Kniegelenk

Synonyme

Articulatio genus, Knie, Oberschenkelrolle, Schienbeinkopf, Gelenk, Femur, Tibia, Fibula, Kniescheibe, Meniskus, Kreuzbänder, vorderes Kreuzband, hinteres Kreuzband, Seitenbänder, Innenband, Außenband

Anatomie

Das Kniegelenk ist das größte und am meisten beanspruchte Gelenk des menschlichen Körpers. Dementsprechend ist das Knie auch das am häufigsten verletzte Gelenk.

Beim Kniegelenk handelt es sich um ein so genanntes Drehscharniergelenk. Das bedeutet, daß das Kniegelenk sowohl gebeugt, als auch gedreht werden kann

Das Kniegelenk wird aus drei Knochen gebildet, dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und der Kniescheibe (Patella). Das Wadenbein (Fibula) ist nicht am Kniegelenk beteiligt.

Abbildung Kniegelenk

Abbildung rechtes Kniegelenk

A - Rechtes Kniegelenk von links
B - Rechtes Kniegelenk von vorn
C - Rechtes Kniegelenk von hinten

  1. Kniescheibe - Patella
  2. Oberschenkelknochen - Femur
  3. Schienbein - Tibia
  4. Wadenbein - Fibula
  5. Innerer Meniskus -
    Meniscus medialis
  6. Äußerer Meniskus -
    Meniscus lateralis
  7. Kniescheibenband -
    Ligamentum patellae
  8. Außenband -
    Ligamentum collaterale fibulare
  9. Innenband -
    Ligamentum collaterale tibiale
  10. Hinteres Kreuzband -
    Ligamentum cruciatum posterius
  11. Vorderes Kreuzband - Ligamentum cruciatum anterius

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Anatomie Kniegelenk

  1. Oberschenkelmuskulatur (Musculsus quadriceps femoris)
  2. Oberschenkelknochen (Femur)
  3. Oberschenkelsehne (Quadricepssehne)
  4. Kniescheibe (Patella)
  5. Kniescheibensehne (Patellasehne)
  6. Kniescheibensehnenansatz (Tuberositas tibiae)
  7. Schienbein (Tibia)
  8. Wadenbein (Fibula)


Das Kniegelenk wird in zwei Untergelenke differenziert:

  • das Oberschenkel- Schienbein – Gelenk (Femorotibialgelenk)
  • das Schienbein – Kniescheiben - Gelenk (Femoropatellargelenk)

Das Oberschenkel – Schienbein – Gelenk
Das Gelenk wird vom Oberschenkelknochen mit seinen zwei Gelenkköpfen (mediale und laterale Femurkondyle) und dem Schienbienplateau (Tibiaplateau) gebildet. Die runden Oberschenkelköpfe liegen dabei in den kleinen Mulden des Schienbeinplateaus (Fossa intercondylaris). Das Verhältnis der Gelenkfläche von Oberschenkel zu Schienbein beträgt dabei etwa 3:1.

Da nur ein punktförmiger Kontakt zwischen Oberschenkel und Schienbein besteht kommt es bei der Beugung des Kniegelenkes zu einer Rollgleitbewegung.

Das Oberschenkel – Kniescheiben – Gelenk
Die Kniescheibe gleitet beim beugen durch eine vorgegebene Gleitbahn zwischen den Oberschenkelknochenköpfen (Femurkondylen). Insgesamt kann die Kniescheibe so zwischen 5 – 10 cm gleiten. Um diese Strecke zurücklegen zu können, sind größerer Gleitschichten notwendig. Dafür bilden zwei Schleimbeutel (Bursa praepatellaris und Bursa infrapatellaris) zwei große Gleitspalten. An der Kniescheibe (Patella) setzt von oben die große Oberschenkelmuskulatur (Musculus quadrices femoris) an. Die Kraft dieser Muskulatur wird über die Kniescheibe (Patella) auf den Unterschenkel umgeleitet. Am unteren Kniescheibenpol setzt die Kniescheibensehne (Patellarsehne) an, die zur vorderen Schienbeinkante zieht und an einem Knochenvorsprung (Apophyse = Tuberositas tibiae) sich mit dem Schienbein verbindet.

