Herzinfarkt

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Myokardinfarkt (MI), Herzinfarkt (HI)

Definition Herzinfarkt

Der Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist definiert als Untergang von Herzmuskelzellen auf Grund einer Sauerstoffunterversorgungssituation (Ischämie) des Herzens bzw. einer umschriebenen Region des Herzens (Herz). Im Fachjargon wird dies auch als ischämische Myokardnekrose bezeichnet. Die Herzmuskelzellen sind nicht mehr (ausreichend) mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, weshalb sie absterben (Zellnekrose) und zu Bindegewebszellen, die keine Herzaktion mehr durchführen können, umgebaut werden. Es entsteht somit eine Narbe am Herzen.

Die meisten Herzinfarkte finden auf dem Boden einer koronaren Herzerkrankung (KHK) statt, welche vor allem durch eine Gefäßverengung (Atherosklerose) der Herzkranzgefäße (Koronarien) entsteht. Die Herzkranzgefäße versorgen im gesunden (physiologischen) Zustand die Herzmuskelzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sind diese Gefäße von Atherosklerose betroffen und durch Ablagerungen an den Gefäßwänden verengt oder sogar verschlossen, erhalten die Zellen eine ungenügende Menge an Sauerstoff und sterben ab. Dies führt u.a. zu großen Schmerzen und einem Schwächegefühl beim Patienten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einem Herzinfarkt, wenn Marker für eine instabiler Angina pectoris im Blut vorhanden sind, die eine Herzmuskelschädigung zeigen. Angina pectoris bedeutet Brustkorbschmerzen ( „Enge auf der Brust“) infolge einer kritischen Herzkranzgefäßverengung, welche in Ruhe vorkommen und deren Dauer, Schwere und Häufigkeit zunehmend sind.

Als empfindliche (sensitive) Marker für eine Herzmuskelschädigung haben sich die Herzmuskelproteine Troponin I und Troponin T etabliert: Sie werden beim Untergang der Zellen in die Blutbahn freigesetzt und ihre erhöhte Konzentration kann durch eine Blutentnahme bestimmt werden.
Der Herzinfarkt wird zusammen mit der KHK als akutes Koronarsyndrom bezeichnet, weil die Beschwerden (Symptome) dieser beiden Krankheitsbilder einander sehr ähnlich sind und der instabilen Angina pectoris oftmals ein Herzinfarkt folgt.

Zusätzlich ist eine EKG-Veränderung und der angiographische Befund ein sensitiver Marker eines Herzinfarktes.

Es wurde daher eine zusammenfassende Bezeichnung und ein gemeinsames diagnostisches und therapeutisches Vorgehen gefunden.


Abbildung Herzinfarkt

Abbildung Herzinfarkt:Ursache eines Herzinfarkts (Bildmitte) und typische Schmerzbereiche bei Frau (A) und Mann(B)

Herzinfarkt (HI)
Myokardinfarkt (MI)

  1. Gesunde Herzkranzarterie
    (Koronararterie)
    Arteria coronaria
  2. Verschlossene Arterie
    Arteriosklerotische Plaque
    mit Blutgerinnsel (Thrombus)
  3. Fettablagerung (Plaque)
  4. Blutgerinnsel -
    Thrombus
  5. Gesundes Muskelgewebe
  6. Rechte Herzkranzarterie -
    Arteria coronaria dextra
  7. Herzbeutel -
    Pericardium
  8. Linke Herzkranzarterie -
    Arteria coronaria sinistra
  9. Zerstörtes Muskelgewebe
    (Infarktbereich mit Zellenuntergang)
    Typische Schmerzbereiche bei Herzinfarkt:
    Frau - Brust, Oberbauch, Hals, Unterkiefer, Wirbelsäule, Rücken,
    NAN-Regel (Nase - Arm - Nabel)
    Mann - Brust, Bauch, Austrahlung in den Arm und Schulter, Unterkiefer, Rücken

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Vorkommen / Häufigkeit

Der Herzinfarkt ist die führende Todesursache für die Bevölkerung in Industrienationen. In Deutschland sterben jährlich ca. 200.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Männer haben ein Risiko von ca. 30% in ihrem Leben einen Herzinfarkt zu erleiden, für Frauen in Deutschland liegt dieses Risiko bei ca. 15%.

