und gesäubert werden. Auch eine Lungenetzündung führt zu Fieber und sollte dringend abgeklärt und behandelt werden.
Liegen zentrale Venenkatheter, so sind diese häufig Ursache von Infektionen, da sich an den Materialien Bakterien ablagern können. Hierbei steigt das Fieber plötzlich stark an, die Eintrittsstelle ist gerötet und es gibt keine weiteren Symptome. Initial sollte der Katheter sofort entfernt und auf Bakterien untersucht werden. Ein neuer Katheter sollte erst nach 24 Stunden neu gelegt werden.

Bei der Blutvergiftung handelt es sich um die Aussaat von Bakterien von einem Infektionsherd aus in den gesamten Blutkreislauf. Da eine fulminante Sepsis tödlich verlaufen kann, sollte die Ursache dringend gefunden und behandelt werden.

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Passagestörung des Magen-Darm-Traktes

Postoperativ kann es zu Lähmungserscheinungen des Magen- Darm- Traktes kommen. Ursache für eine Magenlähmung sind:

Klinisch kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen, Völlegefühl und gastroösophagealem Reflux.
Die Therapie besteht im Anlegen einer Magensonde, Gabe von Peristaltika i.v. und Abführmaßnahmen.

Die Darmlähmung gehört zu den häufigsten postoperativen Komplikationen und geht aus der normalen postoperativen Darmlähmung hervor. Bis zu 4 bis 5 Tagen postoperativ ist eine Unbeweglichkeit des Darmes noch normal, dauert sie länger an bedarf sie der Abklärung und Therapie. Der Darm kann unbeweglich sein durch:

  • Manipulation,
  • Sauerstoffunterversorgung des Darms,
  • Hämatome oder Abszesse im Bauchraum.

Klinisch leiden die Patienten unter Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen nach einer Narkose. Die Darmgeräusche sind sehr spärlich und es können Elektrolytentgleisungen auftreten. Zunächst sollte eine Magensonde angelegt werden, zudem sollte der Darm medikamentös angeregt werden. Die beste Möglichkeit um eine postoperative Darmlähmung zu vermeiden ist eine frühzeitige orale Nahrungszufuhr, sowie eine frühzeitige Mobilisation.

Nachblutungen

Dabei kommt es postoperativ zu Einblutungen ins Wundgebiet und nicht vollständig verschlossene Gefäße oder Gerinnungsdefekte.
Besonders gefährlich sind Einblutungen am Hals, da schon geringe Mengen zu einer Einengung der Luftröhre und zu Atemnot führen können.

Klinisch kommt es bei massiven Nachblutungen zu:

  • Blutdruckabfall und
  • Pulsanstieg

Die Drainagen fördern Blut und es kann zu Umfangszunahme im Wundbereich kommen. Die Therapie ist vom Ausmaß der Nachblutung abhängig. Bei großen Nachblutungen ist eine erneute Eröffnung der Wunde nötig, um die Ursache der Blutung zu finden und zu beseitigen.

Komplikationen nach einer Hüft-TEP

Im Allgemeinen gehört das Einsetzten eines künstlichen Hüftgelenks zum medizinischen Standard. Bei dieser Operationsmethode handelt es sich um ein relativ sicheres Verfahren, das auf Grund der hohen Erfahrungswerte meist sicher und problemlos durchgeführt werden kann.

Dennoch kann es nach einer Hüft-TEP in einigen Fällen zu postoperativen Komplikationen kommen. Vor allem die sogenannten „allgemeinen Operationsrisiken“, die also unabhängig von der Art des chirurgischen Eingriffs auftreten können, spielen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Zu den häufigsten allgemeinen postoperativen Komplikationen nach Anlage einer Hüft-TEP zahlen der Blutverlust, die Entstehung entzündlicher Prozesse und das Auftreten einer Thrombose.

Auch die Art der Operation (in diesem Falle das Einsetzen einer Hüft-TEP) kann spezifische postoperative Komplikationen hervorrufen. Unmittelbar nach dem Einsetzen der Hüft-TEP können bakterielle Erreger in das künstliche Hüftgelenk einwandern und dort zur Entstehung entzündlicher Prozesse oder zu Infektionen führen.