Um den Oberschenkel in der kleinen Pfanne des Schienbeins (Fossa intercondylaris) zu stabilisieren, gibt es verschiedene Kniestabilisatoren:

  • den Meniskus (Innenmeniskus und Außenmeniskus)
  • die Kreuzbänder (vordere Kreuzband, hinteres Kreuzband)
  • die Seitenbänder (Innenband, Außenband)
  • die Gelenkkapsel

Die Menisci (Mehrzahl vom Meniskus) helfen bei der Kraftübertragung von Oberschenkel auf den Unterschenkel. Da der Oberschenkelkopf rund ist und das Schienbeinplateau nahezu gerade kommt es nur zu einem punktförmigen Kontakt. Um die Auflageflächen zu vergrößern, gibt es den Innenmeniskus und den Außenmeniskus. Sie sind an der Inne- und Außenseite als eine Art Stoßdämpfer eingeschoben und helfen die Kraft gleichmäßiger zu verteilen. Mehr hierzu finden Sie in unserem Artikeln Meniskus und Meniskusläsion (Meniskusschaden).

Die Kreuzbänder verhindern ein gleiten der Oberschenkelköpfe gegenüber dem Schienbein nach vorne (vorderes Kreuzband) bzw. nach hinten (hinteres Kreuzband). Sie sind die entscheidenden Stabilisatoren des Kniegelenkes.

Die Seitenbänder stabilisieren in seitlicher Richtung, damit ein Wegknicken des Kniegelenkes in eine O-Bein- oder X-Beinfehlstellung verhindert wird. Das Innenband ist fest mit dem Innenmeniskus verwachsen, daher ist der Innenmeniskus unbeweglicher als der Außenmeniskus.

Die Gelenkkapsel vom Kniegelenk ist bei voller Streckung stark angespannt und stabilisiert. Mit zunehmender Beugung erschlafft sie und die restlichen Stabilisatoren müssen die Aufgaben übernehmen.

Abbildung Kreuzbänder

  1. Oberschenkelknochen (Femur)
  2. Innenmeniskus
  3. vorderes Kreuzband (VKB)
  4. Schienbein (Tibia)
  5. Außenemeniskus

Funktion

Im Normalfall kann das Knie bis 120 – 150° gebeugt und je nach Bandapparat ca. 5 – 10° überstreckt werden. Bei 90° Beugung kann das Knie ungefähr 40° außenrotiert und 10 - 20° innenrotiert werden.

Das Kniegelenk muß die gesamte Last des Rumpfes auf den Unterschenkel (Schienbein = Tibia) weiterleiten.

Röntgenbild Kniegelenk

von vorne (a.p.) aufgenommen

  1. Kniescheibe (Patella)
  2. Wadenbein (Fibula)
  3. Oberschenkelknochen (Femur)
  4. Schienbein (Tibia)

Erkrankungen

Kein Gelenk des menschlichen Körpers kennt mehr Verletzungen als das Kniegelenk.

Kniegelenksarthrose

Die häufigste Erkrankung des Kniegelenkes ist die Kniegelenksarthrose. Dabei kommt es zu einem Schaden der Knorpelgleitschicht des Kniegelenkes. Folgen können Entzündung, Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Instabilität sein.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema:

Menisukus und Meniskusriss

Neben dem Knorpelschadens kommen insbesondere mit zunehmenden Alter Risse des Meniskus häufiger vor. Aufgrund der fehlenden Heilungspotenz des Meniskus bleibt bis auf wenigen Ausnahmefällen nur eine Teilentfernung des gerissenen Meniskus.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Themen:

Kreuzbandverletzung

Seltener, aber in der Regel schwerwiegender ist eine Kreuzbandverletzung, da Sie die Stabilität des Kniegelenkes erheblich einschränken. Im Vergleich häufiger ist die vordere Kreuzbandverletzung, als die hintere.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema:

Seitenbandriss / Innenbanddehnung

Seitenbänderrisse kommen häufig in Kombination mit weiteren Verletzungen vor. Während ein Innenbandschaden gut Heilungspotenzen besitzt, müssen komplette Außenbandrisse in der Regel operativ versorgt werden.

Schmerzen im Kniegelenk

Schmerzen im Kniegelenk können verschiedene Ursachen haben.
Je nach Lokalisation der Schmerzen können diese auf unterschiedliche Erkrankungen oder Verletzungen hinweisen.

Auch der Zeitpunkt, zu dem die Schmerzen bevorzugt auftreten (in Ruhe, nachts, als Anlaufschmerz, bei Belastung), kann weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache liefern.