Abbildung Herzklappen

Abbildung Herz: Längsschnitt mit Eröffnung aller vier großen Herzhöhlen
  1. Rechter Vorhof - Atrium dextrum
  2. Rechter Herzkammer -
    Ventriculus dexter
  3. Linker Vorhof - Atrium sinistrum
  4. Linker Herzkammer -
    Ventriculus sinister
  5. Aortenbogen - Arcus aortae
  6. Obere Hohlvene -
    Vena cava superior
  7. Untere Hohlvene -
    Vena cava inferior
  8. Stamm der Lungenarterien -
    Truncus pulmonalis
  9. Linke Lungenvenen -
    Venae pulmonales sinastrae
  10. Rechte Lungenvenen -
    Venae pulmonales dextrae
  11. Mitralklappe - Valva mitralis
  12. Trikuspidalklappe - Valva tricuspidalis
  13. Kammerscheidewand - Septum interventriculare
  14. Aortenklappe - Valva aortae
  15. Papilarmuskel - Musculus papillaris

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Ursache des Herzinfarkts

Herzinfarkte entstehen in über 95% der Fälle auf dem Boden einer koronaren Herzkrankheit: Die Wände der Herzkranzgefäße (Koronararterien) werden durch Atherosklerose geschädigt, indem sich sogenannte Plaques an die Gefäßwände anlagern. Reißen diese Auflagerungen von der Gefäßwand ab, wird diese verletzt und ein Blutgerinnsel (Thrombus) verschließt die Abrissstelle. Dieser Wundverschluss engt den Gefäßdurchschnitt ein oder verlegt ihn komplett, woraus eine Minderdurchblutung des nachgeschalteten Organs, des Herzens, resultiert.

Als Hauptrisikofaktoren für das Auftreten der Atherosklerose der Herzkranzgefäße und eines nachfolgenden Herzinfarktes sind:

  • Zigarettenrauchen
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • ein hoher Gesamtcholesterinwert im Blut
  • ein niedriger Wert des HDL-Cholesterins, welches schützende (protektive) Wirkung auf den Gefäßzustand hat
  • ein hoher Wert des Lipoproteins-a im Blut
  • das Lebensalter (Männer über 45 Jahre und Frauen über 55 Jahre haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko)
  • ein Diabetes mellitus und
  • das Auftreten von KHK oder/ und Herzinfarkten bei Verwandten ersten Grades

zu nennen.

Weitere Risikofaktoren für eine KHK bzw. einen Myokardinfarkt sind

  • Übergewicht (Adipositas)
  • körperliche Inaktivität
  • falsche Ernährung
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Glukosetoleranzstörung mit erhöhten Blutzuckerwerten und
  • Neigung zu Thrombose (Gefäßverschlussneigung).

Wesentlich seltenere Ursachen für einen Herzinfarkt (unter 5% der Fälle) sind Gefäßentzündungen (Vaskulitis), Embolien (in die Blutbahn verschleppte Thromben), seit der Geburt bestehende (kongenitale) Gefäßfehlbildungen sowie Gefäßkrämpfe, die durch Medikamente hervorgerufen werden können.

Faktoren, die für das Auftreten eines Herzinfarkt mitverantwortlich sein können, sind, neben körperlicher Anstrengung und seelischem Stress, die Tageszeit und das Vorbestehen einer instabilen Angina pectoris. Traten in der Krankengeschichte des Patienten bereits Angina pectoris-Beschwerden auf, also ein Engegefühl in der Brust, zum Teil mit Luftnot (Dyspnoe) und Leistungsminderung, beträgt sein Infarktrisiko 20%.
In den frühen Morgenstunden ist die Auftretenshäufigkeit (Inzidenz) für einen Herzinfarkt erhöht, da das Blut zu dieser Zeit vermehrt zur Thrombenbildung (Gefäßverschlussbildung) neigt.

In 70% der Fälle ist die linke Herzhälfte von einem Infarkt betroffen. Sie ist größer und muskelstärker als die rechte Hälfte und benötigt somit auch mehr Sauerstoff. Man klassifiziert den Myokardinfarkt des Weiteren in einen transmuralen und
nicht-transmuralen Infarkt.