Darüber hinaus gehört die Verrenkung (Fachwort: Luxation) der einzelnen Anteile der Hüft-TEP zu den häufigsten postoperativen Komplikationen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Hüftluxation nach einer Hüftprothese

Außerdem kann es im Zuge des Heilungsprozesses zu einer Lockerung der Hüft-TEP Anteile und einer damit einhergehenden Einschränkung der Gelenksfunktion kommen. Diese frühzeitigen postoperativen Komplikationen können zwar immer wieder beobachtet werden, treten jedoch vergleichsweise selten auf.

Bei weniger als einer von einhundert Hüft-TEP Operationen kommt es zu zum Auftreten ernster postoperativer Komplikationen die behandlungsbedürftig wären. Dennoch muss in diesem Zusammenhang beachtet werden, dass es nach der Anlage einer Hüft-TEP auch nach mehreren Wochen bis Monaten zum Auftreten neuer Komplikationen kommen kann (späte postoperative Komplikationen).

Die häufigste späte postoperative Komplikation, die im Zuge einer Hüft TEP-Anlage auftreten kann, ist die Neubildung von Knochensubstanz im Bereich des Gelenkes. In der medizinischen Fachsprache bezeichnet man dieses Phänomen als „periartikuläre Ossifikation“. Diese Knochenneubildung kann je nach Patient ein unterschiedliches Ausmaß annehmen und weitere Beschwerden verursachen. Je nach Ausmaß der Knochenneubildung leiden die Patienten auch nach erfolgreicher Hüft-TEP unter Schmerzen und deutlichen Einschränkungen des Bewegungsumfangs.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hüftprothese verursacht Schmerzen

Postoperativen Komplikationen die im Zuge einer Hüft-TEP auftreten, kann jedoch weitestgehend vorgebeugt werden. Vor allem die einmalige Bestrahlung des Hüftgelenkes mit ionisierender Strahlung führt zur Reduktion postoperativer Komplikationen. Diese Methode sollte innerhalb eines Zeitraumes von 24 Stunden vor und 72 Stunden nach der geplanten Operation durchgeführt werden. Diese Methode bringt vor allem jenen Patienten einen Vorteil, die ein erhöhtes Risiko für eine Knochenneubildung am Hüftgelenk aufweisen.

Mögliche Faktoren die das Risiko des Auftretens postoperativer Komplikationen nach der Hüft TEP erhöhen sind:

  • Knochenneubildungen nach vorangegangenen operativen Eingriffen
  • Deutliche Bewegungseinschränkungen vor der Hüft-TEP-Anlage
  • Morbus Bechterew
  • Ausgeprägte Gewebeschädigungen währen des operativen Eingriffs

Komplikationen nach einer Darm-OP

Auch im Falle einer Darm-OP muss zwischen allgemeinen und speziellen postoperativen Komplikationen unterschieden werden. Unmittelbar im Anschluss an den operativen Eingriff kann es zu Nachblutungen innerhalb des Operationsgebietes kommen, die unter Umständen einen weiteren chirurgischen Eingriff notwendig werden lassen.

Des Weiteren gehören das Auftreten entzündlicher Prozesse und die Entwicklung von Wundheilungsstörungen zu den häufigsten postoperativen Komplikationen nach einer Darm-OP. Die betroffenen Patienten entwickeln in diesen Fällen häufig eine Allgemeinsymptomatik mit deutlichem Anstieg der Körperkerntemperatur (Fieber) und/oder ausgeprägtem Schüttelfrost. Gerade bei offenen Eingriffen mit großen Schnitten können während beziehungsweise nach der Heilung der Narbe Schwachstellen in der Bauchwand zurückbleiben, so dass als Sonderform der Narbenhernie ein Nabelbruch auftreten kann. Dieser ist besonders wahrscheinlich, da der Bauchnabel eine physiologische Vernarbung des Gewebes der Bauchwand darstellt. Er stellt ein Risiko für das Austreten von Bauchorganen aus dem Bauchraum dar.
Informieren Sie sich weitergehend zu dieser Thematik in unserem Artikel Nabelbruch.

Darüber hinaus zählen Schmerzen im Bereich des Bauchraumes zu den typischen postoperativen Komplikationen die auch nach der erfolgreichen Durchführung einer Darm-OP beobachtet werden können. Während des Klinikaufenthaltes können diese Schmerzen durch die Gabe adäquater Schmerzmedikamente effektiv gelindert werden.

