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Koronararterien

Einleitung

Die Koronararterien, im Volksmund auch Herzkranzgefäße genannt, versorgen das Herz mit sauerstoffreichem Blut. Unmittelbar nach der Aortenklappe entspringen aus dem aufsteigenden Teil der Aorta die beiden Hauptäste der Koronararterien. Dabei versorgt die linke Koronararterie vor allem die Herzvorderwand und die rechte Koronararterie die Herzhinterwand. Zwar liegen die Koronararterien zum Teil relativ oberflächlich auf dem Herzmuskel, über kleinere Arterien versorgen sie jedoch das Herz auch in der Tiefe.
Besteht eine Beeinträchtigung der Koronararterien z.B. im Rahmen einer Arteriosklerose, kann es im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt mit Todesfolge kommen.

Systematik der Herzkranzgefäße

Aus der Aorta entspringen die Arteriae coronariae dextra (rechte Koronararterie) und sinistra (linke Koronararterie), die sich in ihrem Verlauf in weitere Äste aufteilen.

Aus der linken Herzkranzarterie entspringen:

  • Ramus interventricularis anterior/RIVA (englisches Synonym: LAD/„left anterior descending“)
  • Ramus circumflexus/RCX
  • Ramus intermedius (existiert nicht immer, aber relativ häufig)

Aus der rechten Koronararterie entspringen:

  • Ramus interventricularis posterior/RIP
  • Ramus marginalis dexter/RMD

Sowohl aus der linken, als auch aus der rechten Koronararterie kann ein Ramus posterolateralis/RPL entspringen, der an der Herzrückseite entlang läuft.

Danach folgen noch zahlreiche weitere kleine Äste, die das Herzmuskelgewebe insgesamt umfassend versorgen.

Segmente

Die American Heart Association hat die Koronararterien in insgesamt 15 Segmente unterteilt. Segmente 1 bis 4 entsprechen der rechten Herzkranzarterie, während der linken Herzkrankarterie Segmente 5 bis 10 zugeschrieben werden. Die Segmente 11 bis 15 gehören zum linksseitigen Ramus circumflexus. Diese Unterteilung kann bei der Orientierung helfen (z.B. bei der Befundbeschreibung).

Anomalien

Eine Anomalie der Koronararterien ist eine bei etwa 1% der Bevölkerung meist seit Geburt bestehende Fehlbildung. Man kann Anomalien in Ursprungs-, Mündungs- und Verlaufsanomalien der Koronararterien einteilen. So kann zum Beispiel eine der Koronararterien an einer anderen Stelle der Aorta oder gar der Pulmonalarterie entspringen und einen anderen Verlauf zum Versorgungsgebiet aufweisen.

In den meisten Fällen bereiten sie lange Zeit keine Beschwerden. Stellen sie kein potenzielles Risiko dar, werden solche Anomalien als benigne/gutartig bezeichnet.
Bösartige/maligne Anomalien können Symptome wie Herzstechen oder Ohnmachtsanfälle verursachen und im Verlauf sogar lebensbedrohlich werden. Im schlimmsten Fall können sie zum Herzinfarkt oder gar zum plötzlichen Herztod führen.

Häufig werden sie zufälligerweise diagnostiziert. Möchte man dann weitere Schritte zur genauen Erhebung eines Befundes einleiten, so ist eine Mehrzeilen-Spiral-Computertomographie die sinnvollste und genaueste Bildgebung.
Je nachdem wie dann die Anomalie eingestuft wird, also ob gut- oder bösartig, können weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Vorbeugung eines kardiologischen Ereignisses besprochen und eingeleitet werden.

Abbildung einer Arterie

  1. Außenschicht der
    Arterienwand -
    Tunica externa
  2. Äußere elastische Schicht -
    Membrana elastica externa
  3. Mittelschicht der Arterienwand -
    Tunica media
  4. Innere elastische Schicht -
    Membrana elastica interna
  5. Innenschicht der Arterienwand -
    Tunica intima
  6. Endothelzellen - Endotheliocyti
  7. Blutgefäße in der Adventitia -
    Vasa vasorum
  8. Autonomes Nervengeflecht der
    Gefäßwand -
    Plexus vascularis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Erkrankungen der Koronararterien

Ursache

Eine hauptsächliche Ursache für Erkrankungen der Koronararterien ist die Koronare Herzkrankheit (KHK) welche zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Herzmuskelgewebes führt.