Beim transmuralen Herzinfarkt sind mehr als 50% der Wanddicke des Herzmuskels vom Zelluntergang betroffen und mit sichtbaren Veränderungen im Echokardiogramm (EKG) verbunden, beim nicht-transmuralen Herzinfarkt ist die Zellschädigung auf die Innenschicht der Herzwand begrenzt und es findet sich kein Korrelat im EKG.

Der Herzmuskelanteil, der durch Infarkt funktionslos wird, ist von der Lokalisation des Gefäßverschlusses abhängig. Liegt die Enge bzw. der Verschluss des Gefäßes am Gefäßstamm, so werden weite Areale des Herzmuskels unterversorgt und es resultiert eine ausgedehnte Infarktzone mit hohem Funktionsverlust.

Je länger die Ischämiezeit (Zeit, in der der Herzmuskel mit Sauerstoff minderversorgt ist) andauert, umso ausgeprägter sind der Prozess des Zelluntergangs und desto schwerwiegender die Beeinträchtigung der Herzleistung.

Vorboten

Ein Herzinfarkt kommt meist überraschend, doch in den meisten Fällen gehen einem akuten Herzinfarkt schon erste Anzeichen voraus, die jedoch nicht als solche wahrgenommen werden.
Vorboten für einen Herzinfarkt sind beispielsweise unspezifische Bauchschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit oder Schwindelgefühle. Diese Symptome können schon viele Wochen vor dem eigentlichen Herzinfarkt eintreten, werden jedoch häufig falsch eingeschätzt.
Typisches Anzeichen für einen Herzinfarkt ist auch ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das meistens bei körperlicher Belastung (z.B. Treppensteigen) auftritt. Auch Schmerzen im linken Arm als Anzeichen eines Herzinfarktes sind nicht selten.
Dieses unangenehmes Gefühl in der Brust, der auch als beengender und drückender Brustschmerz oder sogar einen "Vernichtungsschmerz" beschrieben wird, wird als Angina pectoris bezeichnet. Typischerweise dauert ein Angina-pectoris-Anfall zwischen einigen Sekunden bis zu wenigen Minuten. Kommen die Anfälle häufiger vor, werden intensiver oder dauern die Brustschmerzen länger an (15 bist über 30 Minuten) ist dies charakteristisch für einen Herzinfarkt.

Doch nicht jeder Mensch verspürt die Beschwerden, die durch einen Herzinfarkt ausgelöst werden, in gleicher Form. Manche Herzinfarkte verursachen auch gar keine, nur geringe oder untypische Symptome (sogenannter "stummer Infarkt"). Diese stummen Infarkte treten häufiger bei zuckerkranken Menschen auf und kündigen sich auch nur selten durch unspezifische Symptome an.

Vorboten für einen Herzinfarkt sind bei Frauen häufig andere Alarmzeichen an als bei Männern. Zu den Herzinfarkt-ankündigenden Symptomen bei Frauen gehören beispielsweise starke Kurzatmigkeit, wiederkehrende Übelkeit, Erbrechen und besonders auch Beschwerden im Oberbauch. Diese Beschwerden werden häufig als Magenprobleme missinterpretiert.
Eine Hilfestellung beim Erkennen von Herzinfarktsymptomen bei Frauen kann die sogenannte NAN-Regel sein: Treten im Körperbereich zwischen Nase, Arm und Nabel unerklärliche Schmerzen auf, die länger als 15 Minuten andauern, sollte in jedem Fall ein Notarzt gerufen werden, da dies Vorzeichen für einen Herzinfarkt sein können.

Auch eine Blutdruckerhöhung kann Vorbote für einen Herzinfarkt sein, besonders wenn gleichzeitig noch typische Symptome wie Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder verschwommenes Sehen auftreten. Der Betroffene verspürt häufig kalte Schweißausbrüche und hat kalte und feuchte Hände.

Jeder geringste Hinweis auf einen Herzinfarkt muss ernst genommen werden, ganz unabhängig von der Art der Beschwerden, da jederzeit ohne weitere Vorankündigung ein plötzlicher Herzstillstand eintreten kann.