Eine Darm-OP wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt. Die dabei verabreichten Substanzen können sowohl das Herz-Kreislaufsystem, als auch den Magen-Darm-Trakt nachhaltig beeinflussen. In diesem Zusammenhang besteht nach Ausleitung der Vollnarkose das Risiko, dass die Darmfunktion über einen längeren Zeitraum eingeschränkt ist.

Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass unmittelbar nach dem chirurgischen Eingriff auftretende postoperative Komplikationen eher problemlos behandelt werden können. Die spezifischen postoperativen Komplikationen nach Durchführung einer Darm-OP hingegen bedürfen in der Regel einer umfangreicheren Therapie. Vor allem die Lähmung einzelner Darmabschnitte zählt zu den gefürchtetsten postoperativen Komplikationen nach einer Darm-Op, die unmittelbar nach einer Darm-OP auftreten können. Ursache für dieses Phänomen ist die Einwanderung von Immunzellen die zu einer lokalen Entzündung im Operationsgebiet führen. Die aktivierten Immunzellen verbleiben jedoch nicht bloß im Bereich der operierten Darmabschnitte sondern gelangen über den Blutstrom auch zu anderen Bereichen des Darmes. Durch das Auftreten von ausgedehnten entzündlichen Prozessen kann eine Fehlsteuerung der Nervenfasern welche die Steuerung der Darmbewegung regulieren provoziert werden. Auf lange Sicht kann dies über verschiedene Mechanismen ein sogenanntes „operativ-bedingtes Darmversagen (Darmverschluss)“ (Fachwort: postoperativer Ileus) verursachen. Versuche, die Nervenfunktion nach Abklingen der entzündlichen Prozesse wiederherzustellen gelten bis heute als nahezu unmöglich.

Darüber hinaus kann es auch nach einer erfolgreichen Darm-OP zu späten postoperativen Komplikationen kommen. Müssen während des chirurgischen Eingriffs Anteile des Darmes entfernt werden, so kann dies sowohl die Verwertung einzelner Nahrungsbestandteile, als auch die Resorption (Aufnahme in den Körperkreislauf) von Flüssigkeit negativ beeinflussen. In Folge dessen leiden die betroffenen Patienten häufig unter ausgeprägten Mangelzuständen und anhaltenden Durchfällen.

Eine weitere postoperative Komplikation die nach einer Darm-OP mit Entfernung großer Darmabschnitte auftreten kann sind Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme. Diese Beschwerden werden bei den betroffenen Patienten in vielen Fällen durch eine Überbeanspruchung des Restdarmes ausgelöst.

Des Weiteren kann es im Zuge der Darm-OP zur Entstehung von Narbengewebe kommen. Dieses kann durch die Passage des Speisebreis gereizt werden. Kommt es in diesem Zusammenhang zu einer chronischen Reizung der Darmschleimhaut, so kann die Entstehung entzündlicher Prozesse die Folge sein. Unmittelbar im Anschluss an die Darm-OP sollte aus diesem Grund die Nahrungsaufnahme streng reguliert werden. In den meisten Fällen kann über einen längeren Zeitraum lediglich diätische Nahrung zu sich genommen werden. Nur auf diese Weise kann eine Überbeanspruchung des Darmes verhindert und einer Ruptur (Einreißen) der Darmwände innerhalb des Operationsgebietes vorgebeugt werden.

Um das Risiko des Auftretens der typischen postoperativen Komplikationen nach einer Darm-OP zu senken, sollten sich die betroffenen Patienten streng an die ärztlichen Verhaltensregeln halten. Bei Zuwiderhandlung kann es zu ernstzunehmenden Problemen kommen die in den meisten Fällen einer langwierigen und umfangreichen Behandlung bedürfen.

Komplikationen nach einer Eierstockentfernung

Die Entfernung der Eierstöcke erfolgt in den meisten Fällen unter Vollnarkose. Aus diesem Grund kann es kurze Zeit nach dem chirurgischen Eingriff zu allgemeinen postoperativen Komplikationen kommen. Durch die bei der Vollnarkose angewandten Substanzen können unmittelbar nach der Eierstockentfernung Probleme des Herz-Kreislaufsystems auftreten. Mittlerweile sind die bei der Vollnarkose verwendeten Arzneimittel zwar relativ gut verträglich, dennoch kann es bei einigen Patienten zum Auftreten von Übelkeit und/oder Erbrechen kommen. Darüber hinaus wird die Tätigkeit des Magen-Darm-Traktes und der Harnblase durch die gängigen Narkosemedikamente eingeschränkt. Im Zuge dessen kann es postoperativ zu Verstopfungen (Fachwort: Obstipation) und/oder Harnverhalt kommen.