Unter körperlicher Anstrengung steigt der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels an. Beim gesunden Menschen würden sich die Koronararterien erweitern, damit mehr sauerstoffreiches arterielles Blut die Herzmuskeln versorgen könnte. Bei Patienten mit einer KHK ist dies jedoch meist nicht möglich, sodass die Belastbarkeit stark abnimmt. Ist schließlich die komplette Koronararterie verschlossen, so führt dies zum Absterben des zu versorgenden Herzmuskelgewebes, welches nur in gewissem Maße und in gewisser Zeit reversibel ist. Die Herzmuskelleistung kann darunter stark absinken.

Hinter einer KHK steckt meist eine Arteriosklerose, die zu einer Versteifung der Koronararterien führt und früher oder später auch in einem Gefäßverschluss enden kann. Je nachdem, wie schnell sich ein Verschluss entwickelt, können die Folgen unterschiedlich gravierend sein. Neben der KHK kann auch ein Spasmus der Koronararterien zu Beschwerden führen, welche allerdings reversibel sind.
Arteriosklerose ist eine Erkrankung der Arterien, in dem Fall der Koronararterien, die sich in erster Linie in der inneren Schicht des Blutgefäßes, der sogenannten „Intima“, abspielt. Meistens liegt die Ursache bei einer Verletzung dieser Schicht, was man als "Endothelläsion" bezeichnet. Diese löst eine Ansiedlung von Blutplättchen an der verletzen Stelle aus, was wiederum zur Aussendung bestimmter Stoffe, die das Anlagern und Eindringen von weiteren Zellen an dieser Stelle der Intima begünstigen, führt. Im Verlauf baut sich das Gebilde in einen Plaque um, der durch den bindegewebigen Umbau wenig elastisch und eher hart ist. Dies hat enorme Auswirkungen auf die Koronararterien, da sowohl das gesamte Blutgefäß an Elastizität verliert, als auch das Risiko eines Herzinfarktes steigt.
Die Arteriosklerose wird vor allem durch einen ungesunden Lebensstil gefördert, das heißt durch zu hohe Blutfettwerte, Rauchen, Bewegungsmangel und Bluthochdruck. Werden die genannten Risikofaktoren einer Arteriosklerose festgestellt, so kann man deren Ausmaß zum Beispiel durch eine Umstellung der Ernährung, durch Sport oder durch bestimmte Medikamente eindämmen und so das Arteriosklerose-Risiko vermindern.

Lesen Sie mehr zum Thema: Arteriosklerose.

Symptome

Symptome, die auf eine Erkrankung der Koronararterien zurückzuführen sind, äußern sich auf verschiedene Weise. Zum Teil sind sie eher unspezifisch, das bedeutet, sie können nicht immer automatisch mit den Koronararterien assoziiert werden.
Bei manchen äußern sich die Symptome bereits bei reduzierter Belastbarkeit im Sport oder gar im Alltag oder auch schon in Ruhe. Andere wiederum reagieren erst in Stresssituation mit Beschwerden.
Relativ unspezifische Symptome sind das Unwohlsein mit Übelkeit oder Wassereinlagerung in den Beinen (Ödeme).
Ein typisches Symptom dagegen ist das Engegefühl in der Brust, welches als Angina pectoris bezeichnet wird. Es tritt teilweise mit ziehenden, brennenden und stechenden Schmerzen auf. Häufig strahlen die Schmerzen in den linken Arm aus, alternativ auch in den Hals, den Kiefer oder den Rücken. Hier sollte am besten zeitnah ein Arzt, aufgesucht werden, um weitere Diagnostik zu betreiben oder um bereits Hilfe zu leisten.
Im schlimmsten Fall äußern sich Schäden an den Koronararterien im Herzinfarkt mit oder ohne Todesfolge.

Lesen Sie mehr zum Thema: Anzeichen Herzinfarkt.

Diagnose

Treten typische Symptome einer Erkrankung der Koronararterien auf, wird für die Diagnostik zuerst ein EKG geschrieben. Dieses erfolgt zunächst in Ruhe, zur weiteren Abklärung dann auch unter Belastung.
Hat man nun den Verdacht auf eine Beeinträchtigung der Koronararterien, so folgt je nach Dringlichkeit eine Echokardiographie, eine Magnetresonanztomographie, eine Spiral-Computertomographie oder eine Koronarangiographie mit Kontrastmittel, bei welcher auch schnell eine Therapie eingeleitet werden könnte. Hier wird vor allem die Durchgängigkeit der Koronararterien und die Durchblutung und Vitalität des Herzmuskels beurteilt.
Neben EKG und Bildgebung, können bestimmte Blutwerte, wie etwa das Troponin oder die Creatinkinase des Herzmuskels Aufschluss über den Gesundheitszustand geben.