Verlauf des Herzinfarkts

EKG

Das Infarktgeschehen gliedert sich in folgende krankhafte Veränderung am Herzmuskel:

  • Phase der frühen Unterversorgung des Herzmuskels
    Die Zellen erhalten weniger Energie, als sie für ihre Funktion, der Herzkontraktion (Zusammenziehen des Herzens zur Beförderung des Blutes in den Körper), benötigen. Die Kontraktionskraft des Herzens sinkt.

  • Phase des Zelluntergangs
    Die Minderversorgung der Zellen führt zu ihrem Absterben.

  • Phase der Vernarbung
    Das Myokard (Muskelzellen) beginnt schon in der frühen Phase des Herzinfarktes einen Umbau der linken Herzkammer, welcher als Remodeling bezeichnet wird.
    Die Wanddicke des Herzmuskels nimmt an der Infarktstelle ab, so dass sich die Herzkammer hier weitet und auch im Gesamten ihre ursprüngliche Form verändert. Bedingt durch den Untergang der Muskelzellen steigt die Wandspannung des Herzens an, wodurch die Ausweitung der Herzkammer verstärkt wird. Gleichzeitig erhöht sich der Sauerstoffverbrauch des noch intakten Herzmuskelgewebes.

Anatomie HerzAbbildung Anatomie Herz

  1. Hauptschlagader (Aorta)

  2. Herzkammer

  3. Herzkranzgefäße

  4. Vorhof (Atrium)

  5. Hohlvene (Vena cava)

  6. Halsschlagader (Carotis)

Beschwerden / Symptome

Nur etwa vierzig Prozent der Infarkt-Betroffenen zeigen typische Symptome.

Das Leitsymptom, das am häufigsten auftretende Symptom, des Herzinfarktes ist der Brustschmerz (instabile Angina pectoris, auch „Enge auf der Brust“ genannt). Dieser ist stark ausgeprägt, wird zumeist hinter dem Brustbein liegend beschrieben und hat für viele Patienten „vernichtenden“ Charakter.

Im Vergleich zum stabilen Angina pectoris-Anfall (mäßiger Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen) bessert sich der instabile Angina-Schmerz beim Herzinfarkt bei Gabe von Nitropräparaten (Medikamente zur Durchblutungsförderung des Herzens) nicht. Außerdem hält er länger an (über 20 Minuten) und klingt bei körperlicher Ruhe nicht ab, so dass die Patienten oft Todesängste ausstehen.

Der Schmerz strahlt zumeist in die Arme (häufiger links), den Oberbauch oder den Unterkiefer und in das Schultergelenk aus und tritt bei mehr als der Hälfte der Patienten vor einem Herzinfarktgeschehen auf.

Frauen, Diabetiker und ältere Patienten berichten bei einem Herzinfarkt oft von Oberbauchbeschwerden, so dass bei derartigen Schmerzen nicht nur an eine Ursache in Magen und Darm, sondern unbedingt auch an einen Hinterwandinfarkt als Auslöser der Schmerzen gedacht werden muss.

Zusätzlich zum Hauptsymptom der Angina pectoris erleben viele Patienten ein Schwächegefühl, sie schwitzen vermehrt, sind blass, haben Herzrhythmusstörungen und leiden an Luftnot sowie Übelkeit und Erbrechen.

Bei 20-30% der Patienten liegt ein sogenannter „stummer“ Herzinfarkt vor, d.h. er löst bei den Patienten keine Schmerzen aus. Dies ist häufig bei Diabetikern (Diabetes mellitus) oder sehr alten Patienten der Fall, die eine Nervenveränderung (Neuropathie) aufweisen und kaum bis keine Schmerzen mehr verspüren können. Diese Patienten leiden bei einem Herzinfarkt vordergründig an Luftnot, körperlicher Schwäche oder werden ohnmächtig und verlieren plötzlich das Bewusstsein. Der Herzinfarkt ist bei diesen Patienten die erste klinische Erscheinung (Erstmanifestation) der Herzkranzgefäßerkrankung.

95% der Patienten haben während des Infarktgeschehens Herzrhythmusstörungen, die bis zum Kammerflimmern (ventrikuläre Tachykardie) reichen können. Hierbei sind die Herzaktionen so schnell, dass kein Blut mehr befördert wird. In letzter Konsequenz bedeutet dies das Selbe wie ein Herzstillstand (Asystolie) ohne jede Herzaktion der Muskelzellen.