Zu den häufigsten postoperativen Komplikationen nach Eierstockentfernung gehören das Auftreten Nachblutungen und die Entstehung entzündlicher Prozesse im Bereich des Operationsgebietes. Gerade das Risiko der Nachblutungen stellt im Falle der Eierstockentfernung ein ernstzunehmendes Problem dar. Grund dafür ist die Tatsache, dass große Mengen Blut in die Körperhöhle sickern können bevor die Nachblutung klinisch ersichtlich wird. Die Kontrolle der spezifischen Blutwerte kann das Risiko unter Umständen senken. Des Weiteren wird nach der Eierstockentfernung in einigen Fällen beobachtet, dass die frisch operierte Frau Wundheilungsstörungen entwickelt.

Neben diesen allgemeinen postoperativen Komplikationen spielen auch spezielle Komplikationen nach der Eierstockentfernung eine entscheidende Rolle. Während der Operation kann es unter Umständen zu einer Verletzung der Harnblase, der Harnleiter oder des Darmes kommen. Unmittelbar nach dem chirurgischen Eingriff zeigen sich diese Verletzungen oftmals durch umfangreiche Funktionseinbußen des betroffenen Organs. Darüber hinaus kann es durch die Operation zur Entstehung von Narbengewebe kommen, das über einen längeren Zeitraum zu Beschwerden führen kann. Je nach Ausmaß der Gewebeverletzungen leiden die betroffenen Patientinnen auch Wochen nach dem chirurgischen Eingriff noch unter starken Unterleibsschmerzen. Zudem verursacht der operative Eingriff in einigen Fällen eine starke Beeinflussung des hormonellen Zyklus. Viele der betroffenen Frauen entwickeln aus diesem Grund über Wochen anhaltende Schmierblutungen.

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Komplikationen nach einer Herz-OP

Eine Herz-OP kann je nach Behandlungsmaßnahme am schlagenden oder am stehenden Herzen durchgeführt werden.

In solchen Fällen, in denen das Herz während des chirurgischen Eingriffs angehalten werden muss, besteht die Gefahr der Entstehung spezieller Komplikationen. Während der Herz-OP muss das Kreislaufsystem über eine Herz-Lungen-Maschine angetrieben werden. Nur auf diese Weise kann die Versorgung der lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen gewährleistet werden. Die mittlerweile standardmäßig angewandten Verfahren sind zwar vergleichsweise sicher, dennoch kann es nach einer Herz-OP unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine zu postoperativen Komplikationen kommen. Vor allem die Bildung von Blutgerinnseln, die im Verlauf zu einem Schlaganfall und/oder einem Herzinfarkt führen können, spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle.

Weitere typische postoperative Komplikationen nach der Durchführung einer Herz-OP beruhen auf der Art des chirurgischen Eingriffs. Vor allem die Wundschmerzen nach einer Herz-OP werden von vielen der betroffenen Patienten als sehr belastend empfunden. Aus diesem Grund sollte unmittelbar im Anschluss an die Herz-OP eine gezielte Schmerztherapie eingeleitet werden. In diesem Zusammenhang gilt der Grundsatz, dass ein Patient nach der Durchführung einer Herz-OP so viele Schmerzmittel bekommen darf, wie er tatsächlich benötigt. Die adäquate Schmerzlinderung hat nachweislich eine positive Auswirkung auf den Heilungsverlauf.

Darüber hinaus gehört das temporäre Auftreten von ausgeprägter Müdigkeit und allgemeiner Schwäche zu den häufigsten postoperativen Komplikationen nach einer umfangreichen Herz-OP. Grund dafür ist die Tatsache, dass Operationen am Herzen eine große Belastung für den Organismus darstellen, die zu einer physischen und psychischen Erschöpfung führen kann. Diese mögliche postoperative Komplikation kann vor allem für ältere und allgemein geschwächte Patienten problematisch werden. Auch nach einer komplikationslosen Herz-OP sollte deshalb eine Erholungsphase von einigen Wochen eingeplant werden.