Innenseitige Knieschmerzen:

Knieschmerzen, die vor allem an der Innenseite des Knies auftreten, weisen häufig auf einen Meniskusschaden hin.

Besonders der Innenmeniskus ist bei vielen Sportverletzungen häufig mitverletzt. Dies kann sich durch Schmerzen an der Knieinnenseite bemerkbar machen.

Auch eine Beinfehlstellung (O-Beine) kann auf Dauer zu einer Schädigung des Innenmeniskus führen, da der Druck auf diesen durch die ungleichmäßige Belastung erhöht ist. Schließlich kann sich dadurch eine Arthrose im Kniegelenk ausbilden, die sich durch innenseitige Knieschmerzen äußern kann.

Letztlich können auch eine Schleimbeutelentzündung oder ein muskulärer Schaden die Beschwerden verursachen.

Außenseitige Knieschmerzen:

Auch Schmerzen auf der Außenseite des Knies können durch eine Beinfehlstellung (X-Bein) bedingt sein. In diesem Fall wird der Außenmeniskus stärker beansprucht als normal.
Dies kann den Meniskus auf Dauer schädigen und in der Folge zu einer Arthroseentwicklung führen. Diese kann für die Schmerzen verantwortlich sein.

Eine weitere Ursache für außenseitige Knieschmerzen ist ein Schaden an der Sehne des Oberschenkelbeugers (Biceps femoris).

Bei Läufern auftretende Knieschmerzen an der Knieaußenseite können auch auf das sogenannte Läuferknie hinweisen, ein Schmerzsyndrom, das durch die Überbeanspruchung des Tractus iliotibialis, einem Faszienband an der Außenseite des Oberschenkels, entsteht.
Die Beschwerden treten dabei zunächst typischerweise nur beim Laufen, später auch schon beim Gehen auf.

Vordere Knieschmerzen:

Schmerzen, die vorwiegend im vorderen Bereich des Knies empfunden werden, können auf eine Schädigung der Kniescheibensehne hinweisen.

Auch eine Fehlbildung der Kniescheibe (Patelladysplasie) kann diese Beschwerden hervorrufen, da die Kniescheibe in diesem Fall nicht optimal in ihr Widerlager passt und durch Reibung und Fehlbelastung Schmerzen verursachen kann.

Eine Schleimbeutelentzündung des Knies kann ebenfalls Schmerzen im vorderen Kniebereich hervorrufen.

Hintere Knieschmerzen:

Schmerzen im Bereich der Kniekehle können multiple Ursachen haben. Dazu gehören Gefäß-, Knochen- und Nervenschäden, Band- oder Meniskusverletzungen, sowie eine Baker-Zyste.
Dies ist eine Ausstülpung der Gelenkkapsel des Kniegelenks, die durch vermehrte Gelenkflüssigkeit entsteht. Die Produktion der Gelenkflüssigkeit ist dabei häufig durch chronische Entzündungsprozesse deutlich gesteigert, beispielsweise im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung.
Wenn eine Baker-Zyste reißt, kann es zu einem gefährlichen Kompartmentsyndrom kommen.

Generalisierte Knieschmerzen:

Treten die Schmerzen diffus überall im Kniegelenk auf, so kann es sich um eine Entzündung, eine rheumatische oder eine degenerative Erkrankung (Arthrose) handeln.
Parallel zu einem entzündlichen Vorgang ist das Kniegelenk häufig geschwollen, überwärmt und gegebenenfalls gerötet.

Besonders Anlaufschmerzen und Steifigkeit nach einer längeren Ruhephase können dabei für eine Kniegelenkarthrose sprechen.

Bei systemischen Entzündungszeichen, wie Fieber oder schlechtem Allgemeinbefinden ist es wahrscheinlicher, dass es sich um ein akutes Entzündungsgeschehen handelt.
In jedem Fall ist bei länger bestehenden Beschwerden ein Arztbesuch anzuraten.

Kniegelenk tapen

Um das Kniegelenk zu stabilisieren, kann es hilfreich sein, es mit Tape zu versehen. Diese Methode kommt besonders zur Nachbehandlung nach Knieverletzungen zum Einsatz, da das Tape bewegungsunterstützend wirkt, die Bewegung jedoch nicht einschränkt.

Zusätzlich hat es dadurch einen schmerzlindernden Effekt und führt das Knie schonend wieder an seine normale Funktionsfähigkeit heran.