Luftnot oder mit dem Stethoskop festzustellenden Rasselgeräusche beim Abhören der Lunge sind Zeichen einer Linksherzschwäche (Linksherzinsuffizienz), d.h. einer geschwächten und unzureichenden Funktion der linken Herzhälfte, was bei ca. 1/3 der Patienten festzustellen ist. Im Zuge der Linksherzschwäche kommt es zur Lungenstauung mit den typischen feuchten Rasselgeräuschen.

Auf Zellebene finden die Symptome folgende Begründung:
Die minderversorgten und absterbenden Herzmuskelzellen verlieren bei einem Herzinfarkt ihre Funktion. Sie können keinen Beitrag mehr zur Pumpfunktion des Herzens leisten, durch die der Blutdruck und der Blutfluss im Kreislaufsystem aufrechterhalten werden. Folglich entstehen Krankheitszeichen (Symptome) wie Blutdruckabfall, Luftnot auf Grund der eingeschränkten Blutzirkulation und Sauerstoffversorgung der Organe, hierbei vor allem wegen der Unterversorgung des Gehirn, sowie ein körperliches Schwächegefühl.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass sich das Bild eines Herzinfarktes sehr variabel gestaltet. Von einem unbeeinträchtigten Patienten bishin zum Bewusstlosen ist eigentlich alles möglich. Ein typischer Gesamteindruck ist ein blasser, ängstlicher, schmerzgeplagter Patient, der kaltschweißig ist und eventuell erbricht.

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Diagnostik

Blutentnahme

Labor

Bei der Blutabnahme werden auch immer die Entzündungswerte bestimmt, die ein erhöhtes reaktives Protein C und eventuell erhöhte weiße Blutkörperchen zeigen. Zusätzlich ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht. Diese Entzündungswerte sind jedoch sehr unspezifisch und sprechen nicht unbedingt für einen Myokardinfarkt. Ein weiterer unspezifischer Marker ist das LDH, ein Enzym namens Lactat-Dehydrogenase, dass zur Spätdiagnositk eingesetzt wird. Es normalisiert sich erst wieder nach ein bis zwei Wochen.

Speziellere Marker eines HI’s sind das Troponin T und I. Sie sind herzmuskelspezifische Marker, welche etwa drei Stunden nach dem Infarkt ansteigen, ihr Maximum nach 20 Stunden erreichen und sich erst nach ein bis zwei Wochen normalisieren. Sie gelten als sehr sicher, wenn sie in einem Zeitraum von 10 Stunden und 5 Tagen gemessen werden. Am vierten Tag korreliert das Troponin T mit der Größe des Infarkts.

Leider können positive Troponinwerte auch bei einer Lungenembolie, einer Herzmuskelentzündung, einer akuten und chronischen Herzmuskelschwäche, einer Niereninsuffizienz oder bei einem Schlaganfall vorkommen.

Des Weiteren kann das Enzym Kreatinkinase bestimmt werden. Es ist das Leitenzym, das bei muskulären oder kardialen Schädigungen ansteigt. Auch hier korrelieren die Höhe der Kreatinkinase und die Größe des Myokardinfarktes miteinander. Bei dem Enzym gib es vier Untergruppen. Kreatinkinase MB steht für den Myokardtyp und ist für die Diagnostik eines Herzinfarktes wichtig. Steigt dieser zwischen 6-20% zur Gesamt-Kreatinkinase an, spricht das für eine Freisetzung aus dem Herzmuskel. Grund kann ein Infarkt sein, aber auch eine Herzmuskelentzündung oder eine Operation am Herzen können ursächlich sein.

Es gibt einen Schnelltest auf ein Protein namens ”heart fatty acid binding protein” (Deutsch: Herztypisches Fettsäure bindendes Protein). Dies ist bereits 30 Minuten nach einem stattgefundenen Herzinfarkt positiv.