Lesen Sie mehr zum Thema: Diagnose Koronare Herzkrankheit.

Therapie

Die Therapie besteht zum einen aus der Reduktion der Risikofaktoren.
Dabei stehen die Einstellung der Blutdruckwerte und die Reduktion der Blutfette im Vordergrund. Außerdem sollte der Patient über den Nutzen einer sportlichen Betätigung und die Schädlichkeit des Rauchens aufgeklärt werden.
Bei akutem Engegefühl in der Brust können Medikamente, wie etwa ein Nitro-Präparat gegeben werden, welche die Koronararterien in kurzer Zeit weit stellen sollen.

Ist die Koronare Herzkrankheit bereits fortgeschritten, so kann je nach Ausmaß des Verschlusses eine Einlage eines Stents oder die Anlage eines Bypasses in Erwägung gezogen werden, damit das Herz zuverlässig durchblutet wird.
Ein Stent ist der englische Fachausdruck für „Gefäßstütze“ und ist meist ein Drahtgeflecht, welches zum Offenhalten eines Blutgefäßes benutzt wird. Er wird zusammengefaltet auf einem Katheter entweder über die Leistenarterie oder die Pulsader zu der betroffenen Koronararterie gebracht und dann mit Hilfe eines Ballons an die Blutgefäßwand gedrückt, um das Gefäß wieder zu öffnen und die Blutversorgung des Herzens zu sichern. Um zu wissen, welche Koronararterie betroffen ist, und wo man dann den Stent setzen muss, bedient man sich der Koronarangiographie, mit welcher man anhand von Kontrastmittel die Herzkranzarterien genau darstellen kann.
Da sich die Blutplättchen der Blutgerinnung gerne an die Oberfläche des Stents legen und ein Blutgerinnsel bilden, ist es wichtig vor dem Eingriff schon mit einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung zu beginnen und diese auch nach der Stent-Einlage weiterzuführen, damit der Stent möglichst lange offen bleibt. Geeignete Medikamente sind Acetylsalicylsäure in Kombination mit etwa Clopidogrel. Es gibt auch beschichtete Stents, welche keine Blutplättchen anlagern lassen sollen.
Der Stent kommt vor allem bei frischen Herzinfarkten zum Einsatz oder auch bei kurz vor Verschluss stehenden Koronararterien und hat vergleichsweise hohe Erfolgschancen. Außerdem wird der Patient bei diesem Eingriff nicht so stark belastet, da lediglich eine Punktion einer der Arterien stattfindet und keine Vollnarkose nötig ist.
Mögliche Nebenwirkungen sind ein rascher Wiederverschluss des Stents, das Loslösen eins Blutgerinnsels oder das Verlegen einer abgehenden Arterie durch den Stent. Dies kommt insgesamt allerdings eher selten vor.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie Koronare Herzkrankheit.

Prognose

Die Prognose der KHK ist schwierig zu beurteilen, da sowohl genetische, als auch Umweltfaktoren bei der Entstehung eine große Rolle spielen.
Gerade in den Industrieländern führt die KHK immer noch häufig zu Todesfällen.
Zwar kann man bei rechtzeitiger Diagnose von Risikofaktoren diese dank eines gesunden Lebensstils und dank Medikamente in den Griff bekommen, oft äußern sich Schäden der Koronararterien jedoch in einem späten Stadium. Es gilt also präventiv durch Sport, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Gesundheits-Checks beim Arzt frühzeitig einer koronaren Herzkrankheit vorzubeugen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Prognose Koronare Herzkrankheit.

Prophylaxe

Um gegen eine Erankung der Koronararterien vorzubeugen, sollte man auf einen gesunden Lebensstil achten, was u.a. eine ausgewogene Ernährung und ausreichende sportliche Betätigung beinhaltet. Zudem sollte das Rauchen umgehend eingestellt werden. Bei bereits bestehender Krankheit sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und die vorschriftsgemäße Einnahme der verschriebenen Medikamente wichtig.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ernährung bei Herzerkrankungen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Koronararterien finden Sie hier:

Weitere allgemeine Informationen:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.10.2018
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