Beim Tapen des Kniegelenks gibt es einiges zu beachten. Zunächst sollten die Tapes zugeschnitten werden. Es werden zwei kürzere und zwei längere Streifen benötigt.
Um die optimale Länge abzumessen, orientiert man sich an der Kniescheibe. Die kürzeren Tapes sollten etwa drei Finger breit ober- und unterhalb der Kniescheibe enden, die zwei längeren Tapes etwa sechs Finger breit, also drei Finger breit weiter als die kürzeren Tapes.

Anschließend wird das Knie um etwa 70° gebeugt und die kürzeren Tapes werden stramm direkt um die Kniescheibe geklebt. Dabei muss voller Zug auf die Tapes ausgeübt werden, allerdings darf beim Aufkleben kein Zug auf die Haut ausgeübt werden, da es sonst zur Blasenbildung kommen kann; also immer darauf achten, dass die Enden des Tapes locker auf die Haut aufgeklebt werden.

Im Anschluss werden die längeren Tapes aufgeklebt. Diese werden NICHT unter Zug gebracht, sondern locker neben die kürzeren inneren Tapestreifen auf das Knie geklebt. Die Streifen sollten sich etwa einen Finger breit überlappen.

Bei anschließender Bewegung des Knies sollte sich die Haut über der Kniescheibe in Streckstellung deutlich runzeln. Das Tape sollte sich nicht unangenehm anfühlen. Insgesamt ist es wichtig zu beachten, dass die inneren Streifen eng genug um die Kniescheibe geklebt werden und die äußeren Streifen komplett ohne Spannung darum herum angebracht werden. Nur so kann das Kinesiotape seine optimale stabilisierende Wirkung entfalten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema, unter: Knie tapen

Kniegelenk OP

Eine Operation am Kniegelenk kann bei verschiedenen Schäden oder Erkrankungen des Kniegelenks notwendig werden, insofern konservative Therapiemaßnahmen keinen Erfolg zeigen konnten.

Meniskusoperationen:

Im Rahmen von Sportunfällen kann es zu einer Meniskusverletzung kommen.
Ist der Meniskus gerissen, so ist es häufig nötig, ihn zu nähen. Dies funktioniert allerdings nur bei nicht zu großen Rissen und Rissen in einer gut durchbluteten Zone des Meniskus, da sonst die Heilung unter Umständen nicht adäquat ablaufen kann.
In solchen Fällen kann der gerissene Meniskusteil entfernt und durch synthetisches oder natürliches Material ersetzt werden (Meniskustransplantation).

Kreuzbandoperationen:

Auch Kreuzbandverletzungen müssen oftmals operiert werden.
Ein gerissenes Kreuzband führt zu Instabilität des Kniegelenks und kann auf Dauer zur Entwicklung von Folgeschäden und einer Kniegelenkarthrose führen.
Das Standardverfahren ist heutzutage die autologe Transplantation einer körpereigenen Sehne an die Stelle des verletzten Kreuzbandes. Dazu wird meist die Sehne des Semitendinosus-Muskels verwendet.

Ist das Kreuzband mit einem Knochenstück abgerissen, so kann dieses Knochenstück samt Kreuzband an seiner ursprünglichen Position wieder verschraubt werden. Dies ist besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen der Fall. Ein autologes Transplantant ist dann nicht notwendig.
Gleiches gilt für ein nur angerissenes Kreuzband. Dieses kann oftmals rekonstruiert und vernäht werden, ohne dass zusätzliches Sehnengewebe hinzugezogen werden muss.

Knorpeltransplantation:

Bei Knorpelschäden im Kniegelenk existiert ein neuartiges Behandlungskonzept. Dabei werden körpereigene Knorpelzellen entnommen, angezüchtet und sekundär wieder in das Kniegelenk transplantiert, wo die Zellen anwachsen und Knorpeldefekte ausgleichen können.

Knieprothese:

Besonders im Rahmen einer schweren Kniegelenkarthrose kann es auf Dauer zu einer irreversiblen Schädigung des Gelenks kommen, sodass eine normale Funktion nicht mehr möglich ist.
Sind alle konservativen Behandlungsmaßnahmen ausgeschöpft, so kann als letzte Möglichkeit eine Knieendoprothese (Knie-TEP) eingesetzt werden. Dabei wird das Kniegelenk komplett durch künstliches Material ersetzt.
Im Anschluss erfolgt eine intensive Physiotherapie, damit das neue Kniegelenk optimal belastbar ist und sich der Körper daran gewöhnen kann.