EKG

Das Elektrokardiogramm ist ein wichtiges diagnostisches Mittel, um einen Myokardinfarkt besser darzustellen. Es zeigt die Summe der elektrischen Aktivität aller Herzmuskelfasern auf. Es kann oft in den ersten 24 Stunden nach den Infarkt-ähnlichen Symptomen negativ sein. Es muss also ein zweit EKG nach 24 Stunden durchgeführt werden, um einen Myokardinfarkt gegebenenfalls zu bestätigen oder auszuschließen.

Nur bei zweimalig negativem EKG und keinerlei Troponin T und Troponin I sowie Kreatinkinase-MB Abnormalitäten kann ein Infarkt ausgeschlossen werden.

Mit dem EKG kann man das Ausmaß und den Ort des Infarkts beschreiben und das Alter des Myokardinfarkts bestimmen. Das typische Zeichen eines Infarkts ist die sogenannte ST-Hebung. Beim EKG gibt es mehrere Wellen. Der Bereich zwischen S und T ist die Strecke, in der sich die Erregung der Kammer wieder zurückbildet und der Herzmuskel wieder entspannt. Eine Hebung in diesem Areal steigt einen Sauerstoffmangel, ist hinweisend für einen Infarkt und wird auch als STEMI (ST-segment elevation myocardial infarction = ST-Strecken Hebungs Herzinfarkt) bezeichnet. Es gibt drei Stadien, die ihre jeweilig typischen EKG-Veränderungen haben, die das Alter des Infarkts zeigen. Neben dem STEMI gibt es einen NSTEMI, einen Nicht-ST-Hebungsinfarkt. Es kommt eher zu einer ST-Strecken Senkung. Hier ist das typische Labor mit Troponin T/I und der Enzymanstieg der Kreatinkinase-MB beweisend. Beim EKG werden mehrere Ableitungen entlang des Herzens gemacht. So kann der Arzt auch sagen, wo sich der Infarkt befindet, weil genau diese Ableitungen dann verdächtig aussehen.

Bildgebende Verfahren

Mit der Echokardiographie können so ähnlich wie bei einem Ultraschall das Herz und seine Strukturen dargestellt werden. So sind die Klappen, die Gefäße und die Größe für den geschulten Untersucher gut sichtbar. Es kann die komplette Herzfunktion beurteilt werden von der Vorhof über die Kammerfüllung bis zur Pumpfunktion. Eine fehlende Dickenzunahme der Infarktzone und eine regionale Wandbewegungsstörung sind erkennbar. Bei einem ganz frischen Infarkt treten solche Wandbewegungstörungen sehr früh auf, sogar vor den EKG Veränderungen und den Enzymanstiegen. Treten keine Wandbewegungsstörungen auf, kann man zu 95% einen Myokardinfarkt ausschließen.

Eine Kernspintomografie kann auch strukturelle Veränderungen am Herzen zeigen. Der Goldstandard der bildgebenden Verfahren ist jedoch die Linksherzkatheteruntersuchung. Die Untersuchung findet unter sterilen Bedingungen statt. Der Patient liegt auf dem Untersuchungstisch und erhält eine lokale Betäubung an der Einstichstelle. Diese ist entweder in der Leiste an der Femoralarterie oder am Handgelenk an der Radialisarterie. Dann wird ein Katheter (ein Draht) bis zum Herzen vorgeschoben. Mit dem Katheter wird Kontrastmittel in die linke Herzkammer gefüllt. Gleichzeitig werden Röntgenbilder gemacht, die auf einen Monitor übertragen werden. Eventuelle Verengungen oder Verschlüsse an den Herzkranzgefäßen können so gut dargestellt werden.

Komplikationen

Die Komplikationen werden eingeteilt in Früh und Spätkomplikationen.
Zu den ersten zählen alle Ereignisse, die in den ersten 48 Stunden auftreten. Es handelt sich um den gefährlichsten Zeitraum, 40% überleben den ersten Tag nach einem Infarkt nicht. Zu den Frühkomplikationen zählt die Linksherzinsuffizienz, bei der bis zu 20% der linken Kammer von dem Infarkt betroffen sind und absterben. Sind mehr als 40% betroffen, resuliert daraus zumeist ein kardiogener (herzbedingter) Schock, der zu 90% tödlich endet. Es kommt dabei zum Blutdruckabfall und Pumpversagen des Herzens. Eine weitere Komplikation sind Herzrhythmusstörungen. Dazu zählen zusätzliche Kontraktionen der Kammer, die das Risiko für ein Kammerflimmern erhöhen. Das Kammerflimmern tritt häufig innerhalb von vier Stunden nach dem Mykardinfarkt auf und führt bei 80% der Patienten zum Tod.