Außerdem berichten viele Patienten nach einer Herz-OP von postoperativen Komplikationen, die das Gedächtnis betreffen. Konzentrationsstörungen, Erinnerungslücken und/oder Verwirrtheit werden bei einer Herz-OP vor allem durch die Narkose und die veränderten Kreislaufverhältnisse während des chirurgischen Eingriffs verursacht. Bei Patienten die bereits vor der Herz-OP an Gedächtnisproblemen litten, kann die Symptomatik für einige Tage verschlimmert werden. Auch Halluzinationen gehören zu den typischen postoperativen Komplikationen nach einer Herz-OP. Des Weiteren kann es durch die Einleitung der Vollnarkose zu einer Unterbrechung des Tag-Nacht-Rhythmus kommen. Dies kann innerhalb der ersten Nächte zu ausgeprägten Schlafstörungen führen. Starke Schmerzen nach der Herz-OP können dieses Phänomen verstärken.

Darüber hinaus gehören vorübergehende Sehstörungen zu den häufigsten postoperativen Komplikationen nach einer Herz-OP. Die Sehstörungen treten bei den betroffenen Patienten innerhalb der ersten Wochen nach dem chirurgischen Eingriff auf und äußern sich in Form von: unscharfem Sehen, Augenflimmern und/oder visuellen Halluzinationen (zum Beispiel dem Sehen von farbigen Mustern).

Je nach Art und Ausprägung der Herzerkrankung, die eine operative Behandlung notwendig macht, kann es zudem zu postoperativen Herzrhythmusstörungen kommen. Zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen die als postoperative Komplikation nach einer Herz-OP auftreten gehört das sogenannte „Vorhofflimmern“. Dieses äußert sich durch einen unregelmäßigen, schnellen Puls und spürbares Herzklopfen. In den meisten Fällen lässt sich diese postoperative Komplikation problemlos medikamentös behandeln. Bei einigen der betroffenen Patienten wird jedoch eine elektrische Kardioversion notwendig, bei der ein elektrischer Impuls den normalen Herzrhythmus wiederherstellen soll.

Auch das Auftreten von Flüssigkeitseinlagerungen (Ödemen) gehört zu den typischen postoperativen Komplikationen nach einer Herz-OP. Bei den betroffenen Patienten kommt es bereits während des chirurgischen Eingriffs zu Flüssigkeitsverlagerungen in das Gewebe. Klinisch erkennt man diese Komplikation anhand einer raschen Gewichtszunahme und starken Schwellungen im Bereich der Hände und Füße. In vielen Fällen wird die überschüssige Flüssigkeit innerhalb der ersten postoperativen Tage ohne medizinische Intervention ausgeschieden. Sollte dies nicht der Fall sein, muss oftmals eine Diuretika-Therapie eingeleitet werden.

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Neben diesen eher harmlosen, gut therapierbaren postoperativen Komplikationen nach einer Herz-OP können auch schwerwiegendere Beschwerden verursacht werden. Vor allem Infektionen und Wundheilungsstörungen können ein klinisches Problem darstellen. Bei der Durchtrennung des Brustbeines während der Herz-OP kann es im Anschluss zu Knochenheilungsstörungen kommen.

Zudem besteht im Falle einer offenen Herz-OP die Gefahr der Entstehung von neurologischen Komplikationen. Im Rahmen der Herz-OP können einzelne Nervenfasern in Mitleidenschaft gezogen werden. In Folge dessen kann es zum Auftreten von Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen kommen. Vor allem die Lähmung des Zwerchfells stellt ein ernstzunehmendes Problem dar.

Zusammenfassung

Postoperative Komplikationen können sehr schwerwiegend sein und sind auch bis heute nicht selten genug.
Die gesamte Überwachung, Anamnese vor der Operation und alle Maßnahmen vor, während und nach der Operation dienen dem Vermeiden von postoperativen Komplikationen. Dabei gibt es einige Komplikationen, wie postoperatives Fieber und postoperative Darmunbeweglichkeit, die in gewissem Umfang zur normalen postoperativen Reaktion des Körpers gehören.

Andere Komplikationen hingegen, wie beispielsweise:

  • Nachblutungen und
  • Infektionen,

lassen sich durch eine optimale Wundversorgung und medikamentöse Therapie weitgehend vermeiden.
Da die postoperativen Komplikationen zum Teil sehr schwerwiegend sein können, liegt also das Hauptaugenmerk auf der Vorbeugung dieser Komplikationen. Allgemein gilt, dass die beste Maßnahme zur Vermeidung postoperativer Komplikationen eine korrekte Operationsplanung und – vorbereitung ist.

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Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.01.2018
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