Laterale Retinaculumspaltung:

Dieser Eingriff am Kniegelenk wird vorgenommen, wenn eine Fehlstellung der Kniescheibe vorliegt.
Die Kniescheibe wird in diesem Fall durch den Bandapparat zu sehr nach außen gezogen und führt so zu einer erhöhten Druckbelastung des äußeren Gelenkanteils. Dies kann auf Dauer Folgeschäden verursachen.
Durch eine Spaltung eines Teils des seitlichen Bandapparates, dem lateralen Retinaculum, wird der Zug auf die Kniescheibe verringert, sodass sie mehr Richtung Mitte verlagert wird.
Dadurch wird die Kraft gleichmäßiger auf das Kniegelenk verteilt.

Kniescheibenoperation:

Die sogenannte Kniescheibenoperation nach Blauth kommt zum Einsatz, wenn die laterale Retinaculumspaltung keine Besserung der Beschwerden erwirken konnte.
Ziel ist es auch hier, dass die Kniescheibe mehr zur Mitte hin verlagert wird und sich der Druck gleichmäßiger auf das Gelenk verteilen kann.
Dazu wird die Kniescheibensehne abgetrennt und weiter nach innen verlagert, sodass dadurch auch die Kniescheibe zur Mitte gezogen wird.

Kniegelenk Gelenkart

Das Kniegelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk. Es besteht zum einen aus dem Kniescheibengelenk (Femoropatellargelenk) und zum anderen aus dem Kniekehlgelenk (Femorotibialgelenk).

Dabei ist das Kniekehlgelenk das eigentliche Kniegelenk, welches die Beugung im Knie ermöglicht. Es ist wiederum eine Kombination aus einem Scharnier- und einem Radgelenk und wird daher auch als Drehscharniergelenk bezeichnet.

Entsprechend ausführbare Bewegungen sind eine Streckung und Beugung, sowie im gebeugten Zustand eine Außen- und Innenrotation des Knies.

Das Kniescheibengelenk wird auch als Schlittengelenk bezeichnet, da die Kniescheibe lediglich in einer knöchernen Rinne am unteren Ende des Oberschenkelknochens gleitet. Sie wird durch Bänder gehalten und rutscht bei der Kniebeugung und –streckung über die knorpelige Gelenkfläche.

Da das Kniegelenk großen Belastungen ausgesetzt ist, benötigt es zusätzliche Stabilisatoren.
Daher ist es mit dem vorderen und hinteren Kreuzband, sowie dem Außen- und dem Innenmeniskus ausgestattet. Die Menisken puffern Stöße ab und sorgen für eine stabilere Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel.

Kniegelenk Bänder

Damit das Kniegelenk den täglichen Belastungen standhalten kann, wird es durch zahlreiche Bänder stabilisiert. Diese werden je nach ihrer Lage in eine vordere, hintere, seitliche und zentrale Gruppe eingeteilt. Bei Sportverletzungen werden die Bänder nicht selten in Mitleidenschaft gezogen.

Vordere Bänder:

Zu den vorderen Bändern gehören das Kniescheibenband (Ligamentum patellae) und das Retinaculum patellae.
Das Kniescheibenband verbindet die Kniescheibe mit der Vorderfläche des Schienbeins. Es ist daher sehr wichtig für die Kraftübertragung vom Ober- auf den Unterschenkel im Rahmen der Streckbewegung im Bein.
Das Retinaculum patellae liegt seitlich der Kniescheibe und sichert sie in ihrer Position. Außerdem ist es mit seinen verschiedenen Anteilen Teil der Gelenkkapsel des Kniegelenks.

Hintere Bänder:

Hinten in der Kniekehle verlaufen zwei weitere Bänder, die das Kniegelenk stabilisieren, zum einen das schräge Kniekehlenband (Ligamentum popliteum obliquum) und zum anderen das bogenförmige Kniekehlenband (Ligamentum popliteum arcuatum). Auch sie sind ein Teil der Gelenkkapsel.

Seitliche Bänder:

Die seitlichen Bänder des Kniegelenks werden auch als Kollateralbänder bezeichnet.
Innen am Knie verläuft das innere Kollateralband (Ligamentum collaterale tibiale), außen am Knie verläuft das äußere Kollateralband (Ligamentum collaterale fibulare).

Sie stabilisieren das Knie besonders in der Streckstellung, da sie bei Beugung des Knies entspannt sind. Somit wird bei durchgestrecktem Knie ein seitliches Abrutschen des Knies verhindert wird.