Zu den Spätkomplikationen zählen:

Behandlung des Herzinfarkts

Behandlung Herzinfarkt

Die Therapie eines Herzinfarktes sollte laut den Leitlinien folgende Reihenfolge haben:

  • Allgemeinmaßnahmen (Sicherung des Lebens)
  • Reperfusionstherapie (Wiedereröffnen verschlossener Herzkranzgefäße)
  • Prophylaxe einer koronaren Re-Thrombose
  • Therapie von Komplikationen

Die Notärzte sind zumeist die ersten, die einen Infarktpatienten sehen. Sie geben sofort Sauerstoff und ein Nitropräparat (ein Medikament zur Durchblutungsförderung des Herzens) wird unter die Zunge gesprüht. Über einen venösen Zugang werden Blutgerinnungshemmer und Acetylsalicylsäure gegeben. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass eine frühe Gabe von Acetylsalicylsäure (Aspirin) das Tötungsrisiko um 20% senkt.
Des Weiteren erhalten die Patienten Betablocker, sofern sie keine Gegenanzeigen wie niedriger Herzrhythmus, Asthma, Herzinsuffizienz, Alter >70 Jahre oder Überleitungsstörungen am Herzen haben. Diese senken die Ruheherzfrequenz und den Blutdruck. Dabei wird das Risiko ein Kammerflimmern zu entwickeln gesenkt.

Sobald der Betroffene im Krankenhaus angekommen ist, erfolgt eine strenge Überwachung des Kreislaufes. Bei Schmerzen können Nitrate oder Morphin (ein stark wirksames Opiat) verabreicht werden, falls die Schmerzen sehr stark sind. Die Acetylsalicylsäure-Medikation (ASS) wird weitergeführt und zusätzlich werden weitere Gerinnungshemmer verabreicht. Auch die Betablocker bleiben als Arzneimittel erhalten, wenn keine Gegenanzeige besteht.

Bei der Reperfusionstherapie kommen zwei Verfahren in Fragen. Beim Konservativen werden sogenannte Fibrinolytika gegeben, die das Blutgerinnsel, das das Herzkranzgefäß verschließt, spalten und somit auflösen. Zu diesen Medikamenten zählen:

  • Streptokinase
  • Alteplase (r-t-PA) oder
  • Reteplase (r-PA)

Sie dürfen nur eingesetzt werden, wenn der Herzinfarkt nicht länger als 6 Stunden her ist, keine Gegenanzeigen bestehen und eine gesicherte EKG-Veränderung festgestellt wurde.

Kontraindikationen, die gegen eine Lysetherapie (eine Auflösung des Thrombus mittels spezieller Medikamente) spricht, sind:

  • Magengeschwür und Darmgeschwür (Ulcera)
  • Augenhintergrundblutungen
  • Kopfschmerzen
  • Blutgerinnungsstörungen in der Vorgeschichte
  • Schwangerschaft
  • ein weniger als 6 Monate zurückliegender Schlaganfall (apoplex)
  • Aneurysmen (krankhafte Aussackungen der Gefäße)
  • eine weniger als 1-2 Wochen vorausgegangene Operation oder ein Unfall

Das zweite Verfahren ist eine operative Herangehensweise. Während der Linksherzkathetersuntersuchung kann gleichzeitig eine “perkutane transluminale koronare Angioplastie” durchgeführt. Sie ist der Goldstandard der Herzinfarkttherapie. Bei diesem Verfahren wird entweder über die Leistenarterie (Arteria Femoralis) oder die Unterarmarterie (Arteria radialis) ein Führungskatheter (Schläuchlein) eingeführt und bis zur Aortenklappe und den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Über diesen wird ein Ballonkatheter eingebracht. Es wird versucht, mittels des Ballons, der manuell aufgeweitet werden kann, das verengte oder verschlossene Gefäß am Herzen wieder zu eröffnen. Als zusätzliche Stütze kann ein Stent, ein kleines netzartiges, zylindergeformtes Gefäß eingesetzt werden.

Als Langzeittherapie werden heutzutage dauerhaft Blutgerinnungshemmer verschrieben, sowie Betablocker verordnet. Zu den Blutgerinnungshemmern zählen einerseits diejenigen, die direkt die Thrombozytenverklumpung hemmen (Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel) und andererseits die Cumarine, welche indirekt über das Vitamin K die Blutgerinnung verhindern. Zusätzlich soll der Patient Cholesterinsenker einnehmen, da sie die Zweitinfarktrate und die Sterblichkeitsrate eindeutig senken.

Prognose

Prognose Herzinfarkt

Leider versterben immer noch sehr viele (knapp 40%) am ersten Tag nach dem Herzinfarkt. Ohne eine Revaskulaisierung im Krankenhaus sterben noch einmal 15%. Somit steigt das Risiko an einem Herzinfarkt innerhalb des ersten Monats zu sterben auf etwa 50%.

In den ersten zwei Jahren nach der Entlassung erleiden 5-10% aller Betroffenen einen plötzlichen Herztod.

Die Langzeitprognose ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum einen von der Größe des Infarktareals und der Ischämiezeichen (Brustenge und EKG-Zeichen) und zum anderen von den Herzrhythmusstörungen und die Zahl der betroffenen Gefäße.
Auch das Fortbestehen von Risikofaktoren ist ein wichtiger Faktor.

  • LDL-Cholesterinerhöhung
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • Alter (über 45 Jahren bei Männer und über 55 Jahren bei Frauen)

Wenn es möglich ist, müssen die oben genannten Risikofaktoren unter Kontrolle gebracht werden, um die Prognose ein wenig zu verbessern.

Vorbeugung

Wie kann man nun einen Herzinfarkt vorbeugen? Ein gesunder Lebensstil ist das Allerwichtigste. Das Rauchen ist mit einem dreifach erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden. Es sollte schnellstmöglich beendet werden. Eine gesunde sogenannte “mediterraneErnährung ist sinnvoll. Dabei sollte wenig tierisches Fett und Fleisch gegessen werden. Lieber sollten pflanzliche Öle und viel Gemüse sowie Obst verzehrt werden. Regelmäßig sportliche Betätigung kann das Risiko eines Myokardinfarkts senken. Wer an Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck leidet, sollte unter strenger Kontrolle die Werte im Normbereich halten.

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Rehabilitation

Eine Rehabilitation, kurz Reha, soll herzkranken Menschen helfen, körperlich und seelisch so weit wie möglich wieder gesund zu werden und ins Alltagsleben zurückzukehren.

Es gibt vier Bereiche der Herz-Reha.

  1. Somatisch (körperlich): Eine individuell gestaltete Trainingsmaßnahme soll den Betroffenen helfen, wieder leistungsfähig und belastbar zu werden.
  2. Erzieherisch: Ein gesunder Lebensstil soll dabei angeeignet werden. Zusätzlich wird über die Medikation gesprochen. Warum diese wichtig ist und welche Folgen eine Nichteinnahme der Medikamente hat. So sind die Betroffenen sensibilisierter und nehmen diese regelmäßiger ein.
  3. Seelisch: Häufig leiden Herzinfarkt Patienten an psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzustände. Geschultes Personal ist hierbei vor Ort und kann die Betroffenen unterstützen.
  4. Sozial: Ein Betreuer oder eine Betreuerin helfen den Patienten wieder ins Alltagsleben einzusteigen. Es werden Tipps und Infos zu diversen Bereichen wie Flugreisen, Autofahren, Beruf, Sexualität gegeben.

Die Reha gliedert sich in drei Phasen:

Phase 1 beginnt im Krankenhaus. Eine rasche Mobilisierung wird angestrebt. Phase 2 findet entweder stationär oder ambulant in einer Reha-Klinik statt. Auf dem Programm stehen die oben genannten vier Felder der Herz-Reha. Phase 3 beinhaltet die lebenslange Nachsorge des Infarkt-Patienten. Das Ziel ist, dass die Betroffenen wieder einen normalen Alltag führen können und nur wenig oder gar nicht von den Folgen eines Infarkts eingeschränkt werden.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.11.2016
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