Die Bänder wirken einer O- oder X-Bein-Fehlstellung entgegen. Wichtig ist, dass das Innenband fest mit der Gelenkkapsel und dem Innenmeniskus verwachsen ist, während das Außenband keine feste Verbindung zur Gelenkkapsel, beziehungsweise dem Außenmeniskus hat.
Daher liegt bei einer Innenbandverletzung häufig gleichzeitig eine Verletzung des Innenmeniskus vor. Ist gleichzeitig auch das vordere Kreuzband verletzt, so spricht man auch von einer „unhappy triad“.

Zentrale Bänder:

Die beiden Kreuzbänder (Ligamentum cruciatum anterius und posterius) bilden die zentrale Bandsicherung des Kniegelenks. Sie verlaufen sich überkreuzend zwischen Ober- und Unterschenkelknochen.
Durch ihre Lage stabilisieren sie das Knie in der Frontalebene, verhindern also ein Vor- und Zurückgleiten der Knochen gegeneinander. Zudem hemmen sie die Innenrotation (Einwärtsdrehung) des Beins.

Kniegelenk Entzündung

Eine Entzündung des Kniegelenks kann unterschiedliche Ursachen haben. Sie kann beispielsweise im Rahmen einer Verletzung, durch Abnutzungsprozesse (Degeneration), durch eine Autoimmunerkrankung oder durch eine Infektion mit Krankheitserregern verursacht werden.

Letztlich kommt es zu einer Entzündungsreaktion im Kniegelenk, die sich durch eine Schwellung, Überwärmung, Rötung und Schmerzen äußert. Dadurch ist die Funktion des Kniegelenks oft deutlich eingeschränkt.

Besonders bei bakteriellen Infektionen des Knies können Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber hinzukommen.

Um die genaue Ursache der Kniegelenkentzündung zu bestimmen, kann der Gelenkerguss punktiert werden. Dabei wird die Flüssigkeit mit einer Kanüle aus dem Kniegelenk gezogen und kann anschließend auf mögliche Krankheitserreger untersucht werden.

Das Problem einer Entzündung des Kniegelenks ist, dass sie bleibende Schäden am Gelenk verursachen kann. Durch die Entzündungsreaktion wird insbesondere der Knorpel angegriffen.
Sind die Schäden so weit vorangeschritten, dass Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente keine Linderung mehr verschaffen können und auch sonstige gelenkerhaltende Maßnahmen keine Besserung bringen, so muss der Ersatz des Kniegelenks durch eine Prothese in Erwägung gezogen werden.
Aus diesem Grund sollten Knieschmerzen, die über einen längeren Zeitraum bestehen grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. So kann frühzeitig eine geeignete Therapie eingeleitet und Langzeitschäden vermieden werden.

Kniegelenk Schleimbeutel

Schleimbeutel dienen der Abfederung von mechanischer Belastung, sowie der Verbesserung der Gleitfähigkeit von Sehnen und Bändern.

Im Kniebereich gibt es mehrere Schleimbeutel, da das Knie täglich stark beansprucht wird und es auf diese Weise entlastet werden kann. Ein großer Schleimbeutel (Bursa praepatellaris) befindet sich zwischen der Kniescheibe und der darüber liegenden Haut.

Sie dient der Gleitfähigkeit der Haut auf der Kniescheibe bei Beugung des Knies. Die Bursa suprapatellaris wird auch als Recessus suprapatellaris bezeichnet. Sie ist ein weiterer Schleimbeutel und liegt zwischen dem unteren Ende des Oberschenkelknochens und der Quadrizepssehne.
Dadurch wird das reibungslose Gleiten der Sehne über den Knochen bei Beugung des Knies ermöglicht. Die Bursa infrapatellaris liegt schließlich unter der Kniescheibensehne und ermöglicht deren Gleiten auf dem Schienbeinknochen, wenn das Knie gebeugt wird.

Die Schleimbeutel können sich durch eine Verletzung, Abnutzungserscheinungen oder Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen entzünden und zu einer schmerzhaften Gelenkschwellung mit Rötung, Überwärmung und Funktionseinschränkung führen.

Bei Symptomen, die auf eine Schleimbeutelentzündung hindeuten, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche Folgeschäden am Gelenk zu vermeiden.

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Weitere Informationen zum Thema Kniegelenk

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.08.2